Beikosteinführung: Fingerfood statt Brei (Baby-Led Weaning)

Kathrin Beikost 68 Kommentare

Straffe Zeitpläne, fade Breirezepte, sich wehrende Kinder war gestern. Heute gehen immer mehr Eltern das Thema Beikost spielerisch an und verzichten dabei zum Teil gänzlich auf pürierte Babynahrung. Babys entscheiden was und wie viel sie essen möchten. Gestillt wird weiterhin nach Bedarf. Das ist gut so und wichtig, denn bei der vom Baby gesteuerten Beikosteinführung kann es manchmal Monate dauern bis ein Kind keine Muttermilch mehr zum Dessert möchte.

Was ist Baby-Led Weaning?

Baby-Led Weaning (BLW), zu deutsch „Vom Baby gesteuertes Entwöhnen/ Abstillen“, ist die Alternative zur klassischen B(r)eikosteinführung – statt Brei gibt es Fingerfood und zwar von Anfang an. „Publiziert wurde über diese Methode erstmals von Gill Rapley, einer Kinderkrankenschwester und der stellvertretenden Direktorin der „Baby Friendly Initative“ des britischen UNICEF Büros. Der Grundstein des BLW ist die Beobachtung, dass Babys mit sechs Monaten in der Regel von sich aus Interesse am Essen zeigen und dieses entdecken wollen. Dabei wird Stillen als die ideale Vorbereitung gesehen, da gestillte Babys die Milchaufnahme selbst regulieren und es nicht möglich ist, ein gestilltes Baby zu überfüttern.“[1]

Bei der BLW-Methode bekommt das Baby von Anfang an geeignetes (unpüriertes) Essen vom Familientisch und isst nur, was es selber in den Mund führt. Es wird nicht gefüttert und weiterhin nach Bedarf gestillt. In anderen Worten: das Baby bestimmt selbst, wann und wie die Übergänge von der Ernährung durch Muttermilch zu der durch feste Nahrung stattfinden.

Es geht auch ohne Brei – meine Erfahrung

Erst durch unser Mädchen lernte ich, dass eine Breiphase nicht zwingend notwendig ist, um Kinder an feste Nahrung heranzuführen (siehe „Einheitsbrei Beikostempfehlung“). Bis dato ein völlig unvorstellbares Konzept für mich.

Die größte Hürde ist – meines Erachtens – die eigene Unsicherheit.
Unser Mädchen nuckelte wochenlang nur an Nahrungsmitteln herum. Erst mit 7 Monaten konnte sie kleine Stücke abbeißen und schlucken. Eine Phase, die mir unendlich lang vorkam. Erst mit ca. 10 Monaten aß sie Portionen von nennenswerter Größe. Jedoch nicht zu jeder Mahlzeit und auch nicht jeden Tag. Immer wieder bezweifelte ich, dass sie irgendwann regelmäßig essen und davon satt werden würde. Da unser Mädchen die Kombination aus Stillen und fester Nahrung allerdings prima gefiel, machte ich einfach weiter.

Heute weiß ich sicher, dass diese Methode funktioniert. Ich würde es genau so wieder machen und kann Fingerfood bzw. BLW nur wärmstens empfehlen! Kinder brauchen keinen Brei. Sie brauchen weiche Nahrungsmittel, die sie gut in der Hand halten können, eine nicht versiegende Milchquelle und entspannte Eltern.

Die Vorteile von Fingerfood

Es entstehen keine Zwänge/ kein Druck
Weder beim Kind noch bei den Eltern.

Die Familie isst gemeinsam
Du kannst selber essen und bist nicht (nur) mit füttern beschäftigt.

Dein Baby kann essen, was alle essen
Natürlich die kindgerechte Variante. Es muss keine Breie essen, die sonst keiner isst.

Dein Baby lernt Nahrungsmittel in ihrer ursprünglichen Form kennen
Püriert sehen Erbsen, Bohnen und Brokkoli doch fast identisch aus…

Dein Kind lernt von Anfang an den richtigen, unverfälschten Geschmack von Nahrungsmitteln kennen
Pürierte Nahrung schmeckt anders, als unpürierte Kost. Je mehr Zutaten vermischt werden, desto schwieriger lassen sich einzelne Bestandteile herausschmecken. Selbst gekochte Breie werden außerdem oft mit Obstsäften verfeinert, welche vom eigentlichen Geschmack ablenken. Babys werden so auch bei herzhaften Gerichten auf „süß“ getrimmt. In Fertiggläschen lauern viele versteckte Zusatzstoffe wie Zucker oder künstliche Aromen – all das beeinflusst die Geschmacksentwicklung negativ.

