Stillen in der Öffentlichkeit

Kathrin Stillen 79 Kommentare

Mit Anfang 20 sah ich zum ersten Mal eine stillende Frau. Sie gab ihrem Baby völlig ungeniert die Brust und das in einem überfüllten Café. „Muss das denn sein?“ fragte ich mich damals. Die Antwort bekam ich Jahre später, als meine Tochter nur wenige Wochen alt war. Bei einem Stadtbummel gab unser Mädchen mir urplötzlich mit heftigem Schreien zu verstehen, dass sie unverzüglich was zu futtern braucht. Ich stillte ausschließlich und brauchte mindestens 20 Minuten bis zur Haustür. Da wusste ich: „Stillen in der Öffentlichkeit muss sein!“

Mein erstes Mal

In dieser unerwarteten Situation scannte ich fieberhaft meine Umgebung nach einer Sitzgelegenheit ab, denn ich musste SOFORT handeln. Blöderweise befand ich mich in einer überfüllten Einkaufspassage mitten in der Stadt. Egal! Ich stürzte auf die nächste Bank zu, zog mir entschlossen das T-Shirt hoch (ich besaß kein einziges Still-Oberteil) und genoss erleichtert die schnell einkehrende Ruhe. Dass vorbeigehende Menschen meinen Anblick ebenfalls genossen, oder zumindest wahrnahmen, konnte ich jedoch nicht ausblenden. Mir war ziemlich unwohl in meiner Haut.

Nackte Tatsachen

Stillende Frauen sehe ich sehr selten in der Öffentlichkeit, (halb-)nackte Models dagegen zieren zahllose Plakatwände. Auch im wahren Leben zeigt Frau viel Haut – nicht nur oben ohne am Strand. Warum sorgen also nackte Brüste als erotisches Lockmittel kaum mehr für Empörung, während öffentlich stillende Mütter nach wie vor zu heißen Diskussionen führen (siehe Ärger wegen stillender Mutter)? Unserer modernen Gesellschaft ist ganz offensichtlich das Wissen um die wichtigste biologische Funktion der weiblichen Brust verloren gegangen. Oder warum zensiert Facebook Bilder stillender Mütter, obwohl es gerade auf dieser Websseite an tiefen Dekolletees und knappen Dessous nicht mangelt?

Heimstiller

Da so wenige Frauen öffentlich stillen, traute ich mich selbst selten meiner Tochter auf offener Straße die Brust zu geben. Eigentlich schade, schließlich ist es ein enormer Vorteil, die exakt temperierte Speise stets dabei zu haben… Ich versuchte aber lieber unseren Tagesablauf so zu planen, dass wir zu den Stillmahlzeiten entweder zu Hause oder bei Freundinnen waren. Leider hielt unser Mädchen sich nicht immer an meine Pläne und bekam auch dann Appetit, wenn ich meilenweit von unseren kuscheligen Stillstationen entfernt war. Ein schöner Schlamassel!

Meine Stillstrategie in den ersten Monaten

Ich entwickelte also zwei Taktiken: Eine fürs „Grün“ und eine fürs „Grau“. Im Grünen – beispielsweise bei Spaziergängen durch Parks – musste Thomas oft als Sichtschutz herhalten. Waren wir mal ohne Papa in der freien Natur unterwegs, versteckte ich unser Mädchen unter unserem fünf Meter langen Tragetuch. In städtischer Zone zog ich mich vorzugsweise in Umkleidekabinen oder Wickelräumen großer Einkaufszentren zurück. Manchmal verkroch ich mich auch auf die Rücksitzbank unseres Autos, falls es in der Nähe war. Irgendwie schaffte ich es immer mich vor neugierigen Blicken zu schützen und uns in unseren intimsten Momenten nicht zu sehr zur Schau zu stellen. Diese Notlösungen waren aber alles andere als entspannt und ich war immer erleichtert, wenn ich es doch bis nach Hause schaffte.

Kein Versteckspiel mehr!

