Langzeitstillen: Ist da überhaupt noch was drin?

Kathrin Stillen 99 Kommentare

Ich stille unser Mädchen seit 2,5 Jahren. Als ich diese Tatsache neulich offen äußerte, schaute mein Gegenüber irritiert auf meine Brüste und fragte: „Ist da überhaupt noch was drin?“ Ich schmunzelte und antwortete: „Natürlich!“

Ein Kind länger als 6 Monate zu stillen ist in Deutschland zwar ungewöhnlich und für viele befremdlich, aber möglich.

Die Milchproduktion wird durch das Saugen des Babys angeregt und solange fortgesetzt, wie Milch angefordert wird. Nur so waren unsere Vorfahren überhaupt in der Lage zu überleben, schließlich gab es früher „keine adaptierte Folgemilch, ja, bis vor wenigen tausend Jahren noch nicht einmal Tiermilch.“[1]

Kinder mussten also bis ins Kleinkindalter gestillt werden, ob Mütter wollten oder nicht. „Das Nahrungsangebot war oftmals spärlich. […] Die Kindersterblichkeit enorm hoch.“[2] Es galt saisonale Nahrungsengpässe, sowie den generellen Mangel an „für Kleinkinder verwertbare Eiweißquellen“ zu überwinden.[3] Außerdem boten die Antikörper in der Muttermilch den wirksamsten Schutz vor Krankheiten und Infektionen.

Nur wer lange stillte, bewahrte sein Kind vor dem sicheren Tod.

Heute gibt es nichts mehr zu befürchten: Unsere Hygienestandards sind hoch und die Kaufhausregale prall gefüllt mit künstlicher Säuglingsnahrung. Keine Mutter muss stillen – erst Recht nicht lange – und doch ist der weibliche Körper nach wie vor in der Lage, jahrelang Milch zu produzieren. Eine erstaunliche Meisterleistung.

Ich bin selbst überrascht, wie problemlos ich liefere, was unser Mädchen „bestellt“.  Sie erhält zwar seit dem 6. Monat feste Nahrung und isst von dieser viel und gerne, aber Muttermilch trinkt sie nach wie vor reichlich – tags und nachts.

Obwohl ihr Trinkbedürfnis teils stark variiert – von stundenlanger Stillabstinenz bei Spiel und Spaß bis hin zum Dauerstillen im Krankheitsfall – scheint immer die richtige Menge für sie da zu sein. Auch noch nach 2,5 Jahren.

Die Annahme meines überraschten Gesprächspartners, dass nach so langer Stillzeit doch nichts mehr in der Brust drin sein könne, ist allerdings nachvollziehbar. Einerseits gibt es wenige Frauen, die ihre Kleinkinder in der Öffentlichkeit stillen und so könnte man meinen, keine tut es. Andererseits wird „zu wenig Milch“ als häufigster Grund für das Abstillen angegeben.

Doch den wenigsten Frauen mangelt es an Milch. Meist werden normale Veränderungen fehlinterpretiert, beispielsweise der gesteigerte Milchbedarf eines Kindes während eines Wachstumsschubes oder das „Weichwerden“ der Brüste (siehe auch „Zu wenig Milch“).

Grundsätzlich gilt: Je öfter ein Baby angelegt wird, desto mehr Milch wird produziert.

Wenn es dir wichtig ist weiterzustillen, wende dich an eine Stillberaterin vor Ort. Sie kann die Situation einschätzen und wird euch helfen. Leider sind viele Kinderärzte nicht unbedingt „Stillprofis“ und können deshalb in der Hinsicht selten gute Hilfe leisten.

„Aber normal ist das lange Stillen nicht, oder?“, werde ich weiter gelöchert.
„Nun, was ist schon normal?“, entgegne ich.

Für mich ist es das normalste der Welt mein Kleinkind zu stillen.

Warum sollte ich unserem Mädchen die Milch, die für sie bestimmt ist, verwehren? Warum sollte sie die Milch eines anderen Tieres trinken (auch künstliche Säuglingsnahrung besteht aus Kuhmilch), wenn sie doch genau die Eiweiße, Mineralien, Vitamine und Abwehrstoffe haben kann, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind? Und die wichtigste Frage überhaupt: Warum sollte ich unsere Stillbeziehung beenden, wenn uns beiden das Stillen doch gefällt?

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Entspanntes Stillen am Strand von Honfleur, Frankreich im August 2013.

