Schlaflernprogramme: ein Blick hinter die Schreikulisse

Kathrin Schlafen 109 Kommentare

Es gibt eine Sache beim Thema Kindererziehung, die mir schwer zu schaffen macht und zwar, wenn Eltern ihre Babys bewusst stunden-, ja nächtelang schreien lassen, damit sie das selbstständige Ein- und Durchschlafen lernen. Das ist grausam und unmenschlich, doch der vermeintliche Erfolg sorgt dafür, dass diese radikale Methode dennoch beliebt bleibt.

Ich frage mich, ob Mütter auch so handelten, wenn sie wüssten, dass ihre Kinder dabei gar nicht das Schlafen, sondern das Schweigen lernen. Kinder, die erkennen, dass ihr Schreien bedeutungslos ist, lernen irgendwann ihre ausweglose Situation stillschweigend zu ertragen. Nur damit sie nachts ruhig sind, lassen wir sie weinend zurück. Warum tun wir das unseren Kindern an?

Warum Babys Schreien

Babys müssen rufen, wenn sie etwas brauchen oder stört, denn ihr Überleben hängt von der Hilfe anderer Menschen ab.

Bevor ein Baby richtig laut schreit, sendet es mehrere, kleine Signale. Wenn es beispielsweise hungrig ist, wird es unruhig, dreht den Kopf hin und her, beginnt zu schmatzen oder auf seinen Fingerchen zu kauen. Werden all diese Signale übersehen, schreit das Baby, damit jemand unverzüglich reagiert – damit es nicht verhungert.

Das Schreien ist also die einzige Möglichkeit für ein Baby sich unmissverständlich bemerkbar zu machen und dabei so kräftezehrend für den kleinen Körper, dass es zweifellos nicht aus Langeweile geschieht oder weil es Mama an der Nase herumführen will. Schreit ein Baby hat es IMMER einen Grund.

Warum Schreien lassen so schrecklich ist

Für Mütter

Fangen wir bei den Müttern an. 95% der Mütter haben kein gutes Gefühl, wenn sie ihr Kind schreien lassen sollen.[1] Das ist verständlich, denn die Natur hat es so eingerichtet, dass wir bei intensivem Kinderschreien in Stress geraten. Es löst in uns den starken Impuls aus, das Kind auf den Arm zu nehmen und zu beruhigen (zu stillen).[2] Dieser natürliche Instinkt mobilisiert uns augenblicklich und sichert so schon seit Urzeiten das Überleben unserer Kinder.

Lassen wir ein Kind vorsätzlich schreien, handeln wir wider die Natur. Das passiert entweder, wenn Mütter schlichtweg überfordert sind – in dem Fall ist Schreien lassen wohl besser, als aus dem Fenster werfen oder zu Tode schütteln. Oder aber, „wenn sie – aus irgendeinem Grund – daran glauben, es sei von Vorteil, es schreien zu lassen.“[3] Trifft letzteres zu, leiden Mütter oft so stark mit, dass sie aufgeben und ihr Kind doch trösten. Manche bezwingen allerdings ihren Instinkt hartnäckig, indem sie sich beispielsweise vom Partner einschließen lassen.[4]

Für Kinder

Schreien lassen schädigt das Gehirn des Kindes

Beim Schreien wird u.a. das Stresshormon Cortisol freigesetzt, das toxische Werte erreichen kann, wenn ein Kind lange Zeit schreien muss und dabei auch noch alleine gelassen wird.[5] Anhaltendes, ungetröstetes Weinen, wie bei Schlafprogrammen üblich, erhöht die Cortisolwerte dauerhaft. „Die Liste der längerfristigen Auswirkungen von zu viel Cortisol auf den Körper ist lang“ (siehe auch: „Wenn Babys schreien gelassen werden„). Es kann beispielsweise die Entwicklung des Gehirnes beeinträchtigen und zu „einer Anfälligkeit für Depressionen, Angststörungen und stressbedingten körperlichen Erkrankungen“ führen.[6]

Schreien lassen tut weh!

Ganz davon abgesehen, dass ein Kind nach einer durchbrüllten Nacht völlig geschafft ist, aktiviert intensives Schreien Schmerzschaltkreise im Gehirn, so dass es tatsächlich körperliche Schmerzen erfährt.[7] Außerdem verursacht Verlassensein großen, seelischen Schmerz. Diese zum Teil traumatischen Erfahrungen können sich immens auf das emotionale Empfinden eines Kindes auswirken.

Schreien lassen erschüttert das Urvertrauen

„Das Urvertrauen ist notwendig, damit das Kind […] Nähe zulassen und sich geborgen fühlen kann“ (siehe auch: „Urvertrauen„). Vertrauen kann allerdings nur entstehen, wenn eine oder mehrere Bezugspersonen schnell und zuverlässig auf die Bedürfnisse eines Kindes reagieren – wenn das Kind erfährt, dass ihm und seinen Gefühlen Beachtung geschenkt wird. Wird sein Schreien permanent ignoriert, verliert es nicht nur das Vertrauen in sich und seine Kommunikationsfähigkeit, sondern auch in seine Umwelt.

Schreien lassen gefährdet die Bindungsfähigkeit

Ist das Vertrauen eines Kindes erschüttert, kann sich das negativ auf die Beziehung zu seinen Eltern auswirken. Der britische Bindungsforscher John Bowlby betont in diesem Zusammenhang, dass die Art der Bindung, die ein Kind zu seinen Eltern eingeht, Einfluss hat auf alle Beziehungen, die es im späteren Leben knüpft.

Bowlbys Theorie besagt, dass das Bindungsverhalten im ersten Lebensjahr ausgeprägt wird. […] Tritt hier bereits ein schwereres Problem auf, so kann es auch in zukünftigen Bindungen zu Schwierigkeiten kommen“ (siehe auch: „Gefahr für die Mutter-Kind-Bindung“).

Schreien lassen verhindert einen gesunden Umgang mit Stress

Babys sind äußerst stressanfällig und kaum in der Lage sich selbst zu beruhigen – diese Fähigkeit entwickelt sich erst mit zunehmendem Alter.[8] Sie brauchen Mitgefühl und körperlich spürbaren Trost, denn dieser bewirkt u.a. die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, welches wiederum hilft die überschüssigen Stresshormone abzubauen. Ständige, emotionale Zuwendung in Angst- und Stresssituationen hilft dem kindlichen Gehirn langfristig wirksame Stressregulationssysteme auszubilden.[9]

Bleibt dieser Trost jedoch aus, lernt das Kind nicht angemessen mit negativen Gefühlen umzugehen. „Das kann bedeuten, dass es später oft überreagiert, „sich bei jeder Kleinigkeit aufregt“, sein Leben in ständiger Sorge verbringt und/ oder die meiste Zeit ärgerlich oder aufbrausend ist.“[10]

Warum werden Babys ruhig, wenn man sie lange schreien lässt?

Weil die Natur für Notfälle dieser Art einen Schutzmechanismus parat hält.
Reagiert absolut niemand auf das Schreien eines Babys, „erlebt das Baby Gefühle von Todesangst und Panik.“ Es weiß nicht, dass es sich an einem sicheren Ort befindet – dass es heute keine Gefahr mehr (z.B. durch Fressfeinde) gibt. Durch diese vehemente Angst wird „das Nervensystem, das für Kampf und Flucht zuständig ist, erregt. Da der Säugling aber weder kämpfen noch fliehen kann, reagiert das Gehirn mit einer Art Notlösung.“[11] Das Kind erstarrt (ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren) und wird ganz still oder es schläft vor Erschöpfung ein. „Es fällt dann in einen depressiven und traumlosen Schlaf.“

Warum empfehlen so viele Menschen das Schreien lassen?

Dafür muss ich ein ganzes Stück zurück in die Vergangenheit, denn aktuelle Aussagen wie „Schreien kräftigt die Lunge“, „Schreien lassen hat noch keinem geschadet“ oder „Lass dich nicht von deinem Kind tyrannisieren!“ sind Relikte früherer Zeit, die sich bis heute in die Köpfe eingebrannt haben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Zeit der Industrialisierung) änderten sich die Lebensumstände der Menschen massiv und im Zuge dessen auch die Erziehungsphilosophie. „Die Erziehung diente damals in erster Linie der körperlichen und geistigen Gesundheit der Kinder [und] die Regeln für die Kindererziehung wurden immer strenger. […] Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) kam dann der endgültige Umschwung. Der Ton in den Erziehungsratgebern änderte sich drastisch. Er wurde gebieterisch und distanziert“ (siehe „Die Haarer ist Schuld„).

Dieser harte Erziehungsstil wurde von den Nationalsozialisten aufgegriffen und verbreitet. Zu den bekanntesten Büchern dieser Zeit zählt der damals führende Erziehungsratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ (J. Haarer). Die höchste Wertschätzung galt „einwandfreier Ernährung und tadelloser Reinlichkeit,“ ansonsten sollte ein Kind „vollkommen in Ruhe gelassen“ werden.[12] Gefühlsduseleien und Nähe waren absolut verpönt, Strenge und harte Führung gefragt.

Diese lieblose Behandlung galt selbstverständlich auch nachts und so finden wir klare Handlungsanweisungen für (laute) Nächte:

„Jeder Säugling soll von Anfang an nachts allein sein. Nun macht ja Kindergeschrei vor Mauern und Türen nicht halt. Die Eltern müssen dann eben alle Willenskraft zusammennehmen und […] sich die Nacht über nicht sehen lassen. Nach wenigen Nächten, vielfach schon nach der ersten, hat das Kind begriffen, dass ihm sein Schreien nichts nützt und ist still.“[13]

Es gibt zwei Dinge, die mich daran erschüttern. Erstens, dass bereits Neugeborene zu einer 8-stündigen Nachtruhe und zur Isolation gezwungen wurden. Zweitens, dass sich dieses Buch auch nach 1945 unter dem Titel „Die Mutter und ihr erstes Kind“ in fast jedem Haushalt der Bundesrepublik befand. „Die Publikation erreichte bis 1987 eine Gesamtauflage von ca. 1,2 Millionen“ (siehe auch „Johanna Haarer„). Dieser aus heutiger Sicht fürchterliche Pflege- und Erziehungsstil prägte demzufolge das Denken mehrerer Generationen (auch unserer) nachhaltig.

