Langzeitstillen: Ist da überhaupt noch was drin?

Kathrin Stillen 98 Kommentare

Ich stille unser Mädchen seit 2,5 Jahren. Als ich diese Tatsache neulich offen äußerte, schaute mein Gegenüber irritiert auf meine Brüste und fragte: „Ist da überhaupt noch was drin?“ Ich schmunzelte und antwortete: „Natürlich!“

Ein Kind länger als 6 Monate zu stillen ist in Deutschland zwar ungewöhnlich und für viele befremdlich, aber möglich.

Die Milchproduktion wird durch das Saugen des Babys angeregt und solange fortgesetzt, wie Milch angefordert wird. Nur so waren unsere Vorfahren überhaupt in der Lage zu überleben, schließlich gab es früher „keine adaptierte Folgemilch, ja, bis vor wenigen tausend Jahren noch nicht einmal Tiermilch.“[1]

Kinder mussten also bis ins Kleinkindalter gestillt werden, ob Mütter wollten oder nicht. „Das Nahrungsangebot war oftmals spärlich. […] Die Kindersterblichkeit enorm hoch.“[2] Es galt saisonale Nahrungsengpässe, sowie den generellen Mangel an „für Kleinkinder verwertbare Eiweißquellen“ zu überwinden.[3] Außerdem boten die Antikörper in der Muttermilch den wirksamsten Schutz vor Krankheiten und Infektionen.

Nur wer lange stillte, bewahrte sein Kind vor dem sicheren Tod.

Heute gibt es nichts mehr zu befürchten: Unsere Hygienestandards sind hoch und die Kaufhausregale prall gefüllt mit künstlicher Säuglingsnahrung. Keine Mutter muss stillen – erst Recht nicht lange – und doch ist der weibliche Körper nach wie vor in der Lage, jahrelang Milch zu produzieren. Eine erstaunliche Meisterleistung.

Ich bin selbst überrascht, wie problemlos ich liefere, was unser Mädchen „bestellt“.  Sie erhält zwar seit dem 6. Monat feste Nahrung und isst von dieser viel und gerne, aber Muttermilch trinkt sie nach wie vor reichlich – tags und nachts.

Obwohl ihr Trinkbedürfnis teils stark variiert – von stundenlanger Stillabstinenz bei Spiel und Spaß bis hin zum Dauerstillen im Krankheitsfall – scheint immer die richtige Menge für sie da zu sein. Auch noch nach 2,5 Jahren.

Die Annahme meines überraschten Gesprächspartners, dass nach so langer Stillzeit doch nichts mehr in der Brust drin sein könne, ist allerdings nachvollziehbar. Einerseits gibt es wenige Frauen, die ihre Kleinkinder in der Öffentlichkeit stillen und so könnte man meinen, keine tut es. Andererseits wird „zu wenig Milch“ als häufigster Grund für das Abstillen angegeben.

Doch den wenigsten Frauen mangelt es an Milch. Meist werden normale Veränderungen fehlinterpretiert, beispielsweise der gesteigerte Milchbedarf eines Kindes während eines Wachstumsschubes oder das „Weichwerden“ der Brüste (siehe auch „Zu wenig Milch“).

Grundsätzlich gilt: Je öfter ein Baby angelegt wird, desto mehr Milch wird produziert.

Wenn es dir wichtig ist weiterzustillen, wende dich an eine Stillberaterin vor Ort. Sie kann die Situation einschätzen und wird euch helfen. Leider sind viele Kinderärzte nicht unbedingt „Stillprofis“ und können deshalb in der Hinsicht selten gute Hilfe leisten.

„Aber normal ist das lange Stillen nicht, oder?“, werde ich weiter gelöchert.
„Nun, was ist schon normal?“, entgegne ich.

Für mich ist es das normalste der Welt mein Kleinkind zu stillen.

Warum sollte ich unserem Mädchen die Milch, die für sie bestimmt ist, verwehren? Warum sollte sie die Milch eines anderen Tieres trinken (auch künstliche Säuglingsnahrung besteht aus Kuhmilch), wenn sie doch genau die Eiweiße, Mineralien, Vitamine und Abwehrstoffe haben kann, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind? Und die wichtigste Frage überhaupt: Warum sollte ich unsere Stillbeziehung beenden, wenn uns beiden das Stillen doch gefällt?

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Entspanntes Stillen am Strand von Honfleur, Frankreich im August 2013.

In Deutschland ist Muttermilch zwar für kleine Babys reserviert, weil es hauptsächlich als Nahrungsmittel betrachtet wird, doch auch Kleinkinder profitieren noch vom Stillen: Gesundheitlich, ernährungsphysiologisch UND emotional.

„Durch die ganze Stillzeit hindurch büßt Muttermilch nichts von ihrer Qualität ein. Die darin enthaltenen Immunfaktoren schützen das Kind – auch wenn es älter wird – vor Krankheiten und als Nahrungsmittel ist die Milch weiterhin optimal.“[4]

Außerdem ist das Stillen ein fantastisches Beruhigungsmittel, nicht nur nachts. Unser Mädchen lässt sich zwar auch von anderen Bezugspersonen trösten, aber wenn heftige Gefühlsstürme aufziehen oder wir längere Zeit in einer ungewohnten Umgebung verweilen, sucht sie bevorzugt meine Nähe. Was auch immer sie bedrückt, nach dem Stillen ist sie wie ausgewechselt – ausgeglichen und zufrieden.

„Das Saugen erfüllt eine wichtige, ausgleichende Funktion im Leben des schnell wachsenden kleinen Menschen. Deswegen suchen die meisten Kinder, die nicht gestillt werden, zwangsläufig nach einem Ersatz, wie zum Beispiel Flasche, Schnuller, Daumen, Finger, Haare, Schmusedecke usw.“ (La Leche Liga: Wir stillen noch (2010), S. 24)

„Mmmhhh, aber ist das nicht irgendwie … schädlich für sie?“
„Nein!“

Wie bereits angesprochen gehörte „körperliche Nähe und langes Stillen zu 99% der menschlichen Geschichte zu den unverhandelbaren Schutz- und Lebensbedingungen kleiner Kinder. […] Es gibt […] keine Hinweise auf schädliche Effekte auf die Psyche oder die Entwicklung des Kindes, wenn ins dritte Lebensjahr hinein oder länger gestillt wird.“ (siehe auch „Langzeitstillen aus evolutionsbiologischer Sicht„).

