Warum eine Hausgeburt?

Kathrin Erfahrungen 35 Kommentare

Da ich mich auf der Schwangerschaftszielgeraden befinde, werde ich häufiger gefragt, wo Nestling Nr. 2 zur Welt kommen soll. Besser gesagt, in welcher Klinik. Antworte ich wahrheitsgemäß mit „Ich gehe nicht in eine Klinik, ich entbinde zu Hause“ spielt sich in den Gesichtern der Fragenden ein interessantes Schauspiel ab. Eine Mischung aus Überraschung, Neugier und Sorge. Und anschließend fast immer die Aussage „Du bist aber mutig!“

Aber bin ich das wirklich? Meine Entscheidung eine Hausgeburt anzusteuern, hat im Grunde nichts mit Mut zu tun, sondern mit dem Gefühl, dass bei der Geburt unseres Mädchens viele Dinge hätten anders/ besser laufen können.

Denn bereits damals saß ich die Eröffnungsphase völlig entspannt und alleine zu Hause aus. Das aber auch nur, weil mir eine Freundin erzählt hatte, dass ihr genau dieser Part bei der Geburt ihres Sohnes so gut getan hätte. Dass es nicht nötig sei, bei der ersten Wehe ins Krankenhaus zu fahren, sondern wesentlich angenehmer, sich in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu entspannen. Dass man im Krankenhaus häufig noch mal nach Hause geschickt oder zum Spazierengehen/ Treppensteigen verdonnert wird, was sich unter Umständen nicht so gut anfühlt, je nach dem wie viel Kliniktrubel die Schwangere umgibt.

Ich tat es ihr nach (ohne großartig darüber nachzudenken) und erlebte einen sehr positiven und ruhigen Geburtsstart. Als meine damalige Beleghebamme und Thomas nach vier Stunden Wehen eintrafen, war mein Muttermund bereits auf 8 cm geöffnet und ich überrascht, wie „einfach“ das war.

Was dann folgte, war weder einfach noch positiv. Damals wusste ich noch nicht warum, ich fühlte nur ein deutliches „Nein!“. Ein deutliches „Nein!“ als ich ins Auto steigen und in die Klinik fahren sollte. Ein deutliches „Nein!“ als ich mich trotz immenser Rückenschmerzen zum Ultraschall auf den Rücken legen musste. Und viele weitere deutliche „Neins!“ in den Situationen, in denen ich kein echtes Mitspracherecht hatte. In denen ich über mich bestimmen lassen musste, obwohl ich doch diejenige war, die das Baby bekam.

Im nachhinein überlegte ich oft, ob der Rest der Geburt nicht auch entspannt(er) verlaufen wäre, hätte ich zu Hause bleiben können. Denn vieles in der Klinik fühlte sich sehr falsch an für mich – übrigens auch nach der Geburt.

Erkenntnisse in der zweiten Schwangerschaft

Obwohl ich mit dem zweiten positiven Schwangerschaftstest sofort wusste, dass es dieses Mal eine Hausgeburt werden sollte, konnte ich nicht 100-prozentig benennen warum. Da war – wie gesagt – nur dieses intensive Gefühl.

Erst mit dem Buch „Geburt und Stillen“ von Michael Odent (Arzt, Geburtshelfer und Verfechter einer natürlichen Entbindung) begriff ich, was in der zweiten – von mir als wesentlich unangenehmer empfundenen – Geburtsphase in der Klinik meiner Empfindung nach nicht passte. Und warum ich diesen inneren Wunsch, Nestling Nr. 2 zu Hause zu gebären, verspürte.

Was erleichtert eine Geburt?

Odent’s wichtigste Erkenntnis:

„Ich habe gelernt, dass der Mensch ein Säuger ist. Alle Säuger suchen die Verborgenheit, die Isolation, wenn sie ihre Jungen zur Welt bringen. Sie brauchen Privacy. Beim Menschen ist es genau dasselbe.“[1]

(Privacy wurde übrigens in der deutschen Übersetzung bewusst übernommen, weil es kein vergleichbar treffendes Wort in unserer Sprache gibt).

Die ersten Stunden von der Geburt unseres Mädchens verbrachte ich in absoluter Privacy. An einem mir vertrauten Ort, an dem ich mich wohl und sicher fühlte. Niemand beobachtete und störte mich. Ich konnte mich ganz auf mich und meinen Körper konzentrieren und war vollkommen entspannt.

Dass ich diese Phase im Gegensatz zur Zeit in der Klinik als angenehm empfand, ist also kein Zufall. Denn „der Geburtsvorgang ist ein Gehirnvorgang. Wehen und Geburt aktivieren den primitiven Teil des Gehirns, den wir mit allen anderen Säugern gemeinsam haben. Dieser Teil des Gehirns muss die Hormone produzieren, die für wirksame Gebärmutterkontraktionen notwendig sind, aber seine Funktionen können hier genau so gehemmt werden, wie während aller anderen sexuellen Aktivitäten.“[2]

Das erinnerte mich sofort an meinen Artikel „Stillen ist Kopfsache“:
„Die günstigen Umstände, die eine Mutter braucht um das Stillen zu erlernen, entsprechen am ehesten jenen Bedingungen, die im allgemeinen als günstig für den sexuellen Liebesakt gelten: ein behagliches, warmes Bett, Ungestörtheit, eine entspannte Atmosphäre und ein Gefühl zeitloser Muße.“ (Sheila Kitzinger)

Das Gebären, das Stillen und der Liebesakt sind demnach ähnlich sensible, körperliche Prozesse, die durch ablenkende Situationen, welche den Adrenalinspiegel der Frau heben – Furcht, Kälte und so weiter – erschwert werden.[3] Umgekehrt ist es erwiesen,“ dass ein niedriger Adrenalinspiegel die Eröffnungsphase erleichtert und beschleunigt.“[4]

„Fühlt sich die Frau sicher, werden die körpereigenen Hormone Oxytocin und Endorphine ausgeschüttet. Sie dämpfen den Schmerz und sorgen dafür, dass Frau und Kind eine kraftvolle und verbundene Einheit bilden. Beide wissen in jedem Augenblick intuitiv, was zu tun ist. Die Geburt kann ihren natürlichen Lauf nehmen“ (siehe „Hausgeburt„).