Ich finde es schade, dass man als stillende Mutter – zumindest in einer Provinzstadt wie Krefeld – in Stress gerät, wenn der Nachwuchs unterwegs Hunger anmeldet. Mütter, die ihre Kinder öffentlich stillen, sollten sich nicht verstecken müssen. Doch leider leben wir in einer Gesellschaft, die zwar mit Reizen nicht geizt, aber peinlich berührt ist, wenn es um den Anblick säugender Kinder geht.

Je länger ich stillte, desto selbstverständlicher wurde das Stillen für mich – auch in der Öffentlichkeit. Mittlerweile kommt es zwar selten vor, dass unser Mädchen (28 Monate alt) unterwegs nach Muttermilch verlangt, aber wenn es so ist, stille ich sie ohne zu zögern egal wo wir gerade sind.

Stillen in der Öffentlichkeit

Entspanntes Stillen am Strand von Honfleur (Frankreich) im August 2013.

Unsere „Lieblingsauswärtsstillposition“ ist die sog. Reiterstellung (siehe Foto), bei der die Leute meist gar nicht sehen, was wir eigentlich machen, sondern denken, dass wir ganz innig kuscheln :)
So bleibt das Stillen intim und diskret, ohne dass wir uns dafür in ein geheimes Kämmerlein verkriechen müssen.

Wie geht Ihr mit dem Thema um? Stillt Ihr in der Öffentlichkeit? Wie empfindet Ihr andere stillende Mütter in der Öffentlichkeit?

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  • Anna

    Hallo!

    Wir kennen uns aus der Stillgruppe und ich wollte die nur mitteilen, dass ich auch in der Öffentlichkeit Stille und mir die Blicke der anderen mittlerweile egal sind.
    Wichtig ist, dass es meinem Kind gut geht!
    Gruß
    Anna mit Carla

    • Hallo !Schf6n, das du den Artikel teilst – das Stillen ist doch so whiitcg. Ich wollte auch immer noch einmal einen Blogeintrag zum Thema Stillen machen, das muss ich jetzt auch mal umsetzen. Danke ffcrs erinnern :-)Viele liebe GrfcdfeAndrea

  • Ulrike

    Hallo ich war sehr amüsiert weil ich mich hier wiederfinde. Immer wenn mein kleiner irgendwo unterwegs Hunger bekommt und alles zusammenschreit überlege ich panisch wohin mit uns? Da er ja nicht ewig warten kann hab ich einmal mitten in den Hochregalen bei IKEA gestillt und im Supermarkt mittendrin wo eine Sitzfläche war…kam mir zwar erst komisch vor aber dann hab ich mir so gedacht guckt ruhig, ich gebe meinem Baby nur das beste. Leider gibt es ja Stillräume NUR in Spielwarengeschäften.

    • Kathrin

      Ach wie lustig! Ich habe unser Mädchen (19 Monate) erst letzte Woche in einem Eltern-Kind-Café in Düsseldorf gestillt, umzingelt von lauter Mamas & Papas, die Fläschen & Gläschen gefüttert haben. Da saß ich also mitten in einem Indoorsandkasten und versuchte gaaanz ruhig zu bleiben, während ich als visuelle Zielscheibe herhielt 😀

    • Ulrike

      Ich verstehe nicht das das einfachste der Welt so umstritten ist. Fast jede Frau hat die dazu passende Anlage warum wird dann nicht einfach gestillt? Die immer alle mit Ihren Fläschchen, den Babys entgeht das beste, das find ich traurig. Manche machen es sich zu einfach. Finde es toll das du hier auch so schön schreibst wie es als Stillmama läuft. Ich hab hier auch manchmal gegen Windmühlen zu kämpfen…..“willst du nicht zu füttern???“ NEIN solange mein Sohn (fast 5 Monate) satt wird! Liebe Grüße

    • Das haben wir wohl den Ansichten unserer Kultur zu verdanken, leider. Schön, dass Du Dich nicht beirren lässt. Weiterhin viel Spaß beim Stillen!

