Warum weint mein Baby? Und wie kann ich ihm helfen?

Kathrin Erfahrungen, Familienleben 22 Kommentare

Weint unser Baby, verspüren wir den starken Impuls, ihm sofort helfen zu wollen. Zum Glück, denn Säuglinge sind darauf angewiesen, dass ihr Gegenüber ihr Schreien Ernst nimmt, ihr aktuelles Bedürfnis erkennt und dieses hoffentlich auch erfüllt.

Unser Bub (10 Wochen) zeigt seine Bedürfnisse selbstverständlich auch lautstark an, aber mir gelingt es nicht immer zu verstehen, wo genau ihn der Babystrumpf drückt. Manchmal beruhigt er sich auch dann nicht, wenn er gesättigt, trocken und liebevoll umsorgt ist.

Bei unserem Mädchen bemühte ich mich in solchen Situationen, ihr Weinen schnellstmöglich „weg zu trösten“. Es mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterdrücken. Ein sinnloses Unterfangen wie ich merkte. Sie weinte trotzdem, manchmal sogar stundenlang.

Irgendwann wurde mir klar, dass die Kleinen sehr viel mehr plagt, als Hunger oder eine volle Windel und dass unsere Aufgabe als Eltern nicht hauptsächlich darin besteht, die exakte Ursache für ihr Weinen zu ermitteln, sondern für sie da zu sein. Ihnen beizustehen, wenn es ihnen nicht gut geht, egal warum.

Deshalb zeige ich in diesem Artikel nicht nur warum Babys weinen, sondern auch wie ihr eurem weinenden Kind am besten helfen könnt.

Warum schreit mein Baby?

Einfach gesprochen, damit jemand herbei eilt und etwas an seiner Situation ändert. Ein schreiendes Baby fühlt sich unwohl und benötigt unverzüglich Hilfe.

Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Neugeborenes rund zehn Monate lang pausenlos mit allem versorgt wurde, was es für sein Wachstum und sein Wohlbefinden benötigte. Hunger, Kälte, laute Geräusche, grelle Lichter – all die Unannehmlichkeiten, die das kleine Menschlein nach der Geburt erwarten – waren ihm bislang fremd. Es ist gewöhnt rund um die Uhr gewärmt, getragen und versorgt zu werden. Nach der Ankunft in unserer Welt geschieht das nicht weiterhin automatisch und deshalb muss es sich bemerkbar machen.

Schreien ist für Babys nicht nur ausgesprochen anstrengend, es verbraucht auch wertvolle Kalorien, die sie eigentlich dringend zum Wachstum brauchen. Deshalb schreien Babys nie einfach so, sondern immer erst, wenn andere Signale nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben.“[1]

leise-Signale

Babys zeigen uns vom ersten Tag an wortlos, was sie brauchen und was ihnen missfällt. Sie schmatzen und stecken die Fingerchen in den Mund, wenn sie hungrig sind; ist genug Milch im Bauch, drehen sie das Köpfchen weg. Übersehen wir solche leisen Mitteilungsversuche, folgt Alarmstufe rot.

Denn wenn Babys schreien, dann richtig. „Sie bringen es auf eine Schallstärke von 82 Dezibel – knapp unter dem Schalldruck eines Presslufthammers“, damit sie sicher gehen können, dass dieses Signal ankommt, egal wie weit wir von ihnen entfernt sind.[2]

Mögliche Gründe

„Und dann? Dann wird es kniffelig. Was genau steckt hinter dem Schreien? Ja richtig. Irgendwas aus der langen Liste aus den Ratgebern: Babys schreien aus Schreck, wegen Hunger, weil sie pupsen oder aufstoßen müssen, weil sie sich wehgetan haben, weil es ihnen zu laut ist oder zu ruhig, zu hell oder zu dunkel, zu kalt oder zu warm, weil sie müde sind oder gelangweilt, weil sie Angst haben oder sich alleine fühlen. Und sie schreien, wenn sie krank sind oder sich einfach von zu vielen Reizen überfordert fühlen.“[3] Puh!

Einige Ursachen sind aus dem Kontext heraus deutlich zu erfassen. Liegt die letzte Mahlzeit bereits länger zurück, braucht der Bub etwas zu essen. Hat er sich den Kopf gestoßen, benötigt er Trost. Und ist er bereits sehr lange wach, will er wahrscheinlich schlafen. Das ist mehr als offensichtlich.

