Du bist eine gute Mutter!

Kathrin Übers Elternsein 17 Kommentare

Im Alltag müssen wir Mütter uns ziemlich viel anhören, völlig egal was wir machen und für welchen Erziehungsweg wir uns entscheiden. Das Umfeld hat meist jede Menge zu sagen, doch selten etwas Gutes.

Auch Mütter untereinander verteilen lieber Kritik als Lob. Vor allem im Internet (in Foren, Gruppen und sozialen Netzwerken) stehen Beschimpfungen und Beleidigungen an der Tagesordnung.

Wollen nicht alle Mütter das Beste für ihr Kind?

Dabei sitzen wir doch alle im selben Boot:
ob Stillen oder Nichtstillen, Tragetuch oder Kinderwagen, Familienbett oder Kinderbett, Brei oder Fingerfood, Wegwerfwindel oder Windelfrei, Impfen oder Nichtimpfen usw., usw. – wir versuchen gute Mütter zu sein und wollen das Beste für unsere Kinder. Wir geben, was wir können, wenn nicht sogar alles und sind doch tagtäglich aufs Neue den Anfeindungen anderer (Mütter) ausgesetzt. Völlig egal von welcher Seite man es betrachtet, es kann nur Verlierer geben.

Mütter verdienen Anerkennung!

Doch warum nicht alle zu Gewinnern machen? Das Leben mit Kind(ern) ist doch anstrengend genug! Warum es noch anstrengender gestalten, indem wir ständig die Fehler und Makel beim Gegenüber suchen und kein gutes Haar aneinander lassen, wenn wir nicht zufällig der gleichen Meinung sind? Warum nicht zur Abwechslung den Fokus auf das Positive lenken und auch den Müttern, die es ganz anders machen etwas Nettes sagen?

Wahrscheinlich weil den meisten Menschen Kritik wesentlich leichter über die Lippen gleitet als ein aufrichtiges Kompliment. Das geht mir nicht anders. Doch für den Anfang reicht es ja schon, die Leistungen der anderen nur ein wenig aufmerksamer wahrzunehmen und mit einem zustimmendem Lächeln oder einer freundlichen Geste zu quittieren.

Wie sage ich es ihr?

Wer richtige Komplimente loswerden möchte, aber nicht weiß wie, findet Inspirationen in diesem wundervollen Text, geschrieben von einer unbekannten Hebamme. An dieser Stelle herzlichen Dank an Leserin Cara Becker für das Teilen.

Ich habe den folgenden Text frei aus dem Englischen übersetzt und stellenweise geändert oder ergänzt:

„Zu der stillenden Mama: Ist es nicht wunderbar, was dein Körper alles kann? Es ist ein unglaubliches Geschenk für Dein Baby, wenn du es stillst, solange es dir gut tut. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, die künstliche Säuglingsnahrung füttert: Ist Wissenschaft nicht, erstaunlich? Es gab Zeiten, in denen Babys erkrankten oder sogar starben, wenn ihre Mütter nicht in der Lage waren zu stillen. Aber heute können Babys glücklicherweise auch ohne Muttermilch gesund aufwachsen. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Stoffwindel-Mama: Flauschige Stoffwindel-Popos sind wirklich niedlich – sie sind so umweltfreundlich und so kostengünstig. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Wegwerfwindel-Mama: Wow, diese Dinger halten eine Menge aus und ist es nicht großartig, sich nicht um die Wäsche kümmern zu müssen? Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, die zu Hause bleibt: Ich kann mir vorstellen, dass der Alltag mit einem Kind zu Hause herausfordernd ist, aber es muss fantastisch für dich sein, diese wertvollen Jahre mit deinem Baby verbringen zu dürfen. Du bist eine gute Mutter!