„Richtig gebettetes Kind“ Abb. 42 in „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ (1936).

„Es mag schwer zu glauben sein, doch wollten auch die damaligen Eltern nur das Beste für ihre Kinder. Wir sind heute in der Position, dieses „Beste“ als inhuman und inakzeptabel erkannt zu haben. Im Nachhinein lässt es sich leicht (ver-)urteilen, doch damals war das hochmodern und wissenschaftlich“ (siehe „Die Haarer ist Schuld„). Höchste Zeit diesen Irrtum richtig zu stellen.

Was ist ein Schlaflernprogramm?

Schlaflernprogramme oder auch Schlaftrainings sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die Kinder das selbstständige Ein- und Durchschlafen lehren sollen.

Wenn man so will, sind Schlafprogramme eine Fortsetzung der Vorgehensweisen früherer Tage. Doch anstatt das Kind von der ersten Stunde an einfach abzuschieben, setzte man nun auf „kontrolliertes Schreien lassen“ nach Stoppuhr.

Ferber-Methode

Das Ursprungsmodell, die sogenannte Ferber-Methode, wurde von Dr. Richard Ferber, einem amerikanischen Kinderarzt, in den 80iger Jahren vorgestellt. Seine Theorie besagt, dass Kleinkinder besser schlafen, wenn sie ohne elterliche Hilfsmittel wie Stillen, Tragen o.ä. alleine wieder einschlafen.

Um diese Einschlafhilfen abzugewöhnen sieht er vor, das Kind nach einem Abendritual wach in sein Bett zu legen und das Zimmer zu verlassen. Beginnt es zu weinen, darf nicht sofort darauf reagiert werden. Ein festgelegter Zeitplan gibt den Eltern vor, wie oft und wie lange sie sich dem Kind nähern dürfen. Erlaubt sind beruhigende Worte und Streicheln. Füttern oder aus dem Bett heben ist untersagt. Die Zeitintervalle, in denen die Eltern nicht beim Kind sind, werden schrittweise verlängert (auf max. 30 Minuten), bis das Kind aufgibt und schläft. Das Programm wird an den darauf folgenden Tagen so lange fortgesetzt, bis das Kind ohne Protest von alleine ein- und durchschläft.

„Jedes Kind kann schlafen lernen“

So lautet das grandiose Versprechen des wohl bekanntesten Schlaf-Lern-Buches im deutsprachigen Raum von Kast-Zahn und Morgenroth (1995). Es greift die Ferber-Methode mit einem abgewandelten Zeitplan auf (max. 10 Minuten schreien) und versichert verunsicherten Eltern, dass ihre „Kinder mit 6 Monaten elf Stunden hintereinander schlafen können und nachts nicht mehr zu trinken brauchen.“[14] Bei solch verlockenden Äußerungen wundert es kaum, dass dieses Buch es binnen kürzester Zeit zum Bestseller schaffte.

Das irreführende an dieser Lektüre ist die Vermischung von richtigen Erkenntnissen über den Schlaf und unhaltbaren Behauptungen, z.B. dass späte und sättigende Mahlzeiten das Durchschlafen fördern. Die Theorien überzeugen, schließlich haben ein Kinderarzt und eine Diplom Psychologin „wissenschaftliche“ Beobachtungen zusammengetragen und der Leser bekommt durchweg das gute Gefühl vermittelt: „Sobald Ihr Kind die neue Schlafgewohnheit gelernt hat, geht es Ihnen und Ihrem Kind besser.“[15] Letzteres lässt sich kaum prüfen.

Ich bekomme allerdings ein wahnsinnig schlechtes Gefühl an den Stellen, an denen krasse Reaktionen auf das Schlafprogramm lapidar abgetan werden. Da ist z.B. Pascal, der sich mit 12 Monaten „fünfmal hintereinander den Finger in den Hals steckte und erbrach“. Laut Autoren benutze er „das Erbrechen als Mittel, um seinen Willen zu bekommen“ und so war es wichtig ihm dieses Verhalten schnell abzugewöhnen. Denn „hätte er damit Erfolg gehabt, wäre die Versuchung groß gewesen, es auch in Zukunft auf diese Weise zu versuchen.“[16] Wenn ich so etwas lese, wird mir richtig übel.

Gudrun von der Ohe fast treffend zusammen: „Dieses Buch ist eine traurige Widerspiegelung unserer Gesellschaft im Umgang mit den Kindern“.[17]

Die Kehrseite der Schlaflernprogramme

Warum sollten sich Eltern gegen ein Schlaflernprogramm entscheiden, wenn ihr Kind doch innerhalb kürzester Zeit friedlich alleine schlummern kann? Ganz einfach, weil diese Methode Kindern eben nicht das Schlafen beibringt. „Kinder wachen nachts nach wie vor auf, sie machen sich nur nicht mehr bemerkbar. Resignation ist kein Durchschlafen und aus psychologischer Sicht mindestens bedenklich“ (siehe auch „Babys schreien lassen zum Durchschlafen“).

Babys schlafen nicht durch!

Kinder haben wie Erwachsene im Laufe einer Nacht mehrere Schlafzyklen, in denen sich Tief- und Traumschlafphasen (REM-Schlaf) abwechseln. Alle Menschen, ob groß oder klein, wachen also mehrmals in der Nacht auf, nur bemerken wir Erwachsenen das kaum.

Kleinstkinder wachen allerdings leichter und zudem häufiger auf, denn der Leichtschlafanteil beträgt bei Babys zwischen 0-3 Monaten 45 – 50%  (bei Erwachsenen 20 –  25%) und „erst im Alter von 2-3 Jahren sinkt der hohe Anteil an REM-Schlaf auf das Niveau eines Erwachsenen.“[18]

Mit wachsender Reife sinkt der Bedarf an REM-Schlaf.
Bildquelle: http://www.jameda.de/gesundheits-lexikon/schlaf/

Dieses kindliche Schlafmuster ist also naturgegeben und nicht das Ergebnis schlechter Gewohnheiten (Tragen, Stillen, o.ä.), wie Schlafratgeber uns vermitteln wollen. Es lässt sich demzufolge nicht durch Schlafprogramme beeinflussen und das geben selbst die Experten der Schlaf-Lern-Bücher zu: „Ihr Kind wird zwar nach wie vor nachts wach. Es kann nun aber ohne Ihre Hilfe wieder alleine einschlafen.“[19] Ob ein Baby das tatsächlich kann, bleibt fraglich. Fakt ist, dass es alleine wieder einschlafen muss, denn Hilfe wird es wohl keine erhalten.

Kinder müssen das Schlafen nicht lernen

Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ vermitteln den Eindruck, dass sich Kinder unnormal verhalten, wenn sie mit 6 Monaten noch nicht durchschlafen und nachts die Anwesenheit ihrer Eltern wünschen. Das Kind müsse dann nur mit etwas Willenskraft von seinen Marotten befreit werden – es müsse das Schlafen nur lernen – und schon seien alle „Schlafprobleme“ passé.

In dem Artikel „Warum Babys nicht durchschlafen“ habe ich bereits ausführlich erläutert, dass nicht unsere Kinder ein Problem haben, sondern wir Erwachsenen bzw. unsere Gesellschaft. Unsere Kinder können schlafen, sofern wir ihnen die Rahmenbedingungen zugestehen, die sie für ein gutes Einschlafgefühl brauchen. Und dazu gehört nun mal körperliche Nähe. Zum einen, weil es genau wie Essen ein Grundbedürfnis ist und zum anderen, weil es unseren Sprösslingen spürbare Sicherheit verleiht, wenn sie aufwachen.

Weinende Babys sich selbst zu überlassen ist nicht artgerecht und führt deshalb zu unerbittlichen Kämpfen. „Wenn wir fordern, dass sie alleine schlafen, dann verlangen wir etwas, was ihren grundlegensten Instinkten widerspricht.“[20] Nur unter Tränen – wenn überhaupt – erreichen sie das Ziel. Das traurige dabei  ist, dass „ihnen nicht bei etwas geholfen wird, das sie lernen wollen, weil sie dazu bereit sind: sie haben einfach keine andere Wahl.“[21]

Schweigen ist nicht immer gold

Das Schreien eines Babys verstummt, wenn seine Bedürfnisse erfüllt werden oder es aufgibt. Auf letzteres zielen Schlafprogramme ab: solange durchzuhalten bis das Kind sich seinem Schicksal beugt. Doch ist es wirklich ein Erfolg, wenn ein Kind aufhört seine Bedürfnisse zu äußern? Wenn es schweigt, anstatt seinem natürlichen Instinkt zu folgen und nach seinen Eltern zu rufen?

Ein Baby, das nach einem erfolgreichen Schlaftraining nachts alleine in seinem Zimmer erwacht, hat nach wie vor Ängste und Bedürfnisse. Möglicherweise sogar noch viel mehr als vorher. Bestenfalls wird es erneut versuchen sich bemerkbar zu machen. Vielleicht wird es ihm aber auch gelingen, seine Gefühle (zumindest nachts) nicht mehr zu äußern. Ist es das, was wir wollen?

Es gibt keine Erfolgsgarantie

Besonders willensstarke Kinder können über sehr langen Zeitraum ausdauernd schreien, ohne dass der gewünschte Schlaferfolg eintritt. Sie lassen sich einfach nicht „ferbern“, sondern protestieren jedes Mal erneut und heftig(er). In diversen Foren gibt es Erfahrungsberichte von Müttern, die das Schreien irgendwann nicht mehr ertrugen und aufhörten. Ich fand allerdings auch viele Kommentare von Frauen, die sich gegenseitig mit ganz bizarren Tipps und Tricks (gegen Erbrechen oder Ohnmachten) ermutigten am Ball zu bleiben. Laut Kast-Zahn/ Morgenroth dauert es „nur in Ausnahmefällen länger als zwei Wochen“ bis Kinder „die neue Gewohnheit“ lernen.[22] Diese Aussage bestätigt, dass es Kinder gibt (wie viele bleibt unklar), die lange und verbissen kämpfen und das ist schlimm genug.