In Deutschland ist Muttermilch zwar für kleine Babys reserviert, weil es hauptsächlich als Nahrungsmittel betrachtet wird, doch auch Kleinkinder profitieren noch vom Stillen: Gesundheitlich, ernährungsphysiologisch UND emotional.

„Durch die ganze Stillzeit hindurch büßt Muttermilch nichts von ihrer Qualität ein. Die darin enthaltenen Immunfaktoren schützen das Kind – auch wenn es älter wird – vor Krankheiten und als Nahrungsmittel ist die Milch weiterhin optimal.“[4]

Außerdem ist das Stillen ein fantastisches Beruhigungsmittel, nicht nur nachts. Unser Mädchen lässt sich zwar auch von anderen Bezugspersonen trösten, aber wenn heftige Gefühlsstürme aufziehen oder wir längere Zeit in einer ungewohnten Umgebung verweilen, sucht sie bevorzugt meine Nähe. Was auch immer sie bedrückt, nach dem Stillen ist sie wie ausgewechselt – ausgeglichen und zufrieden.

„Das Saugen erfüllt eine wichtige, ausgleichende Funktion im Leben des schnell wachsenden kleinen Menschen. Deswegen suchen die meisten Kinder, die nicht gestillt werden, zwangsläufig nach einem Ersatz, wie zum Beispiel Flasche, Schnuller, Daumen, Finger, Haare, Schmusedecke usw.“ (La Leche Liga: Wir stillen noch (2010), S. 24)

„Mmmhhh, aber ist das nicht irgendwie … schädlich für sie?“
„Nein!“

Wie bereits angesprochen gehörte „körperliche Nähe und langes Stillen zu 99% der menschlichen Geschichte zu den unverhandelbaren Schutz- und Lebensbedingungen kleiner Kinder. […] Es gibt […] keine Hinweise auf schädliche Effekte auf die Psyche oder die Entwicklung des Kindes, wenn ins dritte Lebensjahr hinein oder länger gestillt wird.“ (siehe auch „Langzeitstillen aus evolutionsbiologischer Sicht„).

„Und wie lange willst Du noch so weiter machen?“, werde ich abschließend gefragt.
„Ganz ehrlich, ich weiß es nicht!“, lautete meine Antwort.

Im Idealfall sagt mir unser Mädchen irgendwann vor ihrem dritten Geburtstag, dass sie groß ist und keine Milch mehr braucht. Drei Jahre Stillzeit erscheinen mir (von meinem heutigen Standpunkt aus betrachtet) genug. Ob sie das auch so sieht, wird sich zeigen. Ich wünsche mir jedenfalls ein friedliches Abstillen, mit dem wir beide einverstanden sind. Keinen erbitterten Abstillkampf – dann hänge ich lieber noch ein paar Wochen dran.

Nachtrag Sommer 2015:
Bei uns erfolgte mit der Geburt von Nestling Nr. 2 (im November 2014 – da war das Mädchen 3,5 Jahre) ein Abstillen in zwei Stufen. Zuerst reduzierte ich die nächtlichen Stilleinheiten („Erfahrungsbericht: Abstillen beim Kleinkind„) und mit ihrem vierten Geburtstag ließen wir dann auch das „Einschlaf-Stillen“ und das Stillen nach dem Aufwachen weg („Endgültiges Abstillen – Ein Happy End„).
Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 62.
  2. Lüpold, Sibylle: Stillen ohne Zwang (2013), 20.
  3. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 61.
  4. La Leche Liga: Das Handbuch für stillende Mütter (2001), 202.

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  • Phinella

    Ich stille seit 20 monaten mein töchterchen und genieße es sehr. Jedoch merke ich gerade in letzter Zeit, wie sehr mich blödes Nachfragen, Gucken von Bekannten, familie verunsichert…das möchte ich nicht, denn ich vertraue auf mich und mein kind, dass wir beide einander kommunizieren können, wenn es zu viel wird…

  • Stefanie Liebschwager

    Ein toller Beitrag, lieben Dank! Unser Lenny wird Ende Februar 3 zur Abendzeit und nachts mag er immernoch nicht auf die Brust verzichten. Aber, es geht auch ohne! Inzwischen variiert es, mal möchte er mit mir (sprich an der Brust) einschlafen und mal „reicht“ Kuscheln mit Papa. Und du hast recht, wenn Lenny aufgewühlt ist oder sich beim Toben etwas wehgetan hat beruhigt ihn nix schneller als die Brust. Klar, ab und an ist es für mich schon auch nervig, nachts zum Beispiel wenn er zu uns ins Bett kommt und gefühlte alle 10 Minuten andocken will. Aber im Großen und Ganzen genieße ich es (noch)! Trotzdem hoffe auch ich, dass er spätestens zur Kindergartenzeit brustfrei ist… Eines stört mich am Stillen am meisten: abwertende Kommentare!

