Schlafen: Intuition versus Expertenrat

Kathrin Schlafen 17 Kommentare

Einschlafen wollte unser Mädchen noch nie gern, außer im Tragetuch oder an meiner Brust. Obwohl sich Beides richtig für mich  anfühlte, ließ ich mich irritieren von Menschen mit offenbar hellseherischen Fähigkeiten. Die Prophezeiung für sie lautete: verhätschelte Göre, die nie ohne Mama klar kommen wird. Das Tragetuch sei nicht gut für ihre Wirbelsäule hieß es und sie müsse lernen, sich alleine zu beruhigen. Das ist im Familienbett natürlich nicht möglich, so die Fachmeinung.

Statt von Anfang an Vertrauen in mich und mein Gefühl zu haben, zweifelte ich oft und orientierte mich an den „Experten“. Menschen, die jahrelang mit Säuglingen arbeiteten, mussten doch mehr und es besser wissen, als eine frischgebackene Mama, dachte ich. Schließlich wollte ich unserem Mädchen weder schaden, noch sie zu sehr an mich binden. Doch eine Frage ließ mich nicht ruhen: können sich zu viel Nähe und Liebe tatsächlich nachteilig auswirken?

Schnuller

Von autoritären Weisungen beeinflusst, probierte ich also manch andere Methode aus. Ein künstlicher Beruhigungssauger wurde unserem Mädchen direkt im Krankenhaus in den Mund gestopft. Anders kann ich es nicht sagen, denn sie zeigte eindeutig ihre Abneigung. Die Schwestern versicherten mir im Brustton der Überzeugung, dass es ohne nicht ginge. Sie verabscheute den Schnuller, nahm in ab und zu widerwillig (vielleicht mir zuliebe) an, bis sie ihn schließlich komplett verweigerte.

Das „Kügelchen“

Zeitgleich bekam ich von unserer Physiotherapeutin die „Kügelchenstellung“ gezeigt, mit deren Hilfe ich sie bändigen sollte. Denn Einschlafen, einfach so im Liegen wollte unser Mädchen nie. Die Technik sieht vor das Baby ganz fest in beiden Armen zu halten und in eine runde Körperhaltung zu zwängen. Somit wird eine Überstreckung verhindert – die bevorzugte Reaktion unseres Mädchens in Stresssituationen. Das Kügelchen jedoch verursachte oft zusätzlichen Stress: sie wehrte sich mit jedem Muskel ihres winzigen Körpers und brüllte dabei aus Leibeskräften. Es war einfach furchtbar wie sie sich auf diese Art in den Schlaf gekämpft hat. Anstatt auf meine innere Stimme zu hören und sie ins Tuch zu packen oder an die Brust zu nehmen, wo sie sich so wohl fühlte, hielt ich durch aus Angst das abendliche Tragen oder Stillen könne eine schlechte Angewohnheit werden.

Schlafen lernen – ein Reifeprozess! 

Weder Schnuller, Kügelchen noch andere Hilfsmittel haben unserem Mädchen bislang geholfen, alleine ein- bzw. durchzuschlafen. Dafür begriff ich, dass Schlafen ein Reifeprozess ist, der genau wie das Laufen, Essen oder Sprechen, Zeit und Geduld bedarf. Erst diese Erkenntnis und das Wissen, dass es völlig normal ist, wenn Babys nicht nach wenigen Wochen durchschlafen, halfen mir, mich zu entspannen.

Bücher, z.B. von González, Sears oder Lüpold, bestärkten mich in meinem Handeln und meine ursprünglichen Gedanken: es ist völlig in Ordnung, unser Mädchen im Tuch zu tragen, sie in den Schlaf zu stillen bzw. ein Bett mit ihr zu teilen. Diese Literatur bestätigte nicht nur meine intuitive Entscheidung, sondern ermutigte auch Fakten und Ratschläge von sogenannten Experten zu hinterfragen, sobald das Bauchgefühl Alarm schlägt.