Erfolgreich „behandelte“ Kinder werden nicht selten in schwierigen Phasen (wie Zahnen, Krankheit, Umzug o.ä.) wieder „rückfällig“. Wer den Kurs beibehalten möchte, muss das Schlaftraining also immer wieder aufs Neue starten.

Bildquelle: http://www.beobachter.ch/familie/erziehung/artikel/bettzeit_einschlafen-ohne-traenen/

Jedes Kind ist einzigartig

Schlaf-Lern-Bücher sind keine Allheilmittel! Kinder sind zu individuell, als dass wir sie nach einer universellen Bedienungsanleitungen programmieren könnten. Manche Kinder brauchen extrem viel Nähe, andere bevorzugen ein eigenes Bett. Manche Babys schlafen schon von Geburt an durch, andere wachen jahrelang regelmäßig auf. Ob schneller Durchschläfer oder hibbeliger Daueraufwacher – Kinder sind gut so wie sie sind!

Es ist außerdem nicht vorhersehbar, wie Kinder auf Schlaflernprogramme reagieren. Was, wenn ausgerechnet dein Kind sehr stark unter dieser Methode leidet?

Hätten Schlafprogramme bei jedem Kind schnell und unkompliziert angeschlagen, gäbe es diese hitzigen Debatten um dieses Thema nicht!  Warum also eine Schlaftherapie riskieren, wenn nicht klar ist, welche Konsequenzen zu erwarten sind und ob sie überhaupt wirkt?

Ich kenne Schlafmangel

Ich weiß genau wie anstrengend und nervenaufreibend Schlafmangel sein kann, denn mit unserem Mädchen habe ich schon unzählige, schlaflose Nächte durchlitten und heute (mit zwei Jahren) schläft sie immer noch nicht durch. Manchmal war ich total frustriert und hab sie (und Thomas) genervt angemault. Ab und zu habe ich probiert, sie nicht durch die Wohnung zu tragen (etwas, wonach sie ausdrücklich verlangt, wenn es ihr richtig schlecht geht) und habe sie stattdessen einige Minuten auf meinem Schoß weinen lassen. Doch dann weinte sie nur noch heftiger.
Und wenn sich dieses kleine, wimmernde Häufchen Elend dann erleichtert an mich klammerte und schnell beruhigte, wenn ich sie fest in meinen Armen hielt und trug, wusste ich genau, sie macht es nicht um mich zu ärgern, sondern weil sie wirklich etwas plagt.

Ich sehe es als meine Aufgabe Zeit und Geduld aufzubringen, damit sich unsere Tochter ganz in ihrem eigenen Tempo entwickeln kann. Damit sie sich auch nachts sicher und geborgen fühlt. Das ist je nach Arbeitspensum und Anzahl an schlaflosen Nächten nicht immer einfach, aber eben auch nicht unmöglich.

Schlussgedanke

Ich gehe davon aus, dass Schlaflernprogramme nicht angewendet werden, um Kindern bewusst Leid zuzufügen. Vielmehr ist es die Verzweiflung, die langanhaltender Schlafmangel mit sich bringt oder der Glaube, es sei das beste für alle Beteiligten.

Es wird einem Baby sicherlich nicht schaden, wenn es ein paar Minuten meckern muss, weil Mami noch essen oder sich einfach mal kurz ausruhen möchte. Weinend allein gelassen zu werden und zwar über längeren Zeitraum, wirkt sich jedoch negativ auf die Entwicklung und seelische Gesundheit aus – in diesem Punkt ist die Forschung einig.

Es ist sehr verlockend Kinder zum  „selbstständigen Schlafen“ zu erziehen, schließlich scheint es oft zu klappen. Doch warum dem Kinde etwas unter Tränen und Stress (für alle Beteiligten) abverlangen, was es mit etwas Ausdauer und Gelassenheit ganz von alleine schafft?

Eine Antwort darauf habe ich nicht. Bei meiner Recherche zu diesem traurigen Thema bin ich jedoch auf diese wundervollen Worte von William Sears gestossen, die viel mehr als nur eine Antwort sind:

„Vertraue deinem Kind – vertraue darauf, dass es schreit, weil es ein Bedürfnis hat. Vertraue dir selbst, wenn du fühlst, dass Du auf das Schreien eingehen musst. Vergiss nicht, dass es eine Person ist, die weint.“[23]

Weitere Links

Bergsterman.de: „Seit wann müssen Kinder das Schlafen lernen?
(Es geht um die Entstehung von Schlaftrainings.)

Geborgen Wachsen: „Wenn Babys Schreien gelassen werden – was passiert in Babys Körper

Geborgen Wachsen: „Familienschlaf: darauf kann ich achten um mit Baby Schlaf zu finden

Rabeneltern: „Die Hauptkritikpunkte am Bestseller „Jedes Kind kann schlafen lernen“ und am sogenannten „Ferbern“

Lüpold Sibylle: „Kinder brauchen uns auch nachts – Warum Schlafprogramme nicht empfehlenswert sind

Und hier noch unser Video „Ein kleiner Selbstversuch“ nach Eva Solmaz‘ „Besucheritze“:

 


 

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 77.
  2.  Lüpold, Sibylle: Ich will bei Euch schlafen(2007), S. 24.
  3.  Lüpold, Sibylle: Ich will bei Euch schlafen(2007), S. 25.
  4.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 102.
  5.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 40.
  6.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 42.
  7.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 38.
  8.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 45.
  9.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 27.
  10.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 27.
  11.  Solmaz, Eva: Besucherritze (2013), S. 29.
  12. Haarer, Johanna: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind (1934), S. 160.
  13. Haarer, Johanna: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind (1934), S. 166.
  14.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 103.
  15.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 163.
  16.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 99.
  17.  Dr. med. Gudrun von der Ohe, Ärztin, Still- und Laktationsberaterin IBCLC, Hamburg
  18.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 20.
  19.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 21.
  20.  Lüpold, Sibylle: Ich will bei Euch schlafen(2007), S. 11.
  21.  González, Carlos: In Liebe wachsen (2005), S. 163.
  22.  Kast-Zahn/ Morgenroth: Jedes Kind kann schlafen lernen (2003), S. 93.
  23.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 81.

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  • Mama Stacy

    Nachdem viele meiner Bekannten auf Facebook diesen Artikel geteilt haben, will ich mich direkt hier dazu äußern.
    Schade, dass dieser Artikel fast ausschließlich von den Befürwortern gelesen wurde. Meiner Meinung nach ist er sehr sehr subjektiv. Viele Seiten des Lernprogrammes oder nicht werden gar nicht betrachtet. Aber dazu später…

    Unser Sohn ist jetzt 11 Monate alt. Als er nach der Geburt nach zwei Wochen die berüchtigten Koliken bekam, fingen wir an, ihn Tag und Nacht herumzutragen, zu wiegen und in den Schlaf zu singen. Er schrie und wimmerte und krümmte sich vor Schmerzen. Ich weinte mit, weil er mir so leid tat und ich völlig ratlos war. Bis dahin las ich in keinem Ratgeber, denn schließlich habe ich als Mutter einen Instinkt, dem ich folgen kann. Da mein Mann wieder die Schulbank drückte und einen sehr leichten Schlaf hat, schlief ich im Zimmer meines Kindes. Mal legte ich ihn in sein Bettchen, mal zu mir, je nach dem, wieviel Kraft ich noch aufbringen konnte. Am Tag war er oft das liebste Kind und machte gut mit, in der Nacht konnte ich ihn nach dem Stillen gar nicht erst ablegen. Er musste in den Schlaf gewiegt werden. Wehe ich legte ihn ab und er wachte dabei auf, dann durfte ich ihn 1,5 Stunden beruhigen und gerumschaukeln. Wenn ich endlich vor Erschöpfung eingeschlafen bin, wachte er bereits eine halbe Stunde später schreiend wieder auf und das ganze ging von vorne los. Als ich am Ende meiner Kraft war und er mittlerweile jede Stunde aufwachte und ich mich gar nicht ausruhen konnte, was zur Folge hatte, dass ich auch Tagsüber so geschlaucht war, dass ich ihn noch nicht einmal heben konnte, um ihn zu stillen, besorgte ich mir ein Buch „Schlaf schön, mein kleiner Schatz“.

    Dieses Buch sagt nicht, dass man von Anfang an das Kind schreien lassen muss, sondern, dass jedes Kind, wenn es nicht von alleine schafft, einen Rhytmus braucht. Ein Kind schreit auch oft, weil es sich unsicher fühlt. Es hatte ja vorher eine geborgene und sichere Umgebung gehabt. Diese ist nun mal nicht mehr so da. Daher braucht ein Baby Sicherheiten in Form von Rhytmus und Grenzen. Da wir aber unser Baby nicht danach behandelt haben, mussten wir umstellen. Und da beführwortete das Buch das Schreien lassen.

    Wir ließen unser Baby also alleine im Zimmer zurück und warteten erst ab. Ich ging auch immer wieder hin und beruhigte es, legte es aber auch wieder ab und nicht wie sonst mit Wiegen „eingeschläfert“. Als er einschlief, wachte er erst nach vier Stunden vor Hunger auf. Ich stillte es und es schlief sofort weiter. Ich habe vor Freude geheult. Denn darauf folgten Wochen, wo dieser Rhytmus sich hielt und ich nachts am Stück drei bis vier Stunden schlafen konnte. Mittlerweile kann er durchschlafen. Das hat bei ihm mit einem halben Jahr angefangen. Und ich gehe nicht bei jedem Schreien sofort los, sondern warte paar Minuten ab. Meistens schläft er sofort weiter, nachdem er seinen Schnuller findet. Wenn nicht, gehe ich hin und gebe ihm diesen. Das passiert immerhin auch nicht mehr so oft.

