Problemzone Familienbett – es gibt (mehr als) eine Lösung

Kathrin Schlafen 131 Kommentare

Dass kleine Kinder direkt neben der Mutter schlafen, ist für manche Kulturen so natürlich, wie uns das Schlafen der Eltern im gemeinsamen Ehebett erscheint.[1] In Deutschland wollen die meisten Paare nachts nicht auf die Nähe ihres Partners verzichten, auch wenn sie alleine ruhiger und erholsamer schliefen (siehe auch „Schlafen zu zweit – ein nächtlicher Kampf“). Warum also kleine Kinder in ein eigenes Zimmer verbannen, obwohl es ihnen ganz nah an der Mutter spürbar besser geht?

Die Gründe sind vielfältig. Viele glauben, dass gemeinsames Schlafen Kinder verwöhnt, sie unselbstständig macht und für schlechte Schlafqualität sorgt – bei Groß und Klein. Diese Befürchtungen sind jedoch unbegründet. Das einzig reale Problem liegt darin, dass die Interessen der Eltern mit den Bedürfnissen der Kinder kollidieren. Das sorgt für Reibereien – allerdings nicht nur beim Schlafen…

Was Kinder brauchen

Kinder brauchen Körperkontakt und die sichere Nähe eines Erwachsenen – am Tag wie in der Nacht. Oder anders gesagt: ohne vertraute Bezugsperson fällt es ihnen schwer einzuschlafen. Die Natur hat es außerdem so eingerichtet, dass Kinder (v.a. in den ersten Monaten) nachts häufig aufwachen, um zu „kontrollieren“, dass sie nicht alleine sind. Ein Schutzmechanismus, der früher ihr Überleben sicherte. Dass es heute gar keine Gefahren mehr gibt, können Kinder nicht spüren – „die einzigen Sicherheitssignale, die sie verstehen können, sind die „Nähesignale“ vertrauter Erwachsener“ (siehe auch „Warum Babys nicht durchschlafen“).[2]

Was Eltern wollen

Eltern brauchen erholsamen Schlaf und natürlich Zeit für sich. Das Leben mit einem Kind ist schließlich anstrengend. Tagsüber gibt es nur wenige Ruheoasen, da werden die Abend- bzw. Nachtstunden schnell zum kostbaren Zeitfenster für all die vielen Dinge, die noch erledigt werden wollen.

Der Irrtum

Ein Kind ins eigene Bett zu stecken ist kein Garant für’s selbstständige Ein- und Durchschlafen. Es hat doch nicht weniger Kummer, Furcht oder Schmerz, als ein Kind, das bei seinen Eltern schlafen darf!? Die meisten Kinder wehren sich und sie protestieren lautstark, wenn sie allein gelassen werden. Das ist kein Machtkampf wie viele meinen, sondern angeborene, ehrliche Angst!

Finger weg vom Schlaftraining!

Es gibt Schlaflernprogramme, die Kinder gegen ihre Bedürfnisse konditionieren, alleine ein- und durchzuschlafen. Sie funktionieren leider manchmal dahingehend, dass das Kind nach einiger Zeit ruhig – scheinbar selbstständig – schläft. In Wirklichkeit lernt es, dass es gerade dann verstoßen wird, wenn es dringend Hilfe braucht. Es gibt auf (zu schreien). Das jedoch verursacht immensen Stress. Dieser kann die Gehirnentwicklung negativ beeinträchtigen und ein hohes Risiko für die psychosoziale Entwicklung bedeuten.[3] „Ein Kind, dem der Instinkt abtrainiert wurde, bei einer Trennung von seinen Eltern zu schreien, darf [also] nicht mit einem zufriedenen verwechselt werden.“[4]

Gemeinsam Schlafen? Natürlich!
Bildquelle: http://www.sxc.hu/

Familienbett –warum ist es so gut?

