„Unser Mädchen“ – Wie schütze ich die Privatsphäre meines Kindes im Internet?

Kathrin Familie 32 Kommentare

Während die Namenssuche für unseren Buben im vollen Gange ist, verlor unser Mädchen ihren. Denn vor kurzem entschied ich mich, den Vornamen unserer Tochter aus allen bereits veröffentlichten Artikeln zu löschen und durch „unser Mädchen/ unsere Tochter“ zu ersetzen. Außerdem gibt es seitdem keine neuen Gesichtsaufnahmen mehr von ihr.

Entscheidungen bei der Geburt des Blogs

Als nestling.org vor knapp zwei Jahren online ging, dachten wir sehr intensiv über das Thema „Fotos von Kindern im Internet“ nach. Wir grübelten, befragten unser Umfeld (Was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn Name und Gesicht unseres Mädchens auf meiner Webseite erscheinen?) und entschieden uns letztendlich Bilder zu veröffentlichen, weil wir glaubten die Kontrolle darüber zu haben und weil wir uns keine wirklich schlimmen Konsequenzen vorstellen konnten.

Begriffe wie „Kindesentführung“ oder „Cybermobbing“ schossen mir zwar durch den Kopf, aber ich war schließlich kein Promi und schrieb „nur“ über unseren bindungsorientierten Erziehungsweg und nicht regelmäßig und detailliert über unseren Tagesablauf und unser Leben. Deshalb sah ich kein Problem darin, unser Mädchen namentlich zu erwähnen und Fotos zu veröffentlichen.

Im Notfall: Inhalte des Blogs sperren

Zudem gibt es eine Maßnahme für private Webseiten, die mir Sicherheit verlieh: Es ist möglich verschiedene Artikel oder den gesamten Blog auf „Privat“ zu stellen. Dann sind mit einem Schlag die entsprechenden Inhalte für die Öffentlichkeit gesperrt und alles was Benutzer von dem Blog sehen, ist eine Anmeldemaske und der kurze Hinweis, dass das Blog auf „Privat“ gestellt worden ist. Und so schob ich das Thema vorerst beiseite.

Warnungen, Hinweise und eine bedenkliche Entdeckung

Im Laufe der Zeit stolperte ich dann regelmäßig über Artikel und Beiträge, die vor der Veröffentlichung von Namen und Kinderfotos im Netz warnten. Ich las beispielsweise immer wieder, dass Bilder, die einmal im Internet sind, dort für immer bleiben. Sie können beliebig kopiert, verändert und gespeichert werden. Da nützt es auch nichts, wenn ich sie irgendwann lösche.

Da es zuhauf Bilder von schlafenden oder essenden Babys im Internet ohne inhaltlichen Bezug zu bestimmten Kindern gibt, fand ich die Veröffentlichung von Fotos an sich nicht schlimm. Was mich allerdings aufschrecken ließ, war das Ergebnis der Google Bildersuche vor einigen Wochen, als ich den Namen unseres Mädchens eingab. Hier ein Bildschirmfoto vom 22.07.2014:

Bildschirmfoto-2014-07-22-um-22.48

Nestling.org erreichte in den letzten zwei Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad und ein gutes Google Ranking. Dass ich mit sehr vielen, verschiedenen Schlagwörtern bei Google auf Seite eins erscheine, ist wünschenswert und freut mich natürlich sehr. Die Freude verging mir allerdings, als die ich die unzähligen Fotos unseres Mädchens bei Google erblickte, ohne dass ich diese je speziell mit ihrem Namen markiert hatte. Schlaue Suchmaschine!

Kleiner (notwendiger) Schock

Das Google Ergebnis beunruhigte mich. Ich hatte einerseits nicht damit gerechnet, dass nestling.org sich so gut entwickelt. Andererseits nicht erwartet, dass sich so leicht so viele Informationen über unser Mädchen finden lassen. Dass Google von sich aus Zusammenhänge erkennt und präsentiert. Nach wie vor finde ich die veröffentlichten Inhalte weder peinlich noch bedenklich, aber wird unsere Tochter das in ein paar Jahren genau so sehen? Arbeite ich vielleicht gerade daran, dass sie eines Tages zum Cybermobbingopfer ihrer Klassenkameraden wird? Oder liefere ich gar Stalkern eine leichte Beute?

Aufräumaktion

Es war höchste Eisenbahn etwas zu unternehmen. Klar, wäre es klug und weniger arbeitsintensiv gewesen, von Beginn an ein Synonym für unser Mädchen zu verwenden und sparsamer mit Bildern von ihr umzugehen. Diese Lektion habe ich definitiv gelernt. Stattdessen setzte ich mich stundenlang an den Rechner und beseitigte Spuren von unserem Mädchen im Netz. Glücklicherweise erfolgreich. Hier ein Bildschirmfoto (gleiche Google Zeilen wie oben) vom 08. 08. 2014:

Bildschirmfoto-2014-08-08-um-23.33

Schlussgedanke

Meine Aufräumarbeiten sind noch nicht abgeschlossen, aber ich bin glücklich und erleichtert, dass Google so schnell auf meine Änderungen reagierte. Ich hoffe, dass ich das Ruder noch rechtzeitig herumreißen kann…

Glücklich bin ich auch darüber, dass sich auf meiner Seite fast ausschließlich nette Leser mit höflichem Umgangston und nur äußerst selten sogenannte Trolle (also „Stunkmacher“) aufhalten. Dieses respektvolle Miteinander vermittelt mir ebenfalls ein gutes Gefühl, denn andere Blog-Autoren müssen gelegentlich heftige Beschimpfungen und Anfeindungen einstecken.

Inhaltlich wird es hier dementsprechend weitergehen wie bisher –  die Art der Artikel und mein Stil bleiben gleich. Ich bin nun lediglich vorsichtiger, was die Veröffentlichung von Daten und Bildern unsere Kinder anbelangt. Das hat auch zur Folge, dass ich den Namen von Nestling Nr. 2 nicht öffentlich bekannt geben werde. Wer neugierig ist, darf aber nach der Geburt gerne in einer persönlichen Nachricht nachfragen :)

Weiterführende Links

Ein Beitrag von GGR Rechtsanwälte / Rechtsanwalt Karsten Gulden, LL.M. und Frau Felk, juristische Mitarbeiterin:
Kinderfotos auf Facebook – Kinderrechte per Mausklick verletzen

Über das Recht am eigenen Bild:
Die Persönlichkeitsrechte von Kindern gehören nicht allein den Eltern

Tipps speziell für Blogger :
Wie viel Offenheit muss sein? Blogger und ihre Privatsphäre

Hier noch eine Facebook-Seite, die regelmäßig über dieses Thema aufklärt:
Keine Kinderfotos im Social Web

Mit dazu gehörigem Artikel:
Keine Kinderfotos im Social Web

 

 

 

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