    Doch es gab auch Tage, wo wir ihn wieder schreien ließen, weil wir ihm angewöhnten, dass wir ihn hochnahmen. Das war halt dann und wann auch unser Fehler. Soweit hätte es nicht kommen müssen. Und wenn er zahnte oder krank war, verbrachten wir oft schlaflose, ihn tragende Nächte an seinem Bett. Das war doch selbstverständlich. Doch nach dem alles vorbei war, schlief er wie gewohnt seine 11 Stunden.

    Er wacht nachts immer noch auf. Meistens so, dass wir es nicht merken oder gar hören. Und wenn er morgens singend und lallend aufwacht, weiß ich, er ist ausgeschlafen und es geht ihm gut. Übrigens schläft er seit seiner Geburt in seinem Zimmer!!!!!

    Ich kann es nicht bestätigen, dass Kinder Nachts vor Angst und Nähelosikeit aufwachen und deshalb schreien. Als Mutter kann ich das Schreien meines Kindes sehr gut unterscheiden. Und ich weiß wohl, ob er gerade einen Alptraum hat und deshalb wie verrückt aufschreit (worauf ich natürlich hineile, um ihn zu beruhigen) oder ob er zu wach geworden ist und sich darüber ärgert und nach uns verlangt. Beim zweiteren warte ich ab, ob er sich nicht von alleine beruhigt, was meistens der Fall ist, sonst gehe ich auch hin und reiche ihm den Schnuller oder nehme ihn auf den Arm, je nach Situation. Denn schließlich muss mein Mann früh aufstehen und das längere Schreien würde auch ihn wieder wecken. Doch ich hatte noch nie das Gefühl, er hat Angst in der Dunkelheit oder weil ich nicht direkt neben ihm liege. Wer erzählt so ein Blödsinn????? Es war ja schließlich vorher auch nur in der Dunkelheit, in der Mutter. Und da hatte es ja auch keine Angst. Einmal hatten wir auch das Erlebnis, dass er Nachts aufwachte und vor sich her sang und lallte. Er war einfach wach, spielte mit den spielsachen im Bett und schlief irgendwann wieder ein. Und er ist noch nicht einmal ein Jahr alt!!! Daher glaube ich nicht, dass wir ihm beigebracht haben zu schweigen!!!!

    Ich glaube sogar eher, dass man durch das immer Anwesend sein, dem Kind eher die Angst vermittelt. Denn wenn es plötzlich aufwacht und den geliebten Menschen nicht sofort spürt, der ja sonst immer da ist, dann bekommt es sicherlich auch Panik. Angst, und das ist nachgewiesen, ist etwas, was die Erwachsenen einem beibringen. Man hat nicht von Grund auf Angst!!!!

    Unser Sohn weiß, dass wir für ihn da sind. Das vermitteln wir im am Tage und wenn es wirklich notwendig ist, auch nachts. Aber er ist nicht von uns abhängig und er ist am Tag auch viel ausgelassener und ausgeruhter, wenn er die Nacht gut schlief. Das war in der Zeit des Herumwiegens nie der Fall!!!!

    Ein Kind kommt in eine Familie hinein und darf mit Liebe und Fürsorge lernen, sich in das Lebensraster der Familie einzufügen ohne dazu gezwungen zu werden. Ein Kind, dass bei jedem Muks, das es macht, weiß, dass die Eltern sofort zur Stelle sind, wächst egozentrisch auf. Es lernt nicht, dass nicht alles sich um es drehen muss. Es verlangt und bekommt sofort. ich glaube nicht, dass das das richtige Stillen von Bedürfnissen ist!!!! Ein Kind kann mehr ab, als wir glauben. Aber da Kinder unterschiedlich sind, muss man halt auch da aufpassen. Denn sehr sensible Kinder müssen auch individuell behandelt werden. Doch alles zu pauschalisieren und schlecht zu reden, weil man nur durch ein Kind, Erfahrung hat, ist sehr …. naja.

    Früher hatten die Frauen mehrere Kinder zu betreuen, und dass das Kind mit im Bett schläft, war völlig tabu. Komisch, dass der Tagesablauf der Frau sich nicht nach dem Rhytmus des Kindes anpasste, sondern das Kind in den Tagesablauf integriert war. Daher hatte es bald einen festen Rhytmus und schlief bald auch schon durch. Und wenn es mal schreite, dann ging es nicht anders, als es schrien zu lassen, weil gerade ein anderes Kind versorgt oder der Haushalt gemacht werden musste. Und davon hat keiner Schaden bekommen.

    Durch das betudeln und vor jeglichem beschützen wollen, wachsen uneigenständige, egozentrische und unsoziale Kinder auf. Dieses Verhalten setzte ich mit der antiautoritärer Erziehung gleich. Dass heutzutage die Lehrer oder gar Eltern nicht ernst genommen werden, einer dem anderen nicht helfen will oder es auf der Arbeitsstelle kaum sozialkompetente noch teamfähige junge Leute arbeiten, scheint niemand zu interessieren.

    Vieles hat mit Erziehung und Beziehung zu tun. Habe ich meinem Kind nur vermittelt, dass es nichts wert ist und sich nicht äußern darf, wird es mit Schaden erwachsen. Das liegt nicht daran, dass es schreien gelassen wurde. Wenn man sonst das Kind auch links liegen lässt, dann ist es auch kein Wunder. Aber wenn ein Baby in einer liebevollen, fürsorglichen Familie aufwächst, wo die Eltern es auch mal schreien ließen, damit es sich auch mal selber beruhigen kann, wird es nicht gleich apatisch!!! Das heißt ja nicht, dass es jede Nacht so abläuft. So ein Blödsinn!!!!

    Seit dem ich auch mal ausschlafe, hat ich mehr Elan am Tag. Ich spiele und Tobe mit ihm. Mache meinen Haushalt und wenn er auch meckert. Er muss die Grenzen lernen. Danach bin ich für ihn da. Denn schließlich habe ich ja Elternzeit und keinen Hof und Vieh. Aber mein Partner darf auch nicht zu kurz kommen. Dazu gehört auch, dass das Ehebett nur uns gehört. Und der kleine kommt jeden Tag zur selben Zeit ins Bett, sodass wir dann auch wieder Zeit für uns haben. Demnächst bekommen wir wieder ein Baby und da muss alles einfach laufen. Dann kann ich nicht warten bis der erste endlich gelernt hat durchzuschlafen. Da würde ich ja völlig durchdrehen. Die ersten paar Monate der Unwissenheit haben mir gereicht. Jetzt gebe ich mein Wissen auch weiter. So!

    • Ein sehr langer Kommentar! Ich möchte nur auf eine Sache intensiver eingehen, weil mein Standpunkt und meine Argumente weitestgehend dem Artikel zu entnehmen sind. Du sagst: „Doch ich hatte noch nie das Gefühl, er hat Angst in der Dunkelheit oder weil ich nicht direkt neben ihm liege. Wer erzählt so ein Blödsinn?????“
      Dazu kann ich eine Geschichte aus meiner Kindheit erzählen: Ich musste immer in den Keller, um Eingewecktes zu holen. Ein muffiger, kalter Gewölbekeller aus Bruchsteinen, den man nur über eine lange, abgetretene Steintreppe erreichte – echt gruselig. Ich hatte immer furchtbare Angst hinunter zu gehen, aber weil meine Mutter mich bat, ging ich ihrer Aufforderung stets brav nach. Jedes mal wenn ich etwas holen musste, raste mein Herz, denn ich musste das Licht im Keller ausmachen, bevor ich die Steintreppe wieder nach oben ging. Dann war es stockfinster hinter mir und ich rannte so schnell ich konnte diese Treppe nach oben. Erst nach Jahren erzählte ich meiner Mutter wie viel Angst ich damals (ich muss wohl 7 oder 8 Jahre alt gewesen sein) hatte und sie war total überrascht und hätte mich natürlich nie in den Keller geschickt, wenn sie nur geahnt hätte wie schlecht es mir dabei ging! Dein Kind wird Dir in ein paar Jahren nicht erzählen können, ob es Angst hatte oder nur gemeckert hat. Es wird sich einfach nicht daran erinnern. Ich jedenfalls, weiß wie es sich anfühlt Angst im Dunkeln zu haben. Ich kann mich auch noch deutlich an die Schatten an der Wand erinnern, während ich allein in meinem Bettchen lag. Dieses Gefühl soll unser Mädchen nicht erleben müssen, was nicht heißt, dass sie kein eigenes Bett bekommt, wenn sie es möchte!

      Wir Erwachsenen können einfach nicht wissen, was in unseren Kindern vorgeht. Woher denn? Aber wir können fühlen, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Und wenn unser Mädchen schreit (egal aus welchem Grund) und meine Nähe sucht, fühle ich ihr Unwohlsein und bin für sie da!

      Ein Kind, das alleine einschläft, wird nicht kompetenter oder teamfähiger sein, als ein Kind, dass sich in seinem eigenen Tempo entwickeln darf.
      „Schon in früheren Studien war festgestellt worden, dass die geplant ins gemeinsame Bett aufgenommenen Kinder später die selbstbewusstesten Vorschulkinder sind und auch als Studenten ein höheres Selbstwertgefühl haben. Natürlich können Studien einen ursächlichen Zusammenhang nicht beweisen, aber sie unterstützen ein einleuchtendes Argument: Selbstständige Schläfer, sind selbstständige Schläfer – und dadurch nicht unbedingt selbstständige Menschen.“ (Renz-Polster: Kinder verstehen (2012), S.131).

