Stillen in der Öffentlichkeit

Kathrin Stillen 79 Kommentare

Mit Anfang 20 sah ich zum ersten Mal eine stillende Frau. Sie gab ihrem Baby völlig ungeniert die Brust und das in einem überfüllten Café. „Muss das denn sein?“ fragte ich mich damals. Die Antwort bekam ich Jahre später, als meine Tochter nur wenige Wochen alt war. Bei einem Stadtbummel gab unser Mädchen mir urplötzlich mit heftigem Schreien zu verstehen, dass sie unverzüglich was zu futtern braucht. Ich stillte ausschließlich und brauchte mindestens 20 Minuten bis zur Haustür. Da wusste ich: „Stillen in der Öffentlichkeit muss sein!“

Mein erstes Mal

In dieser unerwarteten Situation scannte ich fieberhaft meine Umgebung nach einer Sitzgelegenheit ab, denn ich musste SOFORT handeln. Blöderweise befand ich mich in einer überfüllten Einkaufspassage mitten in der Stadt. Egal! Ich stürzte auf die nächste Bank zu, zog mir entschlossen das T-Shirt hoch (ich besaß kein einziges Still-Oberteil) und genoss erleichtert die schnell einkehrende Ruhe. Dass vorbeigehende Menschen meinen Anblick ebenfalls genossen, oder zumindest wahrnahmen, konnte ich jedoch nicht ausblenden. Mir war ziemlich unwohl in meiner Haut.

Nackte Tatsachen

Stillende Frauen sehe ich sehr selten in der Öffentlichkeit, (halb-)nackte Models dagegen zieren zahllose Plakatwände. Auch im wahren Leben zeigt Frau viel Haut – nicht nur oben ohne am Strand. Warum sorgen also nackte Brüste als erotisches Lockmittel kaum mehr für Empörung, während öffentlich stillende Mütter nach wie vor zu heißen Diskussionen führen (siehe Ärger wegen stillender Mutter)? Unserer modernen Gesellschaft ist ganz offensichtlich das Wissen um die wichtigste biologische Funktion der weiblichen Brust verloren gegangen. Oder warum zensiert Facebook Bilder stillender Mütter, obwohl es gerade auf dieser Websseite an tiefen Dekolletees und knappen Dessous nicht mangelt?

Heimstiller

Da so wenige Frauen öffentlich stillen, traute ich mich selbst selten meiner Tochter auf offener Straße die Brust zu geben. Eigentlich schade, schließlich ist es ein enormer Vorteil, die exakt temperierte Speise stets dabei zu haben… Ich versuchte aber lieber unseren Tagesablauf so zu planen, dass wir zu den Stillmahlzeiten entweder zu Hause oder bei Freundinnen waren. Leider hielt unser Mädchen sich nicht immer an meine Pläne und bekam auch dann Appetit, wenn ich meilenweit von unseren kuscheligen Stillstationen entfernt war. Ein schöner Schlamassel!

Meine Stillstrategie in den ersten Monaten

Ich entwickelte also zwei Taktiken: Eine fürs „Grün“ und eine fürs „Grau“. Im Grünen – beispielsweise bei Spaziergängen durch Parks – musste Thomas oft als Sichtschutz herhalten. Waren wir mal ohne Papa in der freien Natur unterwegs, versteckte ich unser Mädchen unter unserem fünf Meter langen Tragetuch. In städtischer Zone zog ich mich vorzugsweise in Umkleidekabinen oder Wickelräumen großer Einkaufszentren zurück. Manchmal verkroch ich mich auch auf die Rücksitzbank unseres Autos, falls es in der Nähe war. Irgendwie schaffte ich es immer mich vor neugierigen Blicken zu schützen und uns in unseren intimsten Momenten nicht zu sehr zur Schau zu stellen. Diese Notlösungen waren aber alles andere als entspannt und ich war immer erleichtert, wenn ich es doch bis nach Hause schaffte.

Kein Versteckspiel mehr!

