Erfahrungsbericht: Abstillen beim Kleinkind

Kathrin Stillen 60 Kommentare

Was ich heute zu erzählen habe, ist das bislang schwärzeste Kapitel aus meiner persönlichen Stillzeit. Eine tieftraurige Erfahrung für mich und unser Mädchen, die ich uns beiden gerne erspart hätte. Aber der Reihe nach…

Das Stillen vor der Geburt von Nestling Nr. 2

Bevor unser Bub das Licht der Welt erblickte, stillte ich das Mädchen (zu dem Zeitpunkt 3,5 Jahre) noch. Tagsüber nur in Ausnahmefällen – wenn sie krank oder sehr müde war. Aber ich stillte sie regelmäßig in den Schlaf, morgens nach dem Aufwachen und unterschiedlich oft in der Nacht. Um ihren dritten Geburtstag herum (Juni 2014) schlief sie nahezu zuverlässig durch, doch mit dem Kindergartenbeginn im August wachte sie nachts plötzlich häufig auf und sie beruhigte sich meist nur an der Brust.

Ich stillte sie, weil ich das Gefühl hatte, dass sie es braucht. Weil es mich nicht störte. Und weil ich hoffte, dass sie eines Tages von sich aus die Bereitschaft zum Abstillen signalisiert. Dass wir unsere Stillbeziehung in beiderseitigem Einverständnis – ohne Widerstand und Protest – quasi „natürlich“ beenden.

Kein natürliches Abstillen

Das natürliche Alter zum Abstillen [also der Zeitpunkt, an dem Kinder von alleine damit aufhören] scheint bei einem Mindestalter von 2,5 Jahren und bei einem Höchstalter von 7,0 Jahren zu liegen.“ Wie viel Zeit unser Mädchen noch benötigt hätte, um der Stillzeit von sich aus ein Ende zu setzen, bleibt ein Geheimnis. Ich hatte mir jedenfalls sehr gewünscht, dass sie zu den „Frühaufhörenden“ zählt (siehe „Langzeitstillen: Ist da überhaupt noch was drin?„). Doch dem war leider nicht so…

Kein gemeinsames Familienbett

Ich hätte ihr gerne noch mehr Zeit eingeräumt, aber mit der Geburt unseres Sohnes, stieß ich beim nächtlichen Tandemstillen heftig an meine Grenzen. Um halbwegs vernünftig schlafen zu können, musste ich sie zumindest nachts abstillen und mit dem Bub separat im Wohnzimmer nächtigen (Thomas blieb beim Mädchen im Schlafzimmer). Denn zwei Kinder nachts mit meiner Aufmerksamkeit und Milch zu versorgen, konnte und wollte ich nicht leisten, auch wenn ich mir nichts sehnlicher gewünscht hatte, als ein ruhiges Nebeneinander im Familienbett.

Wie abstillen?

Für mich kamen „Hardcore-Methoden“, wie eine Woche ohne sie zu verreisen oder die Brust mit scharfen Pasten einzureiben, nicht in Frage. Mit dem Stillen verbanden wir beide eine wunderschöne und innige Zeit, da wollte ich unser Mädchen beim Abstillprozess weder im Stich lassen noch herein legen.

Bei meiner Ausbildung zur Stillberaterin erzählte eine erfahrene Stillberaterin und Mutter von 5 Kindern, dass sie ihre Kinder abgestillt hatte, indem sie die Zeitintervalle mittels einer „Lichtuhr“ in der Nacht peu a peu ausdehnte. Das Licht diente als optische Orientierung und so brauchten die Kinder nicht immer nachzufragen, ob es soweit sei. Gleichzeitig durften diese Kinder weiterhin im Familienbett schlafen und wurden solange sie es brauchten liebevoll (mit Streicheleinheiten & Co) in den Schlaf begleitet. Das passte eher zu uns.

Abstill-Equippment

 Schaf-Schildkröte

Bevor wir starteten, bestellte ich diese Schäfchen-Uhr und außerdem diese Schildkröte mit beruhigendem Lichtspiel und meditativen Klängen zum Runterfahren – letztere sollte ihr das Wiedereinschlafen ohne Brust erleichtern. Als das Paket geliefert wurde und unser Mädchen sich riesig über ihre neuen, „knuffigen“ Geschenke freute, wurde ich so traurig, dass mir das Wasser literweise aus den Augen lief.

Zum einen war ich so kurz nach der Geburt eh schrecklich labil und heulte ständig wegen allem und jedem. Zum anderen war ich all die Jahre jede einzelne Nacht für unser Mädchen da gewesen und nun musste ich sie plötzlich mit „Mutterersatzprodukten“ abspeisen (die ich übrigens furchtbar finde), um mich ausreichend um die Bedürfnisse von Nestling Nr. 2 kümmern zu können. Ich fühlte mich echt mies, weil ihr das putzige Schäfchen und die drollige Schildkröte optisch sehr gefielen, ich aber genau wusste, dass sie lieber mich als diese Tiere an ihrer Seite haben wollte…

Sie fragte, warum ich traurig bin und ich wollte es ihr zunächst nicht sagen, aber Thomas forderte: „Sei ehrlich!“ Da heulte ich noch mehr und erklärte ihr in wenigen Worten was ist. Dass sie ab heute nur noch zum Einschlafen und zum Aufwachen (wenn das Schäfchen grün wird) stillen darf und Papi in der Zeit dazwischen für sie da ist und mit ihr kuschelt, falls sie aufwacht (ich hatte das bereits mehrere Tage vorher angekündigt). Dass ich weine, weil ich mit dem Buben im Wohnzimmer schlafen muss (er grunzt so laut) und weil ich mich lieber um beide Nestlinge kümmern möchte, aber einfach nicht kann.

Ihre Reaktion konnte ich nicht einordnen. Sie saß auf meinem Schoss und spielte neugierig mit der Schildkröte. Ließ die Melodie immer und immer wieder laufen, aber sagte nicht viel. Und so starteten wir in der Nikolausnacht mit dem Abstillen.

