Sind nur stillende Mütter gute Mütter?

Kathrin Stillen 28 Kommentare

Wenn Muttermilch das Beste für das Kind ist, sind dann Frauen, die ihre Babys nicht stillen, weniger gute oder gar schlechte Mütter? Ehrlich gesagt, dachte ich genau das am Anfang meines Mutterseins. „Wie kann eine Mutter ihrem Säugling nur Kunstmilch geben? Warum verweigert sie ihrem Kind das Beste, was die Natur ihm zu bieten hat? Wie egoistisch“, glaubte ich.

Und dabei war ich mit meinen urteilenden Gedanken die Egoistin, denn mir flog das Stillen einfach zu. Von der ersten Sekunde an trank unser Mädchen wie ein Vollprofi an meiner Brust. Sie nahm stetig zu, ich hatte nur wenige, körperliche Beschwerden – eine harmonische und glückliche Stillbeziehung wie im Bilderbuch.

Dass das Stillen auch anders laufen kann, kam mir überhaupt nicht in den Sinn.  Ich dachte allen Ernstes jede Frau könne stillen, wenn sie es wirklich will und ahnte dabei nicht, wie glücklich ich mich schätzen darf. Denn was für mich zum Alltag gehört – meine Tochter durch meinen Körper zu nähren – bleibt für viele Frauen ein unerreichbares Ziel.

Erst durch meine Ausbildung zur Stillberaterin begriff ich, wie kompliziert ein Stillstart verlaufen kann. Wie fragil eine Stillbeziehung ist. Wie viele Faktoren sie beeinflussen, zum Teil weit vor der Geburt. Und wie sehr Mütter, die gerne stillen möchten, es aber nicht schaffen, darunter leiden.

Ich stellte mich lange Zeit über diese Mütter, im Glauben sie griffen aus oberflächlichen Gründen zum Fläschchen. Ich assoziierte Muttermilch mit der Bereitschaft für das eigene Kind da zu sein und maß die Intensität der Mutterliebe an der Ernährungsform. Ich hielt mich für etwas besseres, weil ich stillte.

Doch dann wurde ich mit persönlichen Stillgeschichten konfrontiert und mit jeder Frau, die sich mir öffnete, wich mein Hochmut ein Stückchen mehr.  Da waren Mütter, die direkt nach der Geburt von ihren Kindern getrennt wurden und mit Milchpumpe und enormer Willenskraft gewappnet alles daran setzten, in einer (still-) unfreundlichen Krankenhausatmosphäre Muttermilch für ihr Baby zu gewinnen. Mütter, denen eingeredet wurde, sie können nicht stillen, weil ihre Brüste angeblich zu klein/ zu groß oder die Brustwarzen nicht die richtige Form hatten – oder weil noch nie eine Frau in dieser Familie stillen konnte. Mütter, die mit unfassbar schmerzhaften Stillproblemen kämpften. Mütter, die aufgrund von Essstörungen, sexuellen Übergriffen in der Vergangenheit oder anderen psychisch belastenden Problemen mit der Stillentscheidung haderten. Mütter, die gegen den Willen ihres Partners stillten – sogar heimlich. Und eine Mutter, der nach einer Brustkrebs-OP nur eine Brust zum Stillen blieb…

Mit jeder Geschichte änderte sich mein Bild von nichtstillenden Frauen zunehmend. Meine Arbeit als Stillberaterin lehrte mich auf sehr emotionale Weise zwei Dinge:

1.    Jede Stillgeschichte ist einzigartig und darf niemals mit der eigenen verglichen werden.
2.    Hinterfrage, was du siehst und stecke Menschen nicht innerhalb von wenigen Augenblicken voreilig in eine Schublade.

Seitdem schaue ich genauer hin. Beispielsweise wenn Frauen von Milchmangel (der meistgenannte Abstillgrund) sprechen. Was steckt hinter der Aussage „Ich habe keine/ zu wenig Milch“? Eine Tatsache? Ein Gefühl? Oder gar eine Schutzreaktion?

Nur etwa 2-3% der Frauen sind physiologisch gesehen, nicht in der Lage zu stillen. Stillen erfordert aber nicht nur einen gesunden Körper, sondern auch einen freien Kopf und genau das ist das Problem.

In Deutschland dürfen sich Mütter nach der Geburt weder entspannt auf ihr Baby noch auf das Stillen einlassen. Es gibt kaum stillende Vorbilder, an denen sie sich orientieren können, stattdessen jede Menge Druck, irreführende Behauptungen und hohe Erwartungen von Familie und Umfeld. Immer wieder berichten Frauen von Krankenhauspersonal, welches flugs mit künstlicher Säuglingsnahrung herbei eilt, wenn das Stillen nicht sofort richtig klappt.

Dabei bedürfte es oft nur Ruhe und Zeit und vor allem ermunternden Zuspruch. Frischgebackene Mütter durchlaufen eine hormongesteuerte Achterbahnfahrt der Gefühle, sie sind verletzlich und unsicher. Sie brauchen verständnisvolle und kompetente Betreuung. Jemand, der sie auffängt, anleitet und unterstützt – auch bei Stillfragen. Soweit die Theorie. Die Frauen, die ich beriet, waren meist wenige Tage nach der Geburt auf sich allein gestellt – erschöpft, überfordert und überzeugt nicht genug Milch zu haben.

Fakt ist, dass viele Faktoren die Milchbildung negativ beeinflussen und den Stillstart erschweren können: Mangelnde oder inkompetente Stillberatung, fehlende Unterstützung und Stress, dazu zählen Ängste, Zweifel, mangelndes Selbstvertrauen und Unzufriedenheit (siehe „Stillen ist Kopfsache“).