Was erschwert eine Geburt?

„Das Ausschütten der für den Geburtsvorgang notwendigen Hormone [durch den primitiven Teil des Gehirns] ist begleitet von einer Reduzierung der Aktivität des neuen Gehirns [Neocortex]; und das ist auch der Grund, warum sich Frauen ab einem bestimmten Stadium bei einer normalen physiologischen Geburt scheinbar von allem was sie umgibt […] lösen. Ihre Bewusstseinsebene verändert sich, und das muss auch so sein, wenn der richtige Hormonspiegel erreicht werden soll. Andererseits kann man den Fortgang der Geburt bremsen, indem man den Neocortex anregt und der werdenden Mutter Fragen stellt, etwa „Bei welcher Krankenkasse sind Sie versichert?“[5]

In der Eröffnungsphase bewegte ich mich frei von jeglichen äußeren Störungen und erreichte so einen für die Geburt hervorragenden Hormonpegel. Das Eintreffen der Hebamme, das Gespräch mit ihr und die Gedanken an die Fahrt in die Klinik, rissen mich aus meiner Entspannung heraus. Ich war gezwungen zu reden und zu denken, was mir (und daran kann ich mich noch gut erinnern) ziemlich schwer fiel. Mich plötzlich konzentrieren zu müssen (Was nehme ich mit? Habe ich alles?), war eine anstrengende Herausforderung.

Noch anstrengender empfand ich den Ortswechsel. Mir war es total unangenehm mit heftigen Wehen an die Wand oder ans Auto gelehnt, sichtbar für jeden Passanten zu sein. Außerdem war das Treppensteigen und Autofahren mit so kurzen Wehenabständen lästig. Odent bestätigt, dass „die Verlegung während der Geburt von einem Ort zum anderen die Geburt erschwert. Selbst die Verlegung vom Stationszimmer in den Kreißsaal, führt häufig zu Geburtsverzögerungen.“[6]

Am Ziel angekommen gab es dann neue Störfaktoren. Ich befand mich plötzlich an einem Ort, der mir nicht vertraut war. Ich erinnere mich an die hellen Deckenfluter, den typischen Krankenhaus-Geruch und meine steigende innere Unruhe. Ich war schon lange nicht mehr bei mir, sondern scannte nervös meine geräuschvolle und bewegte Umgebung. Mein Neocortex arbeitete auf Hochtouren und meine geburtsfördernde Hormonausschüttung war sicherlich dahin. Denn zu diesem Zeitpunkt veränderte sich mein „Das-ging-ja-einfach-Gefühl“ in ein „Wow-was-sind-das-für-krasse-Schmerzen-im-unteren-Rücken-Empfinden“.

„Adrenalin sorgt dafür, dass besonders die Muskulatur in den Armen und Beinen mit Blut versorgt wird (um fliehen oder kämpfen zu können). Von der Gebärmutter jedoch wird jetzt das Blut abgezogen. Kontraktionen einer schlecht durchbluteten Gebärmutter und eines insgesamt verspannten Körpers führen aber in Kombination mit einem Endorphinmangel zu Schmerzen.“

Es gelangt außerdem weniger Sauerstoff zum Kind und die Wehentätigkeit lässt automatisch nach oder kann womöglich ganz aufhören. Zusätzlich fallen jetzt oft auch die kindlichen Herztöne ab“ (siehe „Hausgeburt„).

Die für mich zuständige Gynäkologin kannte Odins Theorien offensichtlich nicht, denn sie untersuchte mich bei meiner Ankunft langwierig und sie konfrontierte mich zudem mit völlig irrelevanten Fakten, wie den Maßen meiner Tochter. Als ich ihr deutlich zu verstehen gab, dass mir das sch…egal ist und ich nur den Wunsch verspüre, so schnell wie möglich in die Wanne zu steigen, wollte sie mir unverzüglich eine PDA verpassen. Die anstrengende Patientin ruhig stellen. Das wiederrum ließ meinen Wutpegel und meinen Adrenalinspiegel noch mehr in die Höhe schnellen. Zum Glück legte meine tolle Beleghebamme ein Veto ein.

Erst in der Wanne beruhigte ich mich wieder. Der Kreißsaal war abgedunkelt, meine Hebamme zog sich zurück und mit Thomas an meiner Seite gelang es mir, mich nur auf mich und meine stärker werdenden Wehen zu konzentrieren. Laut Odin reduziert das Eintauchen in Wasser von Körpertemperatur den Adrenalinspiegel. Kontraktionen im Wasser sind anscheinend weniger intensiv und schmerzhaft, aber die Mutter spürt das sie mehr bewirken.“[7]

Auf diese Weise – also die Wehen in der warmen Wanne ertragend – hätte ich unser Mädchen gerne entbunden. Aber ich musste raus (die Herztöne unseres Mädchens sanken ab, weil sie die Nabelschnur viermal um den Hals hatte) und das war für mich der absolute Dämpfer. Jede Faser meines Körpers weigerte sich aus dem Pool zu steigen. Ich wollte nicht in die Kälte und erst recht nicht in den Nebenraum laufen, um mich dort auf die Gebärliege zu legen. Aber man ließ mir keine Wahl und so fügte ich mich.