    • Anonymous

      Ja, es stimmt. Wir können nicht nachempfinden, wie unsere Kinder sich fühlen. Aber wohl uns an unsere Kindheit erinnern. Und die Erinnerung reicht bei mir nur bis zum Kindergartenalter. Ich kann mich nicht erinnern vor Angst und schweißgebadet in meinem Zimmer alleine aufgewacht zu sein. Wenn ich den Eindruck habe, dass mein Sohn vor Angst schreit, weil er schlecht geträumt hat oder etwas sieht, was ihm Angst macht, dann höre ich das.
      Ich habe versucht tagsüber ihn mit zu mir ins Bett zu nehmen. Aber da konnte er nicht schlafen. Er braucht sein Bettchen und seine Ruhe. Er hat es sich so angewöhnt. Vieles ist eine Frage der Gewohnheit. Aber wie es jeder letztendlich macht, ist ihm überlassen. Die Hauptsache ist, dass Mama und Kind am nächsten Tag ausgeruht und ausgeschlafen sind. Wer dazu welche Methode anwendet, sei ihr überlassen. Wenn mein Sohn drei Wochen hintereinander 11 Stunden ohne einmal aufwachen durchschläft, kann ich nicht behaupten, dass er vor Angst aufwacht oder zum Schweigen gebracht wurde und sich zwingt schnell wieder einzuschlafen, falls er wach wurde. Wenn er wach wird, schläft er eben genauso friedlich wieder ein und wenn es ihm nicht gelingt, dann gibt er das schon zu erkennen. Aber Nächte lang an seinem Bett sitzen oder ihn in unser Ehebett mitnehmen. NEVER!
      Ich finde, dass du bei deinen Recherchen zu ungenau bist. Du hast nur deine Erfahrung und nur das eine Buch und die Hitlerzeit zitiert. Was ist mit all den positiven Auswirkungen des Durchschlafens bereits im frühen Alter? Das Buch, das ich las, wenn man den Rhythmus von Anfang an durchzieht, sagt, dass das Kind bereits nach der Achten Woche durchschlafen kann. Eine Familie mit vier Kindern, die mir das Buch empfiehl, hat es so gemacht und es klappte bei jedem ihrer Kinder ohne dass sie sie haben schreien lassen. Und wenn es doch mal länger braucht, kann man nachhelfen, muss aber nicht. Ich habe nicht nachgeholfen. Mein Mann und ich haben lediglich das „in den Schlaf wiegen“ abgewöhnt. Und das war echt ein krasses Erlebnis. Er wachte bis zu seinem 6 Monat alle drei bis vier Stunden auf und wollte gestillt werden. Was ich auch tat, weil ich schon froh war, dass er die Zeit überhaupt schlief. Das war halt mein Opfer. Und es kann jede Familie für sich entscheiden, was sie von der Methode anwenden und was nicht. Was gut für sie und ihr Kind ist.
      Sie pauschalisieren alles und erzählen von Dingen, die nicht nachweisbar sind. Es kann doch nicht sein, dass sich alles NUR um das Kind dreht. Kein wunder, dass wir in Deutschland kein Kinderwachstum mehr haben. Da jeder schon mit einem Kind so überfordert und beschäftig ist. Kinder sind unsere Zukunft und wir müssen die Kraft für sie haben!
      Ich hoffe, dass Sie etwas gelassener denen gegenüber stehen, die es anders sehen und tun. Ich für meinen Teil tue das und gebe meine Erfahrung weiter, wem es hilft.

    • An den Fussnoten 1-23 lässt sich gut erkennen, dass ich mehr als ein Buch gelesen und zitiert habe. Wie heißt das Buch von dem Du sprichst? Ich werde es mir gerne durchlesen.

    • Stacy

      Was bringt dir das Lesen, wenn du kaum Erfahrung, als nur dein einziges Kind hast?
      Wenn du eine Mutter von vier Kindern wärst, würde ich mehr über das Nachdenken, was du geschrieben hast. Und wenn du mal mehr Kinder haben solltest, dann haben sie so einen großen Abstand untereinander, dass du immer nur Kraft für einen aufbringen musst. Frag mal Mütter mit mehr als drei Kindern und sprich mal mit ihnen über dieses Thema, dann schreib es mal auf. Das wäre wirklich interessant 😉

    • Wenn ich es richtig verstehe, hast Du auch nur ein Kind. Wir diskutieren also auf Augenhöhe…

    • Anonymous

      Ich habe heute noch nachts Angst. Als Kind hatte ich mit 7 mein eigenes Zimmer. Und da hatte ich oft Angst das ich entweder zu meiner Mutter und bei meinem Bruder ins Bett gekuschelt habe.
      Als ich meine erste eigene Wohnung hatte, hatte ich Meer Angst allein. Ich konnte nur mit TV einschlafen. Und wenn ich mich als Erwachsener schon so fühle, wie fühlt dann erst ein Kind.
      Übrigens mein Sohn schläft durch. Ohne schlafprogramm, ich habe ihn noch nie getragen in den Schlaf. Und die ersten 4 Wochen schlief er in seiner Wiege. Weil ich es nicht besser wusste. Beim ersten mal einschlafen beim stillen dürfte er dann auch bei uns schlafen. Wir haben das Familienbett also nicht wegen des weil er besser schlaft sondern weil wir es genießen. Mein Sohn kann auch allein schlafen weil er weiß ich bin immer da.

    • Arielle

      Ich finde es logischer, dass ein Kind, dass lernt, dass man auf Bedürfnisse anderer Menschen reagiert, gerade eine positive soziale Verhaltensweise erlernt und nicht, dass es egozentrisch wird. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder sozialverantwortliche und liebevolle Jugendliche und Erwachsene werden, dann müssen wir ihnen genau das auch vorleben und nicht ihre Bedürfnisse ignorieren – das produziert nämlich antisoziales und rücksichtsloses Verhalten! Ein Kind für das es selbstverständlich ist, dass man seinen Mitmenschen zuhört (indem man beispielsweise auf Babys Schreien reagiert) und sich gegenüber diesen emphatisch verhält lernt eben nicht das vielgefürchtete „auf der Nase rumtanzen“. Das machen eher die Kinder, die gelernt haben, dass sie KÄMPFEN müssen, um gehört zu werden. Ich frage mich auch, was Geschwisterkinder daraus lernen, wenn sie als „die Großen“ sehen, dass das neue Geschwisterchen mit seinem Schreien allein gelassen wird. Vielleicht dass es in Ordnung ist das Leid anderer Menschen zu ignorieren? DAS ist ein Wahnsinn und nicht, dass man selbstverständlich auf sein Kind reagiert oder vielleicht sogar auf die Idee kommt – wenn man denn mehrere Kinder hat – das Trösten, ebenso wie Essen, Schlafen, Spielen als neuen „Programmpunkt“ in den Tagesablauf zu integrieren.
      Mein Kleiner ist 14 Monate, wurde noch nie schreien gelassen, ist selbstbewusst, gelassen, sozial (soweit man das in dem Alter behaupten kann) und tanzt uns NICHT auf der Nase rum, sondern kommuniziert seine Bedürfnisse. Genau so, wie ich ihm morgens sage, dass ich mir erstmal einen Kaffee mache und wir dann zusammen seine Bücher anschauen – währenddessen schreit er übrigens nicht vor Wut!
      Liebe Kathrin, ein schöner Artikel, der angesichts des obigen Kommentars offensichtlich sehr wichtig ist. Merci.

    • Anonymous

      „Ein Kind, dass bei jedem Muks, das es macht, weiß, dass die Eltern sofort zur Stelle sind, wächst egozentrisch auf. Es lernt nicht, dass nicht alles sich um es drehen muss. (…)
      Durch das betudeln und vor jeglichem beschützen wollen, wachsen uneigenständige, egozentrische und unsoziale Kinder auf. Dieses Verhalten setzte ich mit der antiautoritärer Erziehung gleich. Dass heutzutage die Lehrer oder gar Eltern nicht ernst genommen werden, einer dem anderen nicht helfen will oder es auf der Arbeitsstelle kaum sozialkompetente noch teamfähige junge Leute arbeiten, scheint niemand zu interessieren.“

      Wenn ich das lese, kann ich irgendwie nur mit dem Kopf schütteln. Es geht hier um Säuglinge…. Babies… Wie kann man hier nur von egozentrisch, uneigenständig und unsozial werdenden Kindern reden. Hier geht es um Babies, die kein anderes Kommunikationsmittel haben!
      Mittlerweile kann man in so viele Literatur nachlesen, dass Babies, deren Bedürfnisse befriedigt wurden und nicht schreien gelassen wurden, später in der Regel sicherere Kinder werden als andere. Aber nicht, dass sie unsozialer oder so werden. Das hat damit zu tun, was wir Kindern mit auf den Weg geben, wenn sie in der Lage sind, bestimmte Dinge auch zu verstehen und wir ihnen einen wertschätzenden, sozialen Umgang mit ihm und anderen vermitteln. Natürlich kann man Kindern irgendwann Grenzen setzen und Werte vermitteln. Aber doch nicht im Säuglingsalter!

  • Ganz in Ruhe habe ich gerade deinen Artikel gelesen. Mit dem Buch von der Haarer habe ich mich im Studium schon ein wenig beschäftigt. Ich finde es total interessant, wie sich viele Dinge geändert haben, wie bestimmte Verhaltensweisen scheinbar logisch begründet werden. Und hier kommt der Punkt, vor dem ich etwas Angst habe. Wenn ich mich irgendwann mal intensiver mit Erziehung und Co beschäftige, werde ich das sicherlich auch mit Hilfe von Büchern tun. Ich hoffe ganz stark, dass ich dann genauso reflektiert wie du mit den Themen umgehen kann, und mich nicht von den klugen Worten der Autoren einlullen lasse!

    Davon abgesehen würde ich ein Kind nie schreien lassen. Ich habe mal einen kleinen Jungen aufgepasst, auch Abends. Seine Mutter sagte immer „So fünf Minuten kannst du ihn ruhig schreien lassen bevor du hochgehst, vielleicht hört er dann wieder auf.“. Ich sagte ja, tat das aber nicht, denn es kam mir einfach falsch vor. Ich glaube, Eltern sollten da viel mehr auf ihre Intuition hören, denn wie du schon schreibst, ist es in der Natur der Eltern, dass sie auf Kinderschreien sofort reagieren. Wenn wir aufs Klo müssen verdrücken wir uns das ja auch nicht ewig, wir gehen einfach.