Ich als absoluter Fan vom Familienbett könnte dir 1000 Gründe nennen. Die Wissenschaft hat sich jedoch – ganz objektiv – mit diesem Thema beschäftigt und durch Schlafstudien interessante Erkenntnisse gewonnen. Das Fazit: „gemeinsames Schlafen ist eine echte Investition in die zukünftige körperliche und emotionale Gesundheit des Kindes.“[5] Hier ein paar Details:

1. Mutter und Kind schlafen im gemeinsamen Bett besser. Die Vorraussetzung ist, dass die Mutter sich bewusst und freiwillig dafür entscheidet. Im Familienbett fühlt sich das Kind sicher und es kann meist beruhigt werden, bevor es ganz wach ist. Aber auch Mütter sind nachweislich entspannter: Eine Mutter, die nachts getrennt von ihrem Kind schläft, ist häufiger wach aus Sorge, ob es ihm gut geht. Sie leidet – genau wie ihr Kind – unter Trennungsangst: je größer die räumliche Distanz zum Kind, desto unruhiger wird sie schlafen.[6]

Ich holte unser Mädchen bereits in der Klinik zu mir ins Bett. Die Schwestern schlugen vor, sie ins „Schlafzimmer“ zu bringen (ein Raum am anderen Ende des Flures, wo Babys bewacht schliefen), damit ich ein paar Stunden in Ruhe schlummern konnte. Schon der Gedanke daran jagte mir eine Jahresration Adrenalin durch die Adern… Ein ähnlicher Gefühlsausbruch dann in unserer Wohnung: es gibt nur Platz für ein eigenes Kinderzimmer in einer anderen Etage. Jede Nacht eine Treppe hinauf sausen, wenn unser Mädchen ruft. Nein, nein! Dann doch lieber in einem Bett kuscheln.

Eva und Nina in absoluter Schlafharmonie
Vielen Dank Nina!

2. Mutter und Kind entwickeln identische Schlafzyklen, wenn die Mutter stillt und von Anfang an gemeinsam mit ihrem Baby schläft. Das heißt einerseits, dass die Mutter häufigere REM-Phasen (Phasen leichteren Schlafes) durchläuft – der Anteil der REM-Phasen sinkt normalerweise mit zunehmendem Alter. Andererseits wechseln Mutter und Kind nahezu zeitgleich von Phasen leichteren Schlafes zum Tiefschlaf und umgekehrt. Somit reißt das erwachende Baby seine Mutter selten aus dem erholsamen Tiefschlaf. „Der Schlaf der Mutter ist zwar leichter, allerdings deshalb nicht weniger erholsam.“ [7]

3. Das nächtliche Stillen wird erleichtert, somit wachen weder Kind noch Mutter richtig auf. Einfach umdrehen, andocken, weiter schlafen – wer weniger als 15 Sekunden wach ist (egal ob alt oder jung), schläft schnell wieder ein.[8] Selbst wenn keine Stillmahlzeit ansteht, beruhigt sich ein Kind ganz schnell, sobald es Mama spürt, riecht und hört. Kinder, die minutenlang rufen und Mütter, die erst ins Kinderzimmer flitzen müssen, sind mit Sicherheit hellwach.

4. Das Kind fühlt sich nicht allein gelassen und erfährt viele Stunden zusätzlichen Körperkontakt. Ob ein Kind dadurch besser wächst und gedeiht, kann nicht eindeutig durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt werden. Sicher ist allerdings, dass sich jede beängstigende Erfahrung im ersten Lebensjahr negativ auf die Gehirnentwicklung eines Kindes auswirkt.[9] Ein Familienbett kann natürlich nicht alle angsteinflössenden Faktoren beseitigen, aber es kann zu einem Ort werden, an dem sich ein Kind sicher und geborgen fühlt.

Gemeinsam statt einsam

Wo soll mein Kind schlafen?

Das Wo ist weniger entscheidend – viel wichtiger ist es, eine Schlaflösung zu finden, die für alle Beteiligten passt. Eltern, die ihr Kind freiwillig zu sich ins Bett nehmen, erleben das sehr positiv. Wer sich allerdings nur für gemeinsames Schlafen entscheidet, weil sonst nichts hilft, leidet oft darunter.

