Zweifach-Mama: Warum ich gerne Mutter von zwei Kindern bin

Kathrin Übers Elternsein 11 Kommentare

Als ich gestern meinen Text „Zweifach-Mama: Vom Loslassen, Verlustängsten und dem Vermissen“ veröffentlichte, folgten bei Facebook Reaktionen wie „Deswegen wird meine Maus wohl Einzelkind bleiben„, „Traurig-schöner Text“ und „Puh, liest sich heftig :/

Daraufhin las ich meinen Artikel noch einmal durch (denn ich finde unsere Situation weder traurig noch heftig) und der Grosche fiel. Ich zeigte euch ja nur einen kurzen Ausschnitt unseres Alltags, in dem ein paar entscheidende positive Einblicke fehlten. Das will ich schnell nachholen, damit ich nicht Schuld an einer Einzelkind-Schwemme bin.

Warum ich gerne Mutter von zwei Kindern bin

Ich fange mal ganz platt an.

Zweifach-Mama zu sein, bedeutet für mich doppeltes Glück: Ich durfte erleben wie zwei kleine Wunder – zwei gesunde Menschlein – in mir entstanden und wuchsen.

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Ein Bild aus der zweiten Kugelzeit

Daraus entwickelte sich eine doppelten Chance, denn dieses Mal läuft alles viel entspannter, angenehmer und ohne schlechtes Gewissen, da alle „Forschungsarbeit“ (Verwöhne ich mein Kind oder nicht?) beim Mädchen getan wurde. Es ist somit „fast“ halb so viel emotionale Arbeit.

Und natürlich verdoppelten sich meine Muttergefühle. Ich war erstaunt, dass ich mich von der ersten Sekunde an in den Knaben verliebte – hegte ich doch Zweifel, ob ich ein weiteres Kind genau so lieben könnte wie unser Mädchen. Ich genieße es, zwei warme, sich anschmiegende Körper in meinen Armen zu halten – wie sie mich zum Lachen bringen, wenn sie sich laut kichernd um unser Pappspielhaus jagen oder gemeinsam Unfug treiben. Unbezahlbar sind die auch Augenblicke, in denen das Mädchen ihren „Brudi“ wie sie ihn liebevoll nennt, zärtlich küsst oder ihn vor anderen Kindern beschützt. Genau wie die Nächte, in denen sie nachts im Bett Händchen haltend schlafen und sich aneinander kuscheln.
mama-von-zwei-kindernAber auch mein Selbstbewusstsein verdoppelte sich. Ihr habt keine Ahnung wie gut ich mich fühle, wenn ich mit meinen beiden Nestlingen alleine einen harmonischen Nachmittag verbringe. Die Ausflüge, die mittlerweile an der Tagesordnung stehen (Spielplatz, Zoo, usw.), schienen mir noch vor einigen Monaten unmöglich. Auch ich wachse scheinbar an meinen Aufgaben und bin sehr glücklich darüber.

Und für die doppelte Verliebtheit mopse ich einfach mal die Worte der lieben Franzi: „Die Momente, in denen der Papa beide Kinder auf dem Schoß hat und du vor Liebe zerfließen könntest (da kommen dann die Hormone um die Ecke und machen ´ne Fanfare…).“

Und noch viel mehr Gründe…

Machen wir uns nichts vor, das Leben mit zwei Kindern ist doppelt so chaotisch, anstrengend und aufregend. Es liegt doppelt so viel Essen unterm Küchentisch, doppelt so viel Sand auf dem frisch gesaugten Wohnzimmerteppich und es ist mindestens doppelt so laut in der Bude. Es bedarf doppelt starker Nerven und doppelt so viel Kaffee, um den Alltag mit zwei Kindern zu wuppen…

…und dennoch ist es für mich genau richtig so wie es ist. Zum einen, weil ich mir aus tiefstem Herzen ein zweites Kind gewünscht habe. Zum anderen, weil der Bub ein perfektes Einsteigermodell ist und mit seinem freundlichen, entspannten und verschmitzten Wesen alle Herzen im Sturm erobert. Und zu guter Letzt, weil wir das Leben zu viert mit all seinen Höhen und Tiefen so meistern, dass es sich für uns zunehmend besser anfühlt. Von Tag zu Tag besser wie ich finde.

Schlussgedanken

Wer das Thema Kinderkriegen theoretisch und ganz rational betrachtet, findet sicherlich viele Gründe, die gegen Kinder sprechen – egal ob nur eins oder mehrere. Eine aktuelle Studie zeigt sogar, dass Kinder unglücklich machen, zumindest fühlen sich viele Eltern „im ersten Jahr ihrer Elternschaft weniger glücklich, als während der zwei Jahre davor.“

Und auch bei uns stellten beide Nestlinge unsere Partnerschaft und unser Leben gehörig auf den Prüfstand. Wir durchlebten jeweils unmittelbar nach den Geburten einige heftige Krisen und Zeiten der Unzufriedenheit, was ich glaube völlig normal ist, weil so ein kleines, hilfloses Menschlein das bestehende Familiengefüge gewaltig auf den Kopf stellt.