Abstilltagebuch

Den „Wieder-in-den-Schlaf-Streichel-Part“ im Familienbett übernimmt Thomas, damit ich nicht extra aufstehen und aus dem Wohnzimmer kommen muss. Das Einschlafstillen erfolgt in der Regel gegen 19.30 Uhr und da sie nachts fast gar nicht mehr trinkt, stelle ich das „leuchtende Stillsignal“ direkt auf 5 Uhr.

Nacht 1 (05.12.14)

Das Mädchen wacht gegen 3 Uhr auf. Sie schreit und protestiert, als Papa sie trösten möchte. Ich liege im Wohnzimmer, wache von ihrem herzzerreißenden Weinen auf und höre zu. Ihr Protest wird immer lauter und hysterischer. Sie schreit: „ICH WILL MEINE MAMI!“ Immer wieder. Mit jedem Mal heftiger. Mein Herz blutet und ich halte das kaum aus. Ich möchte am liebsten ins Schlafzimmer gehen. Das Ganze abbrechen und sie in den Arm nehmen. Aber das geht ja nicht. Und so weine ich leise mit…

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt sie zu mir ins Wohnzimmer. Tränenüberströmt. Ich bin so froh, dass sie da ist. Ohne nachzudenken lasse ich sie kurz an der Brust trinken. Dann besinne ich mich; ich docke sie ab und sage ihr, dass sie erst wieder stillen darf, wenn das Schäfchen grün ist.

Da veranstaltet sie einen riesigen Aufstand. Sie haut mich, schreit und weint. Sie fleht mich an und wälzt sich dabei auf dem Boden. Sie ist traurig, wütend – so unfassbar verzweifelt. Als sie kurz vor dem Kollabieren ist, schicke ich sie ins Schlafzimmer, um zu schauen, welche Farbe das Schaf hat. Es ist grün (5.00Uhr)! Gott sei Dank! Sie darf wieder stillen und wir alle atmen erschöpft und erleichtert auf.

Glücklicherweise ist Nikolaus und die gefüllten Stiefel lenken sie von der schrecklichen Nacht ab. Mich nimmt dieser zweistündige Akt stark mit; ich fühle mich miserabel.

Planänderung: Nach dieser Nacht wird mir bewusst, dass ich sie wieder in den Schlaf begleiten muss, wenn sie wach wird. Sie nicht mehr zu stillen ist die eine Sache, aber sie von jetzt auf gleich nachts alleine mit Papa zu lassen (was sie nicht gewöhnt ist), ist unfair ihr und Thomas gegenüber. Schließlich will ich sie nicht mehr stillen, da kann ich zumindest für einen sanften Übergang sorgen. Auf diese Weise gewöhnt sie sich hoffentlich sanft an die neue Schlafsituation und akzeptiert Thomas irgendwann als nächtliche Bezugsperson. Bei einem Hauruck-Wechsel dagegen wird Thomas zum Buhmann, der ihr die Mama wegnimmt. Kein Wunder, dass sie ihn von sich weist…

Nacht 2 (06.12.2014)
Sie schläft bis 5 Uhr. Freudenstimmung!

Nacht 3 (07.12.2014)
Sie schläft bis 6 Uhr. Sollte es wirklich so einfach sein?

Nacht 4 (08.12.2014)
Sie wacht 3.30 Uhr auf und ich gehe direkt zu ihr. Während der Bub ganz entspannt auf meiner Brust weiter schläft, macht sie Terror. Wieder das ganze traurige Programm (weinen, betteln, schimpfen, treten) bis das Schäfchen sie 5 Uhr endlich erlöst.

Nacht 5 (09.12.2014)
Sie wacht 24 Uhr auf und ich gehe zu ihr. Sie protestiert, aber nicht mehr so heftig. Sie ist anfangs sauer auf mich und rollt sich weg. Dann nimmt sie mein Kuschelangebot an und schmiegt sich ganz dicht an mich ran. Es dauert bis ca. 2 Uhr, bis sie endlich einschläft. Mit ihrem Kopf auf meiner Schulter, während ich ihr weiches Haar streichle und für sie singe.

Nacht 6 (10.12.2014)
Sie wacht gegen 2 Uhr auf und ich gehe zu ihr. Nur noch kleiner Protest und kaum Diskussionen. Sie kuschelt sich nach anfänglichem Widerstand an mich und schläft gegen 3.30Uhr ein.

Nacht 7 (11.12.2014)
Sie wacht auf, aber akzeptiert das Kuscheln sofort.

Nacht 8 (12.12.2014)
Sie wacht auf und akzeptiert das Kuscheln sofort. Schläft schnell wieder ein.

Nacht 9 (13.12.2014)
Gegen 2 Uhr aufgewacht und 1,5 Stunde wach.

Wir stellen das Schäfchen auf 6 Uhr, weil sie nun morgens länger schläft.

Nacht 10 (14.12.2014)
22.30 Uhr wach und ganz schnell wieder eingeschlafen.

Nacht 11 (15.12.2014)
19 Uhr ins Bett mit 38 Grad Temperatur.
3 Uhr mit 39, 5 Grad Fieber über eine Stunde lang wach. Sie fragt ganz leise: „Mama, Milch?“ :(
Mein Herz zerbricht, weil sie immer viel stillen durfte, wenn sie krank war, aber ich will nicht die „Abstillarbeit“ von 1,5 Wochen kaputt machen. Sie fragt nach „Medizin“ – ich gebe ihr ein fiebersenkendes und schmerzstillendes Mittel und streichelte sie in den Schlaf. Sie tut mir unfassbar leid…

Nacht 12 (16.12.2014)
Eine weitere Fieber-Nacht.
Sie wacht 3 Uhr auf und lässt sich zum allerersten Mal nur von Thomas beruhigen. 2 Minuten vor 6 gehe ich zu ihr und das Schaf ist 6 Uhr grün geworden – sie sehr stolz und erleichtert, dass sie es geschafft hat.

Nacht 13 (17.12.2014)
19.30 Uhr ins Bett (kein Fieber mehr dafür Husten)
Gegen 3 Uhr wieder wach und wieder mit Papa eingeschlafen

Nacht 14 (18.12.2014)
Ich muss erst 6 Uhr rüber.