„Der richtige Schlafplatz für dich und dein Kind ist derjenige, der für dich richtig ist und an dem alle (Mutter, Vater und Kind) am besten schlafen.“[10]

Mögliche Schlaflösungen

Was heißt das konkret? Gemeinsames Schlafen kann ganz unterschiedlich aussehen und schließt nichts aus (auch nicht ein eigenes Kinderbett), solange die Möglichkeit besteht, auf die Nähebedürfnisse des Kindes einzugehen. Da jede Familie individuelle Lebensverhältnisse, Tagesabläufe, Ansprüche und Bedürfnisse hat, ist manchmal etwas Kreativität gefragt, damit sich alle Familienmitglieder wohl fühlen. Hier ein paar Beispiele:

Der Klassiker sieht vor, das Kind ins elterliche Bett zu nehmen. Dieses kann ein normales Doppelbett sein (mindestens 1,60 m Breite) oder ein Matratzenlager (mehrere Matratzen nebeneinander). Handwerklich geschickte Eltern können sich dafür einen kleinen Holzrahmen bauen, so rutschen die Matratzen nicht auseinander. Es geht aber natürlich auch ohne.

Kinderbett am Ehebett – so könnte es aussehen.
Bildquelle: http://www.babble.com/blogs/

Einige Familien haben bereits, zum Teil aus Platzgründen, das Kinderbett im elterlichen Schlafzimmer stehen. Wer sein Schlaflager weiterhin nicht teilen, aber das Kind in greifbarer Nähe haben möchte, kann ein Kinder- oder Beistellbettchen direkt ans eigene Bett stellen.
Wer sein Kind stillt, kann beim Kinderbett die Gitterstäbe an einer Seite herausnehmen, so kann das Kind nach dem Trinken ganz einfach wieder zurück geschoben werden.

Wer Wert auf getrennte Räume legt, kann eine Matratze oder ein Bett ins Kinderzimmer stellen, damit ein Elternteil – wenn nötig – dort schlafen kann. Das Kind hat so die Möglichkeit sich ans selbstständige Schlafen zu gewöhnen (wenn man so will), aber erfährt Beruhigung durch die Eltern, sobald es sie benötigt. Diese Variante eignet sich auch hervorragend für größere Kindern. Mein Neffe (5 Jahre) beispielsweise kann manchmal nicht ohne seine Mama schlafen. Unter seinem Hochbett hat meine Schwester deshalb eine Matratze gebunkert, die sie gerne mit ihm teilt, wenn die Monster mal wieder zuschlagen. Je nach Raumsituation kann solch eine Matratze aber auch unter/ neben das Elternbett geschoben werden, dann besucht der Knirps im Notfall die Eltern – nicht umgekehrt.

Zwar wird Familienbett zunächst mit Mutter, Vater und Kind(er) assoziiert– es ist aber durchaus möglich ein Kind bei anderen Familienangehörigen schlafen zu lassen, z.B. den Großeltern oder älteren Geschwistern. So bekommen die Eltern ihren wohlverdienten Schlaf und der Knirps seine Kuscheleinheit.

Was die Skeptiker sagen

An dieser Stelle ein paar entwaffnende Argumente für alle „Gegner“ des gemeinsamen Schlafens.

Kinder und Mütter schlafen besser im eigenen Bett

Sie schlafen anders im eigenen Bett, nicht besser. [11] Schlafstudien zeigen, dass Babys, die bei ihren Müttern schlafen zwar öfter für kurze Zeit aufwachen, über die gesamte Nacht gerechnet aber eine kürzere Zeit wach sind, als alleinschlafende Babys. Auch weinen sie seltener. „Einzelschläfer dagegen wachen zwar seltener auf – wenn sie aber aufwachen, dann richtig und mit gehörigem Protest.“[12]