„Und wie lange willst Du noch so weiter machen?“, werde ich abschließend gefragt.
„Ganz ehrlich, ich weiß es nicht!“, lautete meine Antwort.

Im Idealfall sagt mir unser Mädchen irgendwann vor ihrem dritten Geburtstag, dass sie groß ist und keine Milch mehr braucht. Drei Jahre Stillzeit erscheinen mir (von meinem heutigen Standpunkt aus betrachtet) genug. Ob sie das auch so sieht, wird sich zeigen. Ich wünsche mir jedenfalls ein friedliches Abstillen, mit dem wir beide einverstanden sind. Keinen erbitterten Abstillkampf – dann hänge ich lieber noch ein paar Wochen dran.

Nachtrag Sommer 2015:
Bei uns erfolgte mit der Geburt von Nestling Nr. 2 (im November 2014 – da war das Mädchen 3,5 Jahre) ein Abstillen in zwei Stufen. Zuerst reduzierte ich die nächtlichen Stilleinheiten („Erfahrungsbericht: Abstillen beim Kleinkind„) und mit ihrem vierten Geburtstag ließen wir dann auch das „Einschlaf-Stillen“ und das Stillen nach dem Aufwachen weg („Endgültiges Abstillen – Ein Happy End„).
Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 62.
  2. Lüpold, Sibylle: Stillen ohne Zwang (2013), 20.
  3. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 61.
  4. La Leche Liga: Das Handbuch für stillende Mütter (2001), 202.

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  • Anne

    Herrlich!! Vielen Dank für diesen wundervollen Betrag, ich hoffe dieser wird von vielen Menschen gelesen, damit das „alte Wissen“ wieder an die Oberfläche kommt. Ich selber stille auch meine 2jahre 3monate jungen Zwillinge und sie lieben es. Bitte mach weiter so!!!

    • Wow! Respekt! Ich kenne keine Zwillingsmama, die so lange stillt. Wie schaffst Du das nachts? Da bin ich mit einem Milchvampir ja manchmal schon überfordert 😉
      Vielen Dank für Deine Zeilen.
      LG
      Kathrin

    • Alicia

      Schön zu lesen, das es noch andere Zwillingsmamas gibt die auch so lang stillen! Meine Zwillinge sind 2 Jahre und 6 Monate! Hab gedacht das ich die zwei nicht so lang stillen werde aber die Kids wollten und wollen es immer noch, bin aber grad dabei sie langsam abzustillen weil ich nachts kaum noch meinen Schlaf bekomme! Leider hab ich es nicht so wie bei meiner großen geschafft das ich sie erst nachts nicht mehr still und dann das abends und morgens aufhöre, bei den zweien war es genau anders erst wollten sie morgens nicht mehr, dann hab ich das abends aufgehört und die Nächte ja da hängen sie noch an mir 😉
      Meine große Tochter ist 5,7 Jahre und ich hab sie 2,5 Jahre gestillt! Sie hat nicht mehr gewollt und da ich mit den Zwillingen schwanger war, war es für mich ein guter Zeitpunkt!
      Was auch viele frisch gebackene Mamas nicht wissen ist das sie nach der Entbindung Milch für mehrere Kinder haben und sich die Milch auf soviel Kinder reduziert wie benötigt wird! dank meiner Freundin (sie ist stillberaterin) war ich durch ihre guten Ratschläge in der Lage mich bei den Schwestern im Krankenhaus durch zu setzen und meine Zwillinge nach Bedarf zu stillen und nicht nach einem Rhythmus! Ich muss schon sagen was man von Krankenschwestern geraten bekommt ist schon komisch! Hab meine Zwillinge 7 Monate voll gestillt und dann kam das Interesse an fester Nahrung!
      Ich find es sehr wichtig, das jede Mama selbst entscheidet wie lang, wann, wie und wo sie ihre Kinder stillt!!!

      Liebe Kathrin, ich Lese deine Beiträge immer mit sehr großem Interesse, da du soviel schreibst was ich genauso denke und auch mit gemacht habe! Zum Thema schlafen (auch wenn das jetzt nicht hier her passt) hab ich vielleicht für einige einen tipp das Buch von Jirena prekop „schlaf Kindlein verflixt noch mal“ hat mir bei meiner großen Tochter sehr geholfen! Sie hat noch viele weitere tolle bücher geschrieben!
      Mach weiter so!
      Lg

    • Liebe Alicia,

      vielen Dank – auch für den Buchtipp. Und schön zu lesen, dass es noch mehr langzeitstillende Zwillingsmamis gibt :)
      Alles Liebe
      Kathrin

    • Zwillis

      Hallo,
      ich stille meine Zwillinge auch seit 2 Jahren und einem Monat.
      Ich kenne auch noch mindestens 3 andere Langzeitstillende Zwillingsmütter. Gerade bei Zwillingen finde ich dass das Stillen den Alltag enorm erleichtert.

      Kathrin, meine Süßen hängen übrigens zur Zeit Nachts glaube ich dauerhaft an der Brust…
      Ich liege auf dem Rücken und eine links eine rechts an mir dran/drauf;-)
      Ich schlafe wunderbar:-)

      Ich habe übrigens ca. 14 Monate vollgestillt weil sie vorher einfach nix essen wollten. Danach habe ich dann tags abgestillt ( sie stillen aber nach wie vor Mittags zum einschlafen und aufwachen) , weil es da angefangen hat, dass die eine auch immer wollte wenn die andere gerade stillte. In der Öffentlichkeit war mir das Tandemstillen aber unangenehm. Mit einem Kind würde ich bestimmt heute noch nach Bedarf stillen.

      Zur Zeit habe ich vor meine beiden so lange stillen zu lassen wie sie wollen. Mal schauen.

      Ich finde deine Seite ganz toll!!

    • Anonymous

      super, das ist schön. Meine Große hat dreieinhalb Jahre gestillt.