Dein Kind entwickelt ein gutes Hunger- und Sättigungsgefühl
Wie beim Stillen nach Bedarf…

Dein Kind entwickelt ein gesundes Essverhalten

Fingerfood hält schlank
(siehe auch „Fingerfood statt Brei und Babys bleiben schlank„)

Die Hand-Mund-Koordination wird von Anfang an gefördert

Durch selbstbestimmtes Essen wird dein Baby unabhängig und selbstbewusst

Die Umstellung von Muttermilch zu Brei und von Brei zu fester Nahrung fällt weg

Es wird natürlich (allmählich) abgestillt
Das schont deinen Körper und deine Nerven!

Vorraussetzung für Baby-Led Weaning

Du

  • stillst gerne nach Bedarf
  • hast nicht das Bedürfnis schnell abzustillen
  • bevorzugst frisch gekochte und gesunde Speisen
  • bist geduldig
  • erwartest nicht von deinem Kind nach wenigen Wochen ein perfekter Esser zu sein
  • vertraust auf die Fähigkeiten deines Kindes
  • hältst es gut aus, wenn der Küchenboden aussieht wie nach einer
    (Essens-)Schlacht

Dein Kind

  • wird noch gestillt
  • stillt gerne
  • zeigt Interesse an fester Nahrung
  • ist in der Lage Nahrungsmittel zu greifen und zum Mund zu führen

BLW – Die Spielregeln

Setze dein Kind aufrecht hin
Nimm es auf den Schoß, wenn es noch nicht im Hochstuhl sitzen kann.

Lass dein Kind an den üblichen Familienmahlzeiten teilhaben
Achte aber darauf, dass dein Kind während der Mahlzeiten nicht zu müde oder zu hungrig ist. Wach und halbwegs satt wird sich dein Knirps besser auf feste Nahrung konzentrieren können.

Muttermilch ist zunächst die Hauptnahrung für dein Baby
Am Anfang untersucht dein Baby Nahrungsmittel nur und experimentiert damit (siehe auch „Mit Essen spielt man nicht! Oder doch?„). Eher zufällig wird es dabei etwas herunterschlucken. Es braucht viel Zeit, bis dein Kind richtig satt wird von fester Nahrung, deshalb solltest Du weiterhin nach Bedarf stillen.

Biete am Anfang weiches Obst und Gemüse an
Härtere Obstsorten (z.B. Apfel) und Gemüse (wie Kartoffel oder Karotten) am besten dünsten.

Biete „faustgerechte“ Stücke an
Babys greifen anfangs noch mit der ganzen Faust. Biete also Stücke an, die gut zu fassen sind.

Biete weniger feste/ flüssige Nahrungsmittel (z.B. Joghurt oder Suppe) mit einem Löffel an
So kann dein Kind lernen mit einem Löffel zu essen.

Biete gesundes Fingerfood an.
Verzichte auf gewürzte Nahrungsmittel, Fertigprodukte und Süßigkeiten.

Biete deinem Kind Wasser zu den Mahlzeiten an
Auch wenn Stillkinder nicht zwangsläufig andere Flüssigkeiten brauchen, ist es gut dein Kind an das Trinken aus einem Becher zu gewöhnen. Vielleicht lehnt es am Anfang andere Flüssigkeit als Muttermilch ab – auch hier gilt anbieten ja, einflössen nein.

Lasse dein Kind entscheiden, wie viel es essen möchte
Keine Tricks, keine Überzeugungsarbeit! Akzeptiere, wenn dein Kind sehr wenig/ nichts isst. Wenn du regelmäßig feste Nahrung anbietest & weiterhin stillst, wird sich dein Kind holen, worauf es Lust hat und was es braucht!

Lasst euch Zeit bei den Mahlzeiten
Keine Hektik, keine Eile! Dein Kind entscheidet, in welchem Tempo es ist bzw. wann es satt ist/ aufhören möchte zu essen.