  • Andrea Angermann

    Ich habe unser drittes Kind bis kurz nach dem 4. Geburtstag gestillt, konnte dazwischen auch 4 Tage ohne Kind wegfahren. War alles kein Problem. Abgestillt wegen Seitenstrangangina und Antibiotikumseinnahme. Also das Abstillen unter der Zeit ist sicher nicht einfach, wenn die Kleinen es noch nicht verstehen. Nur zuviel übers lange Stillen sprechen ist eher anstrengend wegen Rechtfertigungen vor der lieben Gesellschaft. Lg

  • Gesine

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, der mir Mut macht, auf mein Gefühl zu hören! Habe diese Seite gestern zufällig entdeckt und der Artikel über das Familienbett hat mir total aus der Seele gesprochen und mich in meinem Handeln bestärkt. Bin auch großer Fan von Renz-Polster :-) Habe jetzt noch die Lektüre von all den anderen Artikeln vor mir (wenn mein Kleiner mich lesen lässt…) und bin sehr gespannt. Wunderbar, dass es diese Seite gibt! Vielen Dank!! Gesine

    • Vielen lieben Dank für Deinen wunderbaren Kommentar, Gesine :)

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  • Katrin

    Ich lese immer so gern auf deiner Seite. Was du schreibst ist so wertvoll, hilfreich und 1000 Mal besser als in gekauften Zeitschriften. Deshalb liebe ich dein Blog. Vielen Dank für den tollen Artikel! Wir waren vor einem Monat im Geburtsvorbereitungskurs und da war die Hebamme (älteren Jahrgangs) wirklich der Meinung und sie hat es sogar propagiert man solle das Kind früh dran gewöhnen, dass die Eltern auch Zeit für sich brauchen, andernfalls würde es so werden wie die meisten Kinder inzwischen angeblich wären: “Verwöhnte Kinder, die ihren Eltern auf dem Kopf rum tanzen.” Ich fand das unmöglich sowas werdenden Eltern zu sagen, vor allem als Hebamme. Und diese Frau meinte dann auch noch das Tragetuch immer nur draußen verwenden, sonst würde das Kind ja ständig die Muttermilch riechen. Die Krönung war wirklich, dass sie noch sagte: “Wer länger als 6 Monate stillt gehört in Behandlung.” Es hat sich keiner getraut was zu sagen. Ich hab mit sowas nicht gerechnet, aber wenn ich nochmal auf so eine Person treffe, werde ich ihr gehörig die Meinung sagen. Zum Glück sind wir selbst gut informiert und haben unsere eigene Meinung dazu. Es ist unser Kind und es wird ganz viel Nähe, Liebe und Zuwendung bekommen. Und wenn es da ist, werde ich es auf jeden Fall länger als 1 Jahr stillen.

    • Katrin

      Tolle Hebamme! Da fehlen einem echt die Worte!!! Immer nur auf das eigene Gefühl hören 😉

  • Ilona Ebel

    Ich mag den Begriff „künstliche Säuglingsnahrung“ nicht. Das klingt, als hätte man wie die Chinesen vor einigen Jahren der Milch was untergemischt. Zum Rest mag ich mich nicht äußern. Es sollte jeder für sich und das Kind entscheiden, was richtig und wichtig ist. Vorausgesetzt, dass man umfassend über alles informiert wird.

    • Anna R.

      Hallo Ilona, ich verstehe nicht, warum Du den Begriff nicht magst. Er beschreibt genau das, was es nunmal ist. Es ist ein künstlicher Ersatz für das, was normalerweise von der Natur für Säuglinge vorgesehen ist. Ist doch schön, dass es diese Möglichkeit gibt und so jeder für sich und das Kind entscheiden kann, was passt und ihm gut bekommt!
      Gruß, Anna

    • Ilona

      Die Grundlage für die „künstliche“ Säuglingsnahrung ist immer noch Milch. Auch wenn sie von der Kuh stammt. Also ist es nichts künstliches, auch wenn die Kuhmilch mehreren Verarbeitungsschritten unterzogen wird. Mein Sohn hat Flaschenmilch bekommen. Aber ich hatte nie das Gefühl ihm was künstliches zu geben. Aber über Begrifflichkeiten muss man sich zum Glück nicht streiten. Wie du auch gesagt hattest, kann zum Glück jeder selbst entscheiden.