Fakt ist aber auch, dass einige Tage vergehen bis Mutter und Kind ein eingespieltes Still-Team sind – bis die Milch so richtig fließt. Dass Babys phasenweise in kurzen Abständen (alle ein bis zwei Stunden oder noch öfter) trinken wollen und in den Abendstunden unruhiger sind („Warum weint mein Baby?“). Dass der Milcheinschuss nicht oder nach einigen Wochen nicht mehr zu spüren ist. Allerdings werden diese und ähnliche „Symptome“ häufig als Milchmangel interpretiert (siehe „Fachinformationen Milchmangel in der Stillzeit“).

Obwohl ein Stilltrend in Deutschland zu verzeichnen ist, stehen Frauen (auch in stillfreundlichen Krankenhäusern) noch immer vor unlösbaren Stillproblemen und fachlich mangelnder Betreuung. Nicht jeder Stillwunsch – immerhin nehmen sich 90% aller deutschen Mütter vor zu stillen – führt zu einer erfüllten Stillbeziehung.

Wer es trotz aller Bemühungen nicht schafft, sein Kind mit dem eigenen Körper zu nähren, empfindet dies meist als große Belastung. Als wäre das nicht schwer genug, berichten nichtstillende Mütter von vorwurfsvollen Blicken, wenn sie das Fläschchen auspacken, von giftigen Kommentaren und der Frage aller Fragen: „Wie Du stillst nicht?“

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der für Schwäche, Scheitern und persönliche Entscheidungen kein Platz ist. Die perfekte deutsche Mutter stillt sechs Monate lang – mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, egal wie (schlecht) es ihr dabei geht. Wenige Tage Stillzeit zählen nicht. Schmerzen und Sorgen gelten als Ausrede. Die wahren Gedanken und Gefühle einer Mutter interessieren kaum. Und da darf es natürlich auch nicht sein, dass Mütter nicht stillen wollen. Doch warum nicht?

Als Stillberaterin wünsche ich zwar jedem Baby, dass es Muttermilch erhält, doch jede Mutter sollte ihrem Kind geben dürfen, wozu sie sich in der Lage fühlt. Manche wollen sich Tag und Nacht ausschließlich um ihren Nachwuchs kümmern – sogar jahrelang. Andere brauchen regelmäßigen Abstand und Auszeiten, um ihrer Rolle als Mutter gerecht zu werden. Eine bewusste Entscheidung gegen das Stillen mag von außen betrachtet egoistisch erscheinen, kann aber durchaus klug sein. Beispielsweise, wenn sich eine Mutter der Verantwortung nicht gewachsen fühlt, ständig für ihr Baby da zu sein.

Das bringt mich zurück zur Ausgangsfrage: „Sind nur stillende Mütter gute Mütter?“ Nun, was genau zeichnet eine gute Mutter aus? Wer legt fest, was gut und was schlecht ist? Und warum interessieren wir uns überhaupt für die Entscheidungen anderer Mütter? Weil wir uns anhand fremder Lebensentwürfe aufwerten wollen? Weil wir Bestätigung suchen? Gesprächsstoff brauchen? Aus Langeweile?

Ich für meinen Teil, fühlte mich durch jede Mutter, die nicht stillte/ sich für einen anderen Erziehungsweg entschied, verunsichert. Schließlich versuchte ich mich auf die bestmögliche Weise um meine Tochter zu kümmern. Alle Entscheidungen, die ich fällte, basierten auf zermürbenden Grübeleien, geduldigem Ausprobieren und stundelangen Diskussionen mit Partner, Freunden und Verwandten. Ich kämpfte so hart für unseren Weg (Familienbett, Tragen, breilose Beikost, Langzeitstillen), dass er einfach der Beste sein musste. Jeder Gegenentwurf schürte meine Zweifel und Ängste. Hatte ich vielleicht doch nicht alles richtig gemacht?

Und genau das sehe ich in dem erbitterten Konkurrenzkampf, den Mütter heute auf allen Ebenen ausfechten. Sie verteidigen ihre Ansichten und Meinungen – ihr Lebenskonzept bis auf’s Messer. Vor allem im Internet, wo sie anonym so richtig Dampf ablassen können. Schließlich wollen doch alle das Beste für ihr Kind. Jede Mutter handelt nach bestem Wissen und Gewissen und aus tiefster Überzeugung. Da ist nur ein Problem: Es gibt ihn gar nicht, den einen wahren Weg eine gute Mutter zu sein, sondern unzählige, ganz individuelle Möglichkeiten…

Muttermilch ist unbestritten die wertvollste Nahrung für ein Menschenbaby, aber Mütter, die nicht stillen, sind deswegen keine schlechten Mütter! Oder umgekehrt stillende Mütter sind nicht automatisch liebende Mütter – gestillte Kinder nicht zwangsläufig glücklichere Kinder. Eine tragfähige Mutter-Kind-Beziehung hängt von vielen Faktoren ab und ist zweifellos auch ohne Stillen möglich. Damit eine sichere Bindung und ein liebevolles Verhältnis entstehen können, braucht es weit mehr, als (s)einem Kind die Brust zu geben.

Eines verstehe ich jedoch gut: Wer erfahren durfte, welches Glück das Stillen bedeutet, verspürt oft ein starkes Verlangen diese wundervolle Erfahrung weiter zu geben. Anderen Müttern zu eben diesem „Still-Glück“ zu verhelfen. Das Problem dabei ist, dass wir Menschen, die nicht offen für unsere Anregungen sind, nicht erreichen können. Wer mag schon ungebetene Einwände und Ratschläge? Als Stillberaterin konzentriere ich mich deshalb lieber auf die Mütter, die meine Hilfe wirklich wollen und übe mich sonst in Zurückhaltung, auch wenn es schwer fällt.

Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Warum machen wir Mütter uns das Leben gegenseitig so schwer?
Ihr wollt für eure Entscheidungen respektiert werden? Dann respektiert andere in ihren Entscheidungen! Oder fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht, aber urteilt nicht, ohne den Hintergrund zu kennen. Wir können nichts bewegen, wenn wir uns mit Vorurteilen, Kritik und Beschimpfungen begegnen. Damit ziehen wir lediglich den Unmut anderer auf uns und werden am Ende selbst beschimpft.