  • Lisa

    Ich hab mir das öffentliche stillen angewöhnt, ich bin gern bisschen provokant, ich denk mir vl schaff ichs so das sich auch andere trauen. aber ich hab immer einen schal drüber :)

    • Kathrin

      Je länger ich stille, desto mehr stehe ich dazu. Ich provoziere mittlerweile auch gerne, aber lieber verbal. Wenn ich öffentlich stille, dann komm ich mir immer noch komisch vor. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich das ändert…

    • Kara

      Ja, genau so halte ich es auch. Ich gehe mit gutem Beispiel voran, in der Hoffnung auch anderen Stilleden Mut zu machen und das Ansehen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Ein Tuch habe ich meist drüber, um auch mein Baby vor Ablenkung zu schützen. Bisher bin Oich auch noch ne schräg angeguckt worden. Eher im Gegenteil, ich habe sogar schonmal ein Kompliment von einer älteren Dame für meinen Mut erhalten.

      Wobei ich mich zum Stillen aber auch gerne zurück ziehe. Bei Ikea gibt es gemütlich eingerichtete Stillzimmer oder bei H&M eine StillKabine

  • Alex

    Hallo Kathrin,
    klasse Seite! Ich stille mein 2.Kind (fast 12 Monate) mittlerweile fast nur noch morgens, abends und nachts. Vorher aber gnadenlos überall, sogar mal in der Bahn. Was ich als angenehm empfand (im Gegensatz zum Stillen des 1.Kindes, denn damals hatte ich sowas noch nicht) war ein Stillponcho! Hab nun einen von Lässig (gibt auch andere), geniales Teil. Ziehst du dir über den Kopf und darunter packt man schön die „Ware“ aus, und es haben immer nur die Füßchen rausgeschaut. Beim Großen habe ich immer mit einer Mullwindel über der Schulter rumhantiert, nun war es soviel einfacher…viel Spaß weiterhin beim Stillen!

    • Kathrin

      Ach, auf solche tolle Ideen wie einen Stillponcho bin ich gar nicht gekommen. Das muss nun wohl ein zweites Kind zum Ausprobieren her 😀

    • Nika

      Hallo Kathrin und Alex,
      ich bin seit ein paar Wochen Mutter und finde Stillen wunderbar. Da ich weiterhin gerne unterwegs bin, habe ich, ähnlich wie ein Stillponcho, eine Stillschürze (-tuch), welches mir total entspanntes Stillen in der Öffentlichkeit ermöglicht. Ich fühle mich damit total wohl und auch mein Baby liebt es. Es ist schön warm und kuschlig und für uns ein kleiner „Ort der Geborgenheit“. Liebe Grüße

    • Ich wusste gar nicht, dass es Stillschürzen gibt! Wieder etwas gelernt… Danke Nika!

  • Shizgaret

    ich kommentiere sleten und das tut mir leid, denn ich lese jeden post und aufmerksam. heut muss ich aber mal was sagen.du bist schon zweifache mama und mir da sicher voraus. aber du steckst mitten in den dingen und erst wenn mal selbst mal diesen stress hatte kann man beurteilen, wie gefangen man oft in vielen situationen mit baby ist und wie schwer auch banalste situatioen unter extrembedingungen zu beurteilen sind.eine befreundete psychologin, krabbelgruppenmama, hat gesagt als unsere kinder noch ganz klein waren: jede mutter ffcgt ihrem kind traumata zu, auch unbeabsichtigt!weisst du, wir sind alle nur menschen. wir alle wollen das beste ffcr unsere kinder, ausschliesslich, und jeder ist mal genervt und fcberfordert. wenn man bei mir zurfcckliest und erst recht, wenn man die nachtre4glichen berichte nach der geburt sieht, ist es ganz und gar nicht anders.du kannst die zeit nicht zurfcckdrehen und das musst du auch nicht. du machst hier und heute das beste was du kannst, und das ist sososo viel! bitte gre4me dich nicht, bitte mach einfach weiter, denn von einer schwermfctigen mama, die mit sich selbst hadert, haben deine zwerge nix. du kannst die zeit nicht zurfcckdrehen, aber die zukunft selbst bestimmen.amen.so, verzeih mir die predigt, ffchl dich nur aufgebaut und gedrfcckt. du machst das super. lass dir nix anderes einreden, auch von dir selbst nicht!herzlichst, frau Blfcmel

