Warum Babys nicht durchschlafen

Kathrin Schlafen 400 Kommentare

Unser Mädchen (16 Monate) ist eine notorische Schlechtschläferin, zumindest wird ihr Schlafverhalten in unseren Kulturkreisen nicht selten als unnormal eingestuft. Sie kommt nicht zur Ruhe, wenn ich sie nicht jeden Abend geduldig in den Schlaf begleite, was meist zwischen 20 und 60 Minuten dauert und sie schläft nur in Ausnahmenächten 3-4 Stunden am Stück. Für gewöhnlich wird sie im zwei Stunden Rhythmus wach. Bei Krankheit, Zahnungsbeschwerden, Wachstumsschüben oder anderen Unruhezuständen meldet sie sich stündlich oder lässt mich im schlimmsten Fall gar nicht mehr gehen. Ein hoffnungsloser Fall?

Unser Mädchen im Tragetuch

Unser Mädchen im Tragetuch

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich nicht das Schlafverhalten unserer Tochter anzweifeln muss, sondern die Ansichten unserer Gesellschaft. Die hiesigen Erwartungen an Kinder sind so unrealistisch hoch gesteckt, dass sie oft mit ihren natürlichen Fähigkeiten kollidieren. Folglich schaffen Erwachsene (Schlaf-)Probleme, wo es gar keine gibt!

Schläft sie schon durch?

Diese gerne gestellte Frage völlig fremder Menschen, nervte mich nicht nur, sondern setzte mich auch unter Druck, denn unser Mädchen schlief natürlich nicht durch. Ich atmete tief durch, lächelte gelassen und antworte wahrheitsgemäß. In extrem schlaflosen Zeiten, fiel es mir jedoch schwer diese banale Frage nicht als Kampfaufforderung zu deuten. Manchmal, wenn ich einfach nur meine Ruhe haben und keine Rechenschaft ablegen wollte, war ich sogar kurz davor zu sagen: „Ja klar! Sie schläft immer durch!“ Aber ich wollte das Gerücht von den durchschlafenden Babys nicht weiter verbreiten, auch nicht durch eine Notlüge.

Mittlerweile sehe ich die Frage nach dem Durchschlafen eher als oberflächliches Smalltalkthema. Dennoch scheint das Schlafenlernen ein wichtiges Erziehungsziel in unserer Gesellschaft zu sein, bei dem es wieder einmal darum geht Kinder so lange zu formen, bis sie gut in unsere Erwachsenenwelt passen. Ob beim Essen (siehe Einheitsbrei Beikostempfehlung) oder Schlafen – Kinder werden einfach nicht akzeptiert wie sie sind –  sie gelten erst dann als wohlerzogen, wenn sie unsere komplizierten Regeln befolgen.

Zu hohe Erwartungen

Abgesehen von überflüssigen Fragen nach dem Durschlafen, werden junge Mütter in unserem Kulturkreis mit wahnwitzigen Behauptungen unter Druck gesetzt: Kinder können beispielsweise angeblich bereits mit vier bis fünf Monaten durchschlafen oder sie brauchen mit sechs Monaten keine Milch mehr in der Nacht. Wenn unerfahrene Mütter den vielen Theorien übers Durchschlafen Glauben schenken und entsprechende Hoffnungen bzw. Erwartungen aufbauen, kann es doch nur Verlierer geben. Schlecht aufgeklärte Eltern müssen zwangsläufig der Überzeugung sein, dass entweder der Nachwuchs oder sie selber etwas falsch gemacht haben. Kein Wunder, dass der Verkauf von fragwürdigen Schlafratgebern wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ boomt.[1] (Hauptkritikpunkte: „Jedes Kind kann schlafen lernen“)

Auch ich befürchtete unser Mädchen schläft schlecht aufgrund meiner Unfähigkeit und falscher, erlernter Gewohnheiten, wie das Stillen oder Tragen in den Schlaf. Anstatt nachts, so wie es die Natur vorgesehen hat, entspannt für sie da zu sein, experimentierte ich mit allgemein akzeptierten Methoden (Schnuller, einfach hinlegen, etc.) – hauptsächlich um mein Gewissen zu beruhigen. Sie beruhigte sich allerdings am besten an meiner Brust in unserem Bett, doch das traute ich mich kaum öffentlich zu erwähnen. Ich war hin und her gerissen zwischen mütterlicher Fürsorge und gesellschaftlichen Zwängen. Unser Mädchen hat(te) ein aufrichtiges Bedürfnis nach körperlicher Nähe, doch unsere Gesellschaft verlangt leider schnelle Selbstständigkeit von unseren Kindern.

Ihre Lieblingseinschlafposition

Ihre Lieblingseinschlafposition

Fehlende Vorbilder

Ich wünschte, mich hätte jemand vor der Geburt darauf hingewiesen, dass Kinder von ganz alleine selbstständig werden und zwar, wenn sie soweit sind. Ich wünschte, mir hätte jemand gesagt, dass manche Kinder es erst mit drei oder vier Jahren schaffen alleine ein- und durchzuschlafen. Oder dass nächtliches (auch häufiges) Aufwachen völlig normal und keineswegs besorgniserregend ist. Das hätte mir viele schlechte Gedanken und zahlreiche Versuche, uns an die allgemeinen Erwartungen anzupassen, erspart.

Doch leider hatte ich keine guten Ratgeber. Von meiner Familie konnte ich nicht lernen, da ihr Denken bereits vom industriellen Fortschritt beeinflusst worden war. Meine Familie hat sich an Experten orientiert, die glaubhaft machten, es gäbe bessere Einrichtungen als die Natur. So schliefen auch ich und meine drei Geschwister von Anfang an allein in unseren eigenen Bettchen. Gestillt wurden wir  nur wenige Wochen. In der Nacht aufgewacht ist wohl lediglich eine meiner Schwestern. Aber nachdem meine Mutter sie drei Tage lang in der Küche schreien ließ, schlief auch sie immer durch…

Lehrreiche Lektüre

Folglich suchte ich in „Schlafbüchern“ nach Rat und stieß auf einige, die mich nachhaltig prägten:

Diese Bücher lehrten mich, warum viele Kinder nicht durchschlafen können und weshalb es vor allem in den ersten Lebensmonaten von großer Bedeutung ist auf ihre elementaren Grundbedürfnisse zu reagieren – auch in der Nacht. Ich begriff, dass es sich bei unserem Mädchen nicht um Schlafprobleme, eine Krankheit oder ein Defizit handelt, sondern um einen völlig normalen Reifeprozess. Ich fand meine Bestätigung, dass nächtliches Stillen und gemeinsames Schlafen im Familienbett zwar nicht gesellschaftsfähig, aber völlig in Ordnung sind. Schließlich haben wir Menschen das Jahrtausende vor der „zivilisierten“ Gesellschaft so praktiziert, ohne zu Weicheiern zu mutieren, die ein Leben lang an Muttis Rockzipfel hängen.