Manchmal habe ich jedoch keine Ahnung, warum der Knabe weint und das obwohl ich mich beim zweiten Kind zu den erfahreneren Müttern zähle. Es gibt Zeiten – bevorzugt in den späten Nachmittags- und Abendstunden, in denen er scheinbar ohne Grund weint und weder an der Brust noch in unseren Armen zur Ruhe kommt.

Unspezifisches Schreien

Und damit fallen wir mitten in ein für Babys typisches Raster. In den ersten Monaten schreien Kinder (meist gegen Abend) häufig, ohne dass es den Eltern gelingt, eine Ursache dafür zu finden. Dieses Weinen ohne Grund – das sogenannte unspezifische Schreien – „nimmt rund um die Erde in den ersten drei Monaten einen charakteristischen Verlauf:

„Nach der Geburt schreien alle Kinder von Woche zu Woche mehr. Mit etwa 4-6 Wochen weinen die Säuglinge am meisten. In den folgenden Wochen werden die Schreiperioden wieder kürzer und im Alter von 3 Monaten schreien die meisten Kinder kaum noch.“[4] Nur sehr wenige sind bis zu einem Alter von 6 bis 12 Monaten weiterhin unruhig.

Remo_Largo

Schreidauer nach Remo Largo aus dem Buch „Baby Jahre“

Das unspezifische Schreien betrifft übrigens alle Kinder, egal wie sich die Eltern verhalten.[5] Jedes Baby schreit, wie viel ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und hängt auch vom Temperament ab.

Allerdings scheint dieses Schreien bei engem Körperkontakt weniger ausgeprägt zu sein[6] und auch das Stillen in sehr häufigen, kurzen Abständen zu dieser Tageszeit reduziert scheinbar das abendliche Weinen.[7] Das bringt mich direkt zur nächsten Frage:

Wie helfe ich meinem weinenden Baby?

Babys weinen nicht aus Spaß oder weil sie uns an der Nase herumführen wollen. Weinen ist ein Notsignal, deshalb ist die wichtigste Regel immer auf das Weinen eines Babys zu reagieren!

1. Erkennbare Ursachen beseitigen

Zunächst ist es wichtig, zu schauen, ob dem Baby etwas fehlt. Liegt ein dringendes körperliches Bedürfnis vor? Ist dem Baby unwohl? Oder plagen es gar Schmerzen?

„Der Schmerzensschrei ist schrill und durchdringend, umso mehr, je größer der Schmerz ist. Der Schrei dauert so lange, bis die ganze Atemluft verbraucht ist. Deshalb folgt auf jeden langen Schrei ein rascher, tiefer Atemzug, während dessen eine kurze, beunruhigende Stille herrscht.“[8]

Weint das Baby immer wieder (auch über den Tag verteilt), ist es ratsam, einen Kinderarzt und einen Osteopathen aufzusuchen, um körperliche Ursachen, wie Reflux oder Blockaden auszuschließen.

2. Körperkontakt & Tragen

Es ist kein Zufall, dass die meisten Babys aufhören zu weinen, wenn wir sie hochnehmen. Körperliche Nähe trägt im Wesentlichen zum Wohlbefinden eines Kindes bei. Sie wirkt tröstend und beruhigend.

Warum? Weil der Mensch von Natur aus ein Tragling ist. Er kommt nicht fertig auf die Welt, im Gegenteil: er ist eine „physiologische Frühgeburt“ – absolut unselbstständig und hilflos – und benötigt deswegen den vollen Schutz durch engen Körperkontakt. Nur ein Baby, das sich – wann immer es möchte – an eine warme, vertraute Person kuscheln darf, fühlt sich sicher und geborgen.

Tragen

Urheber: anieto2k (Quelle: https://www.flickr.com)

Noch besser als Körperkontakt ist bewegter Körperkontakt. Ich kann noch so intensiv mit dem Bub kuscheln, will er schlafen, muss ich dabei laufen und auch das hat seinen guten Grund. Denn das Wiegen, Schuckeln oder Herumgehen stimuliert das Gleichgewichts- und Bewegungsorgan (vestibuläre Stimulierung), was sich sehr beruhigend auf das Kind auswirkt.[9]

„Verschiedene Studien zeigen, dass ein vermehrtes Herumtragen, mindestens 3 Stunden am Tag, zu einer Verminderung des täglichen Schreiens führt. Entscheidend dabei ist, dass der Säugling nicht erst herumgetragen wird, wenn er weint, sondern dass das Herumtragen über den Tag verteilt erfolgt.“[10] 

3. Stillen nach Bedarf (Non-Nutritives Saugen)

Bei unserem Mädchen führte ich ein Stilltagebuch, um zu sehen wie oft sie tags und nachts trinkt. Ich hielt 8-12 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden für normal, nicht aber das Einschlafen oder „Trosttrinken“ an der Brust.