Wir sitzen alle im selben Boot, denn egal für welchen Lebensentwurf wir uns entscheiden, Kritiker lauern überall. Umso wichtiger ist es, dass wir Mütter zusammenhalten statt uns wegen belangloser Meinungsverschiedenheiten oder konträren Erziehungsansichten gegenseitig in den Rücken zu fallen.

Ob wir nun stillen oder nicht – wer sein Kind liebt, ihm Nähe und Geborgenheit schenkt, es versorgt, tröstet und wahrnimmt, kann keine schlechte Mutter sein. Das wichtigste dabei ist, an sich selbst zu glauben und sich nicht von anderen verrückt machen zu lassen. Gelegentlich mit etwas Abstand zu reflektieren, ob der eingeschlagene Kurs noch stimmig ist. Letztendlich zählt nicht, ob wir für unsere Freunde, Familie oder Nachbarn eine gute Mutter sind,  sondern ob wir es für unsere Kinder sind.

 

 

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  • Monika

    Tja mir hat man im Krankenhaus auch erklärt, dass ich unbedingt zufüttern muß, weil meine Kleine 4 Wochen zu früh auf die Welt kam und dementsprechend leicht war. Aus Sorge um mein Kind hab ich mich dann darauf eingelassen (nur um dann durch Zufall zu erfahren, dass sie bereits vorher ohne meine Zustimmung zugefüttert hatten). Am nächsten Tag hat man mir das Stillen dann ganz verboten, weil meine Kleine aufgrund Geldsucht unters Licht mußte. Also war Abpumpen und Fläschchen angesagt. Und siehe da: In 5 Minuten pumpen kamen auf jeder Seite jeweils 100ml.. ich hätte das ganze Krankenhaus mit Milch versorgen können. Wieso ich also zufüttern sollte ist mir echt ein Rätsel.
    Auch nach der Lichtkur riet man mir dringend davon ab wieder zu stillen, weil das Stillen zu anstrengend sei und dadurch die Geldsucht wieder schlimmer werden würde.
    Die Folge von dem Ganzen: Eine nicht mehr korrigierbare Saugverwirrung, die ich (nach einem Kampf von 6 Wochen) letztlich nur mit Stillhütchen abfangen konnte. Die Stillhütchen braucht meine (jetzt 11 Monate) leider bis heute.

    Ich ärgere mich immer noch, aber beim ersten Kind, ohne Erfahrung, wenn man Dir erzählt, dass Dein Kind sonst Schaden nehmen könnte, macht man fast alles mit :(

    Aber nach dieser Erfahrung wundert es mich nicht mehr, dass so viele Mütter nicht (mehr) stillen können…

    • Respekt, dass Du durchgehalten hast und immer noch stillst!

      LG
      Kathrin

  • Claudia

    Hy.

    Ich habe 3 Söhne, der älteste hat Diabetes, beim ersten wollte ich nicht stillen, ich war noch jung, bekam ihn mit 20 und dachte nicht das es „schön“ sein könnte, beim 2ten wollte ich es dann auf jeden Fall, doch leider bekam ich fast keine Milch und so wollte ich abstillen, aber das was mich am meisten geärgert hat war, das eine Schwester zu mir sagte, wenn sie nicht stillen wird ihr 2tes Kind auch an Diabetes erkranken. Wie bitte, ich dachte ich höre nicht richtig. Spinnt die, dachte ich, ich erklärte ihr dann das es damit sicher nichts zu tun hat, das Diabetes eine Chron. Erkrankung ist und das sie nicht so einen Unsinn erzählen solle. Eine sehr gute Freundin hat bei allen drei Kindern fast 2 Jahre gestillt und der älteste hat Neurodermitis. Ich denke nicht das es am stillen liegt ob ein Kinde solche Erkrankungen bekommt oder nicht. LG

  • „Als Stillberaterin konzentriere ich mich deshalb lieber auf die Mütter, die meine Hilfe wirklich wollen und übe mich sonst in Zurückhaltung, auch wenn es schwer fällt.“
    Das kenne ich als Trageberaterin auch und weiss, wie schwer es in manchen Situationen ist, nichts zu sagen.
    Mit Neo, Fehlbildung der Kehlkopfweiche, Refluxkrankheit und insgesamt 3 Monaten Kinderkrankenhaus war bei uns auch nicht viel los mit Stillen – aber mit viel Geduld und Achtsachkeit (mir gegenüber, meinem Sohn gegenüber!) war es doch möglich, fast ein Jahr lang teilzustillen. Zuerst haderte ich auch, dass „voll“ nicht klappte, aber dann war es recht schnell gut, so wie es war.

  • Sindy

    Liebe Kathrin,

    mal wieder ist dir ein sehr guter Beitrag gelungen. TOLERANZ, wenn ich könnte würde ich es noch größer schreiben. Das ist es was unserer Gesellschaft fehlt. Leider enden Vorurteile und gegenseitige Besserwisserei nicht mit dem Stillen. Danach geht es um Fremdbetreuung, ob du als Mutter arbeiten gehst oder außschließlich zu hause bleibst, ob dein Kind nur selbstgebackenens Brot bekommt , oder nicht. Endlosdebatten werden unter Müttern geführt und enden in vorwurfsvollen Blicken, wenn das Kind mit einer Tüte Gummibärchen stolz aus dem Supermarkt läuft. Uff… mir persönlich ist das echt zuviel, ich kann nur den Kopf schütteln über die Energie, welche von Müttern aufgebracht wird um sich gegeseitig anzugreifen und ihr ganz eigenes bedürfnissorientiertes Familien- Erzieungskonzept für das Einzig wahre anzusehen und das solange zu verteidigen, bis dem Gegenüber die Luft ausgeht. Ich plädiere nochmals für mehr Toleranz und Bauchgefühl! Zum Thema stillen stimme ich dir in allen Punkten zu. Stillen ist so individuell wie die Kinder, ich kann keiner Mutter einen Rhythmus vorschreiben und auch nicht wie lange sie stillen kann, muss oder soll! Unsere Kinder sind alle verschieden, jeder Mensch und jede Famile ist anders und hat ihre ganz eigende familienintere Dynamik, Regeln und Rituale. Anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen sollten wir alle! auf mehr Verantwortung, Rücksichtnahme und Respekt WERT legen. Achtung und Höflichkeit kommen in unserer Gesellschaft kaum noch zum Ausdruck. Dabei sind es diese WERTE, welche wir unseren Kinder vermitteln sollten, damit sie als Erwachsene in der Lage sind andere zu akzeptieren, so wie sie sind und vielleicht in der Straßenbahn einer hochschwangeren Frau einen Sitzplatz anzubieten, anstatt nur nach unten auf den Boden zu schauen und nach höflichen Bitten immer noch nicht aufstehen wollen.
    Bevor ich mich vom Stillen zur Toleranz bis zum gesellschaftlichen Abgrund verzettle höre ich an dieser Stelle auf und schicke dir herzliche Grüße bis zum nächsten sehr gut geschriebenen Artikel.