Nacht 15 (19.12.2014)
Wir sind alleine (Thomas fährt nach Weißwasser, um Oma abzuholen).
Sie wird gegen 23.30 Uhr wach (wegen husten) und will unbedingt gestillt werden als ich komme (ist offensichtlich verwirrt, dass ich da bin und nicht Thomas). Sie weint bitterlich und protestierte heftig als ich nein sage, findet dann allerdings trotzdem wieder in den Schlaf (ohne Stillen). Bin dann wieder ins Wohnzimmer mit dem Bub (weil er so laut war) und gegen 6 Uhr wieder zu ihr.

Nacht 16 (20.12.2014)
Thomas ist wieder da und ich muss erst 6 Uhr rüber (grünes Schäfchen).

Nacht 17 (21.12.2014)
20 Uhr ins Bett und bis 6.40 Uhr geschlafen – laut Thomas nur eine kleine Unterbrechung in der Nacht.

Fazit nach 2,5 Wochen: Geht es ihr gut?

Ich hatte zu dem Zeitpunkt den Eindruck, dass es für unser Mädchen ok ist mit Papa zu schlafen (ich hörte sie ja kaum mehr) und ich befragte ihn, wie er es sieht. Für optimal schien er es nicht zu halten, denn sie fragte wohl regelmäßig nach mir. Sie schien traurig zu sein.

Mist. Ich hatte gehofft, dass alles gut ist, denn für mich hörte es sich nachts so „friedlich“ an. Das hätte die Sache zumindest gedanklich erleichtert, denn das Abstillen war unumgänglich für mich – ich hätte unmöglich so weitermachen können. Doch nun wusste ich, dass sie mich nachts sehr vermisst; das tat weh.

Doch ein gemeinsames Familienbett?

Daraufhin fragte ich sie, ob ich wieder mit dem Bub im Schlafzimmer schlafen soll. Ihre Augen leuchteten und sie bejahte sofort. Ich sagte: „Ich habe Angst, dass der Kleine zu laut ist und Dich weckt!“ Sie erwiderte fröhlich: „Du brauchst Dir keine Sorgen machen.“

Doch leider scheiterte auch dieser Versuch, alle Familienmitglieder in einem Bett zu vereinen. Sobald der Bub anfing zu grunzen (das passierte oft und laut), stopfte ich sein Mäulchen schnell mit Milch, damit er das Mädchen nicht stört. Als er dann gegen 4 Uhr morgens wortwörtlich die Schnauze voll hatte und mich und sich mit einem ordentlichen Milchschwall begoss (woraufhin unser Mädchen weinend erwachte) wusste ich, dass das nicht die Lösung sein konnte.

Eine bessere fiel mir leider noch nicht ein, denn beide Kinder haben einen völlig entgegengesetzten Schlafrhythmus und wenn ich die Wachphasen von beiden begleite, bekomme ich selbst kaum noch Schlaf. Und so schlafen wir bis heute getrennt, was unserem Mädchen, vor allem wenn es ihr schlecht geht, zu schaffen macht.

Warum Konsequenz beim Abstillen wichtig ist

Ich verursachte übrigens einen sehr dramatischen Rückschritt, weil ich das Mädchen im Januar (als sie nochmals krank war) abends außer der Reihe stillte. Sie war 19.30 Uhr eingeschlafen und 20 Uhr hustend erwacht. Sie ließ sich nicht von Thomas beruhigen und weinte stark. Ich ging ins Zimmer, fragte ob sie Schmerzen habe. Sie bejahte; ich gab ihr Medizin und bot ihr die Brust zum Wiedereinschlafen an. Keine Ahnung warum. Es passierte einfach. Wahrscheinlich weil ich es so kurz nach dem eigentlichen Einschlafen noch zum Einschlafstillen zählte, aber sie konnte ja nicht wissen, wie lange bzw. wie kurz sie geschlafen hatte…

Die Quittung kam dann in der nächsten Nacht, als sie gegen 1 Uhr erwachte und natürlich wieder in den Schlaf gestillt werden wollte. Als ich verneinte und zur üblichen Routine (Streicheln, Kuscheln, Singen) überging, rastete sie so extrem aus wie in der allerersten (Nikolaus-)Nacht. Sie wehrte sich heftig gegen meine Berührung, gegen Thomas’ Anwesenheit und schrie das ganze Haus zusammen. Fast zwei Stunden lang – extrem laut und wütend.

Wir schlossen das Fenster, weil wir befürchteten, dass jemand wegen ihres schrecklichen Schreiens die Polizei ruft. Gleichzeitig ärgerte ich mich schwarz über meine Blödheit! Warum hatte ich das getan? Vor allem, was habe ich ihr damit angetan? Während sie all ihre Wut und ihren Kummer hinausschrie, lag ich verzweifelt und traurig neben ihr. Sie war anscheinend noch lange nicht über das Abstillen (meine Abwesenheit in der Nacht) hinweg – der Schmerz saß offensichtlich ganz tief. Ich fragte sie irgendwann, was ich machen kann. „Wie kann ich Dir helfen?“ Da schleuderte sie mir fuchsteufelswild entgegen: „Ihr könnt mir nicht helfen!“ Da heulte ich wieder Rotz und Wasser, aber sie hatte Recht. Ich konnte einfach nichts machen…

In den Nächten darauf glätteten sich die Wogen allmählich und sie ließ sich wieder von Thomas beruhigen, aber der Vorfall ging uns echt an die Nieren. Wie gerne hätte ich mein „Zwischenstillen“ ungeschehen gemacht… Das hatte die Situation unnötig erschwert, weil es in ihr Hoffnung entfachte, obwohl meine Entscheidung endgültig war. Thomas meinte in jener Nacht: „Da bekomme ich ja echt Zweifel, ob das Langzeitstillen wirklich so gut ist!“

Ist spätes Abstillen immer mit großem Kummer verbunden?