Stillbuch

Ein Blick in das Stilltagebuch unseres Mädchens

Der Bub darf sich nach Herzenslust bedienen, ohne dass ich es quittiere und das ist gut so, denn sein Büchlein wäre schon längst voll. Phasenweise liebt er ausgedehntes Stillen und dass dieses nicht nur etwas mit Hunger zu tun hat, merke ich an seinem Protest, wenn ein erneuter Milchschwall in seine Schnute schießt, obwohl er eigentlich nur in Ruhe nuckeln möchte.

Unruhe, Quengeln und ständiges Saugen an der Brust bedeutet längst nicht immer Hunger. Es weist auch nicht zwangsläufig darauf hin, dass eine Mutter zu wenig Milch hat, was aber viele Frauen bei diesem (Trink-)Verhalten glauben. Falls dem so ist (beispielsweise bei erhöhtem Energiebedarf während eines Wachstumsschubes), regt der Säugling genau damit die Milchproduktion an. Der weibliche Körper erhält das Signal „Ich brauche mehr!“ und reagiert innerhalb kurzer Zeit mit entsprechender Milchmenge. Allerdings nur wenn die „Bestellung“ des Babys nicht durch das Zufüttern von künstlicher Säuglingsnahrung oder einem Schnuller-Dauereinsatz verfälscht wird.

Doch selbst wenn ein Baby pappsatt ist, kann es das Bedürfnis verspüren (teils stundenlang) weiter zu nuckeln. Dieses „non nutritive“ Saugen ist ebenfalls von Bedeutung für ein Baby. „Denn Stillen ist weit mehr als Ernährung: Das Saugen an der Brust und die Muttermilch stillen den Durst, lindern Schmerzen, verbessern das Wohlbefinden, senken den Blutdruck, intensivieren die Atmung, regulieren die Körpertemperatur und erleichtern das Einschlafen. […] Das Stillen ist zudem eine wunderbare Möglichkeit, innere Spannungen abzubauen“ (siehe „Stillen nach Bedarf“).

„Viele Leute denken, dass das Baby nicht „schon wieder“ das Bedürfnis zum Saugen haben sollte und sie wundern sich, wie es schon wieder hungrig sein kann. Es ist möglich, dass es in diesem Fall nach der Brust verlangt, weil es friert, weil es sich alleine oder aufgeregt/ schläfrig/kränklich fühlt. All diese Bedürfnisse sind gleich berechtigt“ (siehe „Das nicht ernährungsbedingte Saugen“).

„Das „gehäufte Trinken“ (oder auch „Cluster-Feeding“) ist typisch für den zweiten und dritten Lebensmonat. Es kann sich durchaus über ein paar Stunden hinziehen und bringt normalerweise Ruhe in die eher unruhigen Abende.“

Stillberaterin Vivian Weigert bemerkt außerdem:
„Falls Sie nicht stillen, dürfen Sie das Baby Pre-Nahrung trinken lassen, so viel es möchte. Wir haben jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass Babys tatsächlich schneller einen besseren Nachtschlaf entwickeln, wenn Mütter das gehäufte Trinken am Abend fördern.“[11] Vorausgesetzt natürlich, das Kind verlangt danach und wird nicht gegen seinen Willen abgefüllt.

4. Ruhe bewahren und „ausweinen“ lassen

Obwohl der kleine Bub ein Dauerquartier auf mir und Thomas eingerichtet hat und ich ihn wann immer nötig bzw. möglich stille, hielten wir in den letzten Wochen regelmäßig ein untröstliches Baby im Arm. Manchmal tagsüber, aber immer abends. Er verschmähte die Brust und wehrte sich mit Händchen und Beinchen gegen das Getragenwerden. Legte ich ihn ab, brüllte er noch heftiger. Doch auch wenn ich ihn wieder hoch nahm, schrie er bis er rot anlief und ihm die Luft wegblieb.