    • Ja, egal wie sehr man (Mutter) sich bemüht alles richtig zu machen, es wird wohl nie gelingen. Erstens weil es kein richtiges richtig gibt und zweitens, weil wir alle nur Menschen und demzufolge voller Fehler sind. Es gibt nur sehr wenige Dinge in der Vergangenheit, die ich bereue. Letztendlich sehe ich es so, dass wir an allem, was passiert wachsen und besonders an den schwierigen, kniffligen Situationen. Vielen Dank für Deine aufbauenden Worte!

  • Silke

    Was ein toller Blog!! Und besonders dieser Artikel hier.. mein Sohn ist 3 Monate alt, wird voll gestillt. Vor 3 Monaten konnte ich mir nicht vorstellen im Beisein von irgendwem außer meinem Mann zu stillen – selbst wenn meine Mama dabei war kam ich mir komisch vor und bin lieber ins Schlafzimmer zum Stillen.. Ich dachte auch, dass dieses öffentliche Stillen wirklich nicht sein muss – nicht, weil mich der Anblick stören würde sondern einfach um keine Diskussionen und blöden Sprüche auszulösen… Mein Sohn hat mich da aber ebenfalls eines besseren belehrt: wenn er Hunger hat dann sofort(!) und egal wo.. und nach Zeitplänen richtet er sich schonmal gar nicht (kam ja auch schon 12 Tage „zu spät“ zur Welt…;o)) Als ich also um das Stillen im Beisein anderer Menschen nicht herumkam fing ich an zu Hause – wenn Besuch da war – das Stillkissen vor mir aufzutürmen, einen Schal umzuwickeln, die Windel unterm Pulli vor die Brust unter den BH-Träger knoddeln und mit dem Kleinen schon eng an mir das Shirt hochzotteln damit nur ja niemand sich gestört fühlen könnte vom Anblick nackter Haut. Was meiner kleinen Raupe Nimmersatt schon alles viel zu lange dauert! Außerdem zappelte er dann beim Trinken wie wild.. spürte meine Unruhe dabei, und ihn störte der viele Stoff rundherum. Äußerst anstrengend!! Und dann folgten wir vor 3 Wochen einer Einladung zum Essen in ein Restaurant (das erste mal, dass ich mit dem Kleinen weg ging „unter Leute“ abgesehen vom Einkaufen) Eigentlich satt und feste schlafend wurde er scheinbar vom Lärm oder dem Licht oder dem leckeren Essensgeruch ;o) laut schreiend wach und ließ sich durch nichts beruhigen.. außer Mama´s Brust.. so stand ich also schweißgebadet inmitten eines überfüllten Restaurants, sogar die Theke saß voller Menschen, die auf einen frei werdenden Tisch warteten und suchte verzweifelt eine ruhige Ecke zum Stillen. Eine kalte und nicht gerade lecker riechende Toilette wäre eine Variante… oder inmitten der Menschen die gerade am Essen sind und das obwohl ich weder mein schützendes Kissen noch den Schal mithatte??? Ich setzte mich mit immer noch lauthals schreiendem Kind wieder auf meinen Platz vor meinen halbvollen Teller, krempelte mein Shirt hoch und blickte Sekunden später in zwei mit Tränchen gefüllte aber wundervoll leuchtende blaue Augen..
    mein Sohn war sofort ruhig und schmatzte vergnügt mit schelmischem Blick. Ich glaube, ich werde noch so einiges von ihm lernen… unter anderem, dass es völlig egal ist, was andere denken – wichtig ist, dass es UNS gut geht.
    Dein Vergleich mit den Models der vielen nackten Haut ist klasse! Hat mich sehr berührt und gestärkt!!
    Wie absurd, dass ich tatsächlich überlegt habe: die Leute sind ja am Essen, da kann ich mich doch nicht stillend dazwischen setzen… aber die Toilette, wo womöglich noch jemand gerade nebenan ein Geschäft verrichtet, dahin könnte ich ausweichen!!??!! Nein auf keinen Fall.. sorry, aber dann soll lieber jemand anderem der Appettit vergehen falls ihn das Stillen stört!!
    Habe mir übrigens auch so einen Stillschal/still-stola gekauft… mag mein Sohn gaaaar nicht – er zieht alles weg, was irgendwie sein Sichtfeld behindern könnte.. er muss scheinbar genau sehen, wie die Leute gucken. ;o)