  • Jessica Fiebig-Dewald

    Super Bericht!!! Wir lieben es auch zu stillen. Hab meinen heutigen Sohn wird an 23.2. 4 Jahre skr die ganze letzte Schwangerschaft durchgestellt. Nach der Entbindung habe ich beide gestillt. Es hat Super geklappt. Ganz selten kommt er heute noch an um möchte mal trinken. Unsere Nesthäkchen Eies noch gestillt. Er ist jetzt 18 Monate. Und wie laaange? Mal schauen:)
    Bekommen sich oft blöde sprüche zuhören…mir egal

    • Vielen Dank, Jessica! Bis 4 halte ich vielleicht auch noch durch, mal schauen 😉
      LG Kathrin

  • Nina

    Wundervoller Beitrag! Danke dafür :)
    Meine Kleine wird jetzt ein Jahr alt und ich werde
    dauernd gefragt wann ich denn jetzt endlich mal
    abstille. Aber die Flasche zu geben finden alle in Ordnung…
    Verkehrte Welt!

    • Herzlichen Dank, Nina.
      Nun das Bild von „Flaschenkindern“ wurde ja von der Babynahrungsindustrie extrem beworben und dadurch normalisiert. Es wurde irgendwann so normal, dass es keiner mehr hinterfragte. Leider.
      Aber es scheint ja gerade einen kleinen Umschwung zu geben, vielleicht stillen unsere Kinder ja wieder mit absoluter Selbstverständlichkeit 😉

      LG
      Kathrin

  • Sabine

    Danke für diesen wundervollen Beitrag <3 fühle mich sehr bestärkt. Stille zwar erst 13 Monate. Aber ein Ende ist zum Glück nicht in Sicht und ich durfte mir schon nach 6 Monaten diverse Kommentare anhören. DANK

    • Erst 13 Monate, Du bist ja gut, Sabine. Das ist für deutsche Verhältnisse ja schon unanständig lange 😉
      Ich wünsche Euch noch eine entspannte Stillzeit!
      LG Kathrin

  • Anne

    Sehr schöner Beitrag, Danke!

    Wie schön wäre es, wenn das Stillen, das lange Stillen und das öffentliche Stillen wieder *normal* werden!
    Ich habe meine Stillzeit(en) sehr genossen (abgesehen davon, dass ich mein erstes Kind leider sehr früh aus Unwissenheit und mangels Unterstützung abgestillt habe)
    Das zweite Kind wollte ich *wie man das eben so macht* 6 Monate vollstillen und danach bis zum Ende des ersten Lebensjahres abstillen. Mein Kind wusste glücklicherweise nicht, dass *man das eben so macht*. Mit 6 Monaten verweigerte es den klassischen Möhrenbrei. Allen anderen Breie auch. Auch mit 6 1/2 Monaten und mit 7 Monaten… dann kam der Tag an dem auf Papas Brot abends plötzlich der Käse fehlte. Unser Kind hatte sich seinen eigenen Beikostplan erstellt. Nach und nach wurden alle möglichen Lebensmittel probiert – in homoöpathischen Mengen, versteht sich. Mit etwa 13 Monaten steigerten sich die Mengen – manchmal. Es kam vor, dass das Kind auch mal ohne Stillen *satt* war. Huch, so lange wollte ich doch gar nicht stillen und ich stillte immer noch und das zeitweise voll…
    Mittlerweile hatte ich allerdings viel zu dem Thema gelesen und ich hatte meinen Abstillwunsch eh auf später verschoben. Mit ca. 16 Monaten waren wir so weit, dass das Stillen langsam zur Beikost wurde. Was nicht etwa bedeutete, dass weniger gestillt wurde. Lediglich die Mengen an fester Nahrung steigerten sich so, dass das Kind am Familientisch *normale* Kinderportionen mitaß. Aber Stillen kann man ja zwischen den Mahlzeiten immer.
    Als das Kind 21 Monate alt war, meldete sich Kind Nr. 3 an.
    Jetzt *musste* ich aber abstillen!
    Warum? Warum muss ich? Nein, ich muss gar nix.
    Lediglich wollte ich nachts nicht mehr stillen und das vor allem deshalb, weil ich nicht nach der Geburt nachts zwei Kinder stillen wollte. Aber immerhin hatte ich ja für dieses Unterfangen 9 Monate Zeit. Dank Papas Hilfe brauchte es aber gar nicht so lange. Nächtliches Stillen ließ sich oft genug durch Papakuscheln oder einen Schluck Wasser aus Papas Glas ersetzen. Erst wenn das nicht half, habe ich gestillt. Nach dem zweiten nächtlichen Stillen bin ich dann ausgewandert und habe im Wohnzimmer weitergeschlafen. Und ja, ich bin auch wieder zurückgekommen, wenn Papakuscheln und Wassertrinken so überhaupt nicht passten. Aber das war selten und immer seltener. Und immer seltener bin ich überhaupt ausgewandert. Und immer seltener wurde unser Kind überhaupt wach. Papakuscheln kann man ja, genau wie Stillen, auch im Schlaf.
    Etwa zur Hälfte der Schwangerschaft, versiegte die Milch.
    So, dann konnte ich ja auch aufhören mit der ewigen Stillerei!
    Ja, ich hätte das tun können, wenn ich das so gewollt hätte. Ich sah aber keine Notwendigkeit dafür. Also, warum sollte ich?
    Viel wichtiger war aber, dass das Kind auch nicht wollte. Also haben wir *trocken* weitergestillt. Manchmal, wenn die Brust schmerzte und die Brustwarzen besonders empfindlich waren, habe ich gefeilscht und verhandelt… ‚Nachher, wenn wir Dies oder Jenes fertig haben‘ oder ‚Okay, aber nur drei Schlucke‘.
    Alles das geschah einvernehmlich und mit viel innerem Frieden. Dann kam das letzte Drittel der Schwangerschaft und mit ihm die Vormilch, was eines Morgens zu dem begeisterten Ausruf führte ‚Is Kakau linn (drin)!‘ Ja Kolostrum ist noch süßer als Muttermilch!
    Und auch hier funktionierte schon wieder das Gesetz von Nachfrage und Angebot. Als das dritte Kind geboren wurde, war soviel Milch da, dass ich ab der ersten Mahlzeit voll stillen konnte. Voll im Sinne von ‚bis zum Überlaufen abfüllen‘. Kind 3 hat nie um einen Tropfen Milch kämpfen müssen.
    Dann kam der Milcheinschuss und Kind 3 hatte nicht annähernd so viel Hunger wie ich gebraucht hätte, um mich wieder einigermaßen menschlich zu fühlen. Aber da war ja zum Glück noch Kind 2. Den Gesichtsausdruck beim Anblick meiner zum Platzen geschwollenen Brüste werde ich wohl nie vergessen! Eine halbe Stunde später war Kind 2 zum Platzen vollgetrunken und meine Brüste fühlten sich wieder erträglich an! Es lebe das Tandemstillen! In der Anfangszeit durfte sich immer erst das Baby satt trinken, später dann, nachdem ein fieser Magen-Darm-Virus gewütet hatte und ich beide Kinder wieder vollgestillt hatte, hatte eine Zeit lang jedes Kind ’seine‘ Seite. Dann kam die Phase, wo Kind 2 nur noch morgens und abends stillen wollte und ich in der Folge sehr schief aussah. Also bekam Kind 3 wieder beide Seiten im Wechsel – um der Optik und Ästhetik willen.
    Genossen habe ich an der Tandemstillzeit das gemeinsame Stillen beider Kinder. Wir haben uns auf das Sofa gekuschelt und es war RUHE! Stillen ist eben einfach Stillen. Mit nichts hätte ich meine Kinder leichter und schneller in den Schlaf begleiten können als mit dem abendlichen Tandemstillen auf dem Sofa. Der Papa hat anschließend geholfen, die Kinder zu Bett zu tragen. Wenn er nicht da war, war es etwas komplizierter, aber auch das ging. In der letzten Phase hat Kind 2 nur noch Sonntag morgens gestillt, wenn wir länger im Bett lagen und kuschelten. Und irgendwann hatte es einfach vergessen, wie’s ging. Im Alter von 5 1/2 Jahren. Danach bekam auch Kind 3 noch eine Solo-Stillzeit von noch einmal knapp 2 Jahren. Mit knapp 5 Jahren war dann auch diese Stillzeit zu Ende. (5 1/2 + 5 ist in diesem Fall also nur 71/2)
    Ich bin froh, meinen Kindern den Abstillzeit selbst überlassen zu haben. Diese Phase meines Lebens ist der einzige Abschnitt, zu dem ich mit voller Überzeugung sagen kann ‚Im Wiederholungsfall würde ich Nichts, aber auch Gar Nichts anders machen!‘ Doch – ich würde mich nicht so verrückt machen, wenn mein Kind mit 6 Monaten die Beikost verweigert.
    Achja: Kind 3 begann mit 5 Monaten, sich für Beikost zu interessieren. Zum Lutschen, Ausspucken, Kneten, Krümeln, Hund Füttern eignete sich Beikost hervorragend! Essen? Igitt, nein! Mit einem Jahr dann, von heute auf morgen, gab es drei Mahlzeiten vom Familientisch. Und immer noch jede Menge Muttermilch.
    Öffentliches Stillen? Immer. Überall. Dezent, aber ja!
    Einmal sogar gab es für einen Fernsehbeitrag mit versteckter Kamera ein ‚Provokationstandemstillen‘ auf einer Bank in der Einkaufspassage in Bonn. – Nein, ich hab nicht nackt da gesessen, es war Winter, alles war gut und warm verpackt… – Es hat niemanden gestört. Keiner hat sich aufgeregt, keiner hat was gesagt. Auch als die Fernsehleute aus der Deckung kamen und die Leute interviewt haben, kamen nur positive Reaktionen.
    Also Mütter, traut Euch mit Euren Stillkindern an die Öffentlichkeit. Die Unterstellung, dass stillende Mütter jedem Ihren Busen vor die Nase halten, ist schlichtweg Quatsch. Wenn man sich geschickt anstellt, merken es die meisten Leute nicht mal!