Bei unserem Mädchen spulte ich in solchen Situationen nervös und hektisch ein wildes Trostrepertoire ab. Ich stillte sie, wippte mit ihr im Arm auf dem Pezziball, lief in straffen Schritten durch die Wohnung, hielt sie aufrecht, hielt sie waagerecht, stillte noch mal, ich sang oder gab „Shshsh“ Geräusche von mir, aber nichts half. Sie schrie weiterhin wie am Spieß und erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich mit all meinen planlosen Bemühungen noch mehr Unruhe in die Situation hineinbrachte.

Ich wollte nichts mehr, als dass sie endlich zur Ruhe kommt, denn ich ertrug es kaum sie so zu erleben. Außerdem zweifelte ich in diesen Situationen an mir: Warum bin ich nicht in der Lage mein Kind zu trösten? Wie kann ich ihr bloß helfen? Mache ich etwas falsch? Ich gebe ihr doch alles, warum hört sie nicht auf mit dem Geschrei?

Erst viel später begriff ich, dass Weinen an sich nichts Schlimmes ist und nicht um jeden Preis unterdrückt werden sollte. Julia Dibbern betont: „Manche Babys müssen einfach ab und zu weinen und wollen nicht beruhigt werden. Es ist wichtig, dass sie ihrem Kummer/ ihrem Schmerz Ausdruck verleihen dürfen. Dass sie sich ausweinen dürfen.“[12] Das gilt im übrigen für alle Menschen, ob klein, mittel oder groß…

Ausweinen lassen bedeutet allerdings nicht, das Menschlein alleine zu lassen. „Ein Baby, das Kummer hat, braucht immer Trost! Durch Stress wird ein Hormon namens Cortisol ausgeschüttet. Zuviel Cortisol ist in vielerlei Hinsicht schlecht für ein Kind in der Entwicklung – es beeinträchtig das Immunsystem und schädigt die zukünftige Fähigkeit des Kindes, mit Stress umzugehen. Babys können sich nicht selbst besänftigen und ihr eigenes Cortisol abbauen. Sie brauchen einen tröstenden Erwachsenen, der das für sie tut und ihnen hilft, ihr emotionales Gleichgewicht wieder herzustellen.“[13] 

Die Erkenntnis, dass das „Ausweinen“ gut und wichtig ist, hilft Thomas und mir heute, wesentlich gelassener mit unserem weinenden Buben umzugehen, was nicht bedeutet, dass uns sein Schreien kalt lässt. Ganz und gar nicht. Aber sind seine Grundbedürfnisse erfüllt und er weint immer noch, dann hören wir uns an, was er zu sagen hat. Entweder nehme ich ihn dann auf den Arm und laufe langsam mit ihm durch die Wohnung, während ich ihm zuflüstere, dass ich da bin, ihn höre und er mir alles erzählen darf. Oder Thomas packt ihn ins Tragetuch und geht mit ihm auf ähnlich ruhige Weise an die frische Luft.

Meist beruhigt sich der Bub so nach etwa 10 Minuten und schläft anschließend auf uns ein. Nur selten dauert es länger.

Schreien lassen?

Nur um sicher zu gehen, dass kein Missverständnis entsteht, möchte ich hier kurz den Unterschied zwischen „Ausweinen“ und „kontrolliertem Schreienlassen“ erläutern.

Letzteres ist eine Erziehungsmethode, die angewendet wird, um Babys das selbstständige Ein- und Durchschlafen beizubringen. Die sogenannte „Ferbermethode“ sieht vor, das Kind wach in sein Bett zu legen und sein Zimmer für einen bestimmten Zeitintervall (welcher schrittweise verlängert wird) zu verlassen. Die meisten Kinder reagieren darauf mit heftigem Protest, doch sofortiges Trösten wird untersagt. Dass ich kein Fan von dieser Methode bin, schrieb ich bereits in aller Ausführlichkeit in diesem Artikel: Schlaflernprogramme – Ein Blick hinter die Schreikulisse

Beim „Ausweinen“ geht es vielmehr darum, nicht auf Biegen und Brechen nach einem Gegenmittel zu suchen, sondern dem Kind zu gestatten, sich mitzuteilen. Jederzeit. Dabei darf es natürlich getragen und gehalten werden – in keinem Fall sollte es alleine gelassen zurück bleiben.