  • Hallo – ein schöner Artikel – mit einem wirklich schönen Schlusswort.
    Emily hat bis zum 8. Lebensmonat durchgeschlafen und seither nicht mehr. Zwischendurch hat man mir auch öfter die Ferber-Methode empfohlen. Ich fand es aber schon am ersten Abend schlimmer, das Mädchen weinen zu lassen, als sie zu trösten und wieder in den Schlaf zu wiegen. Lange Zeit habe ich versucht sie oft wieder in ihr eigenes Bettchen zu legen… oftmals bis zu 10x pro Nacht. Jedoch ist es mir wichtiger, dass wir beide morgens ausgeschlafen sind… seit vier Monaten hole ich Emily zu mir, wenn sie das erste Mal nachts aufwacht und wir sind morgens ausgeschlafen und gut gelaunt! Manchmal schläft sie auch durch oder sie kommt von allein zu mir. Mir ist es so tausendmal lieber, als jede Methode.

  • Anonymous

    Ich würde diesen Artikel gerne ausdrucken und in meiner Tagesmutterschulung verteilen. Liegt dieser evt. in .doc oder PDF-Form vor? Ich würde mich über eine Mail freuen. LG

  • Pingback: Bemerkenswert()

  • Jules

    Lieben Dank für den wichtigen Beitrag. Besonders der Gedanke zu Geduld und Empathie am Schluss hat mir gefallen. Wir hatten nie Stress mit dem Ein- und Durchschlafen, aber das lag an zwei Dingen: Erstens sind wir immer mit unserem Sohn „mitgegangen“, weil er uns stets gesagt hat, was er braucht und so immer ziemlich schnell und sehr ruhig eingeschlafen ist (manchman musste er eben noch eine Stunde wach sein, um für den Schlaf bereit zu sein, dann haben wir ihn wieder rausgenommen *ohschreck!* und mit ihm gespielt). Übergänge sind für die kleinen Menschen noch schwerer als für uns. Und zweitens haben wir einfach keine feste Vorstellung davon gehabt, wie er schlafen sollte. Wir haben einfach angenommen, dass er manchmal aufwacht und weil er bei uns im Bett liegt, war das auch nicht weiter anstrengend (obwohl ich nicht stillte). Ich erinnern mich gerade nicht, ob die Bücher oben schon genannt wurden, aber toll sind zum Thema – für eine generell achtsame Haltung – „Mit Kindern wachsen“ und die Heftchen von Brigitte Hannig (die Jesper Juul für die Kleinen). Das Leben ist soooo stressfrei, wenn man die Kinder gleichwürdig annehmen kann. Ach so, die Frage nach dem Sex finden mein Mann und ich auch immer witzig! Haha, als hätte man keinen Küchentisch^^
    Liebe Grüße,
    Jules

    • Super Kommentar! Einerseits finde ich es prima, wenn Eltern keine Erwartungen an ihre Kinder richten. Denn das kann nur nach hinten los gehen. Na und die Bemerkung mit dem Küchentisch hat ein breites Grinsen auf mein Gesicht gezaubert! Da kann ich nichts mehr hinzufügen 😀

  • Christina

    Über Facebook bin ich auf dieses Blog gestoßen und habe mir mit Interesse diesen Artikel durchgelesen – und auch grade das Video angesehen.

    Ich selbst toleriere beim Thema Baby und Kind die meisten Ansichten – denn ich persönlich denke, nur die Eltern kennen ihr eigenes Kind so gut, um es am besten einschätzen zu können. Nicht alle Tipps sind universell einsetzbar, nicht jede Methodik für jedes Kind gut.

    Es gibt, glaube ich, aktuell nur ein einziges Thema, bei dem ich innerlich wirklich mitleide, und das ist das Schreienlassen zum Einschlafen.

    Mein Bauchgefühl hat mir immer gesagt, dass es an Kindesmisshandlung grenzt, ein uns vollkommen ausgeliefertes Wesen ohne Zeitgefühl und das Verständnis für „Mama kommt gleich wieder“ in einem dunklen Zimmer alleine zu lassen.

    Ich verstehe viele Argumente, ich verstehe die Übermüdung, ich verstehe die Überforderung – alles.
    Mein „großer“ Sohn hat die ersten vier Monate quasi durchgeschrieen, es war wahnsinnig anstrengend. Nachfühlen kann ich es also sehr gut, dass man dasteht und sagt: ich brauche Abends auch Feierabend, ich brauche auch Zeit. Natürlich.

    Aber mein Verständnis geht nicht soweit, als dass ich nachfühlen kann, dass man deshalb sein Baby solchen Situationen aussetzt.

    Denn eins ist für mich immer der Hauptpunkt: Wie alt werden wir im Durchschnitt? 80 Jahre? Wie viele Jahre davon sind wir ein Baby? Eins. Genau. Ein Jahr.
    Wie hoch ist die Chance, dass das Baby uns das ganze Jahr so auf Trab halten wird, sich nicht ablegen lassen wird, viel schreien wird – nicht riesig, zum Glück. Auch wenn es natürlich vorkommt.

    Es sind Monate um die es geht. Monate. Ich weiss, sie kommen einem wie Jahre vor. Ist man in dieser Situation der Übermüdung und Überforderung sieht man kein Land. Ich damals auch nicht.

    Ich wurde mit 30 geplant schwanger. Nach vielen Jahren, die ich zum Glück (weitestgehend) egoistisch, auf meine eigenen Bedürfnisse ausgerichtet, leben konnte und durfte. Ausschlafen, spät ins Bett gehen, Feiern, Überstunden machen, Blau machen, Urlaub machen. Mein Fernseher, mein Kühlschrank, meine Zeit.

    Ich habe mir in den harten Monaten eine Frage gestellt: Bin ich wirklich nicht in der Lage, nach so vielen Jahren persönlicher Freiheit mal ein paar Monate zu opfern für ein Kind, das ich haben wollte?

    Und das ist genau der Punkt, der mich dann am meisten trifft wenn jemand dieses Schlaftraining macht. Trotz allem Verständnis für die Situation:
    Ist derjenige wirklich nicht in der Lage, ein paar Monate seines Lebens zu geben für ein Baby, dass ihn wirklich braucht? Kann man nicht sagen: Es ist eine so kurze Zeit, ich gebe diesem kleinen Menschen jetzt einfach mal das, was er braucht – und denke zweitrangig daran, wie es mir geht.

    Die Zeit geht vorbei! Schneller als man denkt. Und es wird leichter. Mit jedem Tag. Irgendwann schläft ein Baby alleine ein. Irgendwann schläft es durch. Irgendwann macht es Abitur, verlässt das Haus und man steht da und alles ist schon vorbei.

    Kann man nicht einfach mal sagen: Diese ersten Monate, die dieser kleine Mensch wirklich darauf angewiesen ist, dass die großen Menschen um ihn herum gut zu ihm sind, die gebe ich ihm.

    Ja super, ich finde Sex im Bett in meinem Alter auch am besten – und ne, ich hab auch ungerne Sex neben meinem jetzt 3 Monate alten Säugling im Babybay. Und? Couch geht auch.
    Ja, ich würd auch gerne regelmäßig die Abende mit dem verbringen was ich am liebsten tue – aber himmel, dann les ich notfalls halt ein Buch und hab dabei mein Baby im Tragetuch.
    Ich mache Abstriche für die Kinder, weil ich sie liebe und weil ich weiss, es wird doch sowieso so schnell anders.

    Aber ganz was anderes, ich denke, ich stehe damit komplett alleine da und möchte niemandem auf den Schlips treten: Aber ich finde, das Video zum Text ist … naja, ist nichts.
    Auf mich wirkt das Ganze – wenn man es ohne Ton sehen würde – fast wie ein Sketch. Nicht ernst zu nehmen. Bis auf seinen Gesichtsausdruck am Ende des Clips wirkt das ganze auf mich wie eine Persiflage. Ich komme aus der Werbung, vielleicht bin ich verdorben, aber ich kann aus diesem Video nicht emotional ableiten, was eigentlich sein Hintergrund ist.
    Des Weiteren finde ich das Thema Selbstversuch an sich sicher löblich – aber, entschuldigung, unsinnig. (und ja, ich weiss, das Video ist nicht ein mitgefilmter Selbstversuch ^^)
    Solange ich weiss, dass ich das jetzt mache um mich in mein Kind hineinzuversetzen, solange erlebe ich keine wirkliche Angst, keine wirkliche Einsamkeit, keine wirkliche Panik.
    Wenn die Autorin das schreibt verstehe ich warum: Versetzt Euch in Eure Kinder, macht mit was sie mitmachen müssen und entscheidet dann, ob sie es wirklich müssen! Klar. Nur, sollte jemand diesen Selbstversuch wagen .. er würde doch scheitern und sich nicht hineinversetzen können.
    Daher finde ich die Umsetzung dieser Passagen an sich unnötig und das entstandene Video nicht zielführend.
    Was an diesem Video bei mir gewirkt hat, war das Ende – das Weinen des Kindes und die eingeblendeten Sätze. Den Rest fand ich etwas befremdlich. Aber wie gesagt, dass kann auch daran liegen, dass ich Medien-gestört bin 😉

    • Juliane

      Ich arbeite auch in der Werbung, bin ebenfalls mediengestört, aber hab das Video trotzdem verstanden! 😉