Durchschlafen: eine Interpretationsfrage

Was bedeutet Durchschlafen eigentlich? Die meisten Mütter und so auch ich, stellen sich vor, dass die Kleinen 10-12 Stunden ohne Unterbrechung schlummern. In Wirklichkeit wird das „Schlafen von Mitternacht bis 5 Uhr früh,“ also gerade einmal 5 Stunden am Stück, in Schlafstudien als Durchschlafen definiert!“[2]

Auch wenn es Babys gibt, die ganze Nächte verschlafen, trifft das auf viele eben nicht zu. Das Schlafverhalten von Kindern ändert sich in den ersten Monaten oft phasenweise, abhängig davon, was gerade Aufregendes im Alltagsleben passiert. Babys schlafen einige Nächte lang gut, einige schlecht und dann plötzlich wieder besser. Ein ewiges hin und her. Wann Babys endlich alleine ein- und durchschlafen können (wenn man sie nicht mit Trainingsprogrammen manipuliert), ist genau so wenig vorhersehbar wie die Lottozahlen – es passiert einfach irgendwann.

Umgang mit Durchschlafen: kulturelle Unterschiede mit gewichtigen Folgen

Lüpold weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es massive kulturelle Unterschiede gibt, in Bezug auf die Erwartung von Eltern, mit welchem Alter ihr Kind alleine bzw. durchschlafen sollte.[3] Während wir in Deutschland spätestens mit dem 6. Monat von unseren Kindern erwarten (im eigenen Bett) durchzuschlafen, geben indische Eltern beispielsweise ihrem Nachwuchs bis zum 5. Lebensjahr Zeit.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben einen erheblichen Einfluss auf den Umgang mit der Schlafsituation. Stufen Eltern die nächtlichen Unruhen ihres Kindes als normal und altersgerecht ein, werden sie liebevoll auf ihr Kind eingehen können und sanfte Wege finden, die schlaflose Zeit zu meistern. Sind sie dagegen überzeugt, ihr Kind hat ein ernsthaftes Schlafproblem oder schlimmer noch, es will sie nur ärgern mit seinem nächtlichen Aufwachen, werden sie mit aller Wahrscheinlichkeit versuchen sein Verhalten zu ändern.

Das Hintergrundwissen, die Einstellung der Eltern sowie der kulturelle Einfluss sind also entscheidend für den Weg, den Eltern einschlagen. Dabei liegt es ganz in ihren Händen, ob Kinder so bleiben dürfen wie sie sind oder ob ihr Benehmen korrigiert werden muss. Eltern bestimmen, ob Kinder schlafen dürfen wie die Natur es vorgesehen hat oder ob sie durch Schlaftrainingseinheiten gefügig gemacht werden müssen. Das ist absurd, denn keiner kennt die wahren Bedürfnisse der Kinder so gut, wie die Kinder selbst.

Kinder schlafen anders als Erwachsene

Da ich für kindgerechte und gewaltfreie Lösungen bin, hier die Erklärung warum Kinder nicht durchschlafen können:

Schlaf kann in zwei Hauptphasen unterteilt werden: die aktive Traumphase (REM-Phase) und die ruhige Tiefschlafphase (Non-REM-Phase). REM steht für Rapid Eye Movement (rasche Augenbewegung), die in der aktiven Schlafphase oft zu beobachten ist.

1. Kinder schaffen es oft nicht alleine, wieder in den Tiefschlaf zu gleiten

Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern wechseln sich die Tiefschlafphasen mit den Traumphasen ab, so dass wir kurvenartig immer wieder vom aktiveren Schlaf in ruhigere (festere) Schlafphasen wechseln. [4] Während Erwachsene diese Übergänge kaum bemerken, wachen Babys in den REM-Phasen sehr leicht auf. Sie spüren, dass sie Hunger haben, frieren oder dass die beschützenden Bezugspersonen fehlen. Um sicher wieder in die nächste Tiefschlafphase zu gelangen, benötigen sie meist die Hilfe der Eltern – auch mehrmals in der Nacht.

2. Babys haben einen unruhigeren Schlaf

Der Anteil der aktiven REM-Phasen ist bei Babys doppelt so hoch wie bei Erwachsenen. Erst im Alter von ca. 2-3 Jahren sinkt der Anteil der REM-Phasen auf das Niveau der Erwachsenen.[5] Babys und Kleinkinder haben also von Natur aus einen unruhigeren Schlaf als Erwachsene und mehr störungsanfällige Phasen, in denen sie leicht aufwachen können.

Einschlafen auf Papas Arm - ja. Ablegen - nein!  Wir mussten immer sicherstellen, dass unser Mädchen tief genug schläft, bevor wir sie ins Bett legen konnten.

Einschlafen auf Papas Arm – ja. Ablegen – nein!
Wir mussten immer sicherstellen, dass unser Mädchen tief genug schläft, bevor wir sie ins Bett legen konnten.

3. Babys starten mit einer unruhigen Schlafphase

Erwachsene gleiten unmittelbar nach dem Einschlafen in eine Tiefschlafphase. Wir sind sozusagen direkt weg. Babys dagegen beginnen ihren Schlaf mit einer 20minütigen REM-Phase. [6] Das erklärt zum Beispiel, warum Babys leicht aufwachen, wenn man sich kurz nach dem Einschlafen entfernen möchte oder versucht sie bereits nach wenigen Minuten abzulegen.

4. Ältere Kinder schlafen trotzdem nicht besser

Obwohl mit zunehmendem Alter die Tiefschlafphasen länger werden und es weniger empfindliche REM-Phasen gibt, schlafen manche Kinder trotzdem nicht besser. Unhabhängig von der wachsenden Schlafreife, gibt es auch im Kleinkindalter noch genügend Reize, die vom Schlaf abhalten können: die Angst vor Trennung (um den 6. Monat herum erweitern Kinder ihren sozialen Horizont beträchtlich), Angst vor der Dunkelheit (entsteht, wenn sie laufen lernen),[7] das Zahnen, Wachstumsschübe, Krankheiten… Kinder rufen uns nicht in der Nacht, weil sie uns gezielt von unseren abendlichen Aktivitäten abhalten wollen, sondern weil sie irgendetwas plagt.