Doch Tiefpunkte gab es bei mir auch zur Genüge, bevor ich Mutter wurde (siehe „Ich mache Schluss„). Wer (ob kinderlos oder kinderreich) kann schon von sich behaupten rundum glücklich zu sein – zu jeder Zeit und in allen Lebenslagen?

Mein persönliches Glücksempfinden schwankt. Es schwankte früher und auch heute. Mal wünsche ich mir eine einsame Insel, auf die ich mich begeben kann, beispielsweise um mal richtig auszuschlafen oder einfach nur abzuhängen und mich auf die in der Sonne glitzernden Sandkörner zu konzentrieren. Dann wieder platze ich vor Glück, weil ich umzingelt von meinen sich dicht an mich drängenden Kindern spüre, wie wichtig ich für sie bin und wie sehr sie mich lieben.

Diese bedingungslose Liebe lässt sich weder angemessen in Worte fassen noch messen noch vergleichen. Schon gar nicht mit materiellen Dingen. Aber vielleicht hilft es ja schon die Kinder gelegentlich als das zu betrachten was sie sind – ein kostbares Geschenk. Und sich daran zu erinnern, dass auch wir einst energiegeladene, schlafraubende und dauerquasselnde Quälgeister waren oder eben kostbare Geschenke, die unsere Eltern dankbar annahmen…

In mir brannte der Wunsch nach einem zweiten Nestling, obwohl ich genau wusste, dass zumindest die Anfangszeit für uns alle schwer wird. Das war sie und das möchte ich auch nicht beschönigen. Aber so viel Kraft der Alltag mit zwei Kindern manchmal auch von mir abverlangt, so gerne bin ich Zweifach-Mama. Ich bereute meine Entscheidung keine Sekunde und ich kann mir mein Leben ohne meine Kinder nicht mehr vorstellen –  von der kleinen Auszeit auf der Insel mal abgesehen 😉

Eure Kathrin

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  • dieverlorenenschuhe

    Ja, Du beschreibst sehr genau auch meine Gründe für ein zweites Kind. Ich wollte es einfach auch noch mal erleben. Gut, ich hätte den Altersabstand etwas größer wählen sollen (sofern man die Wahl hat), 25 Monate finde ich im Nachhinein einfach zu heftig. Jetzt ist das zweite Kind fast 2 Jahre und es wird langsam besser. Sie spielen sogar ab und zu zusammen (oder so etwas ähnliches). Ich habe auch erst kürzlich auf meinem Blog darüber etwas geschrieben. Klar, manchmal denke ich, „nur ein Kind jetzt wäre echt easy“. Aber ich wollte einfach kein Einzelkind, auch wenn Kind Nr. 1 das sicher auch toll gefunden hätte, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt. Liebe Grüße.

  • Kathrin

    Ich genieße auch jeden Tag mit unseren beiden Mäusen. Und was mich auch beruhigt, sie sind nicht allein, wenn wir mal alt und schrullig werden…sie können uns in der Pubertät gemeinsam blöd finden, oder sich eben gegenseitig, dann dafür uns nicht so sehr :-)! Oder wenn unser Leben einfach irgendwann zu Ende ist. Dann haben sie hoffentlich auch noch sich! Doch das ist hoffentlich noch lange hin und so gehen wir zu viert durch die Welt und machen sie unsicher…. Freunde sagte. Uns mal, mit mehr als einem Kind ist man eine Familie, vorher war man ein Paar mit Kind… Ich finde in unserem Fall stimmt das!

  • Birgit

    Meine erste Tochter ist 28 Monate und unsere zweite 6 Monate alt. Auch wir haben bisher sehr harte aber auch wunderschöne Zeiten erlebt. Und diese Wehmut gegenüber der exklusiven Zeit mit der großen kenne ich sehr sehr gut. Trotzdem würde ich es nie nie wieder anders haben wollen.

    Nur nachts habe ich nach wie vor keine rechte Lösung. Aktuell wacht unsere große jede Nacht auf. Mein Mann legt sich dann mit ihr ins Gästezimmer. Im Ehebett liegt unsere kleine mit mir. Und wir alle in einem Bett kann ich mir einfach nicht vorstellen. Beide in der Mitte? Rollt sich die große da nicht auf die kleine? Beide am Rand mit rausfallschutz? Wie macht ihr das?

    • Hallo Birgit,
      meine beiden Kinder sind nicht jede Nacht bei uns im Bett – eher phasenweise oder auch mal nur eine/r.
      Wenn beide bei uns im Bett liegen, sind sie in der Mitte. Einer oben am Bett und einer unten am Bett (also Füße treffen sich höchstens in der Mitte). Ansonsten könnte ich nicht mehr schlafen, weil es mir zu eng wäre und beide unruhige Schläfer sind. Das klappt aber so ganz gut. Wenn das unten liegende Kind sich beklagt, dreht sich mein Mann auch um. 2 oben, 2 unten :-). Vielleicht eine Lösunge für euch? LG Petra

    • Birgit

      2 oben 2 unten – lustige Idee- das wäre mal einen Versuch wert! Mal schauen ob die Größe das mitmacht. Dann wäre es nicht ganz so eng!