Ja und nein. Es heißt „je älter Kinder sind, wenn sie abgestillt werden, desto mehr Protest legen sie beim Entzug des Busens ein.“ [Obwohl die Muttermilch für die Entwicklung der Kleinsten ja am wichtigsten ist]. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Großen es sich im Gegensatz zu den kleineren Kindern leisten können „viel Lärm um nichts zu machen“. Denn „lautstarker Protest ist für einen schutzlosen Säugling, der tagtäglich ein Drittel seiner Energie für sein Wachstum abzweigen muss, weitaus „teurer“ als für ein Kleinkind, das nur noch 5 Prozent seiner Energie für das Wachsen braucht.“

„Neben dem Alter entscheidet ein zweiter Faktor, wie schwer der Zoff ist, den sich Mutter und Kind liefern – nämlich wie „sozial einschneidend“ das Abstillen ist. Wenn mit dem Abstillen auch der Verlust der Mutter droht, wird vehementer um den Zugang zur Brust gestritten“ (Herbert Renz-Polster „Kinder verstehen„, S. 65).

Obwohl ich versuchte unserem Mädchen weiterhin viel Aufmerksamkeit zu schenken – sie oft zu herzen und zu tragen, muss sie seit der Geburt ihres Bruders häufig zurück stecken und auf meine körperliche Nähe verzichten. Das Abstillen in der Nacht ging bei uns außerdem mit meinem Auszug aus dem Familienbett einher – eine wahrlich ungünstige Kombination, da sich unser gemeinsames „Kuschelzeitfenster“ plötzlich stark verkleinerte.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles halb so dramatisch verlaufen wäre, wenn wir uns nach wie vor ein Bett teilten. Doch das Mädchen ist beim schmusenden Papa ja gut aufgehoben; ich brauche zumindest ein paar Schlafeinheiten und der Bub soll nachts schließlich die gleiche Nähe und Geduld erhalten, die das Mädchen in den ersten Lebensjahren bekam – und zwar ohne unfreiwillige Druckbetankung. Von den alten Gewohnheiten abzulassen, ist gerade sehr schmerzhaft für uns Mädels, aber da hier niemand allein zurückgelassen wird, hoffe ich sehr, dass wir auch diese Umstellung gut überstehen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Abstillen?

Im Laufe der Stillzeit dachte ich immer wieder über einen geeigneten Zeitpunkt zum Abstillen nach, aber ich fand ihn nie. Für mich war klar, dass ich dem Mädchen keine artfremde Milch geben will, solange meine fließt und sie welche braucht. Doch bis zu welchem Alter brauchen Kinder Muttermilch? Woran erkenne ich, ob es sich nur um eine liebgewonnene Gewohnheit handelt oder um ein ernsthaftes Bedürfnis?

Vielleicht wäre zwei Jahre ein gutes Alter gewesen, aber es gab immer wieder Wachstumsschübe und Krankheiten, bei denen sie mehr bzw. ausschließlich stillte. Und ich war froh, dass sie in diesen Zeiten wenigstens Muttermilch zu sich nahm. Außerdem schien sie in bestimmten Lebenssituationen das Stillen und die damit verbundene Nähe mehr zu brauchen – beispielsweise als ich schwanger wurde oder während der vollkommen unproblematischen Loslösung von uns beim Kindergartenstart.

Da ich die Frage nach dem richtigen oder besten Zeitpunkt zum Abstillen nie zweifelsfrei für mich beantworten konnte, stillte ich solange weiter, bis ich nicht mehr konnte/ wollte. Ich machte diese Entscheidung sozusagen abhängig von meinen Bedürfnissen und nicht von denen meiner Tochter.

Im Nachhinein betrachtet wäre es vielleicht klüger gewesen, sie bereits früher – vielleicht in der Schwangerschaft – abzustillen, um ihr die doppelte Belastung (Milch und Mama weg) zu ersparen. Aber ich konnte ja nicht wissen (obwohl ich es ahnte), dass es so schlimm für sie wird. Und wer weiß, vielleicht war mein körperliches Limit notwendig, um die Sache bis zum Ende durchzuziehen? Denn ich bin definitiv zu weich für so einen heftigen Abstillkonflikt und hätte mich ohne Nestling Nr. 2 sicherlich schon bei ihren ersten tränenreichen Protesten von ihr erweichen lassen…

Fehlende Vorbilder und Ansprechpartner

Mir machte in dieser Abstillphase nicht nur zu schaffen, dass meine Tochter so darunter litt, sondern auch dass ich keine Gleichgesinnten kannte, mit denen ich darüber reden konnte. Für viele Frauen kämpfte ich mit einem „hausgemachten“ Problem – „Selbst Schuld, hättest ja schon viel eher abstillen können.“ Dabei wünschte ich mir so sehr ein paar aufbauende Worte oder mutmachende Erfahrungsberichte. Doch die Mädels in meinem Umfeld hatten ihre Kinder alle bereits viel eher abgestillt und konnten sich somit weder in meine Situation hineinversetzen noch mit eigenem Wissen weiter helfen. Das war doppelt frustrierend.

Schlussgedanke

„Du musst Dir Deiner Sache nur sicher und konsequent sein und spätestens nach einer Woche ist das Thema durch!“ lautete es von vielen Seiten, als ich mich entschloss unser Mädchen nachts abzustillen. Ich war mir so sicher wie noch nie und trotzdem dauerte es ewig und war emotional sehr aufwühlend. Unser Mädchen hat noch heute daran zu knabbern, was mich wiederum sehr traurig macht.

Dieser Prozess brachte allerdings auch positive Veränderungen mit sich. Beispielsweise verbesserte sich die Beziehung zwischen Thomas und dem Mädchen in dieser Zeit. Das hatte ich mir schon lange für Thomas gewünscht, weil er ein so liebevoller und fürsorglicher Vater ist, doch leider bevorzugte unser Mädchen immer mich, wenn sie Zuneigung oder Trost benötigte. Nun ist sie bereit, die vielen Streicheleinheiten, die sie benötigt auch von ihm anzunehmen und Thomas leistet jede Menge „Herzarbeit“, damit sie sich weiterhin angenommen und geliebt fühlt – am Tage und in der Nacht.