Orientiere dich an deinem Kind, nicht an Regeln
Wenn es Brei mag, lass es Brei essen. Wenn es nur Fingerfood möchte, auch ok. Eine Mischform – Brei und Fingerfood – ist ebenfalls möglich, genauso wie ausschließliches stillen über das 1. Lebensjahr hinaus.
Versuche herauszufinden, welcher Weg für Dich und Dein Kind der beste ist. Probieren geht über studieren…

Abwaschbarer Fußboden/ Plastikplane
Fingerfood gibt echte Sauereien! Wenn du keinen Fliesenfußboden o.ä. hast, solltest du vielleicht eine Plastikplane unter dem Kinderstuhl ausbreiten.

Lasse dein Kind niemals unbeaufsichtigt!

Wird sich mein Baby nicht verschlucken?

Kinder verschlucken sich manchmal: Beim Stillen, beim Brei essen und auch beim Verzehr von Fingerfood. Reflexartig husten Babys in solch einer Situation. Hatte sich unser Mädchen z.B. an einem Stück Obst verschluckt, hustete sie es einfach wieder aus. Ganz wichtig: dein Kind sitzt aufrecht beim Essen und du bietest keine kleinen, harten Nahrungsmittel (z.B. Nüsse) an.

Babys schieben Nahrung außerdem erst in den hinteren Bereich des Mundes, wenn sie in der Lage sind zu kauen.[2] Das Kauen wird erst erlernt, wenn sie selbstständig Dinge greifen und in den Mund stecken können. Ein Baby, das freiwillig Nahrungsmittel zu sich nimmt, hat also die körperlichen Vorrausetzungen kontrolliert zu essen. Es verschluckt sich so wohl seltener, als ein Baby, dass Brei in den Mund geschoben bekommt.

Kauen ohne Zähne?

Babys sind sehr wohl in der Lage feste Nahrungsmittel auch ohne Zähne zu zerkleinern. Sie saugen sich entweder kleine Stückchen ab oder zermalmen größere Brocken sehr erfolgreich mit Ober- und Unterkiefer. Das dauert natürlich etwas länger und ist ein Grund, warum du dein Kind in Ruhe essen lassen solltest.

Literatur und Links

Bücher

Rapely Gill: Baby-Led Weaning: The Essential Guide to Introducing Solid Foods and Helping Your Baby to Grow Up a Happy and Confident Eater* (Das Original in Englisch)

Rapely Gill: Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg* (Die übersetze Version)

Loretta Stern & Eva Nagy: Einmal breifrei, bitte!: Die etwas andere Beikost*

Blogs

Die deutschen Blogs werden leider nicht mehr gepflegt, enthalten aber viele gute Informationen, die auch heute noch aktuell sind.

Breikasper (deutsch)

Unpüriert (deutsch)

Baby-Led Weaning (englisch)

Artikel

In diesen Artikeln findet ihr noch mehr wissenswertes zum Thema BLW:

Rapley, Gill: Guidelines for implementing a baby-led approach to the introduction of solid foods – updated, June 2008

Rapley, Gill: Leitlinien für das Beikosten nach dem “baby-led weaning Ansatz („Guidelines“ ins Deutsche übersetzt)

Zentrum der Gesundheit: Baby-Breie machen Babys dick

Marie-Christin Spitznagel: BLW – Babys breifreier Beikoststart!

Kleintjes, Stefan: Stillfreundliches Einführen von Beikost

Szabó, Kathrin: Beikost für Stillkinder

Werbelinks
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Footnotes    (↵ returns to text)
  1.  Kleinkinder@suite101: http://suite101.de/article/blw–babys-breifreier-beikoststart-a90771#axzz2GHugF7p8
  2.  Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Baby-led_weaning#Safety

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  • Veronika

    Hallo, bin endlich auf die richtige Internetseite gekommen! In vielen Beiträgen, vor allem in jenen zur Beikosteinführung-Fingerfood-finde ich mich mit meinem acht Monate alten Sohn wieder! Dankeschön!!!