    DANKE für deine Sichtweise :-* Jetzt hab ich ein passendes Argument parat wenn jemand sich mal gestört fühlen sollte.

    • Wow, was für ein ausführlicher, bewegender und zugleich lustiger Kommentar, was für ein Stillabenteuer und was für ein tolles Happy End! Ich bin hochgradig begeistert! Vor allen Dingen die Tatsache, dass einige Mütter (auch ich) es vorziehen in einer Toilette zu stillen… Traurig aber wahr! Danke!

    • Lisa

      Ich habe Tränen in den Augen. Vielen Dank sage ich einfach. Vielen Dank!!!

  • Daphne

    Hier wird von anfang an ungeniert in der Öffentlichkeit gestillt. Wers nicht sehen will kann ja gerne wegkuggen, ich zwinge niemanden uns zuzusehen 😉
    Uns mir ist bis jetzt noch kein einziges mal etwas schlimmes passiert. Im gegenteil.
    Ich wurde von vielen hauptsächlich männer im mittleren Alter, meistens väter, oder türkischstämmigen Papas/opas gefragt wie alt er denn sei, und das stillen das beste sei für das Kind 😉
    Wir stillen oft mitten in der Stadt beim einkaufen, da ist das Tuch sehr praktisch. Ab und zu auf der Parkbank. Und wenn wir Miitwochs essen sind mit der Oma wird auch mitten im Resaturant gestillt. Ich seh das ganz locker. stillen ist natürlich, und solange ich niemandem meine nackten Brüste vors Gesicht halte, darf sich auch keiner beschweren. Und wie gesagt: wers nicht sehen will wie glücklich und zufrieden mein Sohn ist beim stillen, der darf gerne wegkuggen 😉

    • Ja die türkischen Männer :) Mt denen habe ich auch gute Erfahrung gemacht. Die lieben Kinder einfach und wissen wie gut (langes) stillen ist.

  • Antje

    Hab noch nie auf Deiner Seite kommentiert, aber ich habe schon einige Artikel gelesen und mag Deine Seite wirklich sehr. Dieser Artikel hat mich sehr berührt, weil ich es irgendwie traurig finde, dass wir Frauen uns für die natürlichste Sache der Welt schämen.
    Ich bin überzeugte Stillerin und stille egal wo (Café, Restaurant, Bahn, wirklich überall)… Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, dass wir rausgehen und unsere Kinder stillen, wenn sie Hunger haben und dass nur so Stillen zur Normalität im Alltag wird.
    Im ersten Lebensjahr war das alles noch kein Problem (habe nie Ablehnung erfahren). Nun ist mein Kind schon 23 Monate und ich würde auch nicht mehr in der Öffentlichkeit stillen und ich ärgere mich über mich selber, weil ich gerne das Langzeitstillen normalisieren würde (wenn man nie jemanden sieht, der das macht, dann kann man das ja auch gar nicht kennen). Aber irgendwie denke ich manchmal das unsere Gesellschaft leider noch nicht so weit ist.
    Einmal musste ich es aber machen. Mein Sohn wollte einfach partout gestillt werden ( da war er ca. 20 Monate alt und mein Mann und ich saßen in einem Café). Zum Glück hat mein Mann mich unterstützt und gemeint, dass ich mich nicht darum kümmern soll, was die Leute denken. Und dann habe ich ihn tatsächlich gestillt und es war eigentlich voll ok, habe keinerlei komische Reaktionen bekommen.
    Vielleicht sollten wir uns einfach alle mehr trauen :-)…. aber es ist natürlich nicht immer leicht, das weiß ich leider selbst nur zu gut.