    Sindy

    • Liebe Sindy,

      sehr schöner Kommentar, der mich (am Ende) schmunzeln ließ! Vielen Dank dafür!

      LG
      Kathrin

  • Carola

    Hallo,

    sehr schöner Artikel. Das mit der Toleranz ist wirklich so ein Thema. Viele sind es heute nicht mehr und denken nur der eigene Weg ist der einzig wahre.
    Ich kenne jedoch auch Mamas, die froh darüber sind, dass es mit dem Stillen nicht geklappt hat, weil ihnen das zu anstrengend wäre und sie das Baby/Kind auch mal für länger weggeben wollen. Für mich als Stillmama absolut nicht nachvollziehbar. Wir hatten auch einen etwas holprigen Start ( 5 Wochen zu früh und Gelbsucht daher Trinkschwäche), aber ich hatte unglaublich viel, gehaltvolle Milch und einen soooo starken MSR, dass die Kleine manchmal gar nicht andocken musste, weil es buchstäblich in sie reinschoss *lach*
    Durch das Stillen ist unsere Beziehung sooo intensiv und innig, wie ich es auch nur von anderen (Langzeit-) Stillmamis kenne. Aber wahrscheinlich bin ich da auch einfach nur voreingenommen. Da wären wir wieder beim Thema Toleranz. Aber ich erleb halt leider immer ganz oft, dass Nichstillmamis immer ihre Ruhe vor dem Baby/Kind haben wollen. Entweder sind das dann Einzelfälle die in meinem Bekanntenkreis gehäuft vorkommen, oder es ist tatsächlich was dran, dass die Beziehung zwischen Stillmamis und ihren Kindern doch etwas intensiver ist. Ich rede aber wie gesagt nur von den Mamas, die nicht stillen WOLLTEN oder froh waren, dass es nicht geklappt hat.
    Konntest du denn auch Erfahrungen diesbezüglich machen?

    Gruß
    Carola

    • Liebe Carola,

      ich kenne auch Mütter, die nicht stillen wollten und sich gerne Auszeiten (z.T. tagelange) gönnten. Fand ich lange Zeit schräg, weil gerne für unser Mädchen da war und intensiv stillte. Mittlerweile kann ich es gut verstehen. Jede Mutter hat eine andere Belastungsgrenze/ andere Vorstellungen vom Leben. Manche geben Haut und Haar für den Nachwuchs, andere sind nur glücklich, wenn sie ab und zu „verschnaufen“ können. Dieses „Verschnaufen“ ermöglichten früher Mütter, Tanten und Omas – es war völlig normal ein Kind innerhalb einer Familie von anderen weiblichen Familienmitgliedern versorgen (sogar stillen) zu lassen. Heute gibt es die Familienbande oft nicht mehr, aber die Bedürfnisse etwas für sich zu tun, existieren nach wie vor. Bei der einen Mutter mehr, bei der anderen weniger. Jede der nicht-stillenden Frauen, die ich kenne, liebt ihr Kind – auf ihre Weise. Auf ihre Weise innig. Es gibt keinen Maßstab und keine äußeren Indikatoren für Liebe. Auch wenn wir das manchmal so betrachten/ bewerten… 😉