Statt selbst zu bestimmen, welche Geburtsposition für mich gut und angenehm ist, wurde für mich entschieden. In der für mich schmerzvollsten Position (auf dem Rücken) lag ich da und folgte den Anweisungen zu pressen. Ich presste wie eine Geistesgestörte, spürte dabei den Schmerz im Rücken, meine enorme Körperanspannung und wie meine Kräfte schwanden. Und plötzlich wie vier Leute mich nach einem „Einmal noch und dann nehmen wir die Zange“ bearbeiteten: Meinen Bauch drückten (Kristeller Handgriff), meine Beine anzogen und mir einen Dammschnitt verpassten, damit das Baby endlich kommt. Das Baby kam und mit ihm der schmerzhafteste Moment in meinem ganzen Leben.

Odins Beobachtungen zeigen, dass Frauen, die sich bei der Geburt nicht beobachtet fühlen und jede mögliche Freiheit haben, bei den letzten Wehen das Bedürfnis verspüren sich aufzurichten. Dass sie instinktiv eine Position einnehmen, die es der Vulva gestattet, sich gleichmäßiger zu dehnen und das so ernsthafte Dammrisse eine Rarität sind und Dammschnitte völlig außer Frage stehen. Die aufwärts gerichtete Kraft, gleiche die nach unten gerichtete aus und gleichzeitig könne sich Schenkelmuskulatur, besonders an den Innenseiten, entspannen. Wenn sich diese Muskeln entspannen, ist es als wenn eine Tür aufgeht; wenn sie daran gehindert werden sich zu entspannen, muss die Tür aufgezwungen werden.“[8] Es war demnach vorhersehbar, dass ich meine angespannte und erzwungene Geburtshaltung auf dem Rücken nur mit Verletzungen überstehe…

Hast Du keine Angst vor einer Hausgeburt?

Nach der Nabelschnurverwicklung und den absinkenden Herztönen könnte man sagen, dass es doch gut war, dass ich in der Klinik überwacht wurde und nichts Schlimmes passiert ist. Ich sehe das allerdings nicht so, denn unser Mädchen ist ja letztendlich spontan und auf natürlichem Wege geschlüpft. Warum hätte ich das nicht auch zu Hause schaffen können?

Nach Odins Lektüre glaube ich sogar, dass ich das (mit meinem heutigen Wissen) zu Hause sogar besser und schneller hinbekommen hätte. Ohne den unnötigen „Hormon- und Zeitverlust“, der durch die Fahrt in die Klinik, die unnötigen Untersuchungen und die lästigen Diskussionen mit der Ärztin entstanden ist. Ich hätte mich ganz an mir und meinem Bedürfnissen orientiert – mich auf mein Bauchgefühl und meine von Natur aus vorhandene Gebärfähigkeit verlassen. Doch damals wusste ich leider nicht, dass das möglich ist.

Angst habe ich keine. Denn ich blicke auf zwei komplikationslose Bilderbuchschwangerschaften zurück und bin kerngesund (die Ursache für die immensen Rückenschmerzen unter der ersten Geburt habe ich ausfindig gemacht und beseitigt). Von meinem Frauenarzt gab es also grünes Licht für eine Hausgeburt. Ich habe ein gutes Gespür für meinen Körper und eine Hebamme an meiner Seite, die einschreiten wird, falls unvorhergesehene Probleme auftauchen. Außerdem wohne ich 6 Gehminuten von der nächsten Entbindungsstation entfernt. Im Fall der Fälle bin ich in Null Komma Nichts in einem Kreißsaal – was sollte mir da noch Sorgen bereiten?

Ist eine Hausgeburt riskanter als eine Klinikgeburt?

Seltsamerweise wird Schwangeren ständig vermittelt, dass die Geburt etwas sehr Gefährliches sei und unter allen Umständen ärztlich kontrolliert werden müsse, damit nichts passiere. Eine Entbindung in der Klinik gilt als der sicherste Weg. Doch wäre eine Geburt standardmäßig tatsächlich so gefährlich, dass sie permanente medizinische Überwachung erforderte, wäre die Menschheit doch schon längst ausgestorben.

„Die Geburt ist eine natürliche, normale und gesunde menschliche Erfahrung. Die Körper der Frauen sind geschaffen, um zu empfangen, die Entwicklung der Kinder zu fördern und zu gebären. Ihre Körper sind nicht fehlerhaft und zum Versagen verurteilt.“ (HypnoBirthing, Marie F. Mongan) 

Dass eine Krankenhausgeburt sicherer sei als eine außerklinische Geburt ist ein klassisches Ammenmärchen: „Denn eine Krankenhaus-Geburt bringt andere Risiken mit sich als eine außerklinische Geburt, in der Summe sind beide etwa gleich hoch. Die Statistiken der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe belegen die im Vergleich zur Krankenhausgeburt nicht erhöhten Gefahren einer außerklinischen Geburt.“

Meine Hebamme nannte das „Risikoverschiebung“ bei unserem „Hausgeburts-Aufklärungsgespräch“ vor einigen Wochen. Niemand kann hundertprozentige Sicherheit garantieren – ob zu Hause oder in der Klinik – ein Kind kann tot oder behindert auf die Welt kommen. Mit der gleichen Chance beziehungsweise dem gleichen Risiko.

Risikoverschiebung: Was unterscheidet die Hausgeburt von einer Krankenhausgeburt?

Dazu gibt es in Kürze einen ausführlichen Artikel. An dieser Stelle nur soviel:

Das größte Risiko zu Hause zu entbinden, liegt im Zeitverlust bei einer eventuell notwendigen Verlegung. Ob die Hausgeburt für eine Schwangere überhaupt möglich und geeignet ist – sowohl körperlich als auch seelisch – prüfen die betreuenden Ärzte und Hebammen in der Regel sehr genau. Die Kriterien sind recht streng und somit wird das Risiko von vornherein minimiert.