Mütter, die freiwillig mit ihren Kindern nächtigen, behaupten erholsam zu schlafen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich sehr gut anfühlt mein Bett zu teilen – ich liebe das kleine anschmiegsame Bündel an meiner Seite. Ich kann tief schlafen, weil ich sofort merke, wenn unser Mädchen wach wird und an manchen Tagen weiß ich noch nicht einmal wie oft ich sie gestillt habe, weil ich so schnell wieder eingeschlafen bin.
Ungemütlicher wird es nur, wenn sie krankheitsbedingt oder zahnbedingt nicht schlafen kann, dann bin ich natürlich auch wach. Manchmal sogar zwei Stunden. Doch ich möchte sie nicht alleine lassen, wenn es ihr nicht gut geht. Ich darf in solchen Nächten glücklicherweise (fast immer) liegenbleiben, während unser Mädchen sich nahezu geräuschlos auf mir herum wälzt. Bis sie wieder schlafen kann…

Das Kind wird zu sehr verwöhnt

Wenn ein Kind bei seinen Eltern schlafen darf, werden lediglich seine elementaren Bedürfnisse gestillt. Es bekommt bei seiner Mutter genau das, „was es für eine Reise in den Schlaf von Natur aus benötigt – nicht mehr und nicht weniger.“[13]

Das Kind wird nie selbstständig

Wie heißt es noch? Kinder müssen sich daran gewöhnen, ohne die Hilfe der Eltern einzuschlafen, weil sie sonst nicht selbstständig werden? „Das kann weder durch wissenschaftliche Untersuchungen noch aus Sicht der Evolutionstheorie begründet werden.“ „Selbstständige Schläfer sind selbstständige Schläfer – und dadurch nicht unbedingt selbstständige Menschen. [14] Führte gemeinsames Schlafen tatsächlich zur Unselbstständigkeit, gäbe es die Menschheit wohl heute nicht mehr.

Gemeinsames Schlafen ist gefährlich

Kann etwas, das sich über Jahrtausende bewährt hat, ernsthaft gefährlich sein? Natürlich nicht! Befürchtungen man könne sein Kind erdrücken oder ersticken sind unbegründet, denn Babys lassen sich nicht ohne Gegenwehr ersticken: selbst ein Neugeborenes strampelt und schreit, wenn etwas seine Atmung behindert.

Das Familienbett stellt ein Risiko für den plötzlichen Kindstod dar

„Eigene Zimmer für Kinder sind ein Phänomen der westlichen Mittelschicht, in Asien [beispielsweise] schlafen nur 4% der Babys allein.“ Interessanterweise tritt der plötzliche Kindstod am seltensten in den Ländern auf, in denen Co-Sleeping üblich ist.[15] Mütter, die neben ihrem Kind schlafen, spüren offensichtlich eher – und reagieren entsprechend, wenn etwas nicht stimmt. Gemeinsames Schlafen im Familienbett erhöht also nicht das Risiko des plötzlichen Kindstodes, ganz im Gegenteil.

Das Liebesleben der Eltern bleibt auf der Strecke

Bleibt es nach der Geburt so oder so – zumindest für eine gewisse Zeit. Aber das ist ein anderes Thema. Ich wette, dass bei den meisten Paaren früher das Liebesleben auch nicht nur im Schlafzimmer statt fand. Will heißen: wo ein Wille ist, findet sich sicherlich ein (anderes) lauschiges Plätzchen…

Tipps für einen sicheren Schlafplatz

Was gibt es zu beachten?

Es ist nicht gut, wenn Raucher neben dem Kind schlafen. Ausgeatmete Luft enthält Nikotin- und Schadstoffreste, welche vom Kind eingeatmet werden könnten.

Verzichte auf Beruhigungsmittel, Drogen oder Alkohol. Alle Substanzen, die das Bewusstsein beeinträchtigen, können verhindern, dass du rechtzeitig erwachst und angemessen reagierst.

Lasse dein Kind erst bei seinen größeren Geschwistern schlafen, wenn es robust genug (über ein Jahr) ist. Kinder sind sich der Anwesenheit eines Babys im Bett meist nicht bewusst und könnten sich drauf legen.

Lasse keine Tiere im Familienbett schlafen. Unsere Katze hat sich früher mit Vorliebe auf mein Gesicht gelegt – das kann bei Säuglingen lebensgefährlich werden.