  • Katinka

    Meine große Tochter ist 17 Jahre alt und mein kleiner Sohn 7 Monate. Weder meine Tochter, noch meinen Sohn ließ ich jemals sich selbst überlassen schreien und dennoch sind sie so unglaublich unterschiedliche Menschen. Meine Tochter hatte einen unbequemen Schlaf-Wach-Rhythmus, sie schlief meistens erst gegen 23 Uhr richtig ein, dafür dann aber bis 9 Uhr. Das kurze Aufwachen, um gestillt zu werden, hat mir nichts ausgemacht, sie schlief immer bei mir im Bett und ich konnte mich morgens nicht mehr daran erinnern, wie oft ich eigentlich gestillt habe, wahrscheinlich habe ich das im Schlaf getan. Meine Tochter weinte oder schrie jedoch allabendlich ab ca. 20 Uhr bis 23 Uhr viel, was Nerven kostete. Im Tragetuch ging es oder im Laufschritt die Treppen auf und ab oder aber in schlimmen Fällen ne Runde Auto fahren, half. Mir tat das vorallem für die Kleine leid. Warum wurde sie abends stets so unruhig und fühlte sich offenbar so unwohl? Ich habe bis heute keine Antwort darauf. Wer weiß, was sie zu verarbeiten hatte, wer weiß, was der Abend in ihr auslöste? Oder spürte sie, dass ich mir im Grunde wünschte, jetzt mal Feierabend zu haben? Ich könnte endlos spekulieren. Wichtig ist mir rückblickend, sie nicht allein gelassen zu haben oder ihr ein „Programm“ übergestülpt zu haben. Das Weinen ging weg, weil sie irgendwann sprechen konnte. Der Rhythmus blieb. Meine kleine süße Tochter konnte nachwievor nicht zu „normalen“ Zeiten einschlafen. Sie beschäftigte sich. Auch neben mir im Bett. Die Idee eines eigenen Bettes im eigenen Zimmer stieß erst im Alter von 4 Jahren auf Zustimmung. Fortan schaute sie sich Bücher an, malte, werkelte bis spät in die Nacht. Da ich arbeitete und sie in den Kindergarten oder später in die Schule musste, litt sie stets unter Müdigkeit und ging ganz von selbst gegen 19/ 20 Uhr ins Bett mit dem Ergebnis, dass sie regelmäßig verzweifelt um 22 Uhr zu mir kam und sagte, sie könne einfach nicht einschlafen und sich selbst maßlos darüber ärgerte. Heute ist sie 17 Jahre. Es hat sich nicht viel verändert. Sie hat sich arrangiert, macht abends Hausaufgaben, liest unendlich viel, schreibt wunderschöne Gedichte und Geschichten und weiß ganz genau, dass sie sich einen Beruf suchen wird, der es ihr ermöglicht, spät ins Bett zu gehen. Kürzlich machte sie ein Praktikum in einer Zeitungsredaktion. Das begann täglich 10 Uhr. Damit war sie sehr froh!
    Mein kleiner 7 Monate alter Sohn schläft seit seiner Geburt zwischen 19-20.30 Uhr ohne Geschrei ein und wird allenfalls zum Trinken kurz wach. Wiederum weiß ich morgens nicht mehr, wie oft, da er neben mir schläft und ich ihn wohl automatisch stille. Der kleine Mann erwacht gegen 7 /8 Uhr fröhlich und ich staune und freue mich über diese Umstände.
    Ich möchte damit sagen, dass bei allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Büchern und Programmen, unsere Kinder ganz eigene Dinge mitbringen und sich längst nicht alles, was wir tun oder nicht tun, spiegeln lässt. Zum Glück! Zum Glück haben wir nicht alles in der Hand oder auf alles Einfluss. Ich möchte zu mehr Gelassenheit aufrufen, wenngleich ich weiß, wie kacke das in den Ohren dauerattackierter Eltern klingt.
    Meine Schwester hat Drillinge- das ist kein Spaß, um es mal milde auszudrücken. Aber auch hier ist jedes Kind anders, bringt jedes Kind etwas eigenes mit und wurde in diese Drillingskonstellation hineingeboren, in welcher lange nicht jedes Bedürfnis in dem Maße aufgegriffen oder gar gestillt werden kann, wie das mit einem einzelnen Kind möglich wäre. Meine Schwester kann weder 3 Kinder gleichzeitig tragen, noch kann sie 3 Kinder gleichzeitig stillen, obwohl alle 3 Babys gleichzeitig Hunger haben. Sie macht, was ihr möglich ist. Sie macht es mit Liebe und Geduld, etlichen Abstrichen und wahnsinnigen Schlafdefiziten. Sie übt sich im Zulassen des Gefühls, nicht alles optimal zu meistern und ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen zu können, ohne dabei frustriert zu sein. Sie übt, diese Situation anzunehmen, ohne dabei pausenlos zu denken, wieviel einfacher es doch sein könnte.
    Der Kampf gegen etwas zermürbt, macht müde und unglücklich, nicht selten tut man sich oder einem anderen Menschen dabei Gewalt an.
    Annahme entlastet, schenkt Kraft und Raum.

    • Vielen Dank für Deinen interessanten Beitrag, Katinka! Dann ist Deine Tochter wohl eine sogenannte Eule, genau wie mein Mann. Dein Sohn wohl eher die Lerche, so wie ich :)
      Was Deine Schwester anbelangt, das ist ja wohl ein absoluter Ausnahmezustand. Ich habe eine Freundin mit Zwillingen, die regelmäßig vom schlechten Gewissen geplagt war, dass sie immer nur einen trösten/ tragen konnte. Bei Drillingen ist der Schwierigkeitsgrad ja noch mal erhöht :( Kein Grund für schlechte Gefühle – wie soll sie denn die 3-fache Arbeit und dann auch noch perfekt leisten? Das ist unmöglich und unnötig.
      Vielleicht hilft ihr das Bewusstsein, dass die Kinder ja nicht alleine sind. Sie haben sich und das spüren sie recht schnell.
      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Lisa

    Hallo, sicher muss muss man sich fragen, was Schlaflernprogramme mit ienem selbst und den Kindenr machen und ich finde auch, dass sie generell immer dann abzulehnen sind, wenn das Kind allein gelassen wird. Aber. Dass hier klar und deutlich gesagt wird, dass ich mein Kind irreperabel schade, wenn ich es nicht jahrelang nachst durch die Wohnung trage und nicht 24 Stunden am Tag bereit stehe, dann finde ich das entsetzlich. Wenn Kinde rwirklich für ihre gesunde geistliche Entwicklung eine immer bereit stehende Mutter brauchten, wären wir bereits ausgestorben. Kinder können eine Menge ab. damit meine ich nicht, sie zu quälen oder stundenlang schreien zu lassen (besonders, sie in ihrem Kummer allein zu lassen). Aber wenn man merkt, dass man den Shclaf braucht (!), dann muss man ihn sich auch holen. Nur weil ich am Ende meiner Kräfte bin, bin ich doch keine schlechte Mutter! Mein Sohn (1 Jahr) will nur mit meiner Hand einschlafen, da er aber daran knubbelt, hält er sich selbst wach und es dauer fast immer über eine Stunde, bis zu zwei Stunden, bis er wieder schläft. Ich arbeite Vollzeit und habe noch ein Kind, wenn ich also nicht Amok laufen und meinen Job verlieren will, muss ich daran wohl was ändern!! Ich habe meinem Sohn die Hand verweigert, was er natürlich mit Brüllen quittiert hat. Ich habe die ganze Zeit neben ihm gelegen und ihn nie in seinem Kummer allein gelassen. Aber natürlich hat er lange geschrien und das mehrere Nächte lang. Aber nun kann er ohne Hand einschlafen, schläft viel schneller und ohne Brüllen ein und ich kann wieder klar denken. Nun soll mein Kind für immer einen Knacks haben? Weil ich ihm etwas verweigert habe, was er gern haben möchte aber nicht braucht? Entschuldigung, den Schuh ziehe ich mir nicht an. Das Leben ist kein Ponyhof und manche Dinge gehen einfach nicht. Jeder hat das Anrecht auf Schlaf (nach einer gewissen Zeit) und Kinder haben kein Anrecht darauf, 24 Stunden am Tag alles zu bekommen, was sie wollen – besonders, weil das nicht immer das ist, was sie brauchen (vergleich die Bücher von Herbert Renz-Polster). Sie brauchen jemanden, der für sie da ist, aber nicht jemanden, der ihnen alles gibt, was sie verlangen.

    • An welcher Stelle steht, dass Du Deinem Kind irreparable Schäden zufügst, wenn Du es nicht jahrelang nachts durch die Wohnung trägst und nicht 24 Stunden am Tage bereit stehst? Ich würde vorschlagen, dass Du den Text noch einmal in Ruhe liest.
      Nähe ist übrigens ein kindliches Grundbedürfnis und wenn Dein Kind nächtelang gebrüllt hat, ist das laut Renz-Polster ein eindeutiges Zeichen, dass es Deine Nähe nicht nur wollte, sondern auch wirklich brauchte (Kinder verstehen, S.173). Es brauchte jemanden, der für ihn da ist. Das musst nicht Du sein und auch nicht 24 Stunden am Tag.
      Wenn es Dir zuviel wird Dein Kind jeden Abend in den Schlaf zu begleiten, was bei Arbeit, Haushalt & Co gut nachvollziehbar bist, ist es natürlich möglich einen Kompromiss zu suchen – Du hast ihn ja offensichtlich gefunden, in dem Du Deinen Sohn in der Übergangszeit begleitet hast. Du hast ihn nicht in seinem Kummer alleine gelassen, das ist doch wunderbar. Ich verstehe, ehrlich gesagt nicht, warum Du so wütend bist..