In der Klinik hingegen können die mangelnde Privacy (Hektik, fremde Menschen, grelles Licht, unangenehme Geräusche und Gerüche) und der Fokus auf medizinische Überwachung, den natürlichen Geburtsverlauf blockieren. „Unnötige und störende Eingriffe sind wesentlich häufiger, wenn die Geburt in einem Krankenhaus stattfindet. Es werden mehr Schmerzmittel eingesetzt, die Zahl der Saugglocken – und Zangengeburten sowie die Dammschnittrate sind höher, dafür ist aber die Zahl der voll gestillten Kinder niedriger.“

„Bei unkomplizierten Schwangerschaften deutet nichts darauf hin, dass die Hausgeburt einer Klinikgeburt in puncto Sicherheit unterlegen wäre. Das gilt für die mütterliche Gesamtmorbidität, das Risiko einer postpartalen Blutung oder die Notwendigkeit einer manuellen Plazentalösung. Bei mehrfachgebärenden Frauen ist die Hausgeburt in den genannten Punkten sogar weniger riskant“ (siehe „ÄrzteZeitung Hausgeburten„).

Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Egal wie gut die medizinische Versorgung in der Klinik auch sein mag, ich möchte lieber zu Hause gebären. Ich weiß, dass ich das kann. Ich vertraue der Natur, meinem Körper und meinen Fähigkeiten. Ich vertraue meiner Hebamme und darauf, dass unser Sohn und ich die gemeinsame Reise gut meistern werden.

Seltsamerweise bin ich mir sicher, dass all die zusätzlichen Hebammen und Ärzte bei der ersten Geburt nicht notwendig waren. Ganz im Gegenteil empfand ich die Anwesenheit des Klinikpersonals als störend und unangenehm. Letztendlich habe ich ja meine Tochter geboren – nur nicht so wie ich es wollte.

Ich wünsche mir, dass ich dieses Mal unseren Sohn zur Welt bringen darf, wie es sich gut anfühlt für mich. Dass ich bestimmen darf, wie ich mich bewege, was ich mache, wie ich atme und bin. Dass ich frei sein darf.

„When you change the way you view birth,
the way you birth will change.“Marie F. Mongan

(Wenn Du Deine Sichtweise auf die Geburt änderst, wird sich die Art und Weise wie Du gebärst verändern.)

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 16.
  2.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 35.
  3.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 44.
  4.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 44.
  5.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 33.
  6.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 30.
  7.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 44.
  8.  Odent, Michael: Geburt und Stillen (2010), 54.

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  • Anne

    Liebe Kathrin,
    so eine wunderbare Zusammenfassung habe ich noch nicht gelesen – vielen Dank dafür! Ich kann das alles 100%-ig bestätigen. Bei der Geburt unserer ersten Tochter waren wir im Geburtshaus wo ich mich nicht wirklich entspannen konnte und ich meine Vorstellungen nicht umgesetzen konnte.
    Unsere 2. Tochter habe ich dann zu Hause geboren – es war so unglaublich entspannend und ein wunderbares und schmerzloses Erlebnis.
    Mir haben auch alle Leute gesagt, wie mutig sie das finden – ich finde es heutzutage (nach den ganzen Geschichten die ich ständig über Krankenhausgeburten höre) viel mutiger ins Krankenhaus zu gehen und sich diesen ganzen von dir beschriebenen Dingen auszusetzen!
    Ich wünsche dir für deine Geburt ganz viel Entspannung und dass du alles so umsetzen kannst wie du es dir vorstellst!
    Liebe Grüße,
    Anne

    • Edith Sehn-Wörner

      Inzwischen „erwarte“ ich mein drittes Enkelkind, die Geburten meiner vier Kinder sind also schon einige Zeit her. Die ersten beiden kamen jeweils im Krankenhaus zur Welt, und so viele Entscheidungen wurden mir entrissen. Ich weiß noch (kann es leider nicht vergessen), wie der Arzt beim ersten Kind mich aufforderte zu pressen – und ich presste so gut ich konnte, bis er fragte, ob ich überhaupt eine Wehe hätte. Nein, hatte ich nicht, …. und ich fühlte mich entsetzlich beschämt. Ich will nicht mehr davon aufzählen (und ich hoffe auch inständig, dass sich die Klinik-Realität inzwischen sehr verändert hat). Aber als ich vor der Geburt meines dritten Kindes mit meinem Frauenarzt über die Probleme der beiden Krankenhaus-Geburten sprach und dabei vermutete, dass ich wegen der Probleme während der Geburten vielleicht gut dort aufgehoben war, erklärte er mir (ich bin ihm auf ewig dankbar dafür), dass es diese Probleme nicht trotz, sondern wegen des Aufenthalts in der Klinik gegeben hat. Damit war meine letzte Angst vor der Hausgeburt genommen. Die größte Sicherheit vermittelte mir unsere wunderbare Hebamme, und meine beiden „Kleinen“ kamen im Wohnzimmer bzw. Schlafzimmer zur Welt, abgeschirmt von allem Fremden und mir ist, als wäre mir jeder Augenblick noch heute präsent – Ich spüre noch den festen Griff der kleinen Hand des soeben geborenen Söhnchens, die meinen Finger hält, Augenblicke nach der Geburt, ganz stark, als wollte er mir sagen: halt mich fest. – Inzwischen ist er derjenige, der mich festhält, wenn es nötig ist. – Und die Kleine zwei Jahre später, die hat sich beinahe wie von selbst geboren ….
      Ich habe mich als Frau nie stärker erlebt als während der beiden Hausgeburten, und auch für meinen Mann und die großen Geschwister waren sie starke bzw. ganz unproblematische , überraschende, wundervolle Erfahrungen.
      Von den Geburten im Krankenhaus weiß ich fast nur noch die angstvollen, schmerzenden oder ärgerlichen Zeitpunkte. Ich möchte zur Hausgeburt ermutigen (und meine eigentlich, für die Klinikgeburt braucht(e) man den größten Mut)!

    • Was für ein wundervoller Kommentar, Edith!
      Vielen herzlichen Dank dafür!

    • Vielen Dank, liebe Anne!