Warum ist nächtliches Aufwachen wichtig?

1. Nächtliches Aufwachen sichert das Überleben

„Kleine Kinder, die furchtlos und gerne alleine schlafen, hätten unter evolutionären Bedingungen nicht lange gelebt!“[8] Kinder können nicht ahnen, dass ihnen heutzutage kaum noch ernsthafte Gefahr droht, doch sie schlafen weiterhin am besten, wenn die vertrauten Bezugspersonen ganz in ihrer Nähe sind. In den Armen der Mutter beruhigen sich Babys in der Regel ganz schnell. Nur wenn wir fordern, dass sie alleine einschlafen sollen, gibt es Protest. Zu Recht. Denn dann verlangen wir etwas, was ihren grundlegensten Instinkten widerspricht und in frühen Zeiten zum sicheren Tod geführt hätte.[9]

2. Unruhiger Schlaf ist wichtig für die Gehirnentwicklung

Auch wenn der Mythos kursiert, dass das Durchschlafen zum Wohl des Kindes erforderlich sei, konnten Schlafforscher das Gegenteil beweisen.[10]  Schlafforscher beschreiben den aktiven REM-Schlaf als geistiges Training und gehen davon aus, dass die aktiven Traumphasen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Gehirns darstellen. In den Lebensabschnitten, in denen sich das Gehirn am schnellsten entwickelt (Babys werden nur mit 25% der erwachsenen Größe des Gehirns geboren),[11] ist der Anteil an REM-Phasen am höchsten. [12] Je älter wir werden und je ausgereifter das Gehirn ist, desto ausgeprägter werden die Tiefschlafphasen – der REM-Schlaf verliert dann zunehmend an Bedeutung.

Schlafen lernen

Babys sind also nicht dafür geschaffen von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang tief und fest zu schlafen. Das vom Gehirn gesteuerte Aufwachen sichert ihr Überleben und begünstigt die körperliche und psychologische Entwicklung der kleinen Lebewesen. Dennoch dominiert die Überzeugung, dass Kinder (durch)schlafen lernen können bzw. müssen. Das Verrückte ist: Schlafen muss nicht erlernt werden! Genauso wenig wie atmen oder essen. Das einzige, was Kinder in unserer Kultur lernen müssen, ist „in angemessener Weise zu schlafen. Das heißt, so wie es die Eltern wollen.“[13] Welch unnötige Aufgabe!

Geborgenheit und Zuwendung - auch von Papa.

Geborgenheit und Zuwendung – auch von Papa.

Kindgerechte Schlafbedingungen

Wenn wir jedoch gewillt sind kindgerechte Schlafbedingungen zu schaffen, können wir davon ausgehen, dass Kinder schlafen wollen und können:

1. Auf die Signale & den Schlafrhythmus des Kindes achten

Kinder nicht einfach hinlegen, nur weil sie zu einer bestimmten Uhrzeit im Bett sein sollen. Nur ein müdes Kind, schläft ein.

2. Die wenigsten Kinder schlafen gerne alleine ein

Es ist wichtig Kinder in den Schlaf zu begleiten, solange sie es brauchen. Hautkontakt, Wärme und die bekannte Stimme wirken beruhigend. Keine Sorge: Stillen, Tragen oder sonstige menschliche Beruhigungsmethoden bilden keinen Grundstein für spätere Probleme![14]

3. Ruhige und entspannte Atmosphäre schaffen

Wenn ich gedanklich bereits den Abwasch erledige und die DVD für den Abend auswähle, während ich nervös neben meinem Kind liege, übertrage ich meine innerliche Unruhe. Im schlimmsten Fall dauert das Einschlafen so noch länger. Ich greife mittlerweile zum Hörbuch oder Handyspiel, wenn es mal wieder länger dauert oder ich schlafe einfach gleich mit…

Materieller Elternersatz

Das Dilemma? Ein kindgerechtes Einschlafritual kann zu einem Interessenkonflikt führen: Eltern wollen Zeit für sich, während das Kind die Anwesenheit der Eltern – in erster Linie der Mutter – fordert. Es gibt mittlerweile sehr raffinierte Mittel, mit deren Hilfe man die Nähe der Mutter in der Nacht fast vollständig ersetzen kann. Es gibt Schnuller oder Flasche statt Brust, Wiege statt Mamas Arm, ein getragenes T-Shirt anstelle echter Körperdüfte und noch viel fantasievollere Möglichkeiten. Eines wird dabei jedoch vergessen: „je weiter sich die Art wie Kinder schlafen sollen von der Art, die ihrer Natur entspricht, entfernt, desto mehr müssen wir sie bezwingen.“[15]

Ich kann den Einsatz von Schlafprogrammen und „Elternersatzmittel“ sehr gut nachvollziehen. Kinder rund um die Uhr zu betreuen ist anstrengend und kinderfreie Zeit rar. Aber leider wird zu selten darüber nachgedacht, ob eben diese Schlafprogramme und Ersatzberuhigungsmittel auf längere Sicht eine günstige oder ungünstige Wirkung haben. In den meisten Fällen scheint nur wichtig zu sein, dass sie funktionieren.

Gewaltakt: alleine Durchschlafen

Ich glaube, dass wir Kindern nichts Gutes tun, wenn wir sie mit Härte von ihrem natürlichen Kurs abbringen. Davon abgesehen halte ich es nicht aus, unser Mädchen stundenlang schreien zu lassen bis ihr das Herz bricht und sie aufgibt. Was soll sie daraus lernen? Dass Kommunikation sinnlos ist? Dass es keine Vertrauensperson mehr gibt? Mein Kind ist kein Feind, der besiegt werden muss. Mein Kind ist ein hilfloses, kleines Lebewesen, das innerhalb von wenigen Monaten eine verdammt große Aufgabe zu bewältigen hat.[16]

Übrigens wachen Kinder nicht öfter auf als früher. Es fällt ihnen unter heutigen Bedingungen nur schwerer wieder einzuschlafen. Alleine im eigenen Bett, ohne den beruhigenden Kontakt zu den Eltern wieder in den Schlaf zu finden ist eine größere Herausforderung als sich angedockt an Mamas Brust zu beruhigen. Was ich dabei nicht verstehe: mit dem Partner an unserer Seite schlafen wir zwar auch unruhiger, aber deswegen kommen wir doch nicht auf die Idee getrennte Schlaflager vorzuschlagen. Warum ist es uns also so wichtig, Babys so schnell zum alleine schlafen zu erziehen, wenn es den kleinen Geschöpfen in unserer Nähe spürbar besser geht?