    • Merle

      Hallo, Birgit,
      gib euch da noch ein bisschen Zeit. Wir haben das erste Jahr zu viert auch getrennt geschlafen. Ich konnte mir das im Vorfeld garnicht vorstellen, aber irgendwie ging es dann nicht anders. Die Große ist bei jedem Pieps ihres Bruders aufgewacht und umgekehrt. Als der Kleine ein Jahr alt wurde haben wir es dann mal versucht. Die Kleinen sind beide in ihren Betten eingeschlafen und nachts beide irgendwann zu uns gekommen. Wir schlafen meistenst Papa, große Tochter, Mama, kleiner Sohn, Wand. Wir haben unser Ehebett angebaut und kommen jetzt auf 3,30m. Bei uns kommt dann die Wand, wenn da keine wäre würde ich tatsächlich einen Rausfallschutz montieren. Unsere Große rotiert ziemlich im Schlaf, deshalb legen wir die Kinder lieber nicht nebeneinander. Im Urlaub klappt das aber auch ganz gut. Probiert es mal aus wenn die zweite etwas älter ist und einen ruhigeren/ tieferen Schlaf hat.
      LG

  • Kathrin

    Bei uns ist es so, die Kleine (2) an der Wand, dann ich, dann der Große (4,5), dann mein Mann… So ist es seit der Geburt der Kleinen :-)! Änderung nicht in Sicht… Wir haben uns einfach ein 2 m breites Bett gekauft! Die Kinder wecken sich nicht gegenseitig und mich weckt meist nur die Kleine, den Papa meist nur der Große…

  • Birgit

    Danke für eure hilfreichen Antworten!
    Merle, genauso ist es bei uns. Vor allem die kleine wacht beim kleinsten Geräusch auf. Vielleicht wird das mit der Zeit tatsächlich besser.
    Wie habt ihr euer Ehebett angebaut? Ein größeres Bett wäre auf Dauer sicherlich angebracht…

    • Merle

      Oh, jetzt hab ich grade erst deine Frage gesehen. Vielleicht habt ihr das Problem ja schon anders gelöst. Wir haben ein ziemlich niedriges Bett mit einem breiten Holzrand. Daran haben wir einfach einen Lattenrost (90×2000) mit (selbst zugeschnittenen und montierten) Holzfüßen angebaut und eine Matratze drauf gelegt. Ist jetzt nicht die stabilste Konstruktion, aber für unsere Zwecke reichts. Weil unser Bett so niedrig ist haben wir kein fertiges gefunden zum danebenstellen das auf der gleichen Höhe gewesen wäre. Ansonsten hätte ich wohl ein günstiges fertiges Bett gekauft.

  • Julia

    Das hast du so toll geschrieben Kathrin, ich kann jedes Wort genauso unterschreiben und so stressig wie der Alltag ist und so genervt ich auch manchmal bin, trotzdem wünsche ich mir sogar noch ein drittes Würmchen.Es ist einfach so toll, wie die Kinder aufwachsen, jeden Tag etwas Neues lernen und auch uns als Eltern immer wieder neue Perspektiven eröffnen und ich möchte keinen Tag mehr missen mit meinen Zwergen.

    Außer natürlich es gäbe die kurze Auszeit auf der einsamen Insel 😉

  • Jacqueline

    Super schön geschrieben! Unsere beiden sind gut zwei Jahre auseinander, die Kleine ist jetzt vier Monate und der Große fast zweieinhalb.
    Wir haben den Luxus (der auch oft anstrengend und nervig ist), dass wir mit vier Generationen zusammen leben, zwar jeder in abgetrennten Wohnungen, aber alle auf einem Grundstück. So ist meistens jemand greifbar. Wenn es stressig wird und wenn ich am Stillen bin oder die Kleine einen ganz schlechten Tag hat, hat der Große immer einen Ansprechpartner, den er gut kennt und mit dem er aufgewachsen ist.
    Bei der Entscheidung für ein zweites Kind und auch für den Zeitpunkt hat auch der Gedanke an den Großen für mich eine große Rolle gespielt. Ich selbst habe eine zwei Jahre jüngere Schwester und einen elf Jahre jüngeren Bruder. Vor elf Jahren ist meine Schwester gestorben, mit der ich natürlich einen großen Teil meines Lebens verbracht habe. Zu meinem Bruder kann ich niemals so eine Art von Beziehung aufbauen. Wir verstehen uns gut aber ich bin zweifache Mama und hab auch beruflich schon einiges erreicht und er ist Teenager, das sind einfach Welten zwischen uns.
    Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie nicht allein sind, sondern dass da jemand ist, zu dem sie diese wunderbare Art der Beziehung führen können, die hoffentlich ein Leben lang hält.