  • claudiA

    Echt toller artikel bei meinen ersten kind hatte ich auch das problem zwegs stillenbin war wirklich dumm u hab mal auf den klo gestillt das war einmal u nie wieder 😉 danach wars mir egal wo u wann 😉 ausser in der kirche und beim 2 still ich auch überall u hab zun glück nur positve erfahrungen gemacht mir kommt vor das die ültere generation lockerer is als so mancher junge

    • Antje

      Hab sogar schon in der Kirche gestillt, da habe ich nur positive Reaktionen bekommen… aber ein bisschen mulmig war mir am Anfang auch. Aber ich sehe gar nicht ein, warum ich als Mutter rausgehen soll zum Stillen, wenn ich in der letzten Bankreihe sitze und es niemanden stört und ich zuhören möchte (ich finde, da habe ich auch ein Recht darauf :-)…

  • Raffaela

    Ich habe von Anfang an in der Öffentlichkeit gestillt, teils mit Stillponcho, teils ohne. Und ich stille meinen Sohn (der mittlerweile 8 Monate alt ist) auch jetzt noch in der Öffentlichkeit wenns sein muss. Ich finde man muss sich wegen der natürlichsten Sache der Welt wirklich nicht genieren.
    Deinen Vergleich mit den nackten Models finde ich genial, und sowas von wahr. Wie kann es sein dass es jemand auch nur ansatzweise anstössig findet, wenn eine Mutter ihr Kind stillt?? Da muss sich in der Denkweise unserer Gesellschaft echt was ändern. Ich finde stillen super und ich konnte, und kann mich dabei auch immer total enstspannen.
    Die Erfahrung, dass die ältere Generation das lockerer sieht, hab ich auch schon gemacht.

  • Janine

    Hallo! Noch ein super Artikel! Ich kenne das Gefühl des Unbehagens ! Ich nehm aber mittlerweile einfach immer einen schicken Schal mit! Mir ist aufgefallen dass das zB in Paris überhaupt kein Issue war! Dort hab ich einfach im Café gestillt und alle meine Bekannten dort fanden das ganz normal… das hat aufgebaut! Liebe Grüsse!!

  • Nadine

    Vielen Dank für diesen wunderbaren, gut recherchierten Blog. Bin gerade zufällig hier gelandet und wirklich sehr angetan.

    Ich habe meinen Sohn (bis ca. 20 Monate) überall (auch im Urlaub in Spanien) gestillt, danach hat er es nicht mehr so sehr eingefordert, weil Spielkameraden, Spielplatzgeräte etc. draußen wichtiger waren.
    Ich bin wirklich noch kein einziges Mal blöd angeredet worden, obwohl ich es mir schon fast gewünscht habe, um mal ein paar zurechtgelegte Weisheiten loszuwerden 😉
    Muss aber auch zugeben, dass es wohl in der Großstadt leichter ist und man hier in München schon mal eine Mutter mit einem 2-Jährigen an der Brust zu Gesicht bekommen kann.

    Ich kleide mich eher sportlich leger, was mit einem Tuch oder Poncho wohl sehr merkwürdig aussehen würde. Deshalb nutze ich praktische Stillkleidung (Stillhemd statt -BH gegen Bauchfreiheit, Still-T-Shirt oder dehnbarer Ausschnitt, Jacke statt Pulli und im Winter habe ich sogar eine Tragejacke mit seitlichen Reißverschlüssen)

    Im Erfahrungsaustausch mit anderen Langzeitstillerinnen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass man es wohl ausstrahlt, dass das Stillen ganz selbstverständlich ist, sodass gar niemand auf die Idee kommt was dagegen zu sagen.