      LG
      Kathrin

  • Anja

    Hallo Kathrin,

    wieder mal ein sehr offener und Grenzen sowie Vorurteile abbauender Artikel. Ich glaube ja, dass es vielen so schwer fällt Toleranz, anderen Müttern gegenüber, zu zeigen, weil wir heutzutage, mit all den „neuen“ Möglichkeiten in Sachen Erziehung, zeitweise heillos überfordert sind. Man kann doch am ehesten Toleranz anderen Menschen, Erziehungsstilen, etc. entgegenbringen, wenn man mit sich und seiner Form des Miteinanders im Einklang ist. Wenn man aber mit sich selber hadert, geht man auch mit anderen Formen des Umgangs streng um, zweifelt an und verunsichert gleich den Gegenüber mit. Absichtlich passiert sowas nicht, leider dafür unwissender Weise. Es ist mehr als nutzlos und natürlich traurig mit anzusehen. Man kann für die Zukunft nur hoffen, dass es mehr Raum zum gesunden Austausch und miteinander, über solch wichtige Themen, geben wird wie hier. Uns gegenseitig zu unterstützen und aufzubauen ist so wichtig, gerade bei einem derart komplexen Thema wie das Mutter und Eltern sein.
    Ich hatte zum Glück auch das Glück, dass es bei meiner Tochter und mir von Anfang an wunderbar geklappt hat mit dem Stillen. Das Krankenhaus, in dem wir drei Tage waren, war sehr stillfreundlich und hat großen Wert auf das Bonding direkt nach der Geburt gelegt. So sind wir erst nach 6 h des gemeinsamen Kuschelns und Kennenlernens nach der Geburt, auf die Wöchnerinnenstation gekommen und meine Tochter wurde erst kurz zuvor das erste mal von der Hebamme gewogen, da sie super Vitalwerte hatte. Auch die Stillberaterin auf Station war so einfühlsam und zurückhaltend (was ich sehr befürworte, gerade weil man als frische Mama sehr sensibel und auch unsicher ist), dass ich den Aufenthalt als sehr schön empfunden habe. Wir nähern uns mittlerweile dem zweijährigem Stilljubiläum und wir genießen es immer noch sehr. Wobei ich natürlich Mütter gut verstehen kann, die auch mal Zeit für sich und Abstand brauchen. Solch eine intensive, mitunter sehr einseitig fordernde und langjährige Beziehung einzugehen, ist nicht immer leicht und man muss es einfach wollen und Freude dabei empfinden, denn es werden Abstriche gemacht. Wie oft kommt es auch heute, mit fast zwei Jahren vor, dass mein Kind abends nochmal wach wird und nach mir und meiner Brust verlangt, wo kein Papa ihr helfen kann noch darf. Das sind Einschränkungen, die ich sehr gerne in Kauf nehme, doch selber auch von Zeit zu Zeit an meine physischen und auch psychischen Grenzen komme. Jeder ist nun mal anders belastbar, deshalb nehme ich mich nicht als Maßstab für andere. Ist es doch eh so, dass es keinen richtigen Weg gibt, nur den für jedes einzelne Kind + Mutter + Vater. Wenn wir uns auf etwas festlegen würden, ohne nach links und rechts zu gucken, weil alle meinen es sei gut oder richtig, würden wir genau den einen Fehler begehen, den wir nicht machen sollten, nämlich seine eigenen Bedürfnisse und die seines Kindes nicht zu berücksichtigen. Wir können nur voneinander lernen.
    Deshalb vielen lieben Dank für deine tolle Seite Kathrin. Sie hat mir schon ganz viel Licht ins Dunkle gebracht und vielem, was ich nur für mich als Gefühl herumtrug, Ausdruck verliehen und in Worte gefasst. Mach bitte genau so offen weiter und dir und deiner Familie alles Gute.

    Viele liebe Grüße
    Anja

    • Vielen lieben Dank, Anja!!

  • Johanna

    Hallo!
    Mir ist es leider passiert, dass alle versucht haben mir das Stillen zu vergällen, meine Mutter und meine Schwestern…
    Aber ich habe mich nicht davon abbringen lassen 😉

    Die Anfangsphase war wirklich nicht leicht, viele wissen nicht, was sie mit scheinbar “ harmlosen“ Kommentaren bei stillwilligen Müttern anrichten und man muss teilweise schon sehr gefestigt und überzeugt von sich sein, um damit klar zu kommen!

    Wir haben mehr oder weniger Brei freie Beikost praktizieren (müssen) und waren daher auch auf ein längeres Stillen angewiesen.

    Es sollte, wenn wir hier von Toleranz sprechen, auch die Seite der „Fläschchenmütter“ betrachtet werden, die es nicht normal finden, dass ein Kind zwei Jahre und länger gestillt wird, es aber im Gegenzug völlig akzeptabel in der Gesellschaft ist, dass Kleinkinder Folgemilchen mit der Flasche länger als zwei Jahre erhalten.
    Ich kritisiere hier auf keinen Fall Mütter, die nicht stillen können oder wollen ( obwohl ich es nicht verstehe) sondern möchte nur, dass auch die andere Seite gesehen wird und es leider immer noch zu verständnislosen Blicken kommt, wenn man ein älteres baby in der Öffentlichkeit stillt, aber ein genuckle am Fläschchen gemeinhin akzeptiert ist!

    Ich für meinen Teil möchte auf diese Erfahrung (Stillbeziehung) nicht verzichten!

  • Wunderbar!!! Ganz ganz ganz herzlichen Dank für diesen Artikel! Das ist ein Thema, das mit auch sehr bewegt. Ich stelle bei vielen Frauen vermehrt einen „Stilldruck“ fest :/ und ein ganz tiefes Tief und viel Verurteilung, wenn es (z.b. aufgrund falscher Beratung der Krankenschwestern) nicht klappt.
    Das hast Du ganz wundervoll geschrieben!

    • Vielen lieben Dank, Nora!

  • Anne

    Jajajaja!!! Ganz genau.
    Ich werd immer noch komisch angeguckt, wenn ich dem Moritz (9 Monate) die Flasche gebe. Habe aber inzwischen keine Lust mehr anderen Leuten unsere Geschichte von zweiwöchigem Clusterstillen bei Tag und Nacht und einem trotzdem immer leichter werdendem Kind zu erzählen. Das Gefühl mit der Flasche zu konkurieren und und und.
    Also wir dann nach 8 Wochen zum Osteopathen sind hat Moritz plötzlich mit einer beeindrckuenden Schnelligkeit gesaugt. Leider hat niemand dran gedacht, dass er durch die Zangengeburt was am Kiefer haben könnte. Zu der Zeit hatte ich allerdings schon einen Knacks bezüglich des Stillens weg. Ich hab mir zwischendurch echt gewünscht nicht stillen können zu dürfen.
    Trotzdem habe ich auch heute noch das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen.

    Auch ich muss mich in Toleranz üben – wenn andere Mütter erzählen, dass ihre Kinder alleine einschlafen müssenteilweise schreien und dabei . Eigentlich wird mir immer ganz kalt, wenn ich sowas höre.

    Aber ich merke selbst wie man frühere Vorstellungen negiert und Dinge tut, die man nie wollte. Dazu zählt, dass wir das Tabu brechen und Moritz nach vorne tragen. Er geht nicht in den Kinderwaagen und selbst der Sling ist ihm zu eng.
    Ich zwinge ihn zu nichts – er selbst weiß am besten was er will und das kann er eindrucksvoll kundtun.
    Und ja – das Nichtstillen hat den Vorteil, dass der Papa eine engere Bindung hat, auch wenn er viel arbeitet.