 

 

 

 

 

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  • Linde

    Schnuller hat unser am Anfang viel genommen (nachdem ich abgestillt habe ) und inzwischen fast garnicht mehr. Manchmal vergesse ich ihn auch zu Hause. Die Umgebung ist einfach interessanter als ein Schnuller.
    Und „Kügelchen “ klingt ja grausam. Oo ich stells mir gerade bildlich vor. Puuh …

  • Sileick

    Ich fühle mit Dir! So ähnlich, nur mit anderen Mitteln, ging es uns anfangs auch. Zum Glück haben wir ein Kind, das seine Bedürfnisse deutlich zu verstehen gab und gibt und dabei nicht aufgeben mag. 😉 Unsere Tochter hat uns gezeigt, was sie braucht, und zusammen mit einer Laktationsberaterin, einer Trageberaterin und unserer wunderbaren Hebamme haben wir alle die schönen Wege gefunden (stillen, stillen, stillen, tragen, mit dem Kind schlafen, auf seine Bedürfnisse zugewandt zu reagieren, das Kind als Persönlichkeit ernst nehmen), die unsere kleine Dreimeschfamilie erst richtig glücklich gemacht hat. Eine wunderbare Erfahrung. Ich kann alles, was Du hier schreibst, von Herzen nachempfinden.

  • Hallo Kathrin,

    mich hat zwar Niemand genervt aber durch meinen Beruf (Erzieherin) hatte ich am Anfang immer das Gefühl ich mache alles falsch, wenn ich meine Kleine stundenlang kuschelte, zum Trost stillte oder mit zu mir ins Bett nahm. Ich habe es immer wieder anders versucht und jedes Mal Albträume und Heulkrämpfe bekommen . Artikel wie Deine und die Unterstützung von meinem mann haben mir dabei geholfen mein schlechtes Gewissen zu überwinden und auf meinen Instinkt zu hören.
    Mittlerweile geht es mir richtig gut und meine Kleine ist überhaupt nicht verwöhnt:-)
    Es scheint um eine gute Mutter zu sein braucht man keine Pädagogin zu sein, sondern nur auf die Bedürfnisse seines Kindes UNd von sich selbst zu hören…

    Vielen Dank

  • Sabine

    DANKE für Deine tollen Berichte, ich fühle mich soooo bestärkt in allem. Uns wurde auch von sehr vielen „Experten“ geraten. Im Krankenhaus bin ich gar nicht erst geblieben, es war kein Familienzimmer frei. Als er eine Woche alt war wurde uns schon geraten, ihn doch mal schreien zu lassen. Ist ja gut für die Lungen. Und das ich stille, oder so lange stille können auch noch nicht viele verstehen. Es heißt dann immer, er ist ja toll entwickelt. So nach dem Motto, obwohl Du stillst. Familienbett dürfen wir auch nicht allen erzählen. ABER es gut unserer FAmilie gut damit. Er ist ein liebes, zufriedenes Baby. Er wird gestillt wann immer er möchte, wird viel getragen (auch ein Drama, da uns der Kinderwagen geschenkt wurde) aber Kinderwagen fühlte sich von Anfang an falsch an. Und ich habe es versucht… Familienbett ist auch toll, vorallem in so Nächten wo er Zähne bekommt, krank ist oder oder oder… Ich möchte nicht wirklich alle 1 1/2 Stunden aufstehen müssen. Also noch mal Danke für Deine tollen, ehrlichen, aufmunternden, lieben Berichte!!!

  • Sabine (2)