    • Anonymous

      Wunderschöner Bericht – danke!

    • Ronja

      Wow bewundernswert! Es sollte viel mehr Frauen geben, die einfach auf ihre Gefühle und die der Kinder hört.
      Es ist immer wieder erstaunlich wozu der weibliche Körper in der Lage ist.

    • „Den Gesichtsausdruck beim Anblick meiner zum Platzen geschwollenen Brüste werde ich wohl nie vergessen!“ Na das kann ich mir sehr gut vorstellen 😀
      Du blickst auf eine wirklich lange Stillzeit mit sehr vielen Erfahrungen zurück. Schiefe Brüste hatte ich übrigens auch schon, weil unser Mädchen eine zeitlang nur an einer trinken wollte :/
      Vielen Dank für das Teilen Deiner Gedanken!
      LG
      Kathrin

    • Jane

      Ich habe nichts dagegen, dass Frauen so lange stillen, aber wer kann es sich denn heutzutage leisten so lange zu hause zu bleiben um sein Kind voll zu stillen? Das können doch nur Frauen die einen Lebensgefährten haben der sehr gut verdient oder man bekommt sein Geld vom Amt. Jede Frau die arbeiten geht kann sich das nämlich nicht leisten so lange zu hause zu bleiben.

    • Hallo Jane, langzeitstillen und arbeiten schließen sich nicht aus. Es gibt berufstätige Mütter, die ihre Kinder einfach nach der Arbeit bzw. nachts stillen.
      Was Thomas und mich anbelangt: ich kann zu Hause bleiben, weil wir den Gürtel sehr eng schnallen. Diese Variante hattest Du vergessen zu erwähnen…

    • annkathrin

      Dankeschön für deine Geschichte.
      Sei froh, dass du so einen tollen Mann hast, der dich unterstützt… meine Tochter wird in 2 Monaten 4 und sie und ich würden eigentlich sehr gerne noch weiterstillen. Jedoch gibt es Streß wenn, mein Freund es mitbekommt oder unsere Tochter ihm sagt, dass sie nunnun (hab ich von Anfang an so genannt. Weil ich nicht wollte, dass sie in der Öffentlichkeit „Mama Titti“ oder dergleichen ruft… 😀 ) gemacht hat.
      Diesen Streß gibt es schon seit sie etwa 12 Monate alt war. „Willst du nicht mal langsam damit aufhören?“, „Das geht noch so, wenn sie zur Schule geht. Dann gehst du zur Pause hin und gibst ihr die Brust…“
      Wegen seiner Nörgeleien hab ich das Stillen dann reduziert, nur noch Nachts wenn sie aufwacht. Meistens bekam er dann davon gar nichts mit, sodass er dann irgendwann dachte wir würden nicht mehr stillen. Dann hat er es doch mal mitgekriegt und zu unserer Tochter gesagt sie wäre ein Baby, weil sie das noch macht. :( :`(
      Seid froh und dankbar, wenn ihr so tolle Männer habt!