    Eine Bekannte meinte gestern zu mir, dass das schlimmste manchmal andere Mütter seien 😉

    Danke übrigens für die Ausführungen bezüglich Deiner Tochter in Spielgruppen – das führt dazu, dass ich mit dem Moritz aus den Babykursen vorzeitig rausgehe, wenn er zB. müde wird oder es ihm anderweitig zuviel wird. Aber auch das musst ich erstmal verstehen.

    Alles Gute Euch.

    Anne

    • Vielen lieben Dank, Anne!

  • Liebe Katrin, ich lese bereits länger immer wieder in deinem Blog und erfreue mich an dem was du teilst! Danke für das Aufdröseln beider Seiten – wir Mütter sollten wirklich mehr zusammen halten und an einem Strang ziehen, schließlich sollen unsere Kinder doch auch nach uns friedvoll gemeinsam leben! DAS sollten wir ihnen viel häufiger vorleben!
    Herzliche Grüsse, Tabea

  • Eva

    Schöner Beitrag! Ich habe bewusst nie gestillt, es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an (wir haben den Luxus zweier selbstständiger Elternteile, die knapp nach der Geburt wieder einsatzfähig sein mussten und ich wusste, wenn ich alleine die Nachtschichten übernehme, ui..das könnte heftig werden ;-)-brauche sehr viel Schlaf, leider) und ich bin extrem angefeindet geworden deswegen. Bei mir gab es noch im Kreisssaal extrem Stilldruck. Und vorher: Da waren Kommentare dabei, von Bürokollegen, die das über drei Ecken gehört haben ..autsch. Das Bild, ein Kind gehört zur Mutter und am Anfang NUR zur Mutter, ist halt bei vielen noch ganz präsent. Zum Glück war ich mir immer sicher in meiner Entscheidung und habe mich deswegen nie für eine „schlechtere“ Mutter gehalten, im Gegenteil, ich fand es toll, dass die Kleine von uns beiden ins Bett gebracht worden ist etc. Und nähetechnisch..ich habe vier Monate lang ausschließlich getragen, bis die Kleine nicht mehr wollte, also da gabs keine Defizite ;-). Seltsam war manchmal, dass es „Stillgegener“ gab, die dachten, bei mir können sie andocken und etwa über „Langzweitsillerinnen“ lästern. Ähm, nein. Warum sollte ich das tun?! Stillen ist sicher was Schönes und ich halte diese Grabenkämpfe unter Müttern für ganz ganz doof, ich bin einfach sehr froh, das wir alle die Wahl haben. Jetzt kommt meine zweite Tochter bald auf die Welt, auch sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Flascherl bekommen, und ich werde das Familienbett zu dritt versuchen (mein Mann muss leider grade auf die Couch, die Große ist extrem anhänglich und das darf sie auch), aber wenn es nicht klappt, so what. Eins hab ich gelernt: Kinderhaben ist manchmal ein Durchhangen von Tag zu Tag.

  • Marie

    So ein toller Beitrag! Ach da kommt bei mir wieder alles hoch…

    Als ich noch schwanger war, habe ich genauso gedacht gehabt über Flaschenmamis… Stillen war was ganz selbstverständliches für mich, bis dann der Tag kam, an dem ich das erste Mal stillen sollte… es ist immernoch ein höchst sensibles Thema für mich und ich bin noch immer unendlich traurig, dass es nicht so lief, wie gedacht…

    Die Hebammen im Krankenhaus waren recht ungeduldig mit mir und verbieten mir nach Bedarf anzulegen, sondern alle 3-4 Stunden für maximal 10 Minuten pro Seite… Wenn ich um Hilfe beim Anlegen bat wurde augenrollend und grob „geholfen“… Als ich um Rat fragte aufgrund wunder Brustwarzen, wurde geschimpft und gesagt, es sei meine Schuld, weil ich mein Kind nicht richtig anlegen kann… kurz gesagt: Ich wurde so arg eingeschüchtert, dass ich plötzlich so fühlte, dass ich nichts kann… zu blöd bin zum Stillen… es war ein sehr trauriger Krankenhausaufenthalt…

    Zuhause angekommen wurde alles nur noch schlimmer… Wunde, blutige Brustwarzen und ein unzufriedenes Baby… die Verzweiflung stieg stetig an, doch ich wollte es schaffen, denn es war trotz den Schmerzen, das schönste Gefühl gewesen meinen Sohn zu stillen… Meine Hebamme und eine Stillberaterin rieten mir aufgrund meiner blutigen Brustwarzen nur noch abzupumpen, da mein Sohn Blut mittrank, was wir festellten, wenn er spuckte… also hing ich täglich an der Milchpumpe, etwa 9 × täglich für ne halbe Stunde… ihr könnt euch vorstellen wie nervenaufreibend das war, gefesselt zu sein an dieses Gerät und sein Baby nicht richtig in die Arme schließen zu können, wenn es das Bedürfnis hatte… umso frustrierender war es dann, wenn ich grade mal 30 ml abpumpen konnte… Bei der U3 wurde uns dann gesagt, dass ich zufüttern MUSS und meine Milch nicht ausreicht.. die Ärztin sagte, ich müsse die Flasche geben damit er nicht verhungert und, wenn es mir so wichtig wäre, könnte ich ihn mit MuMi zufüttern… Sie sagte er sei ein trauriges Kind und es läge daran, dass er eine traurige und gestresste Mama hat…Es sei alles auf unsere Stillbeziehung zurückzuführen…habe mich anfangs gewehrt und ihm doch letzlich die Flasche gegeben, wodurch er endlich wieder zunahm und zufriedener wurde… Ich habe ihm, nachdem sich meine Brustwarzen erholt haben, immer wieder die Brust angeboten, obwohl ich keine Milch mehr hatte, nur der Nähe willens… weil ich es genoss ihn so nah an mir zu haben… er hat sie leider nie wirklich angenommen und wurde aggresiv…

    Nun ist unser Baby 7 Monate alt und putzmunter, aber ich habe noch immer den starken Wunsch zu stillen… Ich weiss heute, dass ich einfach den größten Fehler gemacht habe, indem ich nicht auf mich gehört, sondern auf die „Ratschläge“ der sog. „Experten“. Ich würde es so gerne wieder versuchen und jeden Weg gehen, aber er nimmt einfach nicht mehr die Brust und kann garnichts damit anfangen :(…

    Verzeih den langen Text, aber es tut gut darüber zu schreiben.

