Im Test: Walkoverall von Disana und hessnatur

Kathrin Erfahrungen 18 Kommentare

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Wie ein Schaf der Masse hinterher trottend bin ich auch bei Kleiderfragen dem Mainstream gefolgt: Die Winterbekleidung unseres Mädchens im letzten Jahr bestand hauptsächlich aus Synthetikfasern. Ihre Fleece- und Schneeanzüge waren aus 100% Polyester, genau wie ihre Mützen, Schühchen und gefütterten Hosen. Ich habe mir nichts dabei gedacht, die Zusammensetzung des Materials nicht hinterfragt, sondern völlig ahnungslos einfach gekauft, was ich putzig fand und bezahlbar erschien.

Mit gutem Beispiel voran

Nina, eine gute Freundin, hüllt ihre Tochter immer in Wolle. Mittlerweile finde ich Wollkleidung recht knuffig, aber vor allem am Anfang musste ich mich an den Anblick erst gewöhnen. Die Sachen sind definitiv anders. Irgendwie Öko. Je öfter ich die kleine Eva allerdings in ihrer „Naturkluft“ sah und je mehr mir Nina deren Vorzüge schmackhaft machte, desto intensiver zweifelte ich meinen winterlichen Synthetikkonsum an. Gehirnwäsche im Wollwaschgang…

Eine Frage des Preises

Wintersachen aus hochwertiger Schurwolle sind um ein vielfaches teurer als handelsübliche Kleidung aus Baumwolle oder synthetischen Fasern (oft Polyester Gemische). Obwohl ich mir optisch eine komplette Wollgarderobe für unser Mädchen vorstellen kann, schrecken mich die Preise, ehrlich gesagt, ganz schön ab. Die Kleinen wachsen extrem schnell aus den Sachen raus und unser Mädchen hat sich oft beim Essen oder beim Krabbeln über den Bürgersteig so richtig eingesaut. Da ich viele Kleidungsstücke für ein Apfel und ein Ei auf Trödelmärkten (zum Abwetzen) erworben habe, trauere ich verschmutzten oder zerschlissenen Sachen nicht hinterher. Bei preisintensiver Schurwollbekleidung kann ich jedoch nicht mehr gelassen zusehen, wenn Essen darauf verteilt wird oder unser Mädchen sich darin durchs dichteste Dickicht schlägt… Sie soll sich ja schmutzig machen dürfen, schließlich ist sie noch ein Kind.

Nina bevorzugt wenige, aber dafür hochwertige Kleidungsstücke. Eva, ihre Tochter, ist aber auch sehr zurückhaltend – sowohl beim Essen, als auch beim Spielen, so dass sie nicht zwei mal am Tag umgezogen werden muss. Ninas Taktik finde ich zwar gut, ich weiß allerdings nicht, ob sie sich mit dem Bewegungs- und Entdeckerdrang unserer Tochter vereinbaren lässt.

Nachtrag September 2015:
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass die Wollwalksachen jeden Cent wert sind. Das Mädchen saute sich in ihrem Overall mehrmals so richtig ein, aber er war unkaputtbar (der Bub wird ihn noch tragen) und immer sehr leicht zu reinigen – der Schmutz lässt sich im trockenen Zustand einfach abklopfen.

Warum Schurwolle?

Diesen Winter möchte ich keinen dicken Schneeanzug, in dem unser Mädchen aussieht wie ein Michelinmännchen und sich nur auf der Seite liegend rollen kann. Ich bin auf der Suche nach einem Overall, der bequem sitzt, Bewegungsfreiheit bietet und gut gegen Nässe und Kälte schützt. Schurwolle scheint ein Material zu sein, das genau diesen (meinen) Erwartungen entspricht, deshalb wird es nun getestet.

Schurwolle ist Wolle, die vom lebenden Tier gewonnen und nicht von alten Textilien recycelt wird. Es gibt qualitative Unterschiede bei den Schurwollstoffen, das Merinoschaf liefert allerdings unbestritten die beste Schurwolle.