    • Liebe Ann-Kathrin, das tut mir schrecklich leid für Dich! Ich weiß genau, welches Glück wir haben, dass Thomas uns so selbstverständlich unterstützt und ich finde es bemerkenswert, dass Du Deine Tochter heimlich weiter stillst. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft.
      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Maria

    Bin auch Langzeittandemstillerin. Hab bis jetzt keinen Schluck Alkohol getrunken. Wie sieht das aus wenn man mal gern ein Gläschen mitanstoßen würde. Sollte man dann die Milch abpumpen und wegschütten. Bzw. Wenn man Antibiotika nehmen müsste???

    • Anne

      Doch – ab und an ein Gläschen, das ist gar kein Problem. Anders als in der Schwangerschaft bekommt das Kind ja nicht die *volle Dröhnung* ab.
      Angenommen, Du hättest 1 Promille Blutalkohol (und dafür müsstest Du schon ganz gut was weghauen…), hätte auch Deine Milch 1 Promille Alkoholgehalt. D.h. in einem Liter Muttermilch wäre 1 Milliliter Alkohol enthalten. Wenn Dein Kind 300 ml Milch trinkt, dann bekommt es 0,3 ml Alkohol, das entspricht der Menge von einem Tropfen. Und bitte, wie oft stillst mit 1 Prom. BAK? Vergiss es!

      Zu den Antibiotika gilt grundsätzlich, dass Du Penicillin nehmen darfst. Bei Unverträglichkeit gibt es noch Ersatzmittel. Als Faustregel gilt erst mal, alles was auf *cillin oder *mycin endet, ist möglich, bei *cyclin ist Vorsicht geboten…. Im Zweifel wende Dich an die Embryotox in Berlin!

    • Anonymous

      Danke Anne für die ausführliche Antwort :))

    • Liebe Maria,

      Alkohol geht in die Muttermilch über und kann „bei Säuglingen u.a. zu einem veränderten Schlafverhalten führen (kürzereSchlafphasen. leichterer Schlaf)“. Insbesondere, wenn ein Baby ausschließlich gestillt wird, ist es ratsam komplett auf Alkohol zu verzichten. Wenn Du ab und zu ein Glas Wein, Sekt oder Bier trinken möchtest, kannst Du das tun, solltest aber darauf achten, dass der Abstand zur nächsten Stillmahlzeit ausreichend lang ist. „Nach ca. 1-2 Stunden ist der Alkohol im Blut und somit in der Milch größtenteils abgebaut.“
      Siehe auch: http://www.bfr.bund.de/cm/343/stillen-und-alkoholkonsum-besser-nicht.pdf

      Was die Antibiotika anbelangt – es gibt mittlerweile sehr viele stillfreundliche Medikamente. Entweder mit dem Arzt besprechen oder wie Anne bereits sagte bei https://www.embryotox.de/ (eventuell gemeinsam mit dem behandelndem Arzt) nachschauen.

      Paracetamol ist übrigens kein Antibiotikum, sondern ein Schmerzmittel und nach neuesten Studien ist Ibuprofen Paracetamol vorzuziehen. Siehe auch http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/risiko/tid-24809/gefaehrliche-schmerzmittel-ibuprofen-oder-diclofenac-sind-besser-erforscht_aid_703247.html

      LG
      Kathrin

  • Berger

    Hallo Kathrin,

    schöner Beitrag! Ja, dass alles kenne ich zu genüge. Wir haben drei Kinder, erstes habe ich bis das zweite da war gestillt( 3 Jahre und 3 Monate), dann schmeckte ihm die Milch seltsamerweise nicht mehr und das zweite habe ich bis zur Schwangerschaft vom dritten gestillt, da war dann die Milch weg (3 Jahre und 9 Monate). Die kleine wird bald 17 Monate und ich stille zu 90% voll, sie isst einfach noch nicht genug, ich mach mich da nicht verrückt, sondern genieße meine allerletzte Stillzeit. Draußen wird auch gestillt, aber sehr dezent. Blicke gibt es dazu viele, aber na ja. Für mich ist sie noch soooooo klein 😉 , da vergesse ich oft, dass sie für die anderen schon soooo groß ist.

    Weiterhin eine schöne Stillzeit und alles Gute!
    LG

    Kim

    • Liebe Kim,

      vielen, lieben Dank für Dein Feedback. Wie hast Du das abends gemacht? Bist Du ab und zu mal weggegangen oder all die Jahre bei Deinen Kindern geblieben? Einer der Gründe, warum ich mir bis zum Sommer ein Stillende wünsche ist, dass ich gerne mal wieder mit Thomas (ohne unser Mädchen) ausgehen möchte.