    • Carola

      Das ist ja furchtbar… du tust mir richtig leid. Leider ist den meisten Leuten nie bewusst, was sie mit Worten anrichten können. Anstatt dir beim Anlegen und Stillen zu helfen wurdest du quasi allein gelassen. Das finde ich total daneben. Vor allem, wenn man zum ersten mal Mama wird. Zumindest les ich das so bei dir heraus. Aber ich denke, du kannst deinem Sohn auch ohne Stillen viel viel Nähe und Geborgenheit schenken und bist trotzdem immer für ihn da. Und das ist das Wichtigste.
      Falls ihr noch ein weiteres Kind plant kannst du dich ja vorab nach einem anderen Krankenhaus umsehen, vielleicht einem stillfreundlicherem. Das hilft dir zwar im Moment nicht, aber ich glaube, die Aussicht, dass es beim nächsten mal vielleicht besser läuft kann einen auch aufbauen.
      Fühl dich gedrückt.

    • Du musst Dich nicht entschuldigen, liebe Marie!
      Danke, dass Du Dir die Zeit für Deine Zeilen genommen hast – hier ist der richtige „Raum“ dafür.

      LG
      Kathrin

    • Katja

      Liebe Marie.

      Ich erkenne in deiner Geschichte fast eins zu eins meine wieder. Ich hatte nach Notkaiserschnitt einen schlechten Start und auch alles versucht. Stillhütchen, Daueranlegen, Stillberaterin. Auch bei mir wurde zur U3 Zufüttern geraten … mit der Option sonst Krankenhaus. Ich habe noch bis knapp in den 4. Monat rein versucht zu pumpen und weiter anzulegen. Es kam einfach nix mehr. Ich verstehe das Gefühl versagt zu haben. Ständig wird man auch gefragt … na klappts mit dem stillen? … Ich könnte jedes Mal heulen. Überall liest man auch wie schlau, gesund und sozial Stillkinder sind und das macht mir noch ein schlechteres Gewissen. ABER wir lieben unsere Kinder. Mehr als ich beschreiben kann und das zählt. Deswegen Danke für den schönen Artikel und auch für deinen Kommentar, denn es ist gut zu wissen das man nicht alleine ist mit seinem Problem.

      LG Katja

  • Lin Schirm

    Danke für diesen tollen Artikel! Ich gehörte in der Schwangerschaft auch zu den Frauen, die die „bösen Fläschchen Mamis“ verurteilten. Ich wollte eine natürliche Geburt, Stillen und eben alles was dazu gehört. Nun ja, nach Kaiserschnitt, Intensivstation und Abpumpen, war klar, dass das alles nicht so gelaufen war, wie ich es mir wünschte.
    Wir haben 12 Wochen gekämpft und dann aufgegeben. Ich habe mich als sehr schlechte Mutter gefühlt und bin auch heute, nach über 5 Monaten traurig, dass wir diese Stillbeziehung nicht erleben durften.
    Und ja, neben „Schläft er schon durch?“, war „Wie, du stillst nicht?“ eine der Fragen schlechthin. Und sie hat mich jedes Mal mitten ins Herz getroffen. Zum Glück hatte ich eine liebe Stillberaterin an meiner Seite, die mir gesagt hat, dass ich meinem Bub auch ohne Stillen all die Liebe gebe, die er braucht.

    Bei Baby #2, das hoffentlich irgendwann kommen wird, werde ich mir direkt eine Stillberaterin suchen. Und ich werde wieder darum kämpfen. Aber sicher werde ich niemals mehr eine Mutter verurteilen, die Flasche gibt.

    • Ina Grande

      Liebe Lin Schirm,

      ich lese gerade deinen Kommentar und er spricht mir aus dem Herzen.
      Ich habe unseren selbstbestimmt unter einer wunderschönen Geburt im Geburtshaus bekommen. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass wir keine Stillbeziehung haben werden.
      Unser kleiner Sohn hatte nach zwei Tagen fast 25 % Körpergewicht verloren und sein Billirubinwert war so hoch, dass unsere Ärztin sehr gut überlegt hat, ob sie uns ins Krankenhaus schickt. Wir mussten zufüttern und ich habe immer brav gepumpt. Es kamen nur winzige Tröpfchen. Stilltee, Massagen, Bockshornklee…Anlegen, Pumpen, Anlegen, Pumpen….. es war furchtbar,
      Dann hat unser Sohn kurze Zeit recht gut getrunken aber dies hielt nicht lange an – wieder Gewichtsverlust.

      Meine Hebamme war toll, hat mich sensibel dadurch begleitet.
      Den Satz “ Und klappt das Stillen“ hat mich auch mitten ins Herz getroffen. In der ersten Stunde Pekip haben alle gestillt – nur ich nicht. Und ich bin in Tränen ausgebrochen. Und auch jetzt fällt es mir so schwer zu akzeptieren, dass es nicht geklappt hat.

      In Kursen, Elterncafes, Gruppentreffen interpretiere ich jeden Blick als “ Oh sie stillt nicht. Unglaublich“. Das ist ganz sicher nicht so – aber ich fühle es so.

      Nicht hinter jeder Flasche steckt eine Frau, die nicht stillen wollte. Sondern oft eine traurige Geschichte unter der eine Frau wie ich sehr leide.