Die Temperatur im Schlafzimmer sollte zwischen 16-18 °C betragen. Achte darauf, dass dein Kind nicht zu heiß angezogen bzw. zugedeckt wird. Im Familienbett ist es wärmer, als allein im Kinderbett. An heißen Sommertagen beispielsweise reicht ein Body und ein Baumwolltuch als Decke völlig aus.

Sichere das Schlaflager so ab, dass dein Baby weder heraus fallen, sich einklemmen noch irgendwo hinein rutschen kann. Am Anfang kannst du ein Doppelbett beispielsweise an die Wand stellen –  dein Kind schläft dann zur Wandseite hin. Lasse dein Kind grundsätzlich lieber zwischen dir und der Wand als zwischen dir und deinem Partner liegen. Väter schlafen meist wie Steine.

Ein Sicherheitspolster sichert die ungeschützte Seite des Babys.
Bildquelle: http://www.inhabitots.com/

Sobald sich dein Knirps drehen kann (besser vorher, denn das können sie meist von jetzt auf gleich), musst du ein Gitter anbringen. Was genau für welches Bett möglich ist, kannst du am besten im Baumarkt erfragen.

Ganz wichtig ist die Größe der Liegefläche – sie muss so groß sein, dass alle Beteiligten genügend Bewegungsfreiraum haben. Ist die Matratze zu klein, leidet hauptsächlich die Mutter. Ich spreche aus Erfahrung. Unser Mädchen und Thomas haben auch in den kleinsten Betten hervorragend geschlafen, während ich zwischen den beiden eingeklemmt, kein Auge zu gemacht und das Kind vor dem Herausfallen bewahrt habe.

Die Schlafunterlage sollte eine feste Matratze sein. Ein Wasserbett beispielsweise ist nicht geeignet, weil dein Kind einsinken könnte. Dieses Problem hatten wir bei unserem ursprünglichem Doppelbett. Ich verursachte ein „Tal“ in der Matratze (der Lattenrost konnte nicht härter eingestellt werden), so dass unser Mädchen automatisch immer zu mir kullerte. Ziemlich blöd. Wir legten die Matratze auf den Boden und schwups war alles gut. Apropos…

Unser Familienbett

Am Anfang war eine Matratze

Wenige Tage nach der Geburt haben wir das Kinderbett verbannt und das Ehebett zerlegt. Übrig geblieben ist eine Matratze auf dem Fußboden. Da wir in einer Dachgeschosswohnung mit Dielenfussboden leben, besteht keine Gefahr, dass sich unter der Matratze Schimmel bildet.

Unsere ursprüngliche Matratze war 1,40m breit und schnell zu schmal für uns drei. Thomas zog vorerst aus, auch weil er im Wohnzimmer ruhiger schlafen konnte.

Unser Mädchen leg(t)e ich immer in die Mitte der Matratze. Will sie stillen, erledigen wir das im Liegen. Sie bleibt liegen, ich wechsele die Seiten.

Von Beginn an, habe ich ein längliches, recht festes Kissen (so eine Art Sicherheitspolster) hinter unser Mädchen gelegt, um ein Wegrollen zu verhindern. Es ist so schwer, dass sie es (immer noch) nicht alleine hochheben kann. Also keine Gefahr, dass sie sich darunter vergräbt.

Als sie anfing sich zu drehen erhöhte ich den „Schutzwall“ – das Sicherheitspolster. Als sie begann zu krabbeln, polsterte ich den Platz vor der Matratze sicherheitshalber mit Decken aus. Einmal ist sie von der Matratze gekullert – ein schrecklicher Schreck, doch aus der Höhe war nichts passiert.

Fortschritt Matratzenlager 

Nach ein paar Wochen schlief unser Mädchen wesentlich ruhiger und Thomas sollte wieder einziehen. Wir starteten eine Umräumaktion und legten zwei 1,40 Meter Matratzen in unser Schlafzimmer. Eine fast 3 Meter breite Schlafoase – einfach genial!

Wir schlafen seitdem alle gemeinsam, aber kommen uns nicht ins Gehege. Thomas hat in der Nacht gerne seine Ruhe und wir Mädels rücken lieber ganz eng zusammen. So hat jede(r), was er/ sie braucht.