  • Sandra

    Hallo, vielen Dank für den ausführlichen Artikel und alles Gute für die bevorstehende Geburt und dass es so wird, wie du es dir wünscht. Dennoch möchte ich nochmal erwähnen, dass jede Geburt anders verläuft. Und wenn man sich vorher ausgiebig Zeit nimmt die Möglichkeiten und Orte einer Geburt in der Umgebung kennenzulernen, dann kann man aucg mit einer Klinikgeburt mehr als zufrieden sein. Wir haben unsere Tochter in einer Geburtsklinik bekommen und würden es jederzeit genauso wieder machen. Die Hebamme (später kam nur noch eine!!! Ärztin dazu) war superund hat uns bzw mir ganz viel Zeit und Raum gelassen, war jedoch sofort da, wenn ich sie brauchte. Mein anfänglicher Wunsch es ohne PDA zu schaffen wurde eingehalten und absolut unterstützt (selbst als ich zum Schluss fast meine Meinung änderte) Wir waren nach der Geburt fünf!!! Stunden nur zu dritt im Kreißsaal. Erst dann,als wir und unsere Tochter soweit waren wurde sie gewogen, etc und erst dann kamen wir aufs Zimmer.und selbst da waren wir ungestört und due gesamte Zeit zu dritt. Wir wurden sehr dezent und angenehm umsorgt. Rückblickend waren diesr ersten Tagen zu dritt wie unser erster gemeinsamer Urlaub! Die Klinik und die Menschen sind wie ein Stück Zuhause und wir können uns keine bessere Umgebung für unser zweites Kind vorstellen. Ja, es gibt auch wirklich schöne Klinikgeburten. So viel sollte vllt den Frauen gesagt sein, welche einer Hausgeburt mit großem Respekt gegenüber stehen. :-)

    • Liebe Sandra,

      ich unterstreiche das voll und ganz und gehe darauf in Kürze in einem weiteren Artikel zu diesem Thema ein. Jede Frau sollte da gebären dürfen, wo sie sich am wohlsten fühlt. Wem zu Hause vor Angst die Nervenstränge blank liegen, wird sich kaum entspannen können. Und natürlich gibt es auch positive Krankenhausgeburten! Das hätte allerdings den Rahmen dieses Textes gesprengt 😉

      LG
      Kathrin

  • sandra

    Ich habe auch zu Hause entbunden und fand das super!

  • Sabrina

    Danke für diesen wunderbaren Bericht.

    Ich kann nur bestätigen – eine Geburt in der Klinik, DAS wäre für mich „mutig“. Denn zu Hause entbinden, dafür brauchte ich keinen Mut. Dafür brauchte ich nur etwas Selbstvertrauen, meinen Mann und meine tolle Hebamme.

    Als ich schwanger wurde, dachte ich zur Hausgeburt noch „um Gottes Willen“. Aber je mehr Berichte ich las, je mehr meine Hebamme berichtete (die zufällig Hausgeburtshebamme ist) – desto weniger wollte ich in die Klinik gehen. Und das genau aus den Gründen, die Du so schön bei der ersten Geburt beschreibst:
    Man wird auf einmal den Meinungen anderer völlig ausgeliefert, darf überhaupt nichts mehr selbst entscheiden und wird auf einmal gezwungen, Dinge zu tun, die ich a) nicht wollen würde und b) die eigentlich gar nicht nötig wären, würde man die Gebärende einfach in Ruhe lassen.

    Mir ging es ähnlich wie Dir – wenn ich sagte, ich mache eine Hausgeburt, dann sahen mich die Leute völlig entgeistert an und konnten das überhaupt nicht nachvollziehen. „Und was ist, wenn dann was passiert?“ Oder, noch schlimmer: „Das wäre bei mir ja gar nicht gegangen, weil mein Kind so und so lag oder die und die Probleme hatte.“
    Dass viele dieser Probleme bei einer Hausgeburt vermutlich nie passieren würden, eben weil Frau ihre Ruhe hat – das will immer keiner hören!
    Die Frage war also immer „In welcher Klinik entbindest du?“ Tja – in keiner. Und das wäre auch die Antwort, wenn ich ein zweites Mal schwanger werde (was ich mir derzeit wünsche).

    Die Geburt meines Sohnes war sicherlich das Aufregenste, Schönste und Schmerzhafteste in meinem ganzen Leben. Ich habe noch nie so sehr gebrüllt wie an diesem Tag, als ich über den Rand des aufblasbaren Geburtspools hockte, meinem Mann die Hände zerquetschte und jede Wehe ohne jegliche Schmerzmittel ertrug. Aber anders würde ich es nie machen!
    Die Geburt ging schnell, ich war ruckizucki voll eröffnet – weil ich die Entspannung daheim hatte und froh war, nicht ins Auto steigen zu müssen und zu wissen, dass mir niemand in den Geburtsablauf hineinreden kann.
    Auch mein Kind hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt – was für die erfahrene Hebamme überhaupt kein Problem war. Er kam gut durch und blinzelte mich mit diesen unglaublich blauen Augen an, als ich ihn endlich auf dem Arm hatte.
    Als er endlich da war, war ich einfach nur froh und glücklich, ich konnte nach der Geburt der Plazenta zu Hause bleiben, weil ich ja schon da war, konnte mich mit dem Kind auf dem Bauch ins Bett legen und einfach nur genießen. Ich musste nicht groß versorgt werden, denn durch das warme Wasser und die Ruhe, die ich daheim hatte, habe ich KEINE Verletzungen gehabt.
    Die Nabelschnur durfte ganz in Frieden auspulsieren und mein Kind ganz friedlich auf die Welt kommen und seine Eltern kennen lernen.
    Und jetzt? Jetzt habe ich ein entspanntes, ruhiges, fröhliches Kleinkind, dass ein großes Urvertrauen zu seinen Eltern entwickeln konnte.