Außerdem wurde mir in dieser Zeit bewusst, dass ich schmerzhafte Erfahrungen nicht abwenden kann, egal wie sehr ich mich bemühe, aber dass das auch gar nicht schlimm ist, weil wir gemeinsam als Familie in der Lage sind, diese „Probleme“ zu lösen. Die Geburt des Buben war definitiv eine einschneidende Erfahrung für unser Mädchen, doch ich glaube, dass wir keinen „Knacks“ bei ihr zu befürchten brauchen, weil wir ihr mitfühlend beistehen und sie nicht „strafen“ für ihre natürliche Reaktion auf diese Veränderung.

Das Einschlafstillen und das Stillen am Morgen möchte ich übrigens noch eine Weile beibehalten. Dafür bedarf es abends zwar den vollen Körpereinsatz von Thomas, weil er den Kleinen dann in den Schlaf tragen muss, damit ich mich ausschließlich um das Mädchen kümmern kann. Aber das machen wir gerne, weil sie bereits viele „Kuschel-Kürzungen“ tapfer wegsteckte und sie sich immer so sehr auf diese 1:1 Mama-Zeit freut. Und wer weiß, vielleicht beendet sie diese „Mini-Stillbeziehung“ ja irgendwann ganz friedlich und von sich aus…

Linktipps

Das natürliche Alter zum Abstillen

8 Tipps für liebevolles Abstillen nach dem 1. Lebensjahr

Abstillen nach Dr. Jay Gordon (für Kinder ab 1 Jahr)

Hinweis zur Lichtuhr
Unser Schäfchen kann ich aus folgendem Grund nur bedingt weiter empfehlen. Wenn das Schaf „einschläft“, ist es hellblau. Beim Erwachen wird es dunkelblau. Eine halbe Stunde vor dem Erwachen wird es grün (ein deutlich erkennbarer Farbunterschied). Verschläft das Kind jedoch diese 30 „grünen“ Minuten, ist der Unterschied zwischen hell- und dunkelblau nur schwer erkennbar. Bei uns klappt es mittlerweile ganz gut, weil unser Mädchen meist zur gleichen Zeit aufwacht. Schläft sie jedoch länger, ist die Irritation groß.

Ich habe bei Amazon noch diese Kinderuhr gesehen, aber selbst nicht probiert. Den Bildern nach zu urteilen, scheint sie jedoch eine bessere Farbabstufung zu haben.

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  • Hallo Kathrin, das klingt nach einer sehr anstrengenden Zeit und ich kann deine vielen Tränen verstehen. Es ist auch unglaublich, wie laut Neugeborene im Schlaf sind oder? Bei unserem zweiten Kind hatte ich auch ständig Angst, dass sie mit ihrem Knurren den Großen auweckt. Mittlerweile denke ich, dass die Angst unbegründet ist. Selbst wenn die Kleine weinte, ist mein Sohn nicht aufgwacht, sondern hat weiter geschlafen. Wenn er doch mal aufgwacht ist, konnte ich ihn durch streicheln und leises Zureden sofort beruhigen und er ist wieder eingeschlafen. Probier es nochmal aus mit dem Kleinen ins Familienbett zu ziehen. Vielleicht wacht euer Mädchen gar nicht auf.
    Liebe Grüße, Kathrin (die auch mit einem Thomas verheiratet ist)

  • Anonymous

    Liebe Kathrin,
    vielen Dank für deinen Abstillartikel! Auf den Artikel habe ich mit großer Spannung gewartet :) Ich nehme daraus mit, dass ich auf jeden Fall vor der Geburt eines zweiten Kindes abstillen werde! Soviel Trauer halte ich nicht aus :(

    Ich habe eine Frage: Meine Tochter ist jetzt 16 Monate alt und liebt das Stillen. Wie hast du es gehandhabt, wenn sie während des Essens (sie isst im Stehen auf dem Boden) immer mal kurz an die Brust wollte? Seit ein paar Tagen nervt es mich und ich habe ihr gesagt, dass ich sie nicht stillen will während ich esse, was sie mit etwas Protest auch akzeptiert hat. Aber gestern hat sie so bitterlich geweint, dass ich es wieder getan habe. Muss ich hier auch super konsequent sein?

    Liebe Grüße
    Ngoc

  • Susanne

    Ich habe meine Tochter mit 22 Monaten komplett und radikal abgestillt. Es hat mir das Herz zerrissen. Ich war damals gerade in der Frühschwangerschaft und erbrach mich den ganzen Tag. Ich konnte nichts mehr essen und kaum mehr trinken, es war die Hölle. Beim 1. von 3 Krankenhausaufenthalten fasste ich dann meinen Entschluss. Ich erklärte es ihr so kindgerecht es möglich war und sie akzeptierte es. Der Vorteil war, dass sie schon durchschlief. Sie fragte und fragt immer noch manchmal danach, aber sie scheint es zu verstehen. Doch ich habe nach 3 Monaten immer noch hart daran zu knabbern. Habe eine Depression entwickelt und fühle mich so schlecht, weil ich ihr so etwas Wichtiges genommen habe. Aber wer weiß wozu es gut ist…

    • Liebe Susanne,

      das tut mir sehr leid, aber versuch es positiv zu sehen. Du hast sie wundervolle 22 Monate gestillt! Das bekommen nicht viele Kinder. Außerdem akzeptiert sie es gut (?). Ich kann verstehen, dass es für Dich blöd war, so fix, von heute auf morgen. Doch trauere dem Abschied nicht nach, denn Du kannst ihr ja nach wie vor Deine Nähe schenken, auch ohne das Stillen!
      Hast Du jemanden, der Dich bei Deinen Depressionen begleitet? Vielleicht hilft es Dir, den Kummer von der Seele zu reden…

      Fühl Dich gedrückt!
      Kathrin

  • Miriam

    Hallo liebe Kathrin,

    ich kann bezüglich Langzeitstillen nicht mitreden.
    Allerdings habe ich aktuell ein ganz ähnliches Szenario mit meinem Sohn (gleiches Alter, wie Euer Mädchen), weil ich die Familienbettzeiten beendet habe. Genau aus ähnlichen Gründen, weil ich einfach nicht ruhig und tief schlafe, wenn der kleine Zappelonkel mit im Bett liegt und da ich voll arbeiten gehe, schaffe ich es einfach nicht mehr. Die Proteste sind ähnlich, viele sagen auch immer, dass er irgendwann nicht mehr zu mir kommen möchte, aber ich sehe da keinerlei Anzeichen und fürchte, dass das so bleiben würde, bis er 9 oder 10 oder noch älter wäre. Ich hab einfach seit langem den unfassbaren Drang, dass ich „meinen Raum“ wieder brauche für mich alleine. Und das sezte ich gerade um und Konsequenz ist da echt auch sehr wichtig. Daher denke ich, dass auch diese Trennung von Dir in der Nacht sehr mit rein spielt und nicht nur das Stillen.