Die Lösung?

Wer hier nach einer einfachen Lösung sucht, hat den falschen Artikel gewählt. Ja, es ist nervenaufreibend wochenlang ohne Schlaf auszukommen und es erfordert viel Energie die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen. Doch seien wir ehrlich. Ein Leben mit Kind ist auf den Kopf gestellt, egal was wir tun. Es gibt keine einfache Anleitung zu befolgen und schwups ist alles wieder so wie es vor der Geburt war. Warum also nicht einen kindgerechten Weg wählen, statt einen, der sich gegen das Kind richtet? Anstrengend ist es so oder so! Der emotionalle Stress jedoch ist ein anderer!

Unsere Lösung: Stillen & Familienbett

Ich habe jegliche Erwartungen an das Durchschlafen abgestreift und lasse mich einfach überraschen, wann es soweit ist. Das hilft mir, entspannt für unser Mädchen da zu sein.

Unser Mädchen mit 2 Wochen im Tragetuch - dem praktischen Helfer in wirklich allen Situationen.

Unser Mädchen mit 2 Wochen im Tragetuch – dem praktischen Helfer in wirklich allen Situationen.

Ich stille sie in unserem Familienbett in den Schlaf und beruhige sie, wann immer sie das Bedürfnis danach äußert. In Extremsituationen (z.B. wenn sie hohes Fieber hat) trage ich sie durch die Wohnung bis sie schläft.

Ihr Schlafreifeprozess scheint ein langwieriger zu sein. Wir üben uns in Geduld, weil wir es  bedenklich finden, sie verfrüht zur „Unabhängigkeit“ zu zwingen. „Gras wächst [schließlich] nicht schneller, wenn man daran zieht.“[17]

Unser Familienbett – zwei aneinander geschobene 1,40 m breite Matratzen –  ist ein wahres Wohlfühlparadies. Jeder hat genügend Platz – wir kommen uns nicht ins Gehege. Thomas bemerkt fast nie, wenn unser Mädchen aufwacht. Männer… Ich kann hingegen direkt reagieren und mich zum Stillen einfach hin und her rollen. Wenn es gut läuft, weiß ich am nächsten Morgen nicht, wie oft ich gestillt habe. Tja, und unser Mädchen hat alles, was sie zum schnellen wieder Einschlafen benötigt. Was will Familie mehr?

Unser Mädchen geht übrigens gerne ins Bett und schläft auch gerne – wenn sie kann. Ist sie mehrere Stunden in der Nacht wach, gibt es IMMER einen Grund dafür und er lautet nie: „Ach, heute zeige ich Mama und Papa mal, wer hier das Sagen hat.“ Sie weckt mich außerdem jeden Morgen mit einem breiten Grinsen auf – das hilft selbst die schlimmste Nacht fast sofort zu vergessen.

Fazit

Nächtliches Aufwachen ist weder ungesund noch ein Problem. Es ist anstrengend, ja. Aber es gehört zum heranwachsendem Baby wie der Blitz zum Donner.

An dieser Stelle kann ich lediglich William Sears zitieren, weil er mir geholfen hat immer vorwärts zu schauen:
Die Zeit, die unsere Kinder in unseren Armen, an Mamas Brust und in unserem Bett verbringen, ist ein vergleichsweise kurzer Teil ihres Lebens, doch die Erinnerung an unsere Liebe und Verfügbarkeit auch in der Nacht, werden sie ein Leben lang begleiten.[18]

 

 

 



Footnotes    (↵ returns to text)
  1. In diesen werden Eltern angeleitet ihre Kinder schnell aus dem elterlichen Schlafzimmer auszuquartieren und im eigenen Bett zu nächtlichem Gehorsam zu trainieren.
  2.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 22.
  3.  Lüpold, Sibylle: Ich will bei Euch schlafen(2007), S. 38.
  4.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 17.
  5.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 20. Bei Erwachsenen liegt der prozentuale Anteil an REM-Schlaf bei 20-25%, bei Neugeborenen und bis zu drei Monate alten Kindern Babys bei 50%.
  6.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 21.
  7.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 99.
  8.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 103.
  9.  González, Carlos: In Liebe wachsen (2005), S. 163.
  10.  González, Carlos: In Liebe wachsen (2005), S. 147.
  11.  Mc Kenna, James: Sleeping with your Baby (2007) S. 30.
  12.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 20.
  13.  González, Carlos: In Liebe wachsen (2005), S. 164.
  14.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 101.
  15.  González, Carlos: In Liebe wachsen (2005), S. 163.
  16.  Kinder müssen so viel auf einmal bewältigen: wachsen, reifen (in den ersten 12 Monaten werden bis zu 100 Mio Gehirnzellen verknüpft!), kommunizieren, Zähne kriegen, essen, sich fortbewegen, die Welt verstehen UND natürlich vernünftig schlafen.
  17.  Afrikanisches Sprichwort.
  18.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. XVI.
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  • tThomas

    Du sprichst mir und VOR ALLEM aus Eileens Seele …Danke…Danke

    • Kathrin

      Ich danke Dir!

    • Julia

      Also ich finde den Artikel schön, aber bin froh dass mein Kleiner mit 11 Wochen in seinem Bett alleine einschläft und 10-12Stunden mit einer Trinkpause durchschläft!
      Er musste hierfür niemals schreien, er kommt ins Bett wenn er müde ist und ich stehe auf wenn er Hunger hat.
      Ständiges stillen war aber von Anfang an nichts für mich und der Baby-Papa-Beziehung tut es sehr gut dass auch er füttern und intensiv Zeit verbringen kann.
      Und außerdem sind meine Brüste nun wieder meine und Papas, das gefällt uns beiden, macht gute Laune, keine gestressten Eltern und damit ein rundum glückliches Kind!

    • Das scheint ja herrlich unkompliziert bei Euch zu laufen! Ich wünsch Dir weiterhin viel Spaß mit Deiner kleinen Familie!