      LG
      Kathrin

  • Anna

    …prinzipiell gebe ich dir total recht und finde alles gut, was du schreibst. Was aber, wenn ein Kind tatsächlich selbst entscheidet, nicht mehr zu stillen? (Ich hab auch deine Beiträge zu diesem Thema gelesen) Meinen Erstgeborenen konnte ich nach knapp 2 Monaten stressigem Abpumpen (Probleme gleich zu Beginn der Stillzeit, fehlende Beratung und Aufklärung in der Klinik, trotz viel Lesestoff während der Schwangerschaft war „in echt“ dann alles anders…) glücklicherweise stillen, alles hat super geklappt und ich war total happy. Er hat sich – unglaublich aber wahr – dann mit 8 Monaten selbst abgestillt, obwohl ich gerne noch weitergestillt hätte. Ihm aber schien richtiges Essen einfach bestens zu schmecken, er war total interessiert und hat wie gesagt selbst nicht mehr an der Brust agiert. Ich war sogar bei der Stillberatung, weil es doch immer heißt, ein Kind stillt sich vor Ende des ersten Lebensjahrs nicht selbst ab. Jedenfalls wollte ich natürlich auch unser nächtes Baby stillen – Leider hat unsere Tochter aber das erste halbe Jahr nur geschrieen. Wenn sie wach war, gabs Gebrüll. Und zwar kein Weinen, kein Jammern – richtig schrilles, lautes Schreien. Eine Zerreißprobe für die ganze Familie. Ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen gestillt und sie hat praktisch im Tragetuch gewohnt (übrigens, Empfehlung: http://www.babytuch.com – ohne Binden und superbequem!) – trotzdem gibt es Kinder, die einfach schreien. Kein Arzt konnte uns weiterhelfen, Osteopathie half ein bisschen – das Schreien aber wurde erst nach einem halben Jahr weniger, wir hatten nichts anders gemacht…
    Mit vier Monaten hat sie die rechte Brust komplett verweigert, ich war körperlich extrem ausgezehrt und durch das viele Schreien natürlich auch psychisch mehr als fertig – also habe ich schweren Herzens und mit vielen Tränen abgestillt.
    Wobei ich nur noch immer Angst bekomme und mich irgendwie „ungerecht behandelt“ fühle, sind Aussagen wie „Es entstehen Bindungsstörungen, wenn man Babys schreien lässt“ oder „Kinder, die viel schreien müssen, leiden nicht nur in der Situation, sondern auch später“ – ich/wir habe/n alles gemacht, damit sich unsere Kleine sicher, geborgen und geliebt fühlt, wirklich alles. Ich kann nur hoffen, dass es in unserem Fall oder generell bei Schreikindern so ist, dass die Winzlinge wissen, wie sehr sie geliebt werden, auch wenn ihre Eltern oft am Limit sind und natürlich selbst nervös, entnervt oder gestresst sind…

    • Liebe Anna,

      zu einer Stillbeziehung gehören immer zwei. Wenn ein Kind nicht mehr stillen will, darf es natürlich nicht gezwungen werden. Aber hat Dein Kind mit 8 Monaten gar keine Milch mehr getrunken? Nur noch feste Nahrung gegessen? Das wäre in der Tat unglaublich.

      Was Dein 2. Kind anbelangt – das klingt nach einer sehr harten Zeit. Leider oder zum Glück habe ich persönlich keine Erfahrung damit gemacht, aber vielleicht erkennst Du Dich in diesem Gastartikel von Bloggerin Anna wieder?
      http://www.nestling.org/schreibaby/

      Du hast ja selbst gesagt: „ich/wir habe/n alles gemacht, damit sich unsere Kleine sicher, geborgen und geliebt fühlt, wirklich alles.“ Das wird sie gespürt haben. Mach Dich nicht fertig, weil es nicht möglich war, der Ursache für ihr Schreien auf den Grund zu gehen. Du hast alles gegeben und warst für sie da. Und bist es auch heute noch. Wie soll das zu einer Bindungsstörung führen?

      Denk nicht in der Vergangenheit, denn die kannst Du heute nicht mehr ändern! Genieße lieber die Zeit, die Dir heute mit Deinen Kindern zur Verfügung steht in vollen Zügen. Ohne schlechtes Gewissen 😉

      LG
      Kathrin

    • Steph

      Liebe Anna,
      kann deine Sorgen verstehen, aber sie sind unbegründet! Ein Kind das geliebt, umsorgt und viel Körperkontakt hat braucht nicht unweigerlich gestillt werden, um Ur-vertrauen zu erlangen. Auch wenn es Stunde um Stunde schreit. Unser großer (6 Jahre) schrie von der ersten Stunde an, täglich etwa 10 Stunden, bis er 13 Wochen alt war. Ich rutschte durch mangelnden Schlaf, Selbstzweifel, und und und in die Depression.. die Sch…lief bei uns die Waende hoch. Und doch war immer klar, wir gehören zusammen. Wenn es gar nicht mehr ging – habe ich ihn in den Laufstall gelegt und bin für 5 min in den Keller (in die Ruhe). Mit einer guten Psychologin, der Osteopatie und ganz viel Nähe haben wir es geschafft. Tagelang lag ich mit ihm nackt im Bett und alles was ich getan habe, war schlafen und stillen, stillen und schlafen. Nach fünf Monaten wollte ICH nicht mehr stillen. Das abpumpen, das zufüttern, das „alleinige“ sorgen – wollte ich nicht mehr. Unserer Beziehung hat es nicht geschadet, seiner Entwicklung auch nicht.. er ist ein „großer“ Junge mit sehr tiefen Wurzeln!! Die Flügel wachsen ihm gerade.
      Sein Bruder wird inzwischen 14 Monate gestillt. Und wir genießen es sehr. Auch er hat 11 Wochen gebrüllt was das Zeug hielt… aber auch ihm werden bald Flügel wachsen… mit dem Stillen…!!
      Liebe Grüße & es reicht eine gute Mutter zu sein… eine perfekte gibt nur sich selbst auf!! (und das mag kein Kind)

  • Ronja

    Sehr schön geschrieben. Im Nachhinein frage ich mich selber warum ich schon so früh abgestillt habe. Mein Sohn hat ab dem 5. Monat Beikost erhalten und mit 9 Monaten war er agnz umgestellt. Er hat sich problemlos abstillen lassen. Sonst hätte ich vermutlich auch anders gehandelt. Doch mittlerweile ist er 2 Jahre alt und ich merke wie er sich Beruhigung holt in dem er bei mir ankommt, sich auf den Schoß setzt, Daumen in den Mund und die andere Hand in meinen Ausschnitt. Somit denke ich er und auch jedes andere Kind ist von Natur aus auf das Langzeitstillen ausgelegt. Ich gebe zu ganz traurig bin ich nicht im Hinblick auf meine Unabhängigkeit. Er hat ja sogar schon mit 3 Monaten durch geschlafen. Ganz von alleine, ich hätte es nie so früh erwartet. Doch wenn er jetzt mal schlecht schläft wünsche ich mir manchmal doch die Möglichkeit ihn zuverlässig trösten zu können. Für mich ist klar egal wie man sich entscheidet, wichtig ist das Mutter und Kind damit zufrieden sind.