    • Herzlich willkommen Veronika,
      viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

    • meleni

      halloooo! die besten ideen u hilfreiche tricks findet man wirklich bei dir :) dankeschön!! hab viel gestöbert u jetzt auf deiner hp gela ndet! einfach liebevoll, verständlich u kompetent erklärt!
      hab seit maus 4einhalb monate ist, immer wieder fingerfood angeboten- während ich kochte zb, ihr gefiel u gefällt es so gut, an versch gemüse o obstsorten zu lutschen :) also blieb ich dabei, gebe aber auch brei! mittlerweile knabbert sie schon begeistert zahnlos an brot oder nudeln hihi.
      leider ist meine kleine kein stillkind mehr u ich biete ihr immer wieder kräutertee zu trinken an. da trinkt sie aber höchstens ein paar schlückchen am tag.. mir kommt das sehr wenig vor.
      abgekochtes wasser finde ich zb geschmacklich grausig-dh geb ich es ihr nicht pur. wie machst du das? meine maus wird in ein paar tagen 7 monate, kann ich ihr schon leitungswasser anbieten oder soll ich es noch weiterhin abkochen?

  • Linde

    Ich bin vor einigen Wochen auf das Konzept gestoßen und finde es toll. Mein Sohn ist 4 1/2 Monate jetzt alt. Und er zahnt gerade doppelt. Da habe ich ihm einfach gekühlte und geschälte Möhre gegeben. An Anfang etwas skeptisch, inzwischen guckt er und schiebt es sich in den Mund und schabt mit seinen zahnchen drauf rum. So süß. :) habe auch schon pürierter Apfel und apfelstuck probiert. Das pürierte spuckte er mir wieder entgegen.

    Ich habe sehr viele Befürworter von Breien in meinem Umfeld, daher kann ich mir schlecht Tipps holen und Handel daher instinktiv. Ich hoffe ich mache es richtig !

    • Wenn Du das Essen nicht entgegen gespuckt bekommst, machst Du es wahrscheinlich richtig :)

  • Janine

    Hallo,
    Mira ist jetzt 10 Monate alt und wir haben eine Mischung aus Brei und Fingerfood. Es ist leicht umzustetzten, durch Obst, Brot, Kekse etc. Wir werden weiter so machen und irgendwann wird auch sie satt vom Fingerfood:-)

  • Sileick

    Deine Seite ist wirklich wunderbar! Trifft bei uns hundertprozent ins Herz und hat sehr viele gute Hinweise in petto. Tolle Arbeit!

    Wir haben auch nach der Baby-led-weaning-Methode die Beikost eingeführt, was wunderbar ging und uns allen große Freude bereitet(e). Ich habe auch das Buch von Gill Rapley gelesen. Übrigens soll im Herbst die deutsche Übersetzung rauskommen!

    Unser Kind (knapp 19 Monate) isst quasi alles, aber nicht unbedingt immer jeden Tag, will heißen, sie sorgt gut für sich beim Essen, lehnt ab, was sie nicht braucht und „frisst“ förmlich das, was sie gerade nötig hat. Das ist immer was Anderes. Ich biete aber auch immer mal einen Hirsebrei an, oder mal ein Mus. Man sollte auch dabei vielleicht nicht zu fanatisch werden. Mittlerweile kann unser Kind schon antworten, ob es heute dies oder das essen möchte, so wird das leichter. Phantastisch sind Variationen mit Polenta. Sehr empfehlenswert!

    Wir hatten zwischen dem 10. und 14. Monat eine Zeit, in der unser Kind nur wie ein Spätzchen hier und da was pickte, dafür aber weiterhin sehr viel stillte. Bestimmte Nahrung verschlang sie (oft Beeren, manchmal Hirsebrei), vieles ließ sie liegen. Ich fing an, mir Sorgen zu machen, zumal sie von Anfang an klein und zart war und dies auch blieb. Aber als sie endlich frei laufen konnte, kam auf einmal ein Riesenschub, sie „fraß“ und wuchs wie verrückt, jetzt schon über 3 Monate lang. Das muss dann wohl die berüchtigte Essenspause gewesen sein, die auch im Buch von Gill Rapley beschrieben wird.

    Kann also allen, die das so machen, versichern, dass das Kind, sollte es eine Weile ganz wenig essen, damit schon zu seiner eigenen Zeit wieder anfangen wird. Geduld und Vertrauen ins Kind haben ist schon wichtig. Aber nicht leicht.

    Viele Grüße

    Sileick

    • Liebe Sileick, vielen lieben Dank für Deine vielen Kommentare und Hinweise!