  • Melanie Barthel

    „liegt wahrscheinlich daran, dass die Großen es sich im Gegensatz zu den kleineren Kindern leisten können „viel Lärm um nichts zu machen““ – Im Ernst jetzt? Viel Lärm um NICHTS? Stillen ist doch nicht nichts, nur weil es als Nahrungsquelle nicht mehr wirklich relevant ist. Stillen ist Nähe, Trost, Zeit für einander, Bindung usw. Das ist also alles NICHTS?
    Bin schon oft über den Link zu diesem Blog hier gestolpert. Hab ich einfach den falschen Artikel direkt für den Einstieg erwischt? Mir zerreißt es das Herz, wenn ich mir hier ausrechnen kann, dass „das Mädchen“ da mehrere Nächte über Stunden hinweg geweint und gelitten hat. Ehrlich, wäre es da nicht einfacher auch und vor allem für dich, sie 2 Minuten zu stillen statt 2h still vor dich hinweinend mitzuleiden?
    Und wieso haben die Kinder unterschiedliche Schlafrythmen, nur weil „der Bub“ nachts vor sich hingrunzt? Ich stille selber lang und Tandem. Nummer 1 war bei uns 3 Jahre und 2 Monate als unser Bienchen kam. Wir Familienbetten. Die Kleine ist inzwischen über ein Jahr und schon mehrmals kam es vor, dass sie im Halbschlaf nach mir suchte, in der Richtung aber nur der große Bruder war, da ich noch wach war. Sie also schließlich weinend auf ihm gehangen, weils da keine Brust gibt und als wir reinkommen, pennt er einfach. Was ich damit sagen möchte: Kinder werden nicht so schnell wach! Mein Partner schnarcht Gott sei Dank selten, kann das aber sehr laut – die Kinder juckt das herzlich wenig. Und der Große plappert manchmal, ebenfalls jedem Anderen im Bett schnurtz. Auch betreiben wir windelfrei – auch nachts. Das heißt Tür offen und Licht im Flur damit man was sieht, wir unterhalten uns manchmal auch leise dabei – beiden Kindern egal.
    Und klar ist alles „Mama soll!“. Ist bei unserem auch mit 4 Jahren noch so. Und die Kleine ist noch krasser. Wenn der Papa sich das Buzzidil oder nen Sling ummacht, dann rennt sie los, holt ein Tragetuch und kommt damit zu mir – Mama soll! Die Zeit der Papas wird schon noch kommen, wo wir Mamas der Buhmann sind und der Papa der Held, der Prinz auf dem weißen Pferd den die Tochter am liebsten selber heiraten mag wenn sie mal groß ist.
    Und man kann mit Kindern reden. Auch ich bin an meine Grenzen gekommen und habe das mit meinem Großen besprochen. Man sollte Kindern in puncto Kommunikation und Verständnis mehr zutrauen, statt ihnen jede Nacht so was zuzumuten :( ZB hatte ich Schmerzen beim Stillen durch die 2. SS. Habe das meinem Sohn so gesagt, ihn um ein kurzes Stillintervall gebeten und darum, ihn dann in den Schlaf streicheln zu dürfen. War okay für ihn und auch verständlich, dass ich sonst vllt aufgrund der Schmerzen womöglich das Stillen sonst ganz lassen wollen würde. Unsere Kinder denken ja nicht nur an sich selber. Auch war es aoky für ihn, dass er nach der Geburt eben kurz warten musste mittags bis die Kleine schläft, damit ich dann ihn stillen und in den Schlaf begleiten kann. Oder letztens als der Papa nicht da war und ich eben nicht nur exklusiv für ihn zum abendlichen Stillen da war.
    „Dafür bedarf es abends zwar den vollen Körpereinsatz von Thomas, weil er den Kleinen dann in den Schlaf tragen muss…“ – auch bei uns trägt mein Partner die Biene abends in den Schlaf während ich den Großen stille und einschlaf-begleite. Aber voller Körpereinsatz, nur weil man 5-6kg kleines Menschlein trägt? Mein Partner hat sogar schon den Großen abends über mehrere Monate in den Schlaf getragen, obwohl es da noch kein Geschwisterkind gab welches mich brauchte, einfach weil er da ne Phase hatte, wo er an der Brust keine Ruhe fand.

    Darüber nachzudenken, ob früheres Abstillen oder Abnabeln von der Mutter vllt das ganze vereinfacht hätte, ist absoluter Quatsch. Man sollte einfach schmerzfreiere Wege finden. und wieder mehr dem eigenen Instinkt folgen. Wenn ein Kind derart leidet, sogar krank ist zb eben mit dem Husten, wo auch noch der Hals weh tut, dann leidet man doch als Mutter mit und spätestens da sollte man doch merken, dass das grad nicht richtig sein kann

    Und richtig erschreckend: die Parallelen zum Ferbern! Da lässt man Kinder auch kontrolliert schreien. Sie schreien irgendwann weniger und / oder lassen es ganz, weil sie gemerkt haben, dass es keinen juckt. Nur dass man beim Ferbern meines Wissens nach mit wenigen Minuten einsteigt und nicht direkt das 2h-Programm durchzieht. Klar, wir haben hier ne 3,5-jährige und kein kleines Baby und sie wird auch noch betreut durch den Papa. Aber wir können nicht wissen, ob das für sie nicht genauso traumatisch und einschneidend ist, wie das ach so tolle vermeintliche Schlafen-lernen für die Babys.