    Also, wenn ihr es irgendwie mit eurem Selbstbewusstsein vereinbaren könnt: stillt auch in der Öffentlichkeit, damit es irgendwann überall dazugehört, dass Mütter ihren Babys/Kleinkindern die Brust geben.

    Herzliche Grüße aus München!

    • Hallo Nadine und herzlich Willkommen!
      Wahrscheinlich hast Du völlig Recht – je mehr Selbstbewusstsein stillende Frauen ausstrahlen, desto selbstverständlicher wird das Stillen in der Öffentlichkeit. Doch dazu gehört Mut und Überwindung, vor allem wenn es wenig gute Beispiele gibt, denen man folgen kann. Falls unser Mädchen diesen Sommer noch stillen möchte, soll sie das aber gerne auch unter freiem Himmel tun 😉 Liebe Grüße nach München!

  • Sina (Mami0813)

    Hallöchen

    also ich stille auch in der Öffentlichkeit. Aber ich mach immer was drüber. Entweder ein Spucktuch, mein Loop Schal, ein Handtuch oder die Kleine kommt unter das Oberteil.
    Ein bisschen unangenehm finde ich es, wenn ich schauen muss, dass die Kleine richtig dran liegt und auch die Brust richtig in den Mund nimmt und man die Brust rau schauen sieht.
    Aber dein Argument ist echt interessant, dass Bikini Models und so in der Öffentlichkeit gerne gesehen werden, aber Stillmamas nicht.
    Könnte (wenn ich mich das mal traue) ja mal ausprobieren einfach zu stillen ohne was ab zu decken (jeden Falls nur ein bisschen).
    Die Kleine zickt eh oft rum, wenn ich was drüber mache. Das mag sie überhaupt nicht. :-(
    Mal sehn 😀

    Achja, ich finde deine Beiträge echt interessant und lese sie gerne 😉 Weiter so….

    LG

    Sina

    • Liebe Sina,

      das mit dem Stoff übern Kopf mochte unser Mädchen auch nie wirklich. Wenn ich in der Öffentlichkeit stille (ich mache kein Geheimnis daraus, dass sie noch stillt), setzte ich mich mittlerweile mit dem Rücken zum „Publikum“. Wenn ich bei den Schwiegereltern bin z.B. schaue ich aus dem Fenster während unser Mädchen trinkt und Oma & Opa munter „hinter meinem Rücken“ weiter reden :)

      Schön, dass Dir mein Blog gefällt!

  • Tina

    Habe deinen Blog gerade über einen verlinkten Beitrag zum Schlafen gefunden, und schon ein bisschen gestöbert. VIelen Dank!

    Ich stille meinen Sohn (4 Monate) mittlerweile auch vollkommen „schamlos“ in der Öffentlichkeit. Geholfen hat es mir da mich mit anderen Mamas zu treffen, deren Kinder gleich alt sind. Wir kennen uns aus dem Geburtsvorbereitungskurs und treffen uns seit dem Ende der Wochenbettzeit wieder wöchentlich, oft in Cafés. Es kam schon öfter vor, dass wir zu viert stillend am Tisch saßen – als hätten wir uns genau dazu verabredet. Die Gruppe hat es leichter gemacht, blöde Kommentare gab es noch nie, Blicke habe ich auch nicht wahrgenommen, achte da aber auch nicht drauf (wohnen aber auch in einer liberalen Großstadt).
    Bei uns gilt die Devise: Wo gegessen wird kann auch gestillt werden. Zur Not auch in der überfüllten S-Bahn. Ich habe aber auch schon zwei Mal in der Kirche gestillt bei einer Trauung und einer Taufe. Das war schon komisch – aber Sohnemann war ruhig und zufrieden, mitbekommen hat das dank stillfreundlichem Kleid kaum jemand, alles andere hätte mehr gestört (nur den lauten Rülpser hinterher hätte er sich sparen können ;))

  • sileick

    Hallo!