Zu der arbeitenden Mama: Es ist toll, dass Du Deinen Beruf wieder aufgreifst und die Haushaltskasse auffüllst. Du bist ein positives Vorbild für deine Kinder in so vielerlei Hinsicht. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, die ihre Kinder mit Brei aus dem Gläschen ernährt, weil sie zu erschöpft ist zu kochen: Du ernährst Deine Kinder und sie wachsen und gedeihen! Es ist wichtig auch für dich zu sorgen, damit du genug Kraft für deine Kinder hast. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, die selbst kocht: Ausgezeichnet! Gute Ernährungsweise ist wichtig, und dein Kind lernt somit schon früh gesundes Essen zu genießen. Das ist eine gute Basis für sein ganzes Leben. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, deren Kind friedlich im Restaurant isst: Hut ab! Es verlangt sicherlich einiges ab dein Kind an solch einem Ort, an dem herumrennen nicht erlaubt ist, ruhig zu halten. Du bist eine gute Mutter!

Zu der Mama, deren Kleinkind einen Nervenzusammenbruch in der Süßwarenabteilung erleidet: Sie scheinen sich immer den peinlichsten Ort zu suchen, um ihren Verstand zu verlieren, nicht? Keine Sorge, wir mussten da alle durch. Du bist eine gute Mutter!

Zuspruch und Verständnis brauchen wir alle mehr, als gegenseitige Beurteilung!“

Geschrieben von einer Hebamme

 

Schweigen ist Gold

Selbstverständlich bedürfen nicht alle Situationen und Entscheidungen großer Lobeshymnen, aber auch keiner lautstarken Attacken oder hinterhältiger Lästereien.

Manchmal ist es angebrachter sich zurückzunehmen und einfach mal die Klappe zu halten –  den Müttern zu vertrauen, dass sie wissen, was sie tun oder dabei sind herauszufinden, was zu tun ist. Dass sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Denn ohne die Hintergründe zu kennen, ist es fast unmöglich eine Situation richtig einzuschätzen. „Solange wir nicht wissen, aus welchen Gründen jemand handelt, fehlt uns gewissermaßen die Grundlage für ein moralisches Urteil.“ (Heidbrink)

Der Ton macht die Musik

Wer die Mutter kennt oder offen genug ist, kann sich natürlich vorsichtig nach dem Beweggrund erkundigen, um so ihre Handlung besser verstehen zu können.

Wer Hilfe anbieten möchte, sollte nicht nur darauf achten, ob die Zielperson überhaupt Hilfe annehmen will, sondern auch auf sachlich formulierte Äußerungen. Ein ruhiger Ton führt zu mehr Verständigung und somit auch zu mehr Verständnis – auf beiden Seiten. Werde ich angemault, reagiere ich pampig. Erhalte ich konstruktive Kritik, bin ich vielleicht im ersten Moment sauer (ich bin nicht sehr kritikfähig), aber im Nachhinein immer dankbar für Tipps und Anregungen.

Eine für alle – alle für ein besseres Muttergefühl

Es ist eine große Herausforderung andere so zu akzeptieren wie sie sind. Doch wenn wir uns Respekt wünschen, müssen wir anderen mit Respekt begegnen.

Wer seinem Ärger durch lautes Schimpfen Luft macht, wird sehr wahrscheinlich den Unmut anderer auf sich ziehen und sich am Ende noch mehr ärgern. Wer jedoch in angebrachten Situationen freundlich einen Vorschlag unterbreitet, wird vielleicht auf ein offenes Ohr stoßen. Wenn wir alle öfter etwas Nettes sagen, uns mit unseren Mitmenschen freuen oder gemeinsam mit ihnen lachen, können wir dafür sorgen, dass sich alle ein bisschen besser fühlen.

Du fragst dich, ob du eine gute Mutter bist?

Lass dir von niemandem etwas einreden, (rede niemandem etwas ein) und rede dir vor allen Dingen selbst nicht etwas ein. Jede Mutter erlebt hin und wieder „schwarze Tage“ und stößt gelegentlich an ihre Grenzen. Kindererziehung ist eine große Aufgabe, die sich nicht jeden Tag problemlos und mit einem Lächeln auf den Lippen bewerkstelligen lässt.

Du liebst dein Kind, du schenkst ihm Nähe und Geborgenheit und du sorgst dafür, dass es unter den besten Bedingungen, die du schaffen kannst, aufwächst.

Du bist eine gute Mutter!

 

Bildquelle: http://www.sxc.hu/

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