„Es macht einen enormen Unterschied aus, ob ein Baby trotz andauernder Zuwendung aufgrund unerklärlicher Ursachen viel schreit, oder ob es aus erzieherischen Gründen zwischendurch alleine oder schreien gelassen wird. Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Schreidauer von Babys, die unverzüglich getröstet wurden, zunehmend reduziert hat. Umgekehrt sind feste Zeitpläne mit vermehrtem Schreien verbunden“ (siehe „Zuwendung nach Bedarf“).

Von Schreibabys und 3 Monats-Koliken

Nach meinem Plädoyer fürs Baby-Kuschelprogramm, könnten Thomas und ich uns nun auf die Schulter klopfen für unseren „Still- und Trageeinsatz“ und das verhältnismäßig ruhige Verhalten unseres Buben darauf zurückführen. Ein gestilltes, bekuscheltes und getragenes Baby = ein zufriedenes Baby! Aber nein, so einfach ist das leider nicht.

Rund 10-20% der Säuglinge sind Schreibabys, d.h. sie schreien ausdauernder als andere (mehr als drei Stunden am Tag, an mehr als drei Tagen in der Woche und mehr als drei Wochen) und zwar ohne dass ihnen irgendjemand helfen kann.

weinen

Lange Zeit wurde angenommen, dass die Ursache mögliche körperliche Probleme seien, wie z.B. Blähungen oder Verdauungsstörungen – daher kommt die Bezeichnung „3-Monats-Koliken“. Allerdings zeigten Untersuchungen, dass Babys mit “Koliken” selten Probleme mit ihrer Verdauung haben und gewöhnlich völlig gesund sind.[14]

Schreibabys geben der Forschung große Rätsel auf, denn zu den möglichen Ursachen gibt es nur Spekulationen, keine stichhaltigen Beweise. „Niemand scheint etwas falsch zu machen – nicht einmal die Mutter!“ bemerkt Renz-Polster ironisch.[15]

An dieser Stelle möchte ich Eltern solch untröstlicher Babys lediglich ermutigen, nicht an ihren Fähigkeiten zu zweifeln und sich Hilfe zu holen, bevor die Kraft ausgeht. Damit meine ich nicht nur Unterstützung für Haushalt & Baby, sondern auch Hilfsangebote von Schreiambulanzen und Beratungsstellen.

Adressen von Beratungsstellen sowie weitere Infos zu Schreibabys findet ihr unter:
www.trostreich.de
www.schreibaby.de

Schlussgedanke

Hebamme Silvia Skolik sagt treffend: „Es gibt so viele Gründe für ein Baby zu schreien, wie es Babys gibt. Jedes Baby ist einmalig und will in seiner Besonderheit betrachtet und geachtet werden.“

Dem gegenüber stehen die scheinbar endlosen Möglichkeiten sein Baby zu beruhigen. Jedes Elternpaar muss somit seine individuellen (teils sicherlich sehr kreativen) Lösungen finden.

Das A und O dabei ist, sich nicht verrückt zu machen bzw. sich nicht verrückt machen zu lassen. Jedes Baby weint; jedes Baby darf weinen und ein weinendes Baby ist kein Zeugnis schlechter Eltern!

Weinen ist vielmehr ein Ausdruck der eigenen Befindlichkeit und Gefühle. Für uns Eltern manchmal schwer auszuhalten, vor allem, wenn wir unseren Kindern trotz aller Bemühungen scheinbar nicht helfen können. Doch ihnen ist immer dann geholfen, wenn wir für sie da sind, sie auffangen und ihnen das Gefühl vermitteln, sich ihren Kummer von der Seele reden bzw. weinen zu dürfen.

Eure Kathrin

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Imlau, Nora: Das Geheimnis zufriedener Babys (2014) 131.
  2. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 151.
  3. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 151.
  4. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 254.
  5. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 261.
  6. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 257.
  7. Weigert, Vivian: Babys erstes Jahr (2011), 26. 
  8. Weigert, Vivian: Babys erstes Jahr (2011), 25. 
  9. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 263.
  10. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 258.
  11. Weigert, Vivian: Babys erstes Jahr (2011), 116. 
  12. Dibbern, Julia:Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust (2014), 230.
  13. Dibbern, Julia:Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust (2014), 39.
  14. Largo, Remo: Baby Jahre (2013), 232.
  15. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 160.
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