    • Anonymous

      Dein Post hätte von mir stammen können;-)

    • ivy90

      also ich bin froh das ich nicht stille und sie seit geburt alleine in ihrem bett schläft.das klappt auch wunderbar

    • Anna

      Von meinem 1.Sohn war ich verwöhnt,
      er hat mit 8 Wochen nachts 12-13 Stunden durchgeschlafen
      und ist dazu alleine in seinem Bett eingeschlafen
      Drei Jahre später kam mein 2.Sohn der nachts öfter wach geworden ist und auch nur in meinem Arm eingeschlafen ist jeder Versuch ihn in seinem Bett zum schlafen zu bringen ist gescheitert.
      Dann dachte ich an die Zeit nach der Entbindung im Krankenhaus zurückkommt der ich auf eigene Verantwortung meine Kinder nachts bei mir im Bett hatte weil ich mir dachte warum sollen die kleinen Würmer nach 40Wochen in meinem Bauch in einer neuen Welt so weit von mir weg schlafen.
      So habe ich unseren Zwerg wieder mit in unser Bett genommen.
      Heute ist er 18Monate alt wenn er abends müde wird nimmt er meine Hand, wir gehen zusammen ins große Bett und nach 10Minuten kuscheln schläft er meistens ein.
      Manchmal sucht er mich nachts noch dann verschwindet seine kleine Hand in meiner Brust und wenn ich noch mal ins Wohnzimmer gegangen sein sollte kommt er mich abholen.
      Auch wenn viele sagen ich verwöhne mein Kind wir schlafen beide besser wenn wir zusammen schlafen und mein Großer schläft hier und da auch noch mit bei uns und das ist auch schön so wir wollten unsere Kinder ja schließlich haben :-)

    • Natalie

      Danke! Vor allem der letzte Satz bringt es auf den Punkt.

    • ema

      Ohne Worte!!!! ICH BIN EIN FAN!!!!!! Mich hat es total aufgemuntert und mir neue kraft geschenkt!!!!!!DANKE……

    • Vielen Dank Ema :)

    • Steffi

      Ein sehr schöner und informativer Artikel! Als Mutter/Vater ist es wichtig, informiert zu sein und über die kindliche Entwicklung und Physiologie Bescheid zu wissen. Nur so kann man angemessen und kindgerecht handeln und man hat stumpfsinnigen und althergebrachten Meinungen und Erziehungsmethoden etwas entgegenzusetzen. Leider wird Kindern/Babys oft etwas abverlangt – das sie aufgrund ihres Entwicklungsstandes unmöglich leisten können. Ein wirklich sehr gutes Buch zum Thema ist „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster – ich habe es verschlungen!

    • Vielen Dank, Steffi!
      Kinder verstehen ist in der Tat ein tolles Buch. Pflichtlektüre, meiner Meinung nach :)

      LG Kathrin

    • Biene

      Viele Gedanken die du so wunderbar erzählt hast – und das nicht nur hier wo es ums schlafen…oder nicht schlafen…geht- kamen mir so vor als hättest du sie aus meinem Kopf, ob es das Grinsen des Babys nach einer durchzechten Nacht ist, das hin- und herrollen im Bett, was ich auch unbewußterweise eingeführt habe, das ständige „andocken“, auch wenn Familie oder Freunde sagen….“Was? Hat er denn schon wieder Hunger?“ Dabei geht es um so viel mehr… und das hast du hier so wunderschön auf den Punkt gebracht.
      Was das Stillen angeht, hier nur eine kurze Geschichte aus dem überfüllten Eiscafe´, denn mein großer Sohn will ja auch Zeit mit mir verbringen. Wir sassen oben in der 2. Etage. Alles ältere Leute, liebe nette Omchens zum Kaffeekränzchen. Da bekam das Baby Hunger,obwohl es ne halbe std vorher zu Hause ausgiebig gestillt wurde. Also hab ich Pullover hoch, Still-BH auf und meinen Kleinen angelegt. Dann nch die Decke drüber damit er es schön kuschelig hat. Hab da schon bemerkt wie alle Blicke zu mir wanderten. und die Dämchen am Tisch gegenüber mit dem besten „Ausblick“ meinten:“Also das es sowas noch gibt“

    • Vielleicht haben sie sich ja gefreut, dass es „so etwas noch gibt“ 😉
      Nein im Ernst, vielen Dank für Dein positives Feedback und lass Dich von gackernden Hühnern nicht beeindrucken. Sind nur neidisch!

      LG Kathrin

    • Sine

      Ich erfreue mich sehr an dem Artikel. Er spricht mir voll und ganz aus der Seele.
      Ich habe bei meinem ersten Sohn noch den Schnuller zu Hilfe genommen. Bei meinem zweiten aber nur noch die brust.ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn Nähe u saugbedürfnis. ………alles gestillt ist er sich ganz von allein abdockt und dann auch herrlich lang schläft. Wenn uns nix plagt:-)
      Ich möchte für mein moosmutzel da sein.werden sie doch viel zu schnell groß und selbstständig.
      Die Dame die über mir wohnt macht es auf dem gsnz anderen weg. Ist ein frühchen, wird nicht gestillt, soll allein im Bettchen in ihrem Kinder zimmer schlafen. Es tat mir vom zuhören schon das Herz weh.so sehr hat die kleine stdlang geweint. Wenn man dann auch noch nachgeäfft wird und mit hallo und reiß dich mal zusammen angebrüllt wird, fühlt man sich doch als 3 wo altes baby echt verstanden. Sie ist jetzt 6mon alt und kein Glückliches baby.immer nur weinen…..abends um zu schlafen.mittags.schon beim aufwachen kein lächeln. ………
      nein da stell ich mich doch mal die kurze zeit in den Hintergrund.

    • Vielen Dank, liebe Sine!

    • Anonymous

      äh…. nein…. jedes Kind ist anders genauso wie es jeder Erwachsene ist….. ! Ich kann nur sagen das meine Tochter (20 Monate) von Anfang an durchgeschlafen hat ( mit der Ausnahmen von echt ganz wenigen Nächten wie bei Krankheit, Zahnen… etc. dann aber auch höchstens 2-3 mal) wahrscheinlich ist das glück da mal auf meiner Seite. Nur so anbei ich bin VATER nicht Mutter und meine Tochter lässt sich nur von mir ins Bett bringen…..