    Möglich, dass ich echt den falschen Einstieg in diesen Blog erwischt habe – ich hoffe es inständig – , aber ich verzichte hier auf weitere Lektüre

    • TomileGrande

      Wow, also das ist wirklich krass. Ich bin irgendwie über eine
      Merci Packung auf diesen Bericht gestoßen und finde das Thema aber auch die
      Reaktionen extrem schockierend. Ich könnte auch etwas zum Eingangspost
      schreiben aber ich konzentriere mich lieber auf diese Meinung hier und versuch
      den Eingangspost nebenbei mit ab zu frühstücken. Nicht nur das der Bericht von
      „Nestling“ schon übertrieben war, nein, du setzt hier noch einen
      drauf. Die Meinungen was das stillen bzw. noch viel mehr den Schlafort der
      Kinder anbelangt, gehen ja stark auseinander. Aber ein Kind mit 3 Jahren noch
      zu stillen, ist dann wirklich übertrieben. In der Zeit essen die Kinder doch
      schon bei den Erwachsenen mit und warum sollten sie dann noch gestillt werden?
      Weil es dem Kind gut tut? Ja natürlich! Ich möchte auch gerne jeden Abend
      gestreichelt werden und eine Tasse warmen Kakao bekommen. Was man sich damit
      antut ist nicht den Kinder bedingungslose Liebe zu geben, sondern kleine
      Tyrannen zu erschaffen. „Mama soll“…Ernsthaft?! Alleine schon dieses Bsp. zeigt
      doch, dass da etwas überhaupt nicht stimmt. Ihr erzieht die Kinder zu
      Abhängigkeit und freut euch wahrscheinlich darüber wenn sie zu euch wollen und
      ihr das Gefühl habt „gebraucht zu werden“. Aber das kann nicht der richtige Weg
      sein. Weder für die Kinder noch für die Partnerschaft. Ob die Kinder mit 3
      Jahren noch im Zimmer der Eltern schlafen müssen, darüber kann man streiten
      aber nicht darüber ob sie im Bett der Eltern schlafen dürfen. Da hat das Kind
      einfach nichts mehr zu suchen. Was ist mit euch? Mit Zweisamkeit? Ein Kind, ist
      doch kein Kuschelersatz für eine Beziehung. Wenn das Kind mit 3 Jahren noch
      nicht durchschläft weil es natürlich gewöhnt ist jede Nacht gestillt zu werden,
      ist das kein Wunder. Aber was ist denn mit euch (Frauen)? Findet ihr das gut
      jede Nacht 3-4x wach zu werden? Morgens um 05-06:00 Uhr ist die Nacht vorbei
      und abends geht man wohl auch nicht vor 23:00 Uhr schlafen. Wie will man da
      unausgeschlafen über Wochen/Monate hin Leistung bringen. Mit Leistung meine ich
      entweder beruflich, falls ihr arbeiten geht, aber auch privat bei der
      Kinderbetreuung oder im Haushalt.

      Ein Hinweis noch zu dem Kuchen. Ja, auch ein Kuchen“rezept“ habe
      ich auf dieser Seite gesehen. Warum macht man sich diesen Aufwand so einen
      Kuchen für ein 2-3 J. Kind zu backen? Dem Kind ist das doch sowas von egal, Hauptsache
      Kuchen und die Arbeit die dahinter steckt, sieht das Kind erst recht nicht. Letztendlich
      macht ihr den Kuchen nur für euch selber oder für andere Eltern. Ob sich das
      lohnt und ob man wirklich Zeit dafür hat, und in der Zeit nicht lieber mit dem
      Kind spielen sollte, oder sich Zeit für sich selber nehmen, dass muss natürlich
      jeder selber entscheiden.

    • Mimi

      Liebe Melanie,
      das „viel Lärm um nichts“ ist ein Zitat aus dem Buch „Born to be wild – Kinder verstehen lernen“ von dem Kinderarzt Harald Renz-Polster. Er gibt keine Erziehungsratschläge, sondern analysiert, warum Babies so sind wie sie sind, aus evolutionsbiologischer Sicht. Er ist ein Stillbefürworter, differenziert aber auch zwischen den Nöten von Säuglingen und eben größeren Stillkindern. Bevor Du dieses Zitat so verurteilst, solltest Du es im Kontext lesen. Es erscheint Dir dann bestimmt weniger drastisch.
      Ich fand das Buch sehr lesenswert, da ich ungewollt in eine Langzeitstillbeziehung mit meiner Kleinen gerutscht bin, und die Außenwelt mir sehr zu schaffen gemacht hat. Das Buch hat mir geholfen, die Bedürfnisse meiner Kleinen besser zu verstehen, zu verstehen, dass sie natürlich sind und das Erbe einer jahrtausendlangen Menschheitsgeschichte. Dass wir „modernen“ Menschen viel zu oft, unsere kleinen Menschlinge an unsere Bedürfnisse anpassen wollen -am besten Durchschlafen von Anfang an, schnell wieder Arbeiten und abends weggehen können, Fläschchen, Kinderwagen und Schnuller als kraft- und zeitsparende Alternativen.
      Und wie Du befürwortet Renz-Polster einen mehr Intuitions-bezogenen Umgang. Insofern bin ich mir sicher, dass Du mit ihm in vielen Punkten übereinstimmen wirst :-)
      Ich finde es toll, wie Du DeinenWeg mit Deinen Kleinen gemeistert hast, verstehe aber auch andere Mütter, die an ihre Grenzen stoßen und dringend „Abhilfe“ schaffen müssen. Insofern hoffe ich für uns alle, dass wir den richtigen, für uns jeweils gangbaren Weg finden 🍀

    • Mimi

      Und an TomileGrande :
      Ich finde es immer sehr schade und auch unpassend, wenn hier andere Schreiberinnen in dieser meiner Meinung nach sehr aggressiven Form angegriffen und verurteilt werden.
      Klar, jeder hat seine eigene Meinung und darf sie gerne vertreten. Aber ein respektvoller und toleranter Umgangston sollte Grundvoraussetzung einer jeglichen Konversation sein.
      Langzeitstillen ist im übrigen kein Ersatz für Kuscheln mit dem Partner und steht auch in keinerlei Kontext hierzu.
      Es gibt zudem wissenschaftliche Studien, die belegen, dass langzeitgestillte Kinder keineswegs unselbstständiger oder abhängiger sind als andere Kinder. Bestes Beispiel sind Beobachtungen an Naturvölkern.
      Bevor man hier andere Eltern verurteilt, bitte erstmal selbst fundiert informieren und dann erst schreiben!