  • sasya

    Und wäre es nicht schön wenn sich stillberaterinen doch auf die frauen fokusieren die eben nicht stillen wollen,für mehr aufklärung sorgen,damit daran gemeinsam gearbeitet wird und es bei den 2-3% bleibt die wirklich nicht stillen können!?..gehört stillen nicht ganz einfach zum schwangerschaft/kind kriegen,dazu!?neun monate schwangerschaft können auch sehr anstrengend sein,deswegen lässt man trotzdem nicht das baby in einem künstlichen labor wachsen…
    mir geht es nur um dieses „nicht wollen“….das macht mich immer noch traurig und verärgert,trotz den sonst wirklich guten beitrag.

    • Becca

      Ein wunderbar reflektierter und versöhnender Artikel! Doch warum muss er durch Kommentare wie diesen wieder einen faden Beigeschmack bekommen? Das zeigt mir, dass die Kernaussage des Artikels nicht verstanden wurde.

      Auch Mütter, die sich bewusst gegen das Stillen entschieden haben, benötigen keine Missionierung durch Stillberaterinnen oder andere Menschen. Entgegen dem stigmatisiertem Bild, welches von Flaschenmamis herrscht, bin ich, so wie viele andere auch, gebildet, reflektiert, selbstkritisch und vielseitig informiert über dieses Thema. Ich habe zwar keine grundsätzliche Entscheidung gegen das Stillen getroffen, aber eine Entscheidung gegen das ‚Stillen um jeden Preis‘. Ich finde es toll, wenn Mütter im Stillen ihr Glück finden und bin mir bewusst, dass Muttermilch die natürlichste Variante der Babynahrung ist. Jedoch ist es nicht der richtige Weg Muttermilch zu glorifizieren und Ersatzmilch derart zu verteufeln – zumal dies einfach nicht den Tatsachen entspricht.

      Da sich unser Still-Start aus diversen Gründen als schwierig heraus gestellt hat, habe ich mich nach einigen Tagen gegen das Stillen und für die Flasche entschieden. Ich denke, dass das Stillen mit etwas mehr Ausdauer zwar irgendwann geklappt hätte, dafür waren die vermeintlichen Vorteile des Stillens jedoch weder für mich noch für mein hungriges Baby ausreichend spürbar. Ich habe dann 4 Monate lang Milch abgepumpt, dies war mir allerdings nur möglich, weil mein Mann aufgrund seiner beruflichen Situation oft bei uns zu Hause sein konnte. Dank der Flaschenfütterung waren wir in der Lage uns viele Aufgaben zu teilen und unser Kleiner konnte von Anfang an ein ganz inniges Verhältnis zu seinem Papa aufbauen. Und ich konnte mein Mutter-Sein viel entspannter angehen, als ich je gedacht hätte. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich in meiner Mutterrolle so glücklich sein werde, weil einem eben viel zu oft das Bild vermittelt wird, dass man sich als Mutter selbst aufzugeben hat. Ich will damit nicht sagen, dass man als Flaschenmama glücklicher ist oder umgekehrt – ich denke einfach, dass jeder für sich und sein Kind den ganz individuellen Weg finden sollte.

      Liebe Sasya, ich brauche also weder deine Aufklärung, noch deine Trauer oder deine Wut. Und wenn ich mir mein wunderbares, gut entwickeltes, vor Freude quietschendes, entspanntes Baby so anschaue, vermute ich, dass es auch dein Mitleid nicht braucht. Danke für die Sorge, aber uns geht’s tatsächlich gut. :-)

    • Luzie

      Becca, vielen Dank für diese tolle Antwort! Uns ging es mit dem Stillstart auch sehr schlecht – Milcheinschuss erst nach 7 (!) Tagen – einen Tag vorher war unser kleines Neugeborenes schon vor lauter verzweifeltem Saugen ohnmächtig geworden und vom Baby-Notarzt in die Kinderklinik gebracht worden :( Dort haben wir dann 5 Tage im „Wochenbett der Hölle“ verbracht, was auch nicht gerade stillförderlich war. Der Kleine war gottseidank gesund und wirklich nur vor Erschöpfung ohnmächtig geworden. Ich habe aus purer Sturheit trotzdem weitergestillt. Vielleicht bin ich auch genau auf den momentanen Still-Trend reingefallen – der Glaube, nur wer stillt ist eine gute Mutter, jede kann stillen, wenn sie wirklich will, der öffentliche (Still-)Druck, die übersteigerten Erwartungen an mich selbst. Und trotz aller Tricks, Stillberaterin, Hebamme, Frauenärztin, Milchpumpe, Nahrungsergänzungsmittel, Hausmittelchen… hat die Menge nie ausgereicht. Nie. Wir haben alles probiert. Bis heute – 9 Monate später. Und jetzt denke ich oft, wie viel entspannter es gewesen wäre, einfach nicht so verbissen am Stillen festzuhalten. Wie viele Tränen, Nervenzusammenbrüche, Versagensgefühle weniger hätten mein Kind, mein Partner, meine Familie aushalten müssen. Dabei hätte ich es eigentlich wissen müssen, ich wurde selbst nur 2 Wochen gestillt, habe die beste Mama der Welt. Wir haben eine tolle Beziehung, bis heute. Ich habe keine Allergien, kein Übergewicht, bin Akademikerin und so gut wie nie krank – widerlege also alle Vorurteile, die man gegenüber nichtgestillten Kindern so haben kann. Du hast genau richtig gehandelt, Du hast das Beste für Dein Kind getan, eine gute und liebevolle Entscheidung getroffen. Sei stolz auf Deinen Weg und genieße Dein topfittes, entspanntes Baby!

    • Becca

      Liebe Luzie, ganz herzlichen Dank für deinen freundlichen Kommentar. Es ist so schön zu lesen, dass auch noch nette und respektvolle Menschen im Netz unterwegs sind. Dir und deiner Familie alles Gute für euren ganz individuellen Weg – hoffentlich ganz ohne Druck von Außen. :)