Stillen im Krankenhaus

Kathrin Stillen 9 Kommentare

Wie bereits erwähnt, hatte ich überhaupt keine Ahnung vom Stillen – keinen Plan, keine Technik! Ich wusste nichts, außer dass ich unser Mädchen nicht an die Schwestern abgeben wollte, um „in Ruhe“ zu schlafen. Ich war doch jetzt Mama und wie sollte ich umgehend auf die Bedürfnisse meiner Tochter reagieren, wenn sie einige Zimmer entfernt von mir schlief? Ich musste sie doch kennen lernen, sie beobachten und viel wichtiger, verstehen wie sie mit mir kommuniziert!

Obwohl ich von der Geburt noch ziemlich platt und ausgelaugt war, genoss ich das schönste „Fernsehprogramm“ der Welt! Das kleine Wunder lag in ihrer Wiege neben mir und ich betrachtete sie durch die Scheibe. Wie winzig sie war! Ich konnte es nicht verstehen, nicht fassen, dass dieses Wesen noch vor einigen Stunden Teil meines Körpers gewesen sein soll. Ein seltsamer Gedanke!

Unser Mädchen schlief anfangs sehr viel. Wenn sie wach wurde und sich mit ihrem wirklich zart Stimmchen meldete, nahm ich sie zu mir ins Bett und legte sie neben mich. Genau wie beim ersten Mal fand sie stets den Weg, trank wenige Minuten, um dann wieder völlig zufrieden einzuschlafen. Erst legte ich sie immer wieder zurück, aber dann fand ich Gefallen daran auch mit ihr zu kuscheln, wenn sie nicht trank.

Unser sehr intimes Kennenlernen wurde leider gestört durch die Bemerkungen oder manchmal auch pure Anwesenheit einiger Schwestern. Während es sehr herzliches Personal gab, die unsere traute Zweisamkeit nur mit einem freundlichen Lächeln kommentierten, konnten sich vor allen Dingen ältere Schwestern der, wie mir schien, alten Schule, bissige Rügen nicht verkneifen. Sie gehöre in ihr eigenes Bett, so was solle ich gar nicht erst einreißen lassen, sie könne mir ja aus dem Bett fallen, sind nur einige Beispiele. Ich hatte großen Respekt vor dem Krankenhauspersonal und leistete den Aufforderungen Folge. Leider! Heute würde mir das nicht mehr passieren. Nur noch still und heimlich ließ ich unser Mädchen in meinem Bett und tat stets so, als hätte ich sie gerade gestillt, falls jemand fragte. Wie anstrengend…

Das Stillen in den ersten Tagen war ungeheuer wichtig für mich. Bei jeder Mahlzeit merkte ich deutlich, wie sich meine Gebärmutter zusammenzog. Und nur zehn Tage nach der Geburt hatte unser Mädchen mir meinen ganzen Bauch „weg gesaugt“! Ich staunte nicht schlecht. Von dem Schönheitseingriff abgesehen, viel es mir leichter die Entbindung zu begreifen. Wortwörtlich. Zu spüren wie sie an meiner Brust saugt und zu sehen wie sie dabei satt, ruhig und gänzlich zufrieden wird, ist bis heute ein für mich unerklärliches Phänomen der Natur. Sie so dicht an mir erleben zu dürfen, sie zu nähren und zu behüten, schürte meine Muttergefühle immens. Diese waren unmittelbar nach der Geburt nicht sehr stark ausgeprägt und ich entsprechend verwundert. Als ich schließlich in der dritten Nacht etwas wirklich Blödes von ihr träumte (sie war in einen Unfall verwickelt) und zum ersten Mal Angst um sie verspürte, war die Bindung wohl geschaffen.

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  • Doreen

    Ich finde es ganz toll, wie offen du hier über deine Gefühle schreibst, dass du ehrlich damit umgehst und nichts beschönigst. Super, wie du dich auf alles einlässt und deine Erlebnisse reflektierst. Ich fand es auch eine sehr überraschende Erkenntnis, dass ich mich meinem Baby anfangs nicht zutiefst verbunden, sondern sogar irgendwie fremd fühlte. Umso ergreifender war es, zu spüren und zu beobachten, wie die Bindung und die Liebe von Tag zu Tag stärker wurde, bis ich mich irgendwann wie eine Einheit mit ihm fühlte und mich blind mit ihm verstand.

  • Linde

    Sehr schön wie du schreibst. :)

    Ich weinte zbsp nicht als mein kleiner Spatz das erste mal auf meiner Brust lag. Ich war aber so glücklich und fasziniert. <3
    Und unsere erste gemeinsame Nacht verschlief er komplett und ich schaute ihm zu beim schlafen. Immer bei mir im Zimmer. :)

  • carla

    Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Meine Tochter lag nach der Geburt auf der Kinderstation. Dort gab es feste Regeln: erst wickeln, dann Fieber messen, Windel wiegen und erst dann füttern. Dies im 4 Stunden-Takt (Das ist übrigens keine Geschichte aus dem Jahr 1960, sondern höchst aktuell!). Füttern hieß bei uns damals abgepumpte Muttermilch aus der Flasche, da meine Tochter eine Trinkschwäche hatte. Sie sollte 90 ml in 15 min trinken. Das, was sie nicht schaffte wurde sondiert. Es wurde mir verboten in kürzeren Abständen zu füttern. Alles Diskutieren half nichts und ich wurde so hingestellt, als hätte ich keine Ahnung und alles, was ich in der Schwangerschaft gelesen hatte sei quatsch: „sie MUSS das JETZT lernen.“
    (leider erst) am dritten Tag platzte ich vor Wut und verbot ich die Magensonde zu benutzen. Ich fütterte, wie ich es für richtig hielt. Manchmal stündlich. Von den Schwestern wurde ich getadelt: „Sie werden schon sehen, was sie davon haben. Das wird für sie ein großer Spaß zu Hause. Sie werden nichts anderes mehr machen, als füttern.“
    Das stimmte. Zu Hause war ich die ersten Wochen mit kaum etwas anderes beschäftigt. Na und?!
    Inzwischen haben wir es übrigens geschafft und ich stille. Nach und nach ersetzten wir eine Fläschchenmahlzeit durch die Brust und haben einen angenehmen Rhythmus entwickelt.

  • regina m.

    das ist echt super! du solltest, um die krankenhaussituation zu verbessern der direktion einen brief schreiben. nur, wenn diese eine rückmeldung erhalten, wird sich etwas in unseren krankenhäusern verändern!!!

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