  • Mareike

    Somit ist unser Sohn also nicht das einzige „verwöhnte“ Kind, das am liebsten auf Mamas oder Papas Arm einschläft….
    Macht Mut für die nächste unruhige Nacht!!!

  • Anne&Janne

    Ein toller „Schlafbericht“!
    Das Zitat am Ende ist Super!
    Danke Kathrin!!!!

  • Biba

    Genau so ist es! Ein sehr guter Artikel. Meine Kinder sind mittlerweile erwachsen und sie durften bei uns schlafen, so lange sie wollten. Sehr viele Menschen wollten uns immer reinreden, aber ich wir ließen uns nicht davon abbringen. Es war eine schöne Zeit, dieses Schlafen im Familienbett… Und unsere Kinder erinnern sich gerne daran zurück.

    • Kathrin

      Vielen Dank! Ich habe nicht vor unser Mädchen an „Tag x“ aus dem Bett zu werfen – sie soll freiwillig entscheiden, wann genug ist. Ich bin natürlich gespannt, ob und wie sie sich an diese Zeit zurück erinnern wird. Aber bis dahin werden wohl noch einige gemeinsame Nächte vergehen 😉

  • Claudia

    Danke für diesen wunderbaren Artikel ! Ich finde mich in jeder Zeile davon wieder. Ich habe zum Glück von Anfang an auf mein Bauchgefühl vertraut und unsere Kleine – gegen die Meinung unseres Ex-Kia – sich NICHT in den Schlaf schreien lassen. Sie ist jetzt 16 Monate, wird noch gestillt, viel getragen und schläft glücklich und zufrieden bei uns im Familienbett :)
    Es ist so schade, dass die Meinung angeblicher Schlafexperten, so einen grossen und vor allem überflüssigen Druck auf unwissende Neu-Eltern erzeugt. Unsere Kleine und wir sind überglücklich so wie es ist, sie dockt sich Nachts auch öfters an und schläft schnell und glücklich wieder ein – ebendso ihre Mama 😉 Warum etwas erzwingen, was die Natur viel besser regelt ?

    • Kathrin

      Fantastisch. Nicht allen Mamas gelingt es die teilweise harten Empfehlungen vermeintlicher Experten auszublenden. Ich freue mich immer von Gleichgesinnten zu lesen – danke für den Kommentar!

  • maike

    wow…heute nacht werde ich mich nicht sorgen wenn der kleine mann wieder aufwacht…sondern einfach das tun was der instinkt sagt…ohne große erziehungsmaßnahmen…hatte tränen in den augen beim lesen an manchen stellen…
    super geschrieben, spricht aus meiner seele…

    • Kathrin

      Es fühlt sich toll an, wenn ich andere Mamas mit meinen Artikeln erreiche und wenigstens ein paar Zweifel aus dem Weg räumen kann! Ich wünsche Dir weiterhin sorgenfreie Nächte!

  • Kerstin

    Liebe Kathrin,
    du sprichst mir aus der Seele. Auch unsere Tochter schläft mit 22 Monaten noch im Familienbett und wird gestillt. In der Tat ist es schon mal anstrengend, wenn man sich abends zum Einschlafen eine Stunde daneben legen muss, während unten noch der Abwasch wartet oder gleich ein Film anfängt, den man sehen möchte. Aber es gibt doch auch nichts Schöneres, wenn die Kleine glücklich an einen gekuschelt einschläft.
    Ich freue mich auch immer sehr, mit Gleichgesinnten zu sprechen oder wie hier, von ihnen zu lesen. Meistens höre ich nämlich leider von Leuten, deren Kinder quasi ab dem ersten Tag im eigenen Bett alleine einschlafen.
    Viele Grüße und ruhige Nächte!

    • Kathrin

      Sehr schön! Danke!

    • Anonymous

      Ja und ab dem ersten Tag das Kind im eigenen Bett schlafen zu lassen ist laut WHO (Sids) auch Empfehlenswert. Zumal dies auch nicht bedeutet, ein unglückliches Kind zu haben. Und ja, es gibt einfach genügend Beispiele von glücklichen Kindern, die früh durchgeschlafen haben- ohne zwang,…. Die Brust ist nicht zum beruhigen da, sondern für die Ernährung gedacht. Ich lese immer wieder sehr interessiert alle Ausflüchte von Eltern, die ihr Kind einfach unnötigerweise rumtragen, rumnuckeln lassen,.. Sicher hat jedes Kind sein eigenes Tempo und ich bin auch die erste im Kinderbett, wenn mein Kind nachts weint oder unruhig ist, bleibe relativ lange beim einschlafen dabei- meist bis es schläft. Dennoch halte ich nichts von aussagen wie, „mein kind ist noch nicht so weit , es wacht mit über einem Jahr jede Stunde auf“ und „ja es wurde von Anfang an rumgetragen, schläft im Ehebett,…“

    • Die WHO empfiehlt das Kind im eigenen Bett schlafen zu lassen? Kannst Du mir den Link dazu bitte schicken?
      Natürlich gibt es Kinder, die gerne im eigenen Bett schlafen und schon im frühen Alter durchschlafen. Die Mehrheit der Kinder tut das aber leider nicht, sonst gäbe es nicht so viele beunruhigte Eltern.
      Die Brust ist nicht nur Nahrungsquelle! Nicht nur der Hunger, sondern auch das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit werden durch das Saugen an der Brust gestillt. Es gibt kein unnötiges “rumtragen” oder “rumnuckeln”!

  • Nadine

    Hach, es tut doch immer wieder gut mal so etwas zu lesen und sich nicht allein, sondern verstanden zu fühlen :-) ich wünschte nur, ich hätte wenigstens einen Artikel dieser Art vor 19 Jahren bei meiner erstgeborenen gelesen, bei der ich mitweinend doch irgendwann die böse „kontrolliert “ schreien lassen Methode anwendete, weil ich zu jung und dumm war um meinem eigenem instinkt zu vertrauen :-(

    • Kathrin

      Zu jung und unwissend vielleicht, nicht zu dumm! Es gab viele Situationen in denen ich stramm gestanden und mein Gefühl kurzzeitig über Bord geworfen habe, wenn eine autoritäre Person (z.B. die Schwestern in der Klinik) Anweisungen gaben. Das Internet und viele Bücher haben mich und unser Mädchen vor den fiesen Methoden gerettet. Vor 19 Jahren wäre es mir vielleicht genau so gegangen wie Dir..

  • vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel.
    Unser Sohn – 6 Monate alt – ist inzwischen zu groß geworden für das Babybay und er sollte nun „in sein eigenes Bett“ in seinem eigenen Zimmer. Eine Nacht hat er dort geschlafen. Verhältnismäßig ruhig sogar. Mir hat es das Herz gebrochen und ich habe ihn wieder zu uns geholt.
    Als Kompromiss haben wir sein Babybett jetzt in unser Schlafzimmer geholt. Ich möchte einfach nicht erst bei ihm sein, wenn das Babyfon entschlossen hat sein Quengeln zu übertragen. Ich möchte da sein, am besten bevor er noch ganz aufwacht.
    Euer Familienbett hört sich super an. Das sollte man vielleicht mal genauso planen, wenn wir demnächst eine Immobilie suchen.
    Momentan „leben“ wir auf 1,80m. Was mich trotzdem nicht daran hindert den Krümel in „schlechten“ Nächten zu uns in die Mitte zu holen. Dort schläft er nämlich wirklich immer noch am besten.

    Ganz liebe Grüße,
    sommerelfe

    • Ach, die Mutter vom Liebsten sagte uns übrigens auch, als er so 2einhalb Monate alt war, dass der Sohn mit 3 Monaten alt genug wäre, um ihn einfach mal schreien zu lassen. Danach würde er nie wieder in der Nacht wach werden…
      ich hätte sie ganz ehrlich hauen können! (und natürlich haben wir das nicht gemacht, aber ich finde es schon traurig genug uns solche „Ratschläge“ zu geben!)

    • Kathrin

      Ohje! Was für ein Vorschlag! Falls sie Humor besitzt, kannst Du ihr diesen Artikel zu lesen geben:
      http://besucherritze.npage.de/zum-buch/leseprobe-ein-kleiner-selbstversuch.html
      In diesem Text wird Eltern ein Schrei-Selbstversuch vorgeschlagen – wirklich sehr witzig!

    • Mella

      Klasse!!!! 😀

  • Lilly

    Danke für diesen wunderbaren Artikel, hatte Tränen in den Augen. Du hast mir aus dem Herzen gesprochen, es war wie in einen Spiegel zu schauen. Danke…

  • Steph

    Ich sage einfach nur DANKE!!!

  • Unser Großer ist jetzt 3.5 Jahre alt und will immer noch jede Nacht in unserem Bett schlafen. Warum auch nicht – wenn er will, soll er. Auch wenn vor allem seine langen Beine nervig sind, wissen wir doch, dass es nur eine Phase ist. Schließlich schlief er bereits mehrere Monate allein in seinem Bett.

    Schwieriger ist dagegen unser Nachwuchs mit seinen nun 10 Monaten. Mit nächtlichem Aufwachen wegen Stillen hätte ich ja gar kein Problem, aber er wacht zusätzlich auch auf (am liebsten gehen Mitternacht ^^) und will dann nicht mehr in seinem Bett schlafen, sondern getragen werden – und das dann bitte auch von Papa (ich bin in dem Fall tatsächlich unerwünscht und werde angeheult). Wir haben für uns jetzt einen Kompromiss gefunden, der zwar auch nicht das Wahre ist, aber im Moment gut funktioniert. Abends geht es nicht mehr ins Beistellbett, sondern in den Hängesessel mitten in der Spielecke im Wohnzimmer. Ich verbringe meine Nächte nun auf der Matratze, die dort sowieso schon immer lag und nehme ihn, wenn ich schlafen gehe, raus. Wenn er nachts dann plötzlich losschreit und sich nicht beruhigen lässt, darf er schaukeln und ich bekomme zumindest ein bisschen mehr Schlaf und muss nachts nicht durch die Gegend torkeln. Die Männer schlafen weiter im Elternbett und sind so morgens zumindest fit.

    Danke für deine offenen Worte. Auch wenn ich es eigentlich besser weiß, aber mit nur 2 Stunden Schlaf pro Nacht kann man wirklich leicht auf die Idee kommen, dass das Kind einen nur ärgern will (was natürlich völliger Blödsinn ist). :)

    • Kathrin

      Mit 3,5 Jahren noch tragen – das ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht leicht. Der Hängesessel ist eine super Lösung, denn 2 Stunden Schlaf ist eindeutig zu wenig! Extremer Schlafmangel rechtfertigt jeden – wenn auch blödsinnigen – Gedanken 😉

    • RoteZora

      Hallo!
      Mir gefällt der Artikel auch sehr gut, wir haben auch 3 Matratzen im Schlafzimmer und kuscheln auf 2,40m. Als unsere Große ins eigene Bett umziehen wollte (mit ca. 18 Monaten) konnte ich tagelang schlecht schlafen und mit Geburt des 2. Babies haben wir sie sogar wieder in unser Bett geholt, damit sie sich nicht abgeschoben fühlt (natürlich nur so lange sie das wollte).
      Also- wir sind wirklich vom Familienbett und Stillen überzeugt. Allerdings hat unser 2. Kind uns auch gezeigt, dass man wirlich nichts verallgemeinern kann. Er bekam mit 4 Monaten eine Bronchiolitis, so dass er 5 Tage ins Krankenhaus musste, ich wurde mit aufgenommen, war Tag und Nacht bei ihm und durfte ihn weiter voll stillen. Ab da wars aber vorbei mit Nacht. Ich habe ihn 7 Monate teilweise alle 5 Minuten gestillt, jedenfalls gabs nie mehr als 2 Stunden Schlaf am Stück, dann war ich langsam doch am Ende der Kraft und da sich unsere Große sehr wünschte, dass ihr kleiner Bruder bei ihr schlafen soll, haben wir es versucht. Kaum zu glauben, aber in seinem Bettchen schläft er deutlich ruhiger. Natürlich wacht er nachts noch häufig auf, aber manchmal konnte ich 5 Stunden (!!!!) schlafen, wenn ich ihn dann nachts zu uns holte, konnte er nicht mehr schlafen, legte ich ihn in sein Bettchen zurück wars meist besser. So ging es nun einige Monate und jetzt sind wir soweit, dass er in seinem Bettchen im Zimmer seiner Schwester einschläft und wenn er nachts weint, hole ich ihn zu uns und seit einigen Tagen schläft er nun friedlich und manchmal kommt dann auch die große Schwester dazu.
      Es muss halt jeder seinen Weg finden, aber ich bin mir auch ganz sicher, dass das Bauchgefühl der beste Ratgeber ist.
      Nun hat sich unser 3. Baby angekündigt- und natürlich wird es erstmal ins Familienbett einziehen, so lange es dies möchte!