Ich finde es schade, dass man als stillende Mutter – zumindest in einer Provinzstadt wie Krefeld – in Stress gerät, wenn der Nachwuchs unterwegs Hunger anmeldet. Mütter, die ihre Kinder öffentlich stillen, sollten sich nicht verstecken müssen. Doch leider leben wir in einer Gesellschaft, die zwar mit Reizen nicht geizt, aber peinlich berührt ist, wenn es um den Anblick säugender Kinder geht.

Je länger ich stillte, desto selbstverständlicher wurde das Stillen für mich – auch in der Öffentlichkeit. Mittlerweile kommt es zwar selten vor, dass unser Mädchen (28 Monate alt) unterwegs nach Muttermilch verlangt, aber wenn es so ist, stille ich sie ohne zu zögern egal wo wir gerade sind.

Stillen in der Öffentlichkeit

Entspanntes Stillen am Strand von Honfleur (Frankreich) im August 2013.

Unsere „Lieblingsauswärtsstillposition“ ist die sog. Reiterstellung (siehe Foto), bei der die Leute meist gar nicht sehen, was wir eigentlich machen, sondern denken, dass wir ganz innig kuscheln :)
So bleibt das Stillen intim und diskret, ohne dass wir uns dafür in ein geheimes Kämmerlein verkriechen müssen.

Wie geht Ihr mit dem Thema um? Stillt Ihr in der Öffentlichkeit? Wie empfindet Ihr andere stillende Mütter in der Öffentlichkeit?

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  • Nina

    Hallo,

    Vielen Dank für deine schönen Artikel. Diesen muss ich jetzt auch kommentieren.
    Ich habe unseren Sohn von Anfang an gestillt…egal wo. Mitten im Ikea hab ich mal nach mehreren Blicken vorbeigehender Menschen jedem gewunken, der seinen Blick nicht von uns lassen konnte. Sehr zum Ärgernis meines Mannes :-)
    Ich liebte es zu stillen, musste jedoch leider nach sechs Monaten abstillen. Heute (fast zwei Monate später) kommen mir noch die Tränen, wenn ich stillende Mütter sehe oder mein kleiner Mann unruhig ist und nicht auf die Flasche warten kann.
    Was ich jedoch auch sagen muss ist, dass man auch als Mama, die Flasche gibt, ebenfalls schief angesehen wird. Auch dann muss man sich Kommentare gefallen lassen, dass man nicht stillt und seinem Kind nicht das Beste gibt. Das tut weh….

    Liebe Grüße
    Nina

    • Danke für Deine lieben Worte, Nina.
      Es ist sehr traurig, dass Du abstillen musstest. Ich kann mir vorstellen, dass es Dich noch heute bewegt. Dass Flaschenmamis auch schief angeschaut werden, ist mir bewusst. Ich glaube, es ist fast egal, was Mütter machen. Irgendwer wird sich sicherlich daran stören…
      Ich wünsche Dir noch alles Gute.
      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Felina