    Meine große Sorge gilt im Moment der Geburt des geplanten zweiten Kindes. Denn obwohl ich noch nicht wieder schwanger bin, weiß ich schon, dass ich auf gar keinen Fall in ein Krankenhaus gehen werde, wenn es sich denn vermeiden lässt.
    Aber habe ich, wenn mein zweites Kind kommt, überhaupt noch eine Wahl? Finde ich dann noch eine Hausgeburtshebamme, die mir legal helfen darf, mein Kind auf die Welt zu bringen?
    Oder ende ich wie viele andere in einer Klinik, in der über meinen Kopf hinweg entschieden wird, was passiert? In der ich vielleicht als Kaiserschnitt ende, weil die Ärzte keine Geduld haben und gerne mehr Geld kassieren wollen?
    Bevor das passiert, würde ich mich wohl eher an eine Alleingeburt wagen. Ein Krankenhaus sieht mich nur im äußersten Notfall.
    Lieber wäre es mir aber, wenn ich eine liebe Hebamme an meiner Seite hätte, die mich unterstützt.
    Darum ist es wichtig, dass wir uns für die Hebammen und auch insbesondere für die Hausgeburten stark machen! Wir als Mamis sind gefordert, wenn wir keine Gewalt unter der Geburt seitens irgendwelcher Kliniken erleben wollen und lieber in Ruhe daheim gebären möchten!

    • Liebe Sabrina,

      vielen Dank für Deine Erfahrungen und dass Du dieses wichtige Hebammenproblem ansprichst. Ich überlege auch schon die ganze Zeit wie sich der Protest ein wenig wirkungsvoller durchführen ließe, doch derzeit fehlt mir leider die zündende Idee!

      LG
      Kathrin

  • Helen

    Alles Gute für die Hausgeburt! Ich kann mich nur anschließen, ich habe beide Kinder in Geburtshäusern bekommen und es war herrlich. Ins Krankenhaus würde ich mich im Leben nicht trauen! Von 6 schwangeren Freundinnen hat es nur eine mit einer Spontangeburt aus dem Krankenhaus geschafft, bei den anderen endete die Geburt im Kaiserschnitt. Und meist aus- wie ich finde – vermeidbaren Gründen. Total traurig. Ich habe so positive Erinnerungen an beide Geburten und bin so dankbar, dass ich das so erleben durfte! Was den Mut angeht: bei der ersten Schwangerschaft war ich noch nicht so mutig, aber hier in Berlin gab es ein einzigartiges Geburtshaus, das mit einer Gynäkologen-Gemeinschaftspraxis zusammengeschlossen war. Das ganze Gebäude befand sich auf dem Gelände eines Krankenhauses, also quasi Geburtshaus mit Sicherheitsfaktor :) Leider musste dieses Geburtshaus auch wegen der furchtbaren Versicherungssituation der Hebammen schließen. Aber bei meinem zweiten Kind wusste ich dann, dass ich meinem Körper vertrauen darf und bin völlig ohne Bedenken in ein Geburtshaus gegangen. Auch nachdem mein Arzt mr davon abriet, weil mein Kind über 4kg wog und er meinte, „so große Kinder bleiben gerne mal stecken“. Ist er nicht, 4350gr und nur 4h „Arbeit“ :)

    • Liebe Helen,

      ja die zu großen Babys und die zu kleinen Becken, mmhhh 😉
      Danke, dass Du uns vom Gegenteil berichtest!

      LG
      Kathrin

  • Anna

    Danke! Ein sehr gut recherchierter Blogpost. Habe ihn gerade geteilt.

  • Sarah

    Toller Bericht der mir aus der Seele spricht!
    Angesichts der Recherche, die ich vor meiner Hausgeburt betrieben habe, wurde ich richtig sauer wenn Leute sagten, sie finden mich mutig, weil mit mutig meinen viele doch schlicht „leichtsinnig“.
    Ähnlich wie Du glaubte ich nach meiner ersten, einer durchaus schönen Klinikgeburt : Das geht noch schöner und behaglicher…
    So ist mein Sohn in schönster Atmosphäre zur Welt gekommen während seine Schwester selig im Nachbarzimmer schlief.
    Ich wünsche Dir eine schöne, geborgene Geburt! Danke für den schönen Artikel!!

    • Vielen Dank, Sarah!
      Zum Glück ist es mir mittlerweile total Wurst, was die Leute darüber denken. Ich finde es nur schade, dass ich all die erstaunten Gesichter nicht auf Video habe 😉

      LG
      Kathrin

  • Claudia Schmitt

    Schade, dass ich sowas nicht schon vor 5 Jahren gewusst habe. Dann hätte ich vieles anders gemacht und ich hätte vielleicht keinen Kaiserschnitt gehabt.

    Ich hoffe, dass viele Frauen das hier lesen und wieder mehr Vertrauen in sich und ihren Körper bekommen, und den Mut haben auf ein Krankenhaus zu verzichten.

  • Janett

    Hallo liebe Kathrin,
    ich lese jetzt seit einiger Zeit deinen Blog. Ich finde ihn echt super!
    Ich wünsche dir eine schöne und entspannte Geburt zu Hause. Freue mich schon deinen nächsten Bericht dann zu lesen.
    Ich hatte meine erste Geburt in einer Klinik.Aber für mich war es ok so( fühlte mich wohl) und ich hab die Wehen dort in der Nacht im dunklen Zimmer verbracht. Die Geburt ging auch relativ schnell. Ich finde es wirklich toll eine Hausgeburt zu erleben und vielleicht entscheide ich mich beim nächsten Kind dann auch dafür, wenn uns Frauen dann noch diese Möglichkeit offen steht. Kann auch wirklich nur das Buch ,, Hypnobirthing“ von Marie F. Mongan empfehlen. Dieses Buch hat mich auch echt zu einer super entspannten Gebärenden gemacht.