    • Liebe Ronja,

      wenn er sich problemlos abstillen ließ, gibt es doch keinen Grund Dir Vorwürfe zu machen. Zu dem Zeitpunkt war es genau die richtige Entscheidung für Dich, das ist alles, was heute zählt.
      Und wenn er sich mit Daumen im Mund und der Hand in Deinem Ausschnitt beruhigen lässt, ist es doch prima. Immerhin spürt er so Deine Nähe und die kann man ja, wie Du bestens weißt, auch hervorragend auch ohne Stillen geben 😉

      LG
      Kathrin

  • rehauge

    Vielen lieben Dank für diesen schönen Bericht !

    Meine Tochter nunmehr 3 Jahre 4 Monate und 10 Tage und ich, stillen immer noch .
    Deshalb mußte ich sehr schmunzeln , als du schriebst, drei Jahre wäre ein guter Zeitpunkt um aufzuhören .
    Das dachte ich auch so, aber meine Tochter war damit noch nicht einverstanden .
    Natürlich haben wir nun schon lange nicht mehr diese ausgedehnten Stillzeiten, aber es ist immer wieder Gelegenheit für ein paar Schlückchen zwischendurch.
    Meine Tochter hat noch nie auch nur eine Flasche mit künstlicher Milch oder irgendeinen Brei gegessen .
    Wir haben ein Jahr voll gestillt und dann hat sie angefangen vom Tisch mit zu essen .
    Für uns ist es die normalste sache der Welt ….andere sehen das leider ganz anders .
    Auch diese Fragen kenne ich zur Genüge .
    Allerdings muss ich sagen , seitdem die Häufigkeit der Stillzeiten nachgelassen hat ( zb durch Kiga ) , hat sich auch die Milchbildung verringert .
    Meine Tochter trinkt dann an einer Brust und sagt “ die ist leer, jetzt die andere bitte “ und kurze Zeit später sagt sie “ und jetzt kann ich nur noch nuckeln „.
    Ich wünsche euch beiden weiterhin eine schöne Stillzeit !
    LG Simone

    • Oh nein Simone, das will ich jetzt nicht lesen 😉
      Nun wie gesagt, ich wünsche mir ein friedliches Ende und wenn ich mir unser Mädchen heute so beim Stillen anschaue, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie demnächst einfach aufhören möchte. Ich seh’s entspannt. Sie wird mir schon zeigen, was richtig und wichtig ist 😉

      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Beate

    Ein sehr schöner Bericht, danke!
    Es tut gut über das Thema zu lesen und dadurch Bestätigung und Mut zum Weitermachen zu bekommen:-)
    Mein Sohn ist 2 Jahre und 8 Monate alt und wird zum Einschlafen, in der Nacht und nach dem Aufwachen noch gestillt. Gerade haben wir auch mal wieder eine Phase in der er auch nach der Kita gerne trinken möchte.
    Ich habe mir vorgenommen, dass er so lange trinken kann/darf, wie er es braucht und denke, dass er mir von sich aus signalisieren wird, wann es für ihn genug ist.
    Für mich ist es okay, aber von Außen kommen natürlich die üblichen Kommentare…
    Ein „Problemchen“ habe ich zur Zeit, vielleicht hat jemand damit auch Erfahrungen gemacht und kann von diesen berichten. Mein Sohn steckt beim Trinken gerne die Hand in mein T-Shirt und kratzt an der Brustwarze herum. Das ist nicht wirklich angenehm. Ich sage ihm das auch und erkläre ihm, dass er die Hand gerne ins T-Shirt stecken kann oder sie auf die Brust legen kann, aber ohne zu kratzen. Das ist für ihn auch okay, aber wenn er kurz vorm Einschlafen ist oder auch in der Nacht, denkt er nicht mehr daran und versucht die Brustwarze zu greifen. Das endet dann manchmal in einem kleinen „Kampf“, was für uns beide nicht sehr angenehm ist…
    Es ist mir bisher nicht gelungen eine gute Lösung dazu zu finden. Vielleicht hast Du liebe Kathrin einen Tipp?!
    LG Beate

    • Liebe Beate,

      erst einmal vielen Dank. Dein „Problemchen“ kenne ich, unser Mädchen zwirbelt so gerne meine Haare. Sie versteht, das ich das nicht mag, vergisst es aber offensichtlich beim Einschlafen oder in der Nacht. Ich nehm einfach ihre Hand und halte sie fest. Oder klemme sie unter die Decke. Bei uns klappt das ohne Protest, aber selbst mit Protest würde ich ihr das nicht gestatten. Stillen ist ein Bedürfnis, aber Haarezwirbeln oder Brustwarzenkratzen nicht. Es ist ok, wenn er kämpft, aber er muss auch verstehen, dass es da eine Grenze gibt. Lass ihn doch die Hand auf die Brust legen und leg Deine drauf. Wenn er kratzt, muss seine Hand weg. Sag ihm dann kurz, dass es Dir unangenehm ist. Dass er nur Hand auflegen, aber nicht kratzen darf. Er wird die Veränderung sicherlich schnell verstehen.

      Liebe Grüße
      Kathrin

    • Steffi

      Mein Kleiner fuchtelt manchmal, wenn er noch unruhig ist, auch beim Stillen herum oder zwickt unabsichtlich. Ich gebe ihm dann sein Schnuffeltuch zum Festhalten, das ist ziemlich wirkungsvoll :)
      Von deinem Artikel, Kathrin, bin ich wieder einmal begeistert. Ich stille seit 13 Monaten und kriege von Schwiegermutter und Omas auch „immer noch?“ oder „jetzt hör doch endlich mal auf damit!“ zu hören. Das beeinflusst mich zwar nicht, ist aber auf Dauer so richtig nervig. Da bin ich froh über jeden Artikel, der dem Ganzen wieder etwas von seiner Normalität zurückgibt :)

    • Und ich bin froh über jede Langzeitstillerin, die sich (hier) outet :)
      LG Kathrin

  • Nancy

    Super toller Beitrag, danke dafür, mein kleiner wird bald 9 Monate und ich stille auch noch, ich werde es auch so lange machen wie er es möchte :-) stillen ist so was tolles, in meiner Familie schauen auch schon einige schräg und sagen wie lange den noch ich antworte jetzt nur noch nicht euer Problem 😀

  • Stefanie

    Danke für eure Berichte und Erfahrungen. Ich stille meine Tochter (fast 15 Monate) ,,immer´´ noch 😉
    Ich höre ständig diese Sprüche, wie ,, was du stillst noch und wie lange willst du das denn noch machen ? Ich finde es richtig doof das unsere Gesellschaft so spießig und verbohrt ist in der Hinsicht!
    Ich und meine Kleine wir fühlen uns gut dabei und ich lasse mir da von niemandem was einreden. Leider beißt meine Maus auch ab und an mal zu, was sehr unangenehm ist und dennoch möchte ich das stillen noch nicht missen. Sie schläft an meiner Brust ganz friedlich ein und kuschelt sich dann an mich. Und von Flaschen hat sie noch nie was gehalten 😉 Ich bewundere alle Langzeitstillmütter die ihren Weg gehen ohne sich was einreden zu lassen. Wir schauen mal wohin der Weg uns führt und wie lange wir stillen werden 😉 Liebe Grüße

  • Laura

    Hallo
    Meine Maus ist nun 11 Monate Alt . Sie hat schon mit 5 Monaten von sich aus Essen vom Tisch gefordert. Sie verlangt sich aber auch noch die Brust. Mein Problem ist allerdings das ich mit 110kg einfach zu Dick bin. Ich habe in der Schwangerschaft 20kg zu genommen. Ich habe dadurch wirklich Probleme. Ich versuche schon viel zum abnehmen aber es funktioniert nichts. Jetzt wollte ich etwas radikaler vor gehen, mit eiweisshake. Allerdings bin ich mir nicht sicher wie ich das mit dem Stillen in Einklang bringen soll. Überall wird davon abgeraten. Auch von schnellem abnehmen. Ich muss aber gesundheitlich schneller abnehmen wie nur 1-2kg im Monat zumindest bis zu einem gewissen Gewicht. Ich würde aber gerne weiter stillen. Auch da es meine kleine es sich mit Nachdruck vordert. Hilfe

    • Liebe Laura,

      ich kann mich nur anschließen und von radikalen Diäten, wie Eiweißshakes, abraten, auch wenn ich Dich total gut verstehen kann. Glaube mir, langfristig wirst Du so keinen Abnehmerfolg erzielen. Warum muss es so schnell gehen? Du tust Dir keinen Gefallen damit. Bei strenger Diät sinkt nicht nur die Laune, sondern auch der Blutzuckerspiegel drastisch. Die Gefahr einer Heißhungerattacke ist groß. Selbst wenn Du durchhältst und viel Gewicht in kurzer Zeit abnimmst, braucht Deine Haut Zeit, sich wieder zurückzubilden. Es gibt andere erfolgsversprechende, aber wesentlich gesündere Varianten. Natürlich nicht in so kurzer Zeit…
      LG Kathrin

  • Barbara R.

    Hallo Kathrin,
    wieder ein wunderbarer Text und spannende Kommentare!!

    Heute habe ich in einem Gespräch mit einer Narkoseärztin
    erwähnt,daß ich meine Tochter,gerade 2 geworden,(noch) stille. Ihre Reaktion war ungefähr so: „Sie STILLEN noch? Ihr Kind braucht das ja nicht mehr,es kann ja essen und trinken. Das muss sich die Mutter noch abgewöhnen. … Außerdem ist es schlecht für die Zähne.“ Leider hat meine Tochter tatsächlich schlechte Zähne, deshalb leider auch die OP, aber es steht ja z.B. sogar in einem Ärzteblatt,daß Stillen nicht schädlich für Milchzähne sei. Ich glaube, Stillen ist etwas ganz natürliches und kann nicht so ungesund sein.
    Ich weiß ja,daß es für viele ungewöhnlich ist,daß ein Kleinkind gestillt wird,aber für diese Dame war es ein Ding der Unmöglichkeit. Ich sagte ihr,daß ich die Sache anders sehe und auch nicht die Einzige damit bin,aber daß man es ja nicht hier ausdiskutieren muss. Na jedenfalls finde ich, soll es ruhig weniger Menschen geben,die behaupten können, sie hätten nie gehört,daß eine Mutter ihr Kleinkind stillt;-)
    Von daher,weiter so hier im Blog.
    Liebe Grüße

    • Liebe Barbara,
      den vorletzten Satz unterstreiche ich genau so :)
      Was Muttermilch und Zähne anbelangt – es ist richtig, dass Kinder nicht wegen des Stillens schlechte Zähne bekommen, sondern trotz des Stillens. Kann mir die Reaktion der Ärztin aber sehr gut vorstellen… Prima reagiert :)
      LG Kathrin

    • Angelika

      Hallo, ich möchte als Langzeitstillmama – mein Sohn ist gerade 4 geworden – von unseren Erfahrungen hinsichtlich der Zähne berichten. Obwohl ich selbst schon als Kind sehr schlechte Zähne hatte, mein Mann auch, hat unser Sohn trotz oder auch infolge des Stillens bisher keinerlei Probleme mit Karies o.ä. Natürlich habe ich auch schon öfter von Ärzten hören dürfen, dass es schädlich für die Zähne ist oder dass Stillen nicht mehr nötig ist (… ach!). Ich denke aber: Das lange Stillen scheint den Zähnen nicht zu schaden. Mein Kind ist auch sehr gerne Süßigkeiten, hat aber zum Glück wohl robuste Zähne. Vermutlich wird die Zahngesundheit vor allem durch Veranlagung oder die richtige bakterielle Zusammensetzung im Mund beeinflusst.

    • Liebe Angelika,
      vielen Dank. Du hast völlig Recht: Das Stillen schadet den Zähnen keineswegs, sonst hätte sich die Natur ja ins eigene Knie geschossen 😉
      LG
      Kathrin