    Liebe Kathrin, danke für deine liebevolle, persönliche und informative Seite! Hab das „Gonzales-Buch“ von einer Freundin geliehen bekommen und find´s so super! (Da hat man immer was parat für „schlaue Ratschläge“ der lieben Verwandten u.a. Leuten.) Linda (6 Mon) schläft auch ausschließlich im Tragetuch. Ich weiß noch den Tag genau, an dem sie nicht mehr im Kinderwagen bleiben wollte, da war sie knapp einen Monat alt, ich hatte sie aber vorher schon oft in der Manduca, die später vom Tuch abgelöst wurde. (Tragen hat meine Hebamme postuliert.) Eines würde mich interessieren: wie hast du mitbekommen, dass eure Tochter reif ist, (auch mal) im Bett zu schlafen? Hat sie es dir signalisiert oder hast du´s von dir aus immer mal wieder ohne Tuch probiert? So gern wie ich Linda trage, sie wird immer schwerer, ich bin schon in Rückenbehandlung und ein wenig sehne ich mich danach, sie wenigstens ab und zu mal abzulegen. Ich bleib auch gern neben ihr liegen (das hat auch schon ein-, zweimal geklappt)! Mit ihr im Tuch muss ich oft gehen oder Treppen steigen, damit sie schläft, kann sonst kaum was erledigen, sie ist z.T. durch kleinste Bewegungen oder Geräusche irritiert und wird wach. Das wird mit der Zeit ganz schön anstrengend und es bleibt viel Hausarbeit liegen. Auch kochen und essen ist schwierig … Danke für ein feedback, hier oder auch per mail! (Auch deine Beikost-Sachen sind super, Linda isst auch grad keinen Brei und ich werd ihr eher so Häppchen geben, wie du es beschreibst. Danke, das ermutigt mich sehr!) Sabine (eine andere …)

  • ann-marie

    Hallo Kathrin, vielen dank für diese supertollen Artikel speziell zum Thema „schlafen“!
    Immer wenn Henry mal wieder nachts stundenlang wach ist und nicht einschlafen will lese ich fleissig…
    Jeder einzelne bestärkt und bestätigt mich das das was ich tue richtig ist…
    Mach aufjedenfall weiter so,:)

  • Nicole

    Ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen. Ich finde es super interessant was du schreibst und schön wie du schreibst. Ich erkenne mich bzw. meine Tochter (15 Wochen) in einigen Artikeln wieder. Ich Stille noch voll und möchte auch solange stillen wie sie es möchte und nicht zu einem festen Zeitpunkt aufhören, nur weil man sonst von anderen komisch angeguckt wird. Mit dem Schlafen haben wir auch so unsere Probleme. Tagsüber wird wenig geschlafen und wenn dann auch nur auf meinem Bauch und weglegen darf ich sie dann auch nicht. Und nachts ist die Brust ihre Einschlafhilfe, was von Anfang an so gewesen ist. Ich habe schon andere Sachen ausprobiert, ohne Erfolg. Und mittlerweile und auch durch deine Seite, denke ich, wenn sie mich braucht bzw. nur auf mir drauf einschlafen kann, dann ist das so und wir werden auch erstmal nichts dran ändern. Ich habe mir jetzt auch das Buch „In Liebe wachsen“ bestellt . Danke, dass es deine Seite gibt :)

    • Vielen Dank für Deine lieben Worte und viel Spaß mit der neuen Lektüre. „In Liebe wachsen“ ist ein wirklich wunderbares Buch!

  • Luigia

    Hallo liebe Kathrin,
    Dein Blog hat mir viel kraft und Bestätigung gegeben es richtig zu machen. Meine Güte hätte nie gedacht das mein einschlafstillen so verteufelt wird von anderen, ich meine den kleinen wach ins Bett legen und daneben bleiben bis er schläft und nur durch Singen oder streicheln beruhigen aber trotzdem weinen lassen ( und dann hören da muss man durch) ist genauso grausam als weggehen und allein lassen. Dauernd muss ich mir anhören das er das immer so haben will bla bla. Mein Gefühl und meine Instinkte sagen mir was anderes. Die ersten 2 Monate hat er nur auf mein Bauch geschlafen dann wurde er größer und es war ihm wohl unbequem jetzt liegt er neben mir, und ich finde es ist das schönste auf der Welt wenn 2 kleine Hände dich morgens grinsend aufwecken ( auch nach wenig schlaf :p )
    In liebe wachsen ist wundervolles Buch hat mir sehr gefallen und in vielen Dingen mich bestätigt richtig zu handeln.
    Wünsche dir noch eine schönes letztes Trimester und danke für diese Seite :)

    • Vielen lieben Dank, Luigia!!

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