  • Juliane

    Puh, immer wenn ich sowas lese, dass jemand sein Baby absichtlich schreien lässt, könnte ich heulen (und machs meistens auch, so wie hier), dann kommt Unverständnis und dann nur noch WUT! WIE bringt man solche emotionale Kälte auf? Ich finde es grauenhaft, wie man überhaupt nur auf so eine Idee kommt bzw. das „auszuprobiert“. Wir sind neulich mal unfreiwillig in folgende Situation gekommen: Wir waren bei Freunden zu Besuch und sind einen Zacken zu spät aufgebrochen. Während der Fahrt bekam unser Sohn dann Hunger… und hat angefangen zu weinen. Wir waren auf einer Schnellstraße, ich saß auch noch vorne. Erst haben wirs mit beruhigendem Zureden versucht, ohne Erfolg, der arme Kleine hat sich immer mehr reingesteigert. Es kam und kam keine Ausfahrt, überall war gesperrt, es wurde gebaut. Unser Sohn schrie mittlerweile verzweifelt, wie am Spieß, fast ohne Luftholen. Endlich konnten wir abfahren, haben dann gleich gehalten. Ich hab geheult, mein Mann fast, und unser Baby war knallrot, komplett durchgeschwitzt und völlig fertig. Stillen konnte ich vergessen, er war dazu gar nicht mehr in der Lage. Er ist dann erschöpft eingeschlafen, hat aber im Schlaf immer noch weitergeschluchzt. Ich hab mich zu ihm nach hinten gesetzt, wir hatten auch nur noch 15 Minuten bis nach Hause… ich hab mein Baby an diesem Abend nicht mehr aus meinen Armen genommen.

    Und sowas provozieren Eltern ernsthaft EXTRA?!? Das kann und will ich auch gar nicht verstehen!

    • Liebe Juliane, ich glaube, dass viele Eltern solch ein Programm aus Verzweiflung (z.B. bei extremen Schlafmangel) durchführen oder weil sie wirklich glauben, dass es gut für das Baby ist. Letzteres wird ja leider in diversen Büchern und Zeitschriften überzeugend glaubhaft gemacht. Obwohl auch ich es nicht aushalten kann, mein Kind schreien zu lassen, kann ich die Beweggründe oftmals verstehen.
      Deswegen möchte ich aufklären, weil ich hoffe, dass Eltern sich anders entscheiden, wenn sie wissen warum Babys schreien und wie wichtig es ist auf ihr Grundbedürfnis nach Nähe einzugehen. Ich bin sicher, dass keine Mutter gibt, die es gut aushält, ihr Kind stundenlang weinen zu hören. Doch der Glaube daran, dass es „das Beste für das Kind“ ist, kann mütterliche Intuition leider komplett außer Gefecht setzen.

  • Juliane

    Ich hab zum Thema auf babycenter.de neulich was Nettes gefunden, in einem Thread mit dem Titel „Gut gekontert“ (eine Sammlung der schlagfertigsten Erwiderungen auf dumme Bemerkungen) und möchte das hier zitieren (mit hoffentlichem Einverständnis der Posterin):

    „Ich muss das jetzt nochmal hochholen, mir ist heute was passiert da platzt mir jetzt noch der Kragen. Ich war im Buchhandel und hab bei ner Freundin (sie arbeitet da) ein Buch gebraucht. Wie es so ist schwätzt man kurz. Dann die Frage: „Und, schläft er besser?“

    Ich so:“Hmm… Naja… Nein. Die Nächte sind momentan der Horror.“

    Da schaltet sich die Kollegin meiner Freundin ein und sagt: „Schreien lassen. Da hilft nichts, wenn er schon so verwöhnt ist. Und auch noch im Ehebett schlafen lassen? Nee das geht gar nicht! Ich hab meine Tochter gleich von Beginn an schreien lassen und mit 6 Wochen hat sie durchgeschlafen.“

    Ich: „Nein, das ist nichts für uns. Das möchte ich nicht.“

    Sie: „Doch! Nichts anderes hilft! Ich hab immer gesagt tagsüber kann sie machen mit mir was sie will, aber nachts brauche ich meine Ruhe. Auch stillen gabs nachts bei mir nicht.“

    Ich (ein Lächeln vorgepresst): „Nein, das machen wir nicht. Ich mag mein Kind.“

    Sie: „Es gibt da ein Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Das ist ganz toll! Ich hol Ihnen das mal.“

    Ich: „Nein, Danke für den Tipp, das hab ich schon zu Hause und halte von dieser Art von Erziehung rein gar nichts! Außerdem muss man schlafen nicht lernen, das wäre ja genauso wenn ich mir nen Ratgeber übers Atmen lernen kaufe.“

    Sie (angeberischer Ton): „Naja, also ich hab ja ein ganz tolles Kind, was durchschläft.“

    Ich (grinsend): „Ich reduziere mein Kind nicht aufs Schlafen, da gibt’s wichtigere Dinge. Zumal Hitlers Erziehungmethoden äußerst fragwürdig sind in meinem Augen.“ (Im Dritten Reich galt die Praxis schreien lassen und erst zur nächsten Mahlzeit wieder hervor holen als Norm).

    Sie (lächelnd): „Mein Kind hat trotzdem gelernt, durchzuschlafen, Hitler hin oder her.“

    Ich (wütend): „Nein, Ihr Kind hat gelernt, dass seine Bedürfnisse Ihnen egal sind.“

    Dann hab ich mein Buch bezahlt und bin weggeschnaubt. Aaaaah ich hab immernoch Hals wenn ich dran denke. Ich finde das sowas von frech, vor allem ne wildfremde Frau… Nee das geht gar nicht!“

    :-)

    • Geschichten, die das Leben schreiben :)
      Ich wünschte, ich wäre immer so schlagfertig gewesen…

  • Eva

    Zu diesem Thema habe ich eben eine Petition entdeckt:
    http://www.change.org/de/Petitionen/gu-gräfe-und-unzer-verlag-gmbh-nehmen-sie-jedes-kind-kann-schlafen-lernen-vom-markt

    Vielleicht mag sich der/die eine oder andere an dem Versuch beteiligen, dieses schreckliche Buch vom Markt nehmen zu lassen! Kein »Jedes Kind kann schlafen lernen« mehr!

    Die Kinder danken es uns!

    • Juliane

      Hallo Eva und alle anderen, die dieses schlimme Buch weghaben wollen,

      ich denke es ist schwierig, nur durch eine Petition an den Verlag einen Verkaufsschlager (ja, leider!) vom Markt zu holen. Was aber etwas bringen könnte, ist die Verkaufszahlen in die Tiefe zu treiben :-)

      Ich hatte das Glück, das Buch neulich bei amazon (und ich denke, da kaufen es die meisten) neuaufgelegt zu entdecken, und es war noch keine Kundenrezension verfasst… :-) Ich hab dann die erste dazu geschrieben (dazu muss man das Buch Gottseidank nicht gekauft haben!) und das Buch verrissen (Kathrin, ich hab u.a. auch dich zitiert, ohne es dort kenntlich zu machen… du hast die Kernpunkte des Schreienlassens einfach so gekonnt auf den Punkt gebracht. Bitte verzeih mir, es soll der guten Sache dienen :-S).

      Seine negative Meinung zu diesem Buch kann man nun entweder äußern, indem man selber eine negative Kritik verfasst, oder aber zumindest die Frage „War diese Rezension für Sie hilfreich?“ unter allen schlechten Kritiken mit dem „Ja“-Button beantwortet.

      Vielleicht hilft das Unwissenden bei der Entscheidung, das Buch nicht zu kaufen.

      Liebe Grüße,
      Juliane

      PS: @Kathrin: Ich will hier trotz meiner negativen Meinung zu dem Buch niemanden zu einem Shitstorm aufhetzen… ist nur so eine Idee, wie man andere davor warnen könnte. Wenn du meinen Beitrag unpassend findest oder Angst hast, dass du dadurch Probleme kriegst, lösch ihn einfach!

    • Liebe Juliane,

      da gibt es ja einen sehr interessanten Schlagabtausch unter Deiner Rezension :)
      Bitte verlinke zu meinen Artikeln, wenn Du Textstellen daraus zitierst. Da die Bewertungen bei Amazon in der Tat großen Einfluss auf die potentiellen Interessenten haben, finde ich das Schreiben von ehrlichen und Augen öffnenden Rezensionen sehr gut.

      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Flo

    Habe gerade deinen Beitrag gelesen und finde es auch unfassbar :( ich habe mit meiner Tochter vermutlich Glück denn sie geht 18 Uhr ins Bett wird nachts im Halbschlaf zwar alle 2-3 stunden Gestillt aber Schläft bis 6.30-8.00 Uhr sie ist jetzt knapp 4 Monate Alt :)
    Ich selbst kann meine Puppy nicht Schreien lassen, ist für mich schon ne Qual wenn ich zb Tee mache und nicht sofort Reagieren kann, wenn die Tränchen Kullern Weint man als Mama mit :(. Wenn ich besuch hatte und meine kleine im Bett lag ( Babyfon mit Cam) bin ich immer schon beim Zappeln rein da ich instinktiv wusste sie hat Hunger….alle sagten dann auch immer zu mir Mensch lass das Kind doch schrein sonst lernt es das nie und wird verwöhnt -.-* ich habe eine Wundervolle Tochter und ich folge meinem Instinkt denn Mutter Natur gab ihn uns nicht Umsonst 😉

  • Susan

    Was für ein unglaublich toller Artikel! Großartig geschrieben. Jedes einzelne Wort spricht mir aus der Seele.

    Ich hoffe und wünsche mir das er sich rasant verbreitet und in den Köpfen hängen bleibt.

    Ich verstehe einfach nicht, warum so viele Eltern nicht mehr intuitiv handeln. Wo es doch meistens der Richtig Weg wäre. Ich habe bei meinem ersten Kind nichts gewusst von Familienbett, Langzeitstillen und tragen. Und doch habe ich es einfach gemacht, weil es mir normal erschien.

    Ich jedenfalls bin begeistert über den Artikel und werde ihn verbreiten.

  • Bianca

    Weiß jemand, was der Seite „ferbern.de“ zugestoßen ist? Die Argumente dort, die gegen das Ferbern aufgezählt waren, habe ich immer gerne weiter verbreitet, und nun gibt es die Seite anscheinend nicht mehr, beziehungsweise, sie funktioniert irgendwie nimmer…

    • Das ist ja seltsam. Ich kann Dir leider nichts dazu sagen, Bianca!