    Diese Seite ist sehr schön gestaltet, die Diskussion übers öffentliche Stillen finde ich ungeheuer wichtig. Wir stillen auch „noch“ seit fast 19 Monaten. Ich habe immerhin „Glück“, dass mein Kind ziemlich klein ist, da wirkt sie noch nicht so alt. Sie stillt noch immer häufig und sehr gern, ich auch.

    Ich empfinde es auch in der Öffentlichkeit manchmal komisch zu stillen, aber ich habe mir angewöhnt, das einfach zu tun. Da meine Kleine ein Bewegungswunder ist und immer alles mitkriegen muss, ist es unmöglich, das ganz diskret mit Tuch oder so zu machen. Stillhemd, Stillshirt, und mittlerweile versteht sie auch, wenn ich ihr erkläre, dass andere Leute nicht unbedingt meine ganze Brust sehen müssen, weil sie gern mit den Füßen das ganze Shirt hochschieben möchte. 😉

    Warum haben wir immer so ein Gefühl, als machten wir etwas Ungehöriges? Ich glaube, ein wesentlicher Grund dafür ist, dass unsere Vorgängerinnen zu lange gelernt haben, dass sie gar nicht stillen können und dass Kinder früh „selbstständig“ werden müssen, indem man ihnen die wichtigste Quelle bestern Nahrung, sicherster Geborgenheit und intensivten Körperkontaktes entzog, abgesehen von den Abwehrkräften, die die Mumi mitgibt. So haben Frauen vor uns und viele auch noch heute diese wunderschöne, innige und problemlose Art der Stillbeziehung nie erlebt, womit sie definitiv etwas sehr Schönes verpasst haben bzw. verpassen. Sieht dann eine solche Frau das, dann ist die Sehnsucht im Herzen, von der sie selbst nicht weiß, sicher bei vielen der Grund für Ablehnung. Denn wie auch bei vielen anderen Bereichen gilt, dass es immer wieder die Mütter sind, die dafür sorgen, dass es keine Verbesserungen bzw. verbesserte Bedingungen für die nachfolgenden gibt. Das ist wohl ein Naturgesetz.

    Ganz besonders problematisch empfinde ich manche Mitglieder der eigenen Familie. Was bei den einen ganz selbstverständlich ist, nämlich beim Essen auch zu stillen, denn stillen ist ja auch Essen für das Kind, ist bei der anderen Seite ein absoluter Affront. Das ist schon interessant, denn diese Seite hat andererseits überhaupt kein Problem damit, dass Männer, auch Väter und Ehemänner sich regelmäßig Pornos und nackte Frauen ansehen. Warum ist also diese natürlichste Sache ein Problem? Sicher auch ein Grund ist die völlige Freiheit und Emanzipation der Weiblichkeit hierbei. Emanzipation war bisher eher darauf ausgerichtet, Frauen Gleichheit mit den Männern zu verschaffen. Aber Frauen sind nicht gleich. Mütter sind Mütter, Männer können es nie sein, haben nie diese Fähigkeiten und sind dabei immer ausgeschlossen (was nicht heißt, dass sie nicht andere, liebevolle Rollen leben können). Sich die Freiheit zu nehmen, überall ungeniert zu stillen, das bedeutet die absolute Freiheit der mysteriösen Weiblichkeit. Das macht vielen Männern unserer Gesellschaft Angst, die ja immer noch patriarchalisch orientiert ist, mindestens aber geschichtlich gerade erst daraus entwächst. Frauen macht es neidisch, nämlich all jene, die zu ihrer Zeit das Glück nicht hatten so sein zu können und jene, die sich selbst aus kulturellen Gründen immer noch diese Freiheit versagen.

    Fazit: Stillt, überall und wo es Euch gefällt! Je mehr das tun, desto selbstverständlicher wird es! Ich wäre um vieles ärmer, hätte ich diese wundervolle Seite meiner Weiblichkeit nicht erlebt! Genießt es! Es ist kurz genug, geht nur allzu schnell vorbei.

    Schön weitermachen mit diesem wunderschönen Blog!

    Viele liebe Grüße
    Sileick