Schlaf Kindlein, schlaf (endlich) ein!

Kathrin Gastartikel 4 Kommentare

Petra(1)Ein praktischer Gastartikel zum Thema Schlafen mit vielen Gedankenanregungen von Blogger-Kollegin Petra (KLEIN WIRD GROSS). Sie ist Mutter von 2 Kindern, gelernte Erzieherin und hilft Eltern im Alltag wieder zu mehr Gelassenheit und Freude zu finden.

Viel Spaß beim Lesen
eure Kathrin

Du wünschst dir, dass dein Kind glücklich und zufrieden einschläft, weiß aber nicht wie du das bewerkstelligen sollst?

Einen einfachen Trick gibt es zwar leider nicht, denn jedes Kind ist anders und du musst erst herausfinden, was für euch funktioniert. Allerdings soll dir dieser Artikel helfen, die Bedürfnisse euer Familie (der einzelnen Familienmitglieder) zu erkennen und einen für euch passenden Weg zu finden.

Welche Einschlafsituation braucht mein Kind?

Zur Einschlafsituation deiner Kinder gehören die Schlafumgebung, das Bett, die anwesenden Personen, die Abendroutine und Einschlafbegleitung.

Die beste Einschlafsituation und -begleitung ist die, die für alle Beteiligten passt. Bei der sich alle gut fühlen, zur Ruhe kommen, ruhig schlafen können und (einigermaßen) erholt wieder aufstehen.

Du bist der/die Expert/in für deine Kinder und mit Blick auf deine Kinder (dich selbst und deinen Partner/in nicht vergessend) entscheidest du, welche Abendroutine und Schlafumgebung zu euch passt.

Um dich bei dieser Entscheidung zu unterstützen, erfährst du jetzt, welche Schlafumgebung du für dein Kind wählen kannst und wie du deine Abendroutine gestalten könntest.

Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Schlafzimmer

Dein Kind kann entweder im Elternschlafzimmer schlafen, bei einem Geschwisterkind oder alleine im Zimmer. Alle 3 Umgebungen haben Vor- und Nachteile:

Elternschlafzimmer:
Vorteile:

  • Du hast keine weiten Wege
  • bist immer da, und hörst, wenn dich dein Kind braucht – meistens sogar, bevor es zu weinen anfängt
  • bei Babys machst du dir weniger Sorgen, ob es ihm gut geht, denn du hörst es atmen oder sich bewegen
  • Höchstwahrscheinlich schläfst du nach dem Beruhigen deines Kindes schneller wieder ein, als nach einem Fußmarsch ins Kinderzimmer.

Nachteile:

  • Du wirst wahrscheinlich öfters aufwachen durch ein Seufzen oder Ähnliches deines Kindes.
  • Es kann sein, dass ein Säugling öfters an die Milchbar will, wenn die Quelle ganz nah bei ihm liegt

Geschwisterzimmer:

Vorteile:

  • Das Kind ist nicht alleine, weil es die Nähe einer vertrauten Person spürt
  • Die Schlafgeräusche des Geschwisterkindes können sich beruhigend auf das jüngere Kind auswirken
  • Es fördert die Bindung zwischen den Geschwisterkindern
  • Du wachst nicht bei jeder unruhigen Bewegung deines Kindes auf.

Nachteile:

  • Ein Kind kann das andere Kind am Einschlafen hindern, weil es noch zu aufgedreht ist.
  • Ein weinendes/ unruhiges Kind in der Nacht kann das Geschwisterkind aufwecken.

Eigenes Zimmer:

Vorteile:

  • Ruhiges, ungestörtes (Ein-)Schlafen möglich

Nachteile:

  • Ängste (vor Dunkelheit/ Monstern) können verstärkt auftreten
  • Kind kann sich einsam oder isoliert fühlen

In welchem Bett soll mein Kind schlafen?

Dein Kind kann in einem Gitterbett, in einem Bettchen (mit Stützbrett), auf einer Matratze am Boden (mit Lattenrost drunter) oder im Elternbett schlafen – auch Familienbett genannt (siehe „Problemzone Familienbett – es gibt mehr als eine Lösung„).

Das Gitterbett ist das klassische Baby-Bett in Deutschland. Wenn du nicht möchtest, dass dein Kind „hinter Gittern“ schläft, dann kannst du Stützbretter an normale (Kinder)Betten befestigen, welche dein Kind vom Rausfallen in der Nacht schützen.

Du kannst die Bett-Wahl auch an Maria Montessori anlehnen:
„M. Montessori schlägt eine Matratze statt eines Gitterbettchens im Kinderzimmer vor, damit Kinder selbstständig und mühelos zu Bett gehen bzw. wieder aufstehen können.
Ein Baby auf dem Boden betten? Wer sich mit dem Gedanken nicht anfreunden kann und handwerklich begabt ist, findet in diesem selbstgebauten Montessori-Kinderbett vielleicht einen Kompromiss (gesehen bei Tanja H. in dieser
Facebook-Montessori-Gruppe)“ (Zitat von Kathrin aus diesem Artikel).

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Oder dein Kind kann im Familienbett schlafen. Kurz gesagt: Ihr habt ein großes Bett (oder 2 übergroße Matratzen aneinander gereiht, oder ein Kinderbett mit gleicher Höhe wie euer Bett ganz nah am Bett dran), in dem alle Familienmitglieder gemeinsam schlafen. Diese Lösung ist aber nur dann was für euch, wenn sowohl Eltern als auch die Kinder das so möchten, gut einschlafen können und sich keiner beim Schlafen gestört fühlt. Falls diese Lösung für euch passen würde, du aber noch Zweifel über das Familienbett hegst, dann schaue mal hier vorbei.

Wähle eine Schlafumgebung (Zimmer, Bett) für dein Kind, die für alle passt

Überlege dir jetzt, was dein Kind braucht, um gut schlafen zu können, mache dir Notizen zu folgenden Fragen (bzw. versuche es und beobachte dein Kind):

  • Schläft dein Kind schneller ein, wenn es ruhig ist oder Geräusche im Hintergrund zu hören sind?
  • Schläft dein Kind besser ein, wenn es im eigenen Bett liegt oder an dich gekuschelt?
  • Braucht dein Kind eine vertraute Person beim Einschlafen um sich oder braucht es seine Ruhe?
  • Wenn dein Kind eine vertraute Person im Zimmer braucht, um Einschlafen zu können – reicht es ihm, wenn das Geschwisterkind im gleichen Zimmer schläft?
  • Schläft dein Kind besser, wenn es bei dir im Bett liegt oder in seinem Bettchen im gleichen Zimmer schläft oder im eigenen ruhigen Zimmer?
  • Schläft dein Kind länger am Stück, wenn es im eigenen Bett oder in deinem Bett schläft?
  • Wo schläft es am schnellsten ein?

Überlege dir nun, unter welchen Bedingungen du, dein Partner, Geschwisterkind am besten schlafen

  • was braucht ihr, um gut einschlafen zu können?
  • Habt ihr einen guten oder sehr leichten Schlaf?
  • Fühlst du dich eingeengt mit Kindern, die sich nachts an dich kuscheln könnten?
  • Brauchst du absolute Ruhe oder stört dich ein Seufzen, lautes Atmen deiner Kinder nicht beim Einschlafen?
  • Machst du dir nachts Sorgen um dein Kleinkind, wenn es im eigenen Zimmer liegen würde?
  • Schläfst du besser mit Kindern im Zimmer oder ohne?

Mit diesen Fragen näherst du dich einer Antwort, welcher Schlafraum und welches Bett für euch am besten geeignet wären. Versuche eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten am besten passt.

Wie gestalte ich die Abendroutine?

Das ist eine persönliche, aber auch eine praktische Entscheidung, was gut bzw. schneller funktioniert und sich angenehm anfühlt.

Ich teile die Abendroutine so auf, dass zuerst die Dinge gemacht werden, die mein Kind nicht so gerne macht (wie: Waschen, Windeln wechseln, Schlafanzug anziehen, Zähne putzen, aufräumen) und dann die Dinge folgen, auf die sich mein Kind freut (wie: Geschichte vorlesen, Rücken streicheln, Lied singen).

Probiere aus, welche Abfolgen der „ungeliebten Tätigkeiten“ für euch am besten passen und welche „geliebten Tätigkeiten“ deinem Kind am allerbesten gefallen UND es zur Ruhe bringen.

Diese Erkenntnisse verbindest du dann in einem „Bett-geh-Ritual“, das jeden Abend mehr oder weniger gleich abläuft, so dass sich dein Kind darauf einstellen kann und diese Zeit vorhersehbar für dein Kind wird. Der immer gleichbleibende Ablauf hilft deinem Kind auch, zur Ruhe zu kommen bzw. sich auf das Schlafen einzulassen. Aber bitte nicht in Panik verfallen, wenn unvorhergesehene Dinge euren Ablauf durcheinander wirbeln – Kinder sind flexibel und stecken Abweichungen gut weg.

Wie ich bzw. wir das bei uns zu Hause handhaben – Schlafraum/Bett:

Ich hatte immer schon Schwierigkeiten abends schnell einzuschlafen. Sobald ein Kind in meinem Bett lag, wurde es richtig schwierig. Beim Einschlafen musste sich nur ein Kind drehen oder mich berühren und ich war wieder wach. Der Kreislauf des Einschlafen-Wollens-und-nicht-Können begann von Neuem.

Deshalb war das Familienbett nie eine Option für mich, obwohl ich es liebte, wenn am Morgen alle meine Kinder zum Kuscheln in mein Bett kamen. Trotzdem stand unser Schlafzimmer immer offen für unsere Kinder. Beide Kinder waren zuerst in ihrem Gitterbett in unserem Schlafzimmer bis sie ca. 2 Jahre alt waren.

Mit 2 Jahren bekam unsere Tochter ihr eigenes Zimmer und fühlte sich dort sehr wohl und schlief gut ein. (Ich muss dazu sagen, dass sie mich während dem Einschlafen immer in der Wohnung hantieren hören konnte, weil wir auf einer Ebene wohnen).

Als unser zweites Kind kam, wollte auch unsere Große nicht immer alleine in ihrem Zimmer schlafen, wenn der kleine Bruder doch bei uns schlafen durfte (verständlich) und so durfte sie auch bei uns nächtigen, wenn sie danach verlangte oder nachts rüberkam.

Als ich eine Zeitlang gar nicht mehr schlafen konnte wegen ihres unruhigen Schlafverhaltens und x-mal Stillen des Babys jede Nacht, legte ich eine Matratze neben mein Bett – dort durfte sie dann schlafen – sodass ich ein paar Stunden Schlaf die Nacht bekam.

Im Normalfall schlief sie immer erst in ihrem Bett ein und kam (oder auch nicht) in der Nacht in unser Bett/auf die Matratze.

Kurz bevor der Kleine 2 wurde, schliefen sie zusammen in einem Zimmer und für eine Weile kehrte nächtliche Ruhe im Elternschlafzimmer ein. Bis sich eine neue Angst-Phase ankündigte und eines (oder beide) wieder nachts zu uns ins Bett kamen.

Nach knapp 5 Jahren hat sich mein Körper so dran gewöhnt, dass ich jetzt trotz Kinder im Bett, die sich an mich kuscheln relativ gut einschlafen bzw. weiterschlafen kann.

Wie ich bzw. wir das bei uns zu Hause handhaben – Abendroutine

Ich habe es abends immer so gemacht, dass ich nach dem Buch vorlesen, Lied singen und Gute-Nacht sagen mit Rücken streicheln rausgegangen bin. Bei Weinen bin ich immer gleich zurück ins Zimmer gegangen, so lange bis mein Kind wieder ganz zur Ruhe gekommen ist, danach bin ich wieder aus dem Zimmer hinaus gegangen. Es gab und gibt aber auch Phasen (wie jetzt gerade im Moment) da bleibe ich im Zimmer. Mein Kleiner hat gerade große Angst vor Geräuschen (Regenprasseln auf dem Dachfenster) oder dem Blinken des Feuermelders (dem ich schon ein Versteck gebaut habe, damit man es nicht mehr sieht – hilft trotzdem nichts) und wenn ich raus gehe, weint er gleich los und ruft nach mir. Deshalb bin ich in dieser Angstphase im Zimmer meiner Kinder zum Einschlafen anwesend. Bei Unruhe streichle ich über den Rücken, ansonsten liege ich auf dem Teppich und warte bis er einschläft (damit ich mich nicht über die „verloren“ gegangene Zeit ärgere, lese ich in der Zeit ein E-Buch)

Zusammenfassung:

Kleine Kinder abends in ihren Schlaf zu begleiten, ist nicht immer einfach, denn es erfordert Zeit und Geduld.

Um deinem Kind das Einschlafen zu erleichtern, kannst du beobachten, wann, wie und wo es am besten einschläft, am längsten schläft oder nicht so häufig aufwacht und danach die Schlafumgebung (Zimmer, Bett, anwesende Personen) daran anpassen.

Je nachdem in welcher Schlafumgebung dein Kind am besten einschläft/durch die Nacht schläft, wählst du eine dazu passende Abendroutine aus.

Sollte dein Kind trotz all dieser Überlegungen ein schlechter Schläfer sein (mein Sohn war ein ganz schlechter Schläfer für 13 lange Monate), dann empfehle ich dir diese Artikel von Kathrin: Warum Babys nicht durchschlafen und Warum Kleinkinder nicht durchschlafen

Wichtig:

Gib nicht auf! Es ist eine anstrengende Phase – keine Frage!

Doch all die Stunden, die du deinem Kind zum Einschlafen und in der Nacht schenkst, investierst du in deine Beziehung zu ihm. Du gibst deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit. Sein Urvertrauen in dich und die Welt bleibt unerschüttert.

Halte durch! Dein Kind wird dich „entlohnen“, wenn es dich mit liebenden, strahlenden Augen anschaut und sich lächelnd an dich kuschelt, weil es weiß: Du bist sein sicherer Hafen!

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  • Sonja

    wie meinst du das, ich kann nicht erkennen, in welchen Zeilen Unterstellungen sind. wärst du so lieb und nennst ein bis zwei Beispiele? Danke

  • Ilse

    Und wieder ein neuer Artikel über’s Schlafen und v.a Routinen… Wir halten uns an alle diese Dinge und die Nächte sind trotzdem beschi**en…!

    Wir überlegen jetzt sogar, uns so eine Einschlafhilfe von Sleepy Relax zu kaufen. Hat jemand Erfahrungen damit? Die Amazon-Rezensionen lesen sich gut, aber der Preis ist heftig. Auf der anderen Seite jeden Cent wert, wenn es den funktioniert?!?!

  • 253am

    Ich lese gerne, wie andere solche Dinge handhaben, kriegt man so in allen Details ja doch nicht von den Müttern aus der Krabbelgruppe mit (welche ich wegen Arbeit nich mehr besuche, seit Kind 10 Monate ist). Bei mir hilft und half das auch alles nicht richtig, mit 19 Monaten hat sie jetzt grad einmal durchgschlafen, aber es wird besser.. Der Grundgedanke des Artikels ist ja, es dem Kind so angenehm wie möglich zu machen. Deshalb hat mein Kind auch nicht in nem Gitterbett geschlafen, von Anfang an bei mir und im Kinderzimmer gibts für die erste Nachthälfte auch nur ne Matratze auf dem Boden, weil sie zum Einschlafen neben mir oder Papa liegen will, was mir immer komische Blicke einbringt. Aber sie möchte es halt so :-)

  • Karoline

    Hallo Petra,

    Danke für diesen Gastartikel, den ich vor allem deswegen gern gelesen habe, weil das (inzwischen beinah dogmatisch gepriesene) Familienbett hier als eine Option und nicht als Heilsbringer genannt wird. Unsere Kleine (15 Monate) schläft seit ca. 6 Monaten im eigenen Bett und Zimmer und seitdem sind die Nächte für uns alle erträglicher. Wenn sie aufwacht, höre ich das und versuche (je nach Uhrzeit) sie wieder zu beruhigen oder lege mich auf die Matratze neben ihrem Bett. So sind die Nächte für uns drei entspannt, aber ich habe lange mit mir gehadert, diesen Schritt zu tun, da in meinem Umkreis das Familienbett das einzig richtige ist und ich mich regelrecht als Rabenmutter abstempeln lassen musste…
    Interessant finde ich auch deine Erwähnung der „verlorenen Zeit“, während des Wartens. Ich muss sagen, dass ich bis vor kurzem auch dachte, boah, die Zeit musst du doch sinnvoll nutzen…! Inzwischen genieße ich diese Ruheinseln auch bewusst für mich und lasse einfach meine Gedanken schweifen – wann sonst?!
    Liebe Grüße und entspannte Nächte,

    Karoline