  • Carolin

    Ein sehr gut recherchierter und geschriebener Bericht. Di sprichst mir aus der Seele. Nach der ersten (guten, aber langen, interventions- und schmerzvollen) Beleghebammengeburt im Krankenhaus habe ich Michel Odent gelesen und mich für die zweite Geburt als Hausgeburt entschieden. Ich fühle mich in Krankenhäusern einfach generell NICHT wohl, zu Hause schon. Und wenn, hätten wir ja immer noch ins ein Kilometer entfernte Entbindungkrankenhaus fahren können. Und was war: es war eine fast schmerzfreie, schnelle und problemlose Wassergeburt im Pool im Schlafzimmer. Wenn mir einer gesagt hätte, das Gebären so leicht sein kann vorher, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Es war also meine persönlich Entscheidung für meinen Wohlfühlort und ich konnte mich entspannen. Andere Frauen fühlen sich wohler im Krankenhaus – dann wird es da auch besser mit dem Entbinden klappen als angstbesetzt zu Hause. Hoffen wir nur, dass es noch genügend Hebammen zukünftig gibt, dass die Wahlfreiheit der Frauen (und die essentiell wichtige gute Betreuung) erhalten bleibt! Liebe Grüße Carolin

  • Maria

    Hallo liebe Kathrin!
    Ich wollte Dir schon lange für Deinen tollen Blog danken! Ich habe kurz nach der Geburt meines zweiten Sohnes Deinen Geburtsbericht Deines Mädchens gelesen. Mich hat er so traurig gemacht und ich hab mich geschämt das meine Geburts so einfach war. Wir haben es nicht mehr in die Klinik geschafft und so kam unser Kleiner spontan zu Hause auf die Welt. Erst war der Schock natürlich groß, aber als ich ihn im Arm gehalten habe und gesehen habe das es ihm gut geht, war es einfach nur wunderbar. Mein Mann wollte immer in die Klinik. Als ich mit der Idee eines Geburtshauses kam war er schon nicht begeistert. Und dann kam alles ganz anderst und er war auf einmal die Hebamme :)
    Wenn ich doch noch ein Drittes kommen sollte, wünsch ich mir dann eine geplante Hausgeburt mit Hebamme 😉
    Aber die Reaktionen von einigen sind echt seltsam, wenn sie hören das der Kleine zur Hause auf die Welt gekommen ist. Oh Gott, was hätte alles passieren können, da habt ihr aber Glück gehabt oder warum bist Du nicht gleich in die Klinik!!!
    Sowie Du schon geschrieben hast, gibt es in der Klinik viele Dinge die einen Geburtsverlauf negativ beeinflussen können. Und man liest so wenig von Hausgeburten wo es zu schlimmen Komplikationen gekommen ist. Die meisten die eine Hausgeburt hatten, waren begeistert.
    Ich will Klinikgeburten nicht verteufeln! Mein Großer kam 8 Wochen zu früh auf die Welt und ich war sehr froh das ich in der Klinik war!
    Ich wünsche Euch für die Geburt des zweiten Nestlings alles Liebe und Gute und das es so wird wie Ihr Euch das wünscht.
    Ganz liebe Grüße
    Maria

    • Na Du bist ja lustig! Schlechtes Gewissen, weil Deine erste Geburt so unkompliziert verlief :)
      Vielen lieben Dank für Dein Feedback und Deine Wünsche!! Ich bin voll bei Dir – es ist gut, dass es medizinisch betreute Entbindungsstationen gibt, allerdings fände ich eine objektive Aufklärung und eine echte Wahl (sofern die Voraussetzungen stimmen) sehr wünschenswert!

      LG
      Kathrin

  • Johanna

    Was für eine wundervolle Entscheidung! Seit der Geburt meines Sohnes (Kaiserschnitt) träume ich von einer Alleingeburt zuhause, im Wald, in der Wanne. Ich wünsche euch beiden eine fantastische, selbstbestimmte und natürliche Geburt!