    Das ist ein toller Artikel in dem ich mich auch selbst sehe. Als Teenie fand ich die Vorstellung zu stillen pervers und eklig. Das lag daran das ich erstens nie selbst gestillt wurde, kein Verhältnis bzw Aufklärung zu Sex und Körperfunktionen bekam und ein „gestörtes Kind“ war. Mein Elternhaus war ganz und gar verkorkst, ich kann heute vieles nicht nachvollziehen was mir damals als „normal“ verkauft wurde. Meinen Körper mochte ich nie leiden (ich gehörte zu den sgn Schnibblern die sich selbst weh tun) und nach den Ursachen für mein Verhalten wurde nie gefragt.
    Inzwischen habe ich selber ein Baby, das ich jetzt seit 5 Monaten stille. Ich liebe meine kleine Maus über alles und will ihr das Beste geben was ich kann – stillen war für mich schon in der Schwangerschaft ganz klar. Unsere Stillbeziehung hatte viele Schwierigkeiten. Erst eine Saugverwirrung durch mangelnde Info, ich hatte Anlegeschwierigkeiten weil ich nicht lange sitzen konnte nach der Geburt – war gerissen – und daher hab ich abgepumpt und die Kleine mit einer Flasche gefüttert. Als das Sitzen dann ging wusste ich nicht wie ich sie richtig anlegen soll, ausserdem hatte sie sich ja derweil an die Flasche gewöhnt und protestierte lautstark wenn ich versuchte, sie zu füttern. Das tat weh…
    Was dann kam waren wunde und entzündete Brustwarzen weil mir niemand zeigte wie es wirklch geht. Ich habe teils unter Tränen gestillt und mir hat gegraut vor jedem Anlegen. Wunde Brustwarzen seien anfangs normal, hat man mir gesagt und das ginge schon bald weg… von wegen!
    Dann kam irgendwann auch noch mein Freund auf die Idee, milchgebende Brüste erotisch zu finden. Nach dem ganzen bisherigen Stress war das der Punkt an dem ich endgültig zusammenbrach. Ich hatte mich so auf mein Baby gefreut und nun gab es nur Ärger wegen dieser $%?# Milch!!! Ich begann, schon das Wort „Milch“ zu hassen und ließ irgendwann – zum Glück – meinen Freund meinen ganzen Ärger spüren.
    Naja, nach viel geheule auf beiden Seiten kann ich nun endlich in Ruhe weiterstillen. Zwar würde ich mich immernoch nicht trauen in der Öffentlichkeit zu stillen, aber ich bewundere alle die es tun. Ihr habt meinen Respekt, bitte macht weiter und lasst euch nicht ärgern. Denkt daran das es Kindern, die weder Muttermilch noch körperliches Selbstwertgefühl bekommen so gehen kann wie mir.

    • Na das klingt fast, als wenn Du in meiner Familie gelebt hättest 😉
      Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du den „Stillstress“ bald hinter Dir hast. Dass Du wirklich in Ruhe das Stilen genießen kannst!
      LG
      Kathrin