    • julejule

      …Ich denke, wenn man sich die Inhaltsstoffe auf der Packung durchliest, ist die Bezeichnung „künstlich“ die einzig plausible…

  • Anne

    Ich bin fünffache Mutter und habe alle meine Kinder lange gestillt. Das erste drei Jahre lang, davon über ein Jahr Tandemstllen mit dem zweiten Kind. Das zweite und dritte Kind haben beide ungefähr mit zwei Jahren von allein aufgehört. Das vierte Kind wollte vier Jahre gestillt werden und das fünfte ist sieben Monate alt und probiert grade neugierig, was es außer meiner Milch noch alles zu schmecken gibt. Die Großen (17, 19 und 20 Jahre) haben sich zu selbständigen, liebevollen Menschen entwickelt. Von ewiger Abhängigkeit und Verwöhnen keine Spur. Ich bin allen meinen Kindern dankbar für diese Stillzeiten. Wenn das Bedürfnis nach vollkommener Nähe und Geborgenheit gestillt ist, kann sich Loslassen und Eigenständigkeit entwickeln.

  • bianca

    Sehr schöne seiten danke dafür! !! Ihc habe 7 monate alte zwillinge und am stillen besonders nachts stille ich jeden meist 4 mal. Ich war am überlegen abzustillen aber jetzt nach ihrem beitrag werd ich definitiv solang stillen wie meine schätze es brauchen!ihc denke jetzt bin ich gut informiert und kann mit dummen kommentaren die vielleicht kommen besser umgehen. Hatte auch da etwas angst davor. Vielen dank fürs Rücken stärken. Alles liebe und gute für sie. Liebe grusse bianca

  • Annette

    Ich habe meinen Sohn 4 Jahre lang gestillt und es auch stolz vor allen Skeptikern verteidigt.
    Pünktlich zu seinem 4.Geburtstag hat er sich von alleine abgestillt. Ich werde diese intensive Zeit nie vergessen!!! Mütter; lasst Euch nicht reinreden….hört auf Euer Herz :-)

  • Mamita87

    Ich stille nun seit 12 1/2 Monaten meine Kleine und sie isst teilweise auch bei Tisch gerne und viel mit. Jedoch merke ich deutlich das sie die Brust noch braucht. Vor allem vor dem einschlafen oder Nachts. In letzter Zeit merke ich jedoch das die Milch sehr zurück geht obwohl ich genauso häufig anlege wie davor. (Könnte Stessbedingt bei mir liegen) Wie hast du solche Zeiten überwunden und die Milchbildung wieder angeregt?

    • Hallo,

      lässt sich der Stress reduzieren? Dann würde ich an dem Punkt ansetzen. Ansonsten weiter nach Bedarf anlegen, normalerweise pendelt sich die Milchproduktion (sofern der Stress nicht dauerhaft anhält) dann wieder ein.

      Beste Grüße
      Kathrin

    • Mamita87

      Leider lässt sich der Stress momentan nicht reduzieren. Möchte aber ungern abstillen da meine Kleine es deutlich noch braucht.

    • Carmen Azabache

      Hallo,

      Ich empfehle Dir Haferflocken (selber gemacht) als Getränk zu trinken. Ich komme aus Peru. Dort wird immer das empfohlen.

      Dafür brauchts:
      2 Löffel schmelzfloken
      1/2 Liter Wasser
      Äpfeln in kleine Stück
      1 Zimt Stange
      2 Nelken
      1 Löffel Honig oder braune Zucker
      Noch lecker kann man dazu Ananas rein.

      Alles kochen lassen und fertig.

      Wenn man möchte kann man alles in den Mixer tuen (Zimt und Nelken auch) und mischen. Es ist sehr lecker und deine Brüsten werden mit voll Milch.
      Ich habe eine Tochter.Sie ist 22 Monate alt und ich stille immer noch. Sie isst alles gerne aber wenn krank ist, bin ich zu dankbar dass ich noch stille. Sie ist eine liebe und ausgeglichenes Kleinkind. Sie sagt schon Bescheid wenn sie zu Toilette muss.