  • Michi

    Habt ihr das Lätzchen selber geschneidert? Ich freu mich schon so darauf, wenn unsere kleine Maus im Hochstuhl sitzen kann. Dann geht es los mit der Kleckerei! :-)

    • Nein das Lätzchen hat unser Mädchen von ihrem Cousin geerbt. Das gute daran ist, dass es innen beschichtet ist. So können die Kleinen richtig rum sauen und nichts geht durch.

  • jana

    Hallo liebe Kathrin,
    Meine Tochter ist 10 Monate alt und wird leider nicht mehr gestillt. Sie isst seit ca 3 Monaten brei. Allerdings nur den glatt purierten, Stücke verabscheut sie. Obst, Gemüse unr Brot nuckelt sie aber genüsslich. Ich wollte sie schon lang an unserem essen teilhaben lassen, sie hat allerdings noch keinen einzigen zahn und mein Umfeld meint, dann lieber brei.
    Kann ich ihr also trotz fehlender Zähne und ohne stillen (sie bekommt bei bedarf pre Nahrung in der Flasche) fingerfood geben?

    • Ja, natürlich kannst Du ihr Fingerfood anbieten. Kinder zermalmen (weiche) Nahrung auch gut ohne Zähne sie wird dann halt abgelutscht oder mit Speichel eingeweicht bis kleine Bröckchen abgehen :)
      Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass das Sättigungsgefühl bei „Flaschenkindern“ nicht so gut ausgeprägt ist wie bei „Stillkindern“, d.h. sie trinken meist mehr Pre-Nahrung als sie bräuchten, wenn sie Beikost erhalten. Gestillte Kinder reduzieren die Muttermilch ganz automatisch, wenn sie mehr Nahrung essen. „Flaschenkinder“ machen das nicht (Loretta Stern: „Einmal breifrei, bitte!“ (2013), S.77). Das heißt für Dich, dass Du unbedingt darauf achten solltest, Deinem Kind zur Beikost und auch zwischendurch immer wieder genügend Wasser zum Essen anzubieten.

  • jana

    Liebe Kathrin, danke für die schnelle Antwort. Ich habe es zum mittag gleich ausprobiert. Nudeln, Erbsen und Brokkoli kullerten über ihren Tisch. Am tollsten fand ich, dass sie Brokkoli den sie puriert ausspuckt, mit Hingabe lutschte. Auch die kullernden Erbsen fand sie toll. Insgesamt hat sie zwar höchstens 1 Nudel, 1 Mini Brokkoli Röschen und 3 Erbsen auch tatsächlich runter geschluckt aber es war schön sie so experimentieren zu sehen.
    Eine Frage nur noch: das essen wird ja recht schnell kalt. Wie löst ihr das oder ist das gar nicht so schlimm?

    Viele grüße und vielen Dank für die tolle Anregung.

    • Sehr gerne! Kinder stört es kaum, wenn das Essen abkühlt. Im Gegenteil, manche (wie unser Mädchen) reagieren recht empfindlich auf sehr warme Speisen. Wenn sie sich nicht beschwert, einfach essen lassen 😉

  • Stephy

    Hallo Kathrin,
    meine Tochter ist jetzt ziemlich genau 5 Monate alt (ein Flaschenkind, notgedrungen) und wir haben mit der Beikost angefangen. Ich hab es erst mit Brei versucht, aber als das nicht klappte hat meine Hebamme mich auf deine Seite verwiesen und ich finde deine Tipps und Erfahrungsberichte echt toll.
    Also hab ich meiner Maus heute Mittag einfach mal ein ganzes Stück Gurke in die Finger gedrückt und siehe da, sie hat es ganz alleine gehalten und zum Schnütchen koordiniert. Die Gurke war nach kurzer Zeit leer gesaugt :)
    Aber wie hast du das mit den anderen „Mahlzeiten“ gemacht? (z.B. dieser abendliche Milch-Getreide-Brei)
    Oder sieht man von diesem Schema gänzlich ab bei der Methode?
    LG