  • Andrea Mordasini, Bern

    Dass man in der heutigen modernen und scheinbar fortschrittlichen Zeit überhaupt über so was Normales, Natürliches, Gesundes und Selbstverständliches wie das (öffentliche) Stillen diskutieren und streiten muss, kann ich als Mutter zweier Kinder (7 und 5,5) nicht verstehen. In was für einem verknorzten Zeitalter und einer verklemmten Gesellschaft leben wir
    eigentlich, dass über das Stillen so ein Theater und Aufsehen gemacht wird! Ob und wie lange eine Mutter ihr Kind stillen will, ist allein ihre Entscheidung, egal was andere, die dies übrigens
    überhaupt nichts angeht, dazu denken, schreiben oder gar sagen mögen. Wir haben
    hier das Privileg, zwischen Muttermilch und mittlerweilen qualitativ hochwertigen Pulvermilchen entscheiden zu dürfen. Diese Alternative haben Mamis in Drittwelt- und Entwicklungsländern nicht. Auch ich habe meine beiden Kinder in den ersten paar Lebensmonaten voll gestillt, auch öffentlich, undglücklicherweise nie Probleme damit gehabt. Wir waren weder blöden Blicken noch
    hässigen Sprüchen ausgesetzt, noch wurden wir eines Lokals verwiesen. Solange sich die Mutter gesund und ausgewogen ernährt und während der Stillzeit möglichst auf Nikotin, Alkohol und blähende Speisen verzichtet, ist Muttermilch für das Baby/Kleinkind das Gesündeste und Beste. Zudem macht ein Kleinkind ja nichts anderes als wir Erwachsene auch – es stillt ein Grundbedürfnis, es isst und trinkt, und wie wir eben auch, ab und zu auswärts, im Restaurant oder sonst wo… Einfach traurig und tragisch, dass stillende Babies/Kleinkinder nach wie vor in einigen Restaurants und sonstigen öffentlichen Institutionen nicht willkommen sind :(. Was bitte soll an einem friedlich stillenden, also trinkenden/essenden Kleinkind schon so störend,
    schlimm und falsch sein? Stillen ist doch weder kriminell noch anrüchig oder pervers und verboten schon gar nicht! Mir sind ehrlich gesagt 10 friedliche Stillkinder im Restaurant 100 Mal lieber als ein einziger, schmatzender, rülpsender, rumpöbelnder und besoffener Zechpreller. Zudem: auf Werbeplakaten, in Modekatalogen und in Filmen sieht man in der Regel viel mehr nackte Haut/Busen als beim Stillen… Doppelmoral lässt grüssen… Wozu also dieser unnötige Aufschrei sowohl bei Euch in Deutschland als auch bei uns in der Schweiz?! Ich habe übrigens noch nie eine provokativ stillende Mutter mit gänzlich entblösster Brust gesehen. Die meisten tun dies ja eh möglichst diskret und so, dass sich das Stillkind nicht gestört und abgelenkt fühlt. Zudem bedeckt der Babykopf mehr oder weniger der ganze Busen, so dass dieser kaum bis gar nicht ersichtlich ist… ;). Mütter, die sich genieren auswärts zu stillen, tun dies eben nur zu Hause oder in einem für sie geeigneten, geschützten Rahmen bzw. geben ihren Kleinen die zuvor zu Hause abgepumpte Milch auswärts im Fläschchen. Und (prüde) Menschen, die sich tatsächlich ab einem Stillkind gestört fühlen und sich darob „ekeln“, haben wohl am ehesten ein Problem mit sich selber und sollen doch einfach weg- statt hinsehen oder am besten gleich zu Hause bleiben – und nicht umgekehrt! So einfach geht das ;). Mit etwas mehr gegenseitigem Leben und leben lassen, weniger Vorurteilen und weniger Anfeindungen, dafür mehr gesundem Menschenverstand, Toleranz, Offenheit, Akzeptanz, Respekt, Rücksicht, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Unterstützung, Anstand und Lockerheit auf allen Seiten wäre das leidige Stillthema gelöst, somit vom Tisch, solche Diskussionen überflüssig und das Zusammenleben noch viel einfacher, friedlicher, gemütlicher und harmonischer :)!

    • Liebe Andrea,

      ich verstehe es, ehrlich gesagt, auch nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass sich in den nächsten Jahren etwas tut und Mütter bald wieder entspannter (auch in der Öffentlichkeit) stillen können.

      Ganz liebe Grüße
      Kathrin

  • bibi

    Ich verstehe auch nicht warum es immer wieder Probleme mit Stillen in der Öffentlichkeit gibt. Bei Recherchen zu Stillhormonen bin ich neulich auf eine Seite zum Thema „erotischem Stillen“ gekommen. Welches mir davor völlig unbekannt war. Aber vielleicht ist auch das ein Aspekt. Es gibt offensichtlich eine ganze Menge mehr Fetische als mir bewusst war. Und wenn es Menschen sexuell erregt, dann können sie wahrscheinlich nicht mehr entspannt ihren Kaffee trinken. Nur so ein Gedankengang.

  • Liz

    Liebe Kathrin und liebe (Still-)Mamis,
    auch ich stille mein Baby (4 Monate alt) und zwar wann und wo es eben Hunger bekommt. Ich fand das von Anfang an richtig so, denn so ist doch Stillen gedacht, oder? Dass das Baby eben nicht erst eine halbe Stunde weinen muss, bis es was zu essen bekommen kann. Natürlich suche ich mir auch immer möglichst ein ruhiges und bequemes Plätzchen und ich liebe meinen Still-Loop, den ich jetzt IMMER dabei habe. Da lege ich meine Kleine hinein, so haben wir beide etwas mehr Intimsphäre. Und auch die Still-Shirts und Still-BHs finde ich ganz toll, weil man sich da nicht komplett entblößen muss.
    Wenn Leute kucken, lächle ich sie an – und meistens kommt ein Lächeln zurück. Ich denke auch, wir Frauen machen uns da heutzutage vielleicht zu viel Gedanken. Wir sollten selbstbewusste Mamis sein und uns nicht schämen, wenn wir unsere Babys versorgen! Ich jedenfalls trage mein Stillarmband stolz und bin sehr froh und dankbar, dass es mit dem Stillen so super klappt. Denn wie hier auch schon Mädels geschrieben haben, nicht bei jedem klappt es, obwohl der Wunsch da war.
    Aber ich denke auch, jetzt, da wirklich in den Krankenhäusern und von den Hebammen das Stillen gefördert und befürwortet wird, wird es immer normaler, auch in der Öffentlichkeit.