      Viele Leute haben mir auch gefragt, bis wann möchte ich mein Baby stille?. Ich sage immer: Bis Sie es nicht möchte.
      ich hoffe dass meine Rezept Dir helfen kann. Am besten trink morgen und Abends wieviel du möchtest. Liebe Grüße

    • Darwin Brecht

      Hallo Carmen,
      Mein Name ist Darwin Brecht ich habe dein beitrag gelesen und glaube du könntest mir ein paar persöhnliche fragen beantworten.
      Deshalb wollte ich dich bitten ob du mir nicht deine e-mail adresse schicken könntest das wäre sehr lieb.
      E-mail –》 persöhnliche Fragen
      Ich wäre dir sehr dankbar

      Darwin

    • Carmen Azabache Chero

      abogada.carmenazabache@hotmail.de
      Das ist meine Email

      Gerne bin ich zur Verfügung um dir zu helfen.

  • Pingback: Stillst du noch oder isst er schon? | Gemüsebaby()

  • Pingback: Endgültiges Abstillen beim Kleinkind – Ein Happy End - Nestling()

  • Mar Ih Anna

    Guten Abend, ich habe diesen Artikel gerne gelesen und auch viele der Kommentare. Dann kam mir die Idee, dass ich hier vielleicht interessante Aspekte zu dem was mich zur Zeit beschäftigt finde.

    Ich stille meine Tochter nun 14 Monate, der letzte Monat etwa war etwas schwierig. Seit knapp einer Woche verweigert sie die rechte Brust, zeigt aber ca. 4 Mal täglich wie sehr sie sich über die linke freut. Manchmal ist sie nach ihr noch nicht satt und unglücklich mit der rechten. Vor zwei Wochen hatte ich schon so einen Kampf, den ich damals erfolgreich gemeistert hatte, dachte ich zumindestens. Sie hatte Fieber gehabt wegen zwei Backenzähnen und verweigerte jedliche Form von Nahrung. Ich war froh, wenn sie irgendwas zu sich nahm. Aber mit der Brust ist das nicht so einfach wie mit Brei, da kann man sie nicht ablenken… Nun hatte sie mindestens einen Tag beide Seiten nicht genommen und weitere Tage die rechte. Es war ein Kampf und zwischendurch dachte ich, da kommt zu ihrer Stillzeit nichts mehr. Gutes Zureden. im Halbschlaf erwischen und die Versuche per Hand abzupumpen erhielten die Brust, so dass sie sich danach ein paar Tage auch über die rechte Brust freute…

    Dann kam plötzlich aber dieses vollkommen entschiedene Verhalten, als habe sie eine Lieblingsbrust und mit der rechten würde die Welt unter gehen. Ich denke, vielleicht hat sie zu viele „negative“ Erfahrungen mit ihr gemacht – es war ihr zu oft zu wenig Druck drauf, oder so… Aber es ist ihre Aufgabe das zu verbessern und meine die Brüste zu koordinieren… aber wenn sie es nicht einmal probiert? Ihr keine Chance mehr gibt… Ich erhalte die Brust in dem ich von Hand mindestens nach jedem Stillen mit der linken Brust abpumpe (oft so, dass meine Tochter dabei ist und es sieht…) aber dabei kommt nicht so viel rum, wie wenn die Kleine saugen würde. Ich glaube, würde ich diese Prozedur einen Tag einstellen (und es ist nervig) bleibt mir die Milch aus… Aber nur mit einer Brust weiter stillen? Ich hab schon manchmal das Gefühl ich kipp um zu einer Seite (etwas übertrieben bildhaft geschrieben).

    Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden soll und bin recht unglücklich mit der ganzen Situation. Alle, denen ich davon erzähle (weil es mich beschäftigt und ich denke mich mit diesen Frauen austauschen zu können) meinen mir raten zu müssen, es als DIE MÖGLICHKEIT um entlich abzustillen wahr zu nehmen. Es sind die gleichen Menschen, die vorher, wenn ich ihnen erzählt habe, ich stille bei 12 – 13 Monaten immer sagten: „Echt? Wow, du machst genau das richtige für dein Kind, dass ist das beste was es kriegen kann…“ Und dann gleich die Möglichkeit nutzen es mir auszureden…? Na ja, dass ist aber eine Geschichte für sich.