  • Kathrin

    Hallo

    Ich heiße auch Kathrin und mein Freund auch Thomas nur haben wir einen 14 Monat alten Sohn Namens Justin. Wir hatten auch so gedacht, er muss er muss…. aber ich fühlte mich immer am wohlsten ihn bei mir einschlafen zu lassen.

    Mein Freund daher ist immer anderer Meinung. Aber wenn ich den Artikel so lese muss ich sagen, dass du echt mit allem recht hast. Auch ich wiege oft unseren Sohn in den schlaf. Er schläft aber schon in seinem Bett in seinem Zimmer. Ohne Probleme aber er braucht Abends diesen engen Kontakt. Heute schläft er eigentlich sehr gut oft gute 10 Stunden am Stück, aber wenn er natürlich aufwacht bin ich da! OK auch oft mürrisch, aber ich wickel ihn geb ihm ne Flasche und schwupps ist er fast wieder im Reich der Träume…

    Danke für deinen tollen Artikel echt. Viele von der Familie haben mich auch so unter Druck gesetzt…. bis ich sagte stop….. Ich finde es auch nicht das man ein Kind verzieht nur weil man ihm seine Nähe gibt….

  • Harry

    Toller Artikel!
    Tut gut zu wissen, dass man nicht der einzige Öko-Hippie-Querschläger ist, der partout nicht auf Ratschläge der Umwelt hören will, sondern auf seinen eigenen Bauch!!
    Wir hatten unser Schlüsselerlebnis noch im Krankenhaus, im Familienzimmer. Unser Würmchen wurde nachts wach und schrie in seinem Bettchen. Erst wie er auf Mamas Brustkorb liegen dürfte schlief er fast sofort wieder ein.
    Noch am ersten Tag, als wir wieder zu Hause waren, bauten wir mit der Hilfe von Freunden das Arbeitszimmer in eine große Liegewiese um. (Im Schlafzimmer haben wir ein Wasserbett, da konnten wir nicht zusammen drin schlafen) In dieser liegen wir Nacht für Nacht zu dritt und haben keine Schlafprobleme. Wir schlafen achtsamer und berühren den Kleinen nur sanft (Danke Natur, das hast Du super eingerichtet), er bekommt Nähe, Wärme, die Brust und wir unseren Schlaf.
    Wir haben uns so sehr ein Kind gewünscht und haben das große Glück gehabt eines bekommen zu dürfen – wie könnten wir es dann schreien und alleine in einem großen Raum schlafen lassen?
    Viele sagen uns, dass wir ein glückliches und zufriedenes Kind haben – warum wollen das dann selbige mit Ratschlägen wie „abstillen“, „hungern lassen“, „alleine schlafen“ und weiteren ähnlich hilfreichen ändern?
    Meine Frau und ich sind uns einig – wir hören auf unseren Bauch und auf das, was der Kurze uns signalisiert. ER möchte bei uns schlafen.
    Finde ich einmal nicht gut in den Schlaf, beobachte ich Frau und Kind beim schlafen. Ich lausche Ihren Atemgeräuschen und fühle, dass ich genau dort bin, wo ich sein möchte.

    Eltern, seid mutig: Hört auf Euren Bauch! Es lohnt sich.

    • Ich finde deine Einstellung sehr sehr gut. Und glaube, dass du als Vater nochmal ein Vorreiter bist. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich!
      Vielen Dank, dass es Männer wie dich gibt!

    • Da kann ich mich nur anschließen. Ohne die volle Unterstützung von Männern wie Dir, sind wir Frauen aufgeschmissen.

    • Sabine

      Dass ihr euch so zum Sklaven eurer Kinder macht tut mir leid! Habt ihr denn kein eigenes Leben? Stillen bis zum Abwinken und schlafen im Ehebett ist meiner Meinung nach krank!

    • Anonymous

      Du sprichst mir aus der Seele. Ich hatte Tränen bei Deinem Satz: „Ich lausche Ihren Atemgeräuschen und fühle, dass ich genau dort bin, wo ich sein möchte.“ Es ist das größte Glück, welches man haben kann, ein Kind zu bekommen und es hört nicht auf, glücklich zu machen nur weil das Kleine nachts teilweise stündlich Nähe, Wärme und den vertrauten Mama-Geruch braucht. Nach jedem Stillen atme ich tief den warmen Baby-Duft am Köpfchen ein und bin einfach nur glücklich!

    • Sabine

      Danke für Deine Worte! Mein Mann steht zum Glück auch hinter uns, dem Stillen und dem Familienbett. Ist auch nicht immer einfacht. Kommen doch oft Kommentare Wie Du stillst noch (er ist 8! Monate) oder laß ihn doch einfach mal schreien. Stärkt ja schließlich die Lungen… Aber wir hören auch auf unser Bauchgefühl und es ist immer wieder toll, zu lesen, daß wir nicht die Einzigen sind.

    • Silke

      Danke an einen Vater! Toll diese Worte von einem Mann zu lesen.
      Gänsehaut!
      Ihr macht das richtig und ich weiß jetzt, dass wir das auch tun!

      Eltern sein zu dürfen ist sooooo schön!

  • hab vielen dank für den guten und schönen artikel, der unseren kindern ausdem herzen spricht und der vor allem ein einstehen für unsere kinder ist!
    ich habe durch mamamiez‘ link her gefunden.

    unsere große tochter zog mit vier absolut selbstbestimmt aus dem familienbett aus, die kleine (31 monate) schläft noch darin und wird nacht für nacht mehrmals einschlafbegleitet.

    in meinem blog habe ich eine broschüre verlinkt, ich weiß nicht ob du sie schon kennst? „kinder brauchen uns auch nachts – warum schlafprogramme nicht empfehlenswert sind“

    http://www.ferbern.de/fileadmin/documents/pdf/broschuere_babyschlaf.pdf

    sei herzliche gegrüßt

    halitha

    • Kathrin

      Vielen Dank für den herzlichen Kommentar und die Empfehlung. Ich kannte die Broschüre noch nicht, aber werde sie direkt weiterverlinken.