  • Bianca

    Hallo:-)
    Tolle Seite mit interessanten Artikeln hast du dir da aufgebaut:-)

    Zum Thema stillen…
    Es gibt Tage da stille ich ganz ungeniert egal wo ich grad bin…an anderen suche ich eher n bissel Abgeschiedenheit.. Meist ärger ich mich über mich selbst, wenn ich beginne mit dem Tuch herumzuwurschteln damit ja niemand etwas sieht. Mein kleiner( grad sechs Monate) wurschtelt ziemlich rum beim trinken… Brustwarze rein, raus hin und her… Bestimmt ein Vergnuegen zuzugucken fuer manche;-) Bei meinem großem ( vier Jahre) hab Ichs auch mit diesem Ueberwurf probiert, war aber viel zu warm und ich hab das Ding auch oft vergessen..er hat sich uebberings auch mit knapp drei Jahren fast selbst abgestillt.. Ich konnt es fast kaum selbst glauben..kurz vor dem kompletten aufhören gabs nochmal ne Phase wo er ganz viel getrunken hat und ich gedacht hab, jetzt wird er nie aufhören wollen;-)
    Jetzt beim zweiten ist alles ganz anders..ich nehm nur noch die Windel als kleinen Sichtschutz, wenn er anfängt zu trinken… Er trinkt viel schneller weniger genüsslich/ er zieht die Milch direkt ab – könnte man sagen…und er zeigt auch sehr deutlich wenn er grad nicht will.. Mein erster hat die angebotene Brust fast nie verweigert.

    Ich hab gemerkt , das Maenner eher positiv / normal reagieren . Oft hilft es auch den Leuten den Wind n bissel aus dem Segel zu nehmen indem man sie anspricht..z.B. Gell, jetzt hat erst aber kaum mehr ausgehalten..oder ein bissel grinsen ..Meist kamen da bisher nette Kommentare.. Wirklich böses / abfälliges hab ich noch nicht gehört…

    Ich finde niemand sollte aufs Klo flüchten müssen…

    Liebe Gruesse

    • Bianca,

      erst einmal vielen Dank! Und Du hast da etwas sehr wichtiges angesprochen – die eigene Haltung. Gehe ich entspannt/ mit Humor in die Situation hinein, reagieren die Leute sicherlich anders, als wenn ich davon ausgehe, dass gleich eine Diskussion entfacht… Guter Gedanke!

      LG
      Kathrin

  • Katja

    Ich persönlich habe zum Glück bei zwei Stillkindern noch nie schlechte Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit gemacht. Meist hat es zwar ganz gut geklappt, unseren Tagesablauf so zu planen, dass wir zu Hause oder bei Freunden/Verwandten stillen konnten, aber oft genug saß ich auch stillend im Zoo, auf dem Spielplatz, im Auto auf irgendeinem Parkplatz. Meist bekamen die Leute gar nicht wirklich mit, was gerade Sache war. Wenn doch, schauten die meisten gleich wieder weg und gingen weiter. Böse Blicke, geschweige denn Kommentare habe ich nie bekommen.
    Die (im Nachhinein ;-)) lustigste Situation war, als ich mal bei einer Hochzeit in der Kirche gestillt habe. Wir waren total spät dran, die Gäste waren schon alle in der Kirche, der Bräutigam stand hypernervös auf seine Braut wartend vor dem Haupteingang der Kirche, als wir endlich abgehetzt ankamen. Ich wollte meine damals 3,5 Monate alte Tochter noch vor der Trauung stillen, aber da wir so spät dran waren und sie noch ganz zufrieden war, sind wir dann doch in die Kirche rein, haben uns ein Plätzchen gaaanz weit hinten ausgesucht… und dann fing sie an zu quengeln. Naja, dachte ich, alle Leute sind noch leise am Quasseln, wir sitzen abseits, es bekommt sowieso keiner mit und lieber stille ich heimlich in der Kirche, als jetzt noch raus zu gehen und draußen das Brautpaar bei dem ganz besonderen und intimen Moment der ersten Begegnung vor der Kirche zu stören. Also Stillshirt und Still-BH auf , Spucktuch drüber und die Kleine angelegt. Sie war gerade schön angedockt, ging plötzlich die Musik los, alle standen auf und drehten sich zum Hintereingang um, wo das Brautpaar mit dem Pfarrer einlief. Somit standen wir plötzlich sozusagen in der ersten Reihe, wir waren gleich die ersten, an denen das Brautpaar vorbei kam. Das war, obwohl schon mein zweites Kind und ich eigentlich routinierte stillende Mama, das erste Mal, dass mir Stillen in der Öffentlichkeit wirklich peinlich war, ich wäre am liebsten im Erdboden versunken und muss rot wie eine Tomate gewesen sein. 😉 Aber alle Augen waren auf das Brautpaar gerichtet und keiner hat gemerkt, dass die Kleine gerade an der Brust war. Später habe ich der Braut (Patentante meiner Tochter) davon erzählt und sie musste herzlich lachen und fand es ganz süß. Im Nachhinein fand ich es dann auch lustig und denke, dass mir diese Trauung ewig im Gedächtnis bleiben wird. 😉

  • Alessia

    das mit dem Stillen bei der Trauung kenn ich, aber mir war das nicht peinlich sondern ich war total erleichtert, dass ich stillen kann und der kleine mit drei Monaten nicht die Zeremonie durchquengelt – das hat sogar beim Standesamt und bei der Trauung wunderbar für Ruhe gesorgt, sodass unser Baby als das vorbildlichste gelobt wurde!

    Ich empfand, dass man als stillende Mama plötzlich exibistionistisch wird und dachte naiv, dass es allen Stillenden so geht und daran Hormone schuld sind…Jetzt erfahre ich von Euren Ängsten und ärgere mich sehr über unsere Gesellschaft, die sowas mit den Köpfen der Mütter macht.

    Ich schäme mich nie für das immer und überall stillen, allerdings (draußen) stets leicht zugedeckt, weil das ein intimer Mama-Kind -Moment ist und meine Brüste nicht für jedermann bestimmt sind :-) Wenn nur Frauen anwesend sind wie im Zugabteil etwa, dann gehts auch ohne Mulltuch. Die neugierigsten Blicke gab es am Strand von Mallorca, aber böse Sprüche – nie. Also weiter locker und selbstbewusst bleiben, Mädels!

  • Sandra

    Hallo Kathrin,
    ich lese seit einigen Tagen in deinem Blog und finde ihn einfach „Bombe“! Toll recherchiert, angenehm zu lesen und einfach genau auf meiner Wellenlänge ;o)
    Unser Zwerg ist jetzt 7 Monate alt und ich habe ihn von Anfang an ohne groß drüber nachzudenken überall gestillt. Allerdings bin ich auch oft von anderen Mamas drauf angesprochen worden, ob ich denn auch „draußen“ stillen würde. Ich hab mich dann meist kurz gewundert, aber nie weiter über die Frage nachgedacht – für mich war es ganz klar, dass der kleine Mann dann trinken muss wenn er Durst hat. Und wen´s stört darf gern seinen Kopf in eine andere Richtung drehen… ;o)
    Liebe Grüße und weiter so!
    Sandra

    • Ha,ha :)

      Vielen Dank, Sandra!

  • Frauke Wa

    Hallo Kathrin, danke für Deinen Blog und Deine Gedanken. Mein Sohn ist 4 Monate Alt und ein Winterbaby. Am Anfang hat das Stillen sehr lange gedauert, mindestens 1 Stunde. Ein kleiner Genießer. In dieser Zeit habe ich fast ausschließlich Zuhause gestillt. Ich wollte es bequem haben und Mutter + Sohn mussten Routine entwickeln. Da wir alle 2 Std stillen und ich irgendwann gerne wieder „raus“ und das nicht immer mit dem Zeitpunkt der nächsten Mahlzeit im Kopf.

  • Jutta

    Mein Sohn ist mittlerweile 1 Jahr alt und ich stille ihn auch noch, genauso wie er bei uns im Bett schläft.Und jeden Tag muss ich mir anhören, wann ich denn abstillen will, langsam siehts pervers aus usw…. Das nervt ungemein. Aber wenn ich dass hier so lese, muntert mich das alles wieder auf. Am Anfang saß ich zum Teil 3h am Stück mit den Kleinen am Stillen, sobald ich auch nur aufs Kloh bin hat er geweint, das ging 2Monate!!! Alle meinten meine Milch reicht nicht, er wird nicht satt, darum schreit er sobald ich ihn abstöpsel usw.
    Jetzt bin ich so stolz drauf dass ich durchgehalten hab, und ich war oft am verzweifeln, da ich nicht mal mehr in Ruhe duschen konnte. Aber jetzt zahlt sich das aus. Der Kleine ist viel ruhiger und fröhlicher als die Kinder in meiner Umgebung die nur Flaschennahrung bekommen, oder Schnuller oder etc. Am Anfang fand ich es in der Öffentlichkeit auch seltsam, aber pffffffff, mittlerweile ist es mir egal, schließlich geht es ja um mein Kind! Ich hab immer ein großes Tuch dabei um es bisschen abzudecken 😉

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  • Corinna Schley

    Oh, auch dazu kann ich eine selbst erlebte Situation beisteuern.
    Vor ein paar Tagen war ich mit unserer Tochter ( 6 Monate alt ) und Kinderwagen einkaufen. Natürlich ließ der Hunger ( obwohl vor’m Losgehen noch gestillt ) nicht lange auf sich warten. Ich bin mit ihr in einen Lebesmittel-Discounter mit einer Bäckerei und einem kleinen Cafe dran. Dort habe ich gefragt, ob ich mich in eine Ecke setzen kann um schnell zu stillen. Wohl gemerkt, das Cafe war absolut leer. Die Verkäuferin sagte Folgendes: “ Ja, also so lange keine Gäste da sind, würde es vielleicht gehen. Aber sobald Gäste sich hier hinsetzen möchten, müssen sie das Stillen abbrechen. Oder sie setzen sich direkt zum Stillen auf unsere Toilette .“ Ist das nicht unglaublich ???
    Ich habe mein Kind eingepackt, bin in die nächste Apotheke und habe dort umgehend sogar einen gemütlichen Platz in einem separaten Raum zur Verfügung gestellt bekommen.
    Zuhause fielen mir dann natürlich die passenden Kommentare ein.
    Ja, man braucht wirklich ein dickes Fell wenn man in der Öffentlichkeit stillt und das Kind auch schon etwas älter ist.

  • Juli Ja

    einer meiner positivsten und schönsten öffentlichen stillmomente war, als ich meine kleine, die damals noch kein jahr alt war, im park auf einer bank sitzend in der sonne gestillt habe. eine liebe ältere dame mit krückstock lief an uns vorbei, lächelte uns an, blieb stehen und sagte nur mit einem positiven seufzer: „ach…was für ein schönes bild!“. ich lächelte zurück, habe „danke“ gesagt, fühlte mich glücklich und auch ein bisschen stolz und wußte in diesem moment ganz sicher, dass diese liebe ältere dame ihr(e) kind(er) sicherlich auch sehr gerne gestillt hat <3