    • Vielen Dank, Johanna!
      Eine Alleingeburt ist dann der nächste Schritt 😉

      LG
      Kathrin

  • Patricia

    Vielen Dank für diesen tollen und aussagekräftigen Bericht. Es ist wirklich so. Geburt Nr. 1 im Krankenhaus empfand ich als sehr fremdbestimmt und übergriffig. Plötzlich entschieden andere über meinen Kopf hinweg. Dabei war ich doch so gut informiert und wollte einfach nur auf meinen Körper hören! Was für eine tolle Geburt wäre es geworden, wenn man mich gelassen hätte. Geburt Nr. 2 war leider still, aber dennoch kraftvoll und – obwohl mitten im KH – ganz allein. Geburt Nr. 3 sollte eigentlich eine Hausgeburt werden. Ich hätte es mir so sehr gewünscht. Und da ist ein bisschen mein Problem mit der Forderung nach Selbstbestimmung. Nein, nicht mit der Selbstbestimmung. Die müssen die Frauen unbedingt haben. Wir haben monatelang alles für eine Hausgeburt vorbereitet, bis uns die Hebamme abgesprungen ist. Alles, was vorher nach ihren Aussagen kein Problem war, wurde in 38. SSW für sie plötzlich doch eins. Ich fand zu diesem späten Zeitpunkt keine Hausgeburtshebamme mehr, die mich annehmen wollte, nicht mal das Geburtshaus. (Es ging um einen fraglichen Schwangerschaftsdiabetes). So. Und hier bin ich an einem Punkt, da kann ich nicht mehr wählen. Da geht „Hausgeburt“, so gut und sinnvoll das auch ist, plötzlich nicht mehr. Und wir reden in meinem Fall weder von BEL, noch von Zwillingen. Sondern von einer Mehrgebärenden mit einer möglichen Schwangerschaftsdiabetes, die aufgrund eines OGGT diagnostiziert wurde, der bei mir (magenoperiert) nie gemacht werden hätte dürfen. (Was ich aber nicht wusste – das Zeug mixen die Arzthelferinnen zusammen, ich hab den Beipackzettel nie gesehen. Mein Wert war grenzwertig und man hat einfach gesagt ja, ich hätte das. Von einer einzigen Messung. Wenn ein Wissenschaftler so arbeiten würde, würde man ihm das um die Ohren hauen.)Wenn niemand bereit ist, mich zu außerklinisch zu betreuen – habe ich genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich zieh’s alleine durch, aber der Typ bin ich nicht. Eine passive, zuversichtliche Hebamme im Hintergrund greifbar zu haben, beruhigt mich. Oder ich begebe mich in die Klinik und laufe Gefahr, mich wieder all dem auszusetzen. Ich habe Jahre unter der Geburt meiner Tochter gelitten. Ihr Geburtstag, der doch Anlass zur Freude sein sollte, war für mich der Jahrestag meiner Geburtsvergewaltigung. Alle Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – von Hausgeburtshebammen abgelehnt werden, können nur alleine gebären oder eben doch in der Klinik. Da hat man dann meist die Wahl zwischen Pest und Cholera, wenn man Glück hat, zwischen Pest und einer sehr schweren Grippe. Wir sind 150 km gefahren, in ein sechstes, sehr kleines, aber menschenfreundliches KH, um die Geburt zu kriegen, die wir wollten. In den anderen fünf(!) Kliniken hier im Radius von 30 km wollte man sich auf unsere Wünsche nicht einlassen. Wenn es weiter weg nicht geklappt hätte, ich hätte vermutlich genauso eine schlimme Geburt wie damals erlebt, in dem vollen Bewusstsein, da nochmal durch zu müssen. Was ist mit Grenzfällen wie mir? Und was ist mit all den Frauen, bei denen von vornherein ein KS feststeht?Auch sie würden vielleicht gerne selbstbestimmt gebären, haben aber ebenso keine Wahl. Ihre Auswahlmöglichkeiten werden immer kleiner. Sie können vielleicht noch wählen zwischen einer Klinik mit zwei Stunden Aufenthalt im Aufwachraum und einer mit OP-Bonding. Nicht die Hausgeburt allein ist die Lösung, in den Kreißsälen muss sich verdammt noch mal was ändern. Denn es ist nicht entscheidend, wo wir geboren werden. Sondern wie.

  • ValiB.

    Vielen Dank für diese Zusammenfassung. Ich bin mit Baby Nummer drei schwanger. Erstes Kind kam in der Klinik mit allen negativen Folgen die oben beschrieben sind (Kristeller, keine Privacy, Dammschnitt, Stillen ging nicht, unglaublich viele Leute im Kreißsaal, musste am Rücken liegen, obwohl ich hocken wollte, Beine wurden mir hochgezogen, der Kopf brutal runter gedrückt und mein Sohn mir blutig und schleimig auf die nackte Haut geklatscht.
    Ich hätte ihn gerne vorher in ein Tuch gewickelt. Oder ihn eben genommen, sobald ich selbst psychisch dazu bereit war. Das erste was ich von meinem ersten Kind dachte war „Wäh, bitte gebt ihn runter von mir!“.

    Meine Tochter kam dann aus all den Gründen zu Hause, gemeinsam mit der Hebamme zur Welt. Ich durfte tun und lassen was mir gut tat, war vollkommen in mir. Die Geburt rasch und einfach, die Bindung bis heute wesentlich intensiver als zu meinem Sohn. Stillen klappte toll und ich war relativ rasch wieder auf den Beinen. Und auch mein Sohn war zu Hause, als seine Schwester zur Welt kam und profitiert heute noch von diesem Erlebnis. Daher will er bei dem derzeitigen Bauchbewohner auch wieder dabei sein.

    Ein Hoch auf all die tolle Hausgeburtshebammen, die die Kompetenz, die Ruhe und Sicherheit haben uns Frauen so zu begleiten, wie wir es brauchen, uns Frauen sein lassen und die Kraft aus uns selbst zu schöpfen!

  • Minou

    Ich bin im Nachhinein froh, dass ich schon immer Hausgeburten bevorzugte (dank einer HG-Hebamme im Freundeskreis), und als es dann soweit war, auch gleich wusste, was zu tun war.
    Angst hatte ich zu keinem Zeitpunkt, die Schwangerschaft war komplikationslos und ich hab eine Hebammen-freundliche Gynäkologin gesucht… In der niederländischem Studie schneiden Hausgeburten vorbildlich ab, eine weitere aus Vancouver bestätigt das Ergebnis. Die WHO empfiehlt Hausgeburten, erklärt sie als sicher (hierzulande), äußert dagegen Bedenken bezüglich der hohen KS-Rate und dem leichtfertigen Intervenieren ohne medizinische Notwendigkeit. Was spricht noch dagegen??
    So kam es, dass ich völlig entspannt und zuversichtlich auf die Geburt im Geburtspool im Wohnzimmer entgegen schaute. Es lief völlig komplikationslos, dennoch keineswegs schmerzfrei! (obwohl ich das im Voraus heimlich hoffte- ich möchte nichts beschönigen).
    So schön, ein solch intimes Erlebnis ausschließlich mit Vertrauenspersonen zu erleben, an dem Ort, an dem man sich am wohlsten fühlt. Sich nach der anstrengenden Nacht einfach ins Bett zu legen- zu dritt. :)
    Ich wollte nie wieder wo anders gebären (ich kenne auch genug Geschichten. Ich hoffe SEHR, dass das beim nächsten Mal noch möglich ist!
    Ich habe übrigens immer „ich PLANE zuhause zu entbinden“ geantwortet. Um mich nicht ZU sehr drauf einzuschießen, es kann ja doch immer etwas dazwischen kommen.
    Eine schöne Geburt wünsche ich dir.