    • Liebe Stephy,

      das freut mich sehr!
      Ich habe unserem Mädchen zu allen Mahlzeiten, die wir gegessen haben Fingerfood angeboten und gänzlich auf Brei verzichtet. Sie hat weiterhin sehr intensiv gestillt und mal mehr, mal weniger feste Nahrung gegessen.
      Den Milch-Getreide Brei hatte ich eine Zeit lang abends für sie gekocht und sie hat ihn (mit Banane vermischt) auch gut gegessen. Allerdings wollte sie nicht auf ihr Einschlaf-Stillen verzichten und ich merkte, wie ihr die Milch nach all dem Brei fast zu den Ohren raus kam. Ich hatte Angst, dass sie sich überfrisst. Brei statt Milch wäre für mich ok gewesen. Aber Brei plus Milch, war definitiv zuviel. Also ließ ich den Brei einfach weg, denn die Milch schien ihr wichtiger zu sein.
      Letztendlich gibt es nicht den einen „richtigen“ Beikostweg. Du kannst Fingerfood und Brei, nur Brei oder nur Fingerfood anbieten. Da hilft leider nur probieren, denn jedes Kind hat andere Vorlieben, so dass Du herausfinden musst, was Deiner Tochter schmeckt und gefällt. Bei konkreten Fragen kannst Du Dich gerne immer wieder melden.

  • Elsa

    Hallo,
    ich bin eine Mutter, die nur teilstillen konnte – daher sind meine 8 Monate alten Kinder bereits länger abgestillt.
    Mich stört ein wenig, dass hier nur von gestillten Kindern die Rede ist. Heißt das, dass Premilch-Kinder nicht in dem BLW-Konzept vorgesehen sind?

    Viele Grüße
    Elsa

    • Liebe Elsa, es gibt zwei Gründe warum ich nur von Stillkindern rede. Erstens habe ich unser Mädchen gestillt und somit basieren meine Erfahrungen & mein Wissen auf der Beikosteinführung gestillter Babys. Zweitens wurde das BLW Konzept für nach Bedarf gestillte Babys vorgesehen, da diese in der Regel ein gutes Sättigungs- und Hungergefühl entwickelt haben.

      Bereits weiter oben habe ich erklärt, dass das Sättigungsgefühl bei “Flaschenkindern” nicht so gut ausgeprägt ist wie bei “Stillkindern”, d.h. sie trinken meist mehr Pre-Nahrung als sie bräuchten, wenn sie Beikost erhalten. Gestillte Kinder reduzieren die Muttermilch ganz automatisch, wenn sie mehr Nahrung essen. “Flaschenkinder” machen das nicht (Loretta Stern: “Einmal breifrei, bitte!” (2013), S.77). Das heißt für Dich, dass Du Deinem Kind zwar Fingerfood anbieten kannst, Du solltest aber unbedingt darauf achten, Deinem Kind zur Beikost und auch zwischendurch immer wieder genügend Wasser anzubieten.

  • Stephy

    Huhu,
    ich habe mir „Einmal Breifrei, bitte!“ bestellt und auch schon verschlungen 😉
    Meine Tochter zeigt alle Anzeichen das es losgehen kann bis auf das Sitzen. Da in diesem Buch ja gefühlte 1000 mal erwähnt wird das Sitzen das A und O ist bin ich mir etwas unsicher. Meine Hebi (übrigens von Pippilotta :)) sagte mir man soll Babys niemals hinsetzen wenn sie es nicht selber können. Hmm was nun?
    Hast du einen Tipp für mich?
    LG

    • Liebe Stephy,

      ich habe das Gefühl das Sitzen muss aus rechtlichen Gründen betont werden, für den Fall eines Unfalles, damit die Autorin nicht verklagt werden kann. So hat es sich zumindest für mich gelesen.
      Die meisten Kinder können erst ab ca. 9 Monaten selbstständig sitzen. Ich hatte unser Mädchen anfangs beim Essen entweder in der Römerschale (Autokindersitz) oder auf meinem Schoß. Das war beides blöd, da sie im Sitz nicht richtig schauen und greifen konnte. Wenn sie auf meinemSchoß saß, konnte ich nicht essen. So richtig entspannt wurde es tatsächlich erst, als sie alleine (mit Kissen im Rücken) in ihrem Hochstuhl sitzen konnte. Das war übrigens auch der Zeitpunkt als sie anfing mehr als nur einen Bissen abzunagen. Ich hoffe das hilft? Lg Kathrin

  • Sina

    Liebe Kathrin!