  • Merle

    Liebe Kathrin,
    danke für den ehrlichen Bericht. Mir steht grade auch das abstillen meines 2-jährigen Sohnes bevor und ich hab ordentlich Bammel davor. Ihm ist das „dillen“ sehr wichtig, aber ich merke, dass ich einfach an meine Grenzen stoße und nicht mehr kann und will.
    Wir hatten übrigens auch ohne Tandemstillen nach der Geburt des Kleinen eine ähnliche Familienbettsituation wie ihr – eigentlich wollten wir gerne alle zusammen schlafen, die Große (damals 2,5 Jahre alt) brauchte das auch noch, aber wir kamen letztlich alle nicht zur Ruhe. Der Kleine war nachts sehr laut, schlief nach dem stillen oft nicht sofort wieder ein sondern weinte kurz oder quatschte los und die Große hatte in der Zeit einen unglaublich leichten Schlaf, wachte sofort auf und wollte dann „nur Mama“. Auch wir haben nach ein paar Wochen aufgegeben und mein Mann zog mit der Großen auf eine große Matratze ins Kinderzimmer. Das blieb ein halbes Jahr so, dann hatte sich alles etwas eingependelt und wir zogen zunächst probeweise wieder zusammen ins große Bett. Und es hat tatsächlich geklappt. Mittlerweile ist es so, dass die Kinder abends in ihren Betten einschlafen, nachts aber beide in unser Bett kommen. Ich denke auch bei euch ist das jetzt nicht das Ende des Familienbetts, sondern nur eine Phase die sich auch wieder gibt.
    Schade finde ich, dass man auf so eine Situation tatsächlich nicht vorbereitet ist. Ich hatte vor der Geburt des Kleinen überall gelesen wie unproblematisch das Familienbett auch mit neugeborenem Baby funktioniert. Von grunzenden Babys und leicht schlafenden großen Kindern war da nie etwas zu finden. Umso schöner, dass du so ehrlich über eure Probleme berichtest!

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  • Vera

    Hi Kathrin, statt der überteuerten und meist doch nicht so ganz passenden Tag-Nacht-Uhren behelfen wir uns bei unseren Kindern mit einer Zeitschaltuhr und normaler, nicht zu greller Kinderlampe… Leuchtdauer individuell einstellbar und auch nach Wochentag anzupassen… LG

  • Pingback: Brief an mein (altes) stillendes Ich - Hebammenblog.de()

  • Maria

    liebe kathrin, danke für deinen ehrlichen bericht. wie sind mittlerweile eure nächte?
    ich bin gerade dabei meine 21 monate alte tochter nachts abzustillen und auch sie hat es nach nun 7 stillfreien nächten noch nicht akzeptiert, wacht mehrmals auf und weint, jammert oder fragt zumindest nach der brust. oft bleibt sie 2 oder 3 stunden wach und findet nicht und nicht in den schlaf. ich hoffe so sehr es wird bald besser, denn jede nacht bricht mein herz aufs neue, wenn sie weint.

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  • Kara

    Ich bin ungeplant und uninformiert Langzeitstillerin geworden:-)
    Als Alleinerziehende mit Familienbett war das Stillen praktisch und ich immer verfügbar. Irgendwann war mir das Stillen aber vorallem in der Öffentlichkeit peinlich. Ich war nicht gut informiert und es mangelte mir an Vorbildern und Selbstvertrauen.
    Trotzdem habe ich meine Tochter gestillt, bis sie knapp 3,5 Jahre war.
    Zu diesem Zeitpunkt hat sie schon viel verstanden und akzeptiert, dass ich nicht mehr stillen wollte. Wir haben einen Zeitpunkt (Weihnachten) vereinbart und damit ging es ohne große Proteste und Rückfälle.
    Der kleine Bruder kam erst einige Jahre später dazu und ins Familienbett darf sie auch jetzt mit 8 noch. Allerdings schläft sie auch regelmässig im eigenen Bett, um „gesellschaftsfähig“ zu sein.
    Der Kleine ist erst 9 Monate und wird natürlich noch gestillt, mal schauen, wie lange es diesmal dauert. Ich weiß jetzt immerhin, dass Langzeitstillen möglich und unsere freie Entscheidung ist.

  • Virginia

    Liebe Kathrin
    Ich habe vor wenigen Tagen deinen Blog entdeckt und bin froh zu lesen, dass es noch andere Mütter gibt die so denke und leben wie ich! Unseren Sohn habe ich mit 2 Jahren auf die harte Tour, wie du, abgestillt und es war sehr schlimm. Ich wollte es aber so und empfand es als den richtigen Moment…Nach 5 Nächten war die Sache gegessen und ab da an schlief er auch viel besser…er hatte sich wirklich schon daran gewöhnt gehabt sich an der Brust umgehend zu beruhigen wenn er wach wurde. Seit 9 Monaten haben wir eine Tochter und auch sie wird natürlich gestillt. Mal schauen wie lange, denn eigentlich sollte ich Medikamente nehmen, welche nicht mit dem Stillen kompatibel sind…wie auch immer, ich glaube es zahlt sich aus, liebevoll mit den Kindern umzugehen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen, denn unser Sohn ist sehr lieb zu seiner Schwester und hat für vieles sehr viel Vertsändins. Vermutlich weil er selber schon viel Liebe und Vertsändis bekommen hat bzw. bekommt.
    Ich werde weiterhin hier vorbeischauen und deine interessanten Texte lesen! Vielen Dank!

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  • Cordula

    Liebe Kathrin,

    danke, danke, danke für Deinen Erfahrungsbericht. Er hilft mir, Deine „Fehler“ zu vermeiden. Ich stille meine Raupe (25 Monate) gerade in der Nacht ab: in der Schwangerschaft, im Familienbett, ich begleite die Raupe in seiner Wut und Verzweiflung und ich bin darauf eingestellt, dass es länger dauert und nicht mit einem Gespräch und einer Nacht getan ist. Herzlichen Dank!