Schurwolle besitzt viele gute Eigenschaften:

  • Der natürliche Lanolingehalt wirkt wasser- und schmutzabweisend (nahezu selbstreinigend).
  • Sie kann bis zu einem Drittel des eigenen Gewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen.
  • Sie hält schön warm, wenn es kalt ist und verhindert schwitzen bei Wärme.
  • Sie ist atmungsaktiv
  • Sie fühlt sich weich an und ist elastisch.
  • Sie hat ein geringes Eigengewicht.

Wollfleece oder gewalkte Wolle?

Bei meiner Suche stieß ich auf  Overalls aus Wollfleece und Wollwalk. Nun, was ist besser? Bei gewalkter Wolle handelt es sich um Wolle, die versponnen, verstrickt und durch ein spezielles Waschverfahren um 1/3 seiner ursprünglichen Größe geschrumpft wird. „Dadurch entsteht ein Gewebe, das die natürlichen Eigenschaften der Schurwolle beibehalten hat, jedoch dichter und strapazierfähiger ist als das ursprüngliche Gestrick.“ Selbst bei Regen oder Schnee sei Walk ein ausgezeichneter Wetterschutz. Genau das wonach ich suche! Im Gegensatz dazu scheint Wollfleece zwar kuscheliger zu sein (Wollfleece ist aufgeraute Wollfrottee-Maschenware), aber nicht so robust und wetterfest wie Wollwalk (siehe auch „Das Besondere an Fleece-Mode aus Baumwolle oder Wolle„).

Welche Marke?

Ein Walkoverall aus Merinoschurwolle soll also her. Doch welcher ist der beste, bzw. welche Marke sollte ich kaufen? Ich schaute mich bei Ebay um und stellte mit Erstaunen fest, dass gebrauchte Walkoveralls aller möglichen Namen (Reläx, Engel Naturtextilien, Disana, hessnatur) für circa 50 Euro (excl. Versandkosten!) den Besitzer wechselten. Dass der Wiederverkaufswert von Second Hand Walkoveralls so hoch ist, spricht für deren gute Qualität und Langlebigkeit. Da ein neuer Overall zwischen 60–80 Euro kostet, entschied ich mich für einen neuen.

Ich wollte einen Overall mit Saumabschlüssen an Händen und Füßen, die sich umklappen lassen. Das spart Handschuhe und sollte ich unser Mädchen im Tuch tragen, bleiben ihre Füße schön warm. Die Anzüge von Reläx haben leider nur Bündchen und die Overalls von Engel, Disana und hessnatur sahen im Internet für meine Augen fast identisch aus. Ich entschied mich für Disana (weil Nina diese Marke bereits getestet und als gut befunden hat) und hessnatur, weil diese Marke fast 20 Euro günstiger ist.

Disana und hessnatur – welche Größe?

Ich hatte zwar eine Maßtabelle gefunden, um die richtige Größe für den Disana Overall zu ermitteln, schwankte allerdings stark zwischen 74/80 und 86/92:

Ich habe kurzerhand drei Overalls bestellt:

  • Disana Walkoverall in rot (Größe 74/ 80) für €79,90
  • Hessnatur Walkoverall in rot (Größe 74/ 80) für €62,91
  • Hessnatur Walkoverall in blau (Größe 86/ 92) für €62,91

Meine Vermutung, dass unser Mädchen die Größe 80/86 (die es ja gar nicht gibt) benötigt, hat sich bei der Anprobe bestätigt. Die kleine Größe passt exakt, allerdings kann ich ihre Füßchen nicht mehr in die umstülpbaren Fußenden packen. Die 86/92 fällt allerdings so riesig aus, dass sie völlig verloren darin wirkt. Ich habe mich entschieden beide Größen zu behalten –  die 74/80 von Disana und die 86/ 92 von Hess Natur, so dass ich am Ende des Winters ein Fazit zur Haltbarkeit der beiden Overalls abgeben kann.

Disana und hessnatur – die Unterschiede?

Die Overalls beider Marken bestehen aus 100%Merinoschurwolle. Beide Overalls sind elastisch, fassen sich weich und sehr angenehm an. Sie sind figurbetont geschnitten und sehen wirklich hübsch aus angezogen. Unser Mädchen kann sich prima in den Overalls bewegen – für’s Erste bin ich begeistert.

Disana und hessnatur stecken übrigens unter einer (Woll-)decke: die Overalls von hessnatur werden von Disana produziert. Die Overalls beider Marken sind dementsprechend identisch in Größe, Form, Design, Stoffqualität und Verarbeitung – als Laie fällt es mir schwer Qualitätsunterschiede heraus zu finden.

Was das Aussehen anbelangt, unterscheiden sich die Rottöne ein wenig. Das Rot des Disana Overalls ist ein bisschen leuchtender/ satter. Von dieser Feinheit abgesehen gibt es zwei offensichtliche Unterschiede. Zum einen die Knöpfe: bei Disana sind es eingefärbte Steinnussknöpfe und bei hessnatur gibt es Holzknöpfe mit Schafsmotiv drauf, was ich persönlich besser finde (Produktvideo: Die Wollwalk-Kollektion von hessnatur baby). Zum anderen wurde die Kapuze des Disana Overalls mit Baumwolle gefüttert, so dass sie noch ein bisschen winddichter ist und auch von wollempfindlichen Kindern getragen werden kann. Das ist wiederum ein Pluspunkt für Disana.

Walkoverall Wettertest

Unser Mädchen im Disana Walkoverall Gr.74/ 80.

Unser Mädchen im Disana Walkoverall Gr.74/ 80.

Bevor die Wolloveralls geliefert wurden, packte ich unser Mädchen aufgrund der sinkenden Temperaturen in mehrere Schichten Polyester Fleece – die oberste Schicht war eine wasserdichte Jacke. Ihre Händchen waren eiskalt und ich fragte mich, was ich ihr wohl bei ernsthafter Kälte anziehen soll.

In den letzten Tagen hatten wir zum Teil nur 6 Grad Celcius und sie trug unter dem Wolloverall lediglich eine dicke Strumpfhose und 2 dünne (Langarm-) Baumwollshirts. Ihre Hände waren schön warm und sie schien nicht zu frieren. Der Overall bietet noch genügend Platz, um einen dicken Pulli drunter zu ziehen oder zwei Paar Strumpfhosen. Ich bin gespannt, ob er auch bei Minusgraden wärmt – noch bin ich misstrauisch bei dem dünnen Stoff.

Auf dem Spielplatz habe ich ihr einfach eine Matschhose über den Wolloverall gezogen, das klappte wunderbar, weil er so schön schmal geschnitten ist. So konnte sie sich auf die klatschnasse Wiese setzen, ohne dass der Po nass bzw. schlammig wurde.

Fazit

Ich glaube, es ist egal für welche Marke man sich entscheidet. Die Walkanzüge aus 100% Merinoschurwolle scheinen alle – von kleinen Details abgesehen – identisch zu sein.

Bislang bin ich mit unseren Overalls sehr zufrieden. Die Anzüge sitzen gut, sehen sehr hübsch aus, scheinen zu wärmen und wenn wir shoppen gehen, schwitzt unser Mädchen sich nicht gleich kaputt in den beheizten Läden.

Ob sie bei klirrender Kälte ausreichend Wärme spenden und wie der Stoff nach wochenlangem Tragen aussieht, werde ich leider erst am Ende des Winters wissen. Doch schon jetzt (für die momentanen Temperaturen) hat sich der Kauf gelohnt und ich werde mich nun nach einem Pulli aus Schurwolle für unser Mädchen umschauen.

Bei Amazon findet ihr übrigens auch
Disana Walkoveralls verschiedenen Farben und Größen*

 

 

 

 

 

 

Wer wissen möchte wie wir den Winter mit dem Walkoverall verbrachten, ob der Walkoverall warm genug ist und gegen Nässe schütz, sollte sich diesen Folgeartikel anschauen:
Erfahrungsbericht: Walkoverall Disana/ hessnatur 

Nachtrag Oktober 2016:
Nestling Nr. 2 (fast 2 Jahre, 12 Kg und Größe 86) habe ich dieses Jahr zur Abwechslung in einen Walkoverall von Internaht (siehe Foto unten) gesteckt. Wer mehr über dieses Schmuckstück erfahren möchte, sollte sich diesen Artikel durchlesen.

walkoverall-internaht

Hinweis
Dieser Artikel ist übrigens kein Produktsponsoring – die in diesem Bericht vorgestellten Overalls habe ich selbst gekauft.
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