    Mein kleiner Mann ist jetzt 17 Wochen alt und ich möchte ihm bald die Genüsse des Lebens präsentieren =) Nach einem heutigem kurzen Gespräch mit meiner Hebamme, habe ich von led weaning das 1.Mal gehört & ich muss sagen,dass mir das Konzept gefällt!
    Jetzt würde mich interessieren, wie die Eisenaufnahme beim Fingerfood gedeckt wird. Es heißt ja,dass ab dem 6.LM Eisen in Form von Fleisch im Brei zugeführt werden soll, da die Eisenreserve in der Muttermilch nicht mehr ausreicht. Reicht es, wenn die Kleinen am Fleisch „rumsaugen“, wie oben beschrieben? Oder reicht grünes Gemüse,um diese abzudecken?
    Über eine Antwort von dir würde ich mich freuen, damit wir bald möglichst mit Fingerfiod anfangen können.

    LG Sina

  • Sylvie

    Die gute Nachricht:
    Im September wird es im Kösel-Verlag erscheinen:
    „Baby-led-Weaning – DasGrundlagenbuch“ Der stressfreie Beikostweg…

  • Jana

    Ich habe (weil ich das mit den Breien auch ein bisschen umständlich und in manchen Geschmacksrichtungen auch „eklig“ finde…) mir das Buch hier gekauft:

    http://www.randomhouse.de/Paperback/Einmal-breifrei-bitte-Die-etwas-andere-Beikost/Loretta-Stern/e429865.rhd

    (wenn das Verlinken nicht in Ordnung ist, liebe Kathrin, dann bitte löschen :-) )

    Bislang gibts hier so einen Mischmasch, aber die kleine Dame isst auch erst seit 3 Wochen, am liebsten aber tatsächlich Brot und Nektarine.

    • Jana

      ….und jetzt hab ich doch glatt vergessen, mich auch noch zu bedanken für Deine tollen Artikel :-)
      Deine ganze Seite ist wirklich einfach toll!!

    • Vielen Dank Jana, auch für das Kompliment.

      Das Buch hatte ich bereits vorgestellt: http://www.nestling.org/einmal-breifrei-bitte-loretta-stern-eva-nagy/ 😉

    • Jana

      ….äh, ja, das habe ich dann glatt übersehen!
      Ist ja aber ein gutes Zeichen, dann hab ich noch ein paar Dinge auf Deiner Homepage zu entdecken 😀

  • Katharina

    Liebe Sina,
    Wie praktizieren nun seit knapp zwei Monaten BLW und unser Sohn ißt auch ab und zu Fleisch. Am besten geeignet ist natürlich Hackfleisch (wir machen z.B. Fleischpflanzerl ohne Salz mit frischen Kräutern). Aber er hat auch schon gezuzelt und auch das funktioniert… Er hatte das ganz schnell drauf und er mag besonders die Fleischpflanzerl RICHTIG gerne. Wegen der ganzen Antibiotika im Fleisch, nehmen wir nur Bio Fleisch. Das haben wir allerdings immer gekauft. Ansonsten ißt unser Sohn wirklich alles gerne, er hat sogar schon eine saure Gurke und Kirschtomaten verschluckt. Aber da mußte ich auch erst meine Hemmungen verlieren 😉

    • Anonymous

      Ich meinte natürlich nicht „verschluckt“, sondern „verschlungen“

  • jasmin

    in der schweiz kommt das gill raply buch am 30.9.13 raus. hab mir schon eines bestellt =) jupiiii!
    war heute bei der kinderärztin und die hat meinem 4 monate alten sohn, zu meinem erstaunen, nach der impfung als wiedergutmachung eine reiswaffel in die händchen gedrückt und tataaa der kleine war happy. der absolute hit! sie hat mir gesagt ich könne ihm ab sofort alles (ausser quark und natürlich nicht gewürzte speisen) anbieten. ist das deiner meinung nach auch so liebe kathrin? er ist ja doch gerade erst 4 monate aber die ärztin meinte soweit entwickelt wie sonst ein 6 monate altes baby…
    ich danke dir und deine seite ist echt toll =)

    • Liebe Jasmin,

      wenn Du Deinem Sohn tatsächlich nur etwas anbietest und er Lust hat es zu „untersuchen“, sehe ich da kein Problem. Ich persönlich finde es nur früh bei 4 Monate jungen Babys mit Breikost nach Plan zu starten. Dafür sind sie nur in absoluten Ausnahmefällen bereit. Wenn Dein Sohn ab und zu an einer Banane, Gurke o.ä. herum lutscht, hat er sicherlich Spaß und Du kannst in Ruhe essen 😉