    Ich habe immer ein wenig mit dem Gedanken gespielt demnächst abzustillen, weil ich noch keine Regelblutung bekam und mir doch bald vorstellen konnte schwanger zu werden (da ich vermute, dass das Ausbleiben der Regel mit dem Stillen zusammen hängt). Vor kurzem begann es aber doch mit den Blutungen und so bin ich zuversichtlich, dass ich weiter stillen kann und das nächste Kind planen.

    Nur wie kann ich mein Kind zur zweiten Brust bereden?
    Ich habe ihr schon oft gut zu geredet. Schon verzweifelnd „Wenn du sie nicht trinkst bleibt die Milch weg…“.
    Heute habe ich etwas traumatisierendes gemacht… :-[
    Ich habe gewartet bis meine Tochter deutlich zeigte, sie will jetzt die Brust und freut sich drauf, habe mir dann ein Pflaster auf die Brust die sie mag geklebt, ohne dass sie mich dabei beobachten konnte. Habe ihr dann wie immer erst die rechte angeboten und als sie anfing die linke zu suchen und auszupacken sagte ich ihr: Die sei kaputt, da kommt keine Milch, sie muss die rechte nehmen – hab ihr auch gezeigt, dass DA Milch kommt… Das Entsetzen war groß! Der Erfolg blieb aus! Als sie versuchte das Pflaster abzuziehen hielt sie inne, ich vermute sie dachte, das tut mir weh. Danach traute sie sich nicht mehr ans Pflaster. Unglücklich. Ich gab nach… Doch sie nahm auch die linke Brust nicht mehr!!! Ich hab ein ganz schön doofes Gewissen, dass ich mich zu so makabren Methoden gebracht habe. Das war nachmittags, zwei weitere Angebote über den Tag verteilt mit der linken Brust schlug sie aus!! Ich hoff, dass wenn sie im Schlaf Hunger bekommt Gras drüber gewachsen ist..

    Jetzt habe ich so viele meiner aktuellen Stillsorgen mit euch geteilt… vielleicht hat es zumindestens einen Sinn und spendet in irgendeiner Form Trost den anderen Müttern mit Sorgen…

    Vielleicht kann mir hier jemand helfen, ich wäre gerne eine Langzeitstillende mit einem… GLÜCKLICHEN Kind.

    Vielen Dank.

    • Liebe Marianna,

      das klingt gar nicht gut! Zunächst ist es völlig normal, dass Kinder eine „Lieblingsbrust“ haben, denn bei fast allen Frauen gibt es eine Brust, aus der die Milch besser fließt. Im Grunde kannst Du auch mit einer Brust stillen (Zwillingsmütter bekommen ja auch zwei Kinder gesättigt), allerdings ist das im Sommer mit einer kleinen und einer großen Brust nicht so schick…

      Seit wann macht sie das denn? Vielleicht lässt Du sie auch einmal vom Kinderarzt anschauen, um eine medizinische Ursache auszuschließen.
      Möglicherweise tut ihr beim Trinken an der rechten Seite etwas weh. Hat sie eine Erkältung? Kinder mit Ohrenschmerzen verweigern häufig eine Seite, wenn nur ein Ohr betroffen ist, weil es ihnen unangenehm ist auf dem erkrankten Ohr zu liegen. Hilft denn eine andere Stillposition oder will sie tatsächlich – egal wie – nur die Linke?

      Manche Kinder lassen sich mit diesem Trick überlisten: Lege Deine Tochter zuerst an der linken Seite an.
      Sobald der Milchspendereflex ausgelöst wurde, wechsle, ohne die Stillhaltung zu verändern, an die andere Seite. Du kannst auch den Milchspendereflex durch Massage auslösen und deine Tochter dann an der ungeliebten Seite anlegen. Vielleicht ist es ihr zu anstrengend, wenn sie an der Seite so intensiv arbeiten muss!?

      Ich würde ihr außerdem in der Nacht weiterhin die Rechte anbieten und wenn das alles nicht hilft, nur an der Linken trinken lassen.

      Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du der Ursache auf den Grund gehen kannst und ihr bald wieder eine glückliche Stillbeziehung führt!
      Bei Fragen kannst Du Dich gerne auch direkt an mich wenden – per E-Mail an kathrin@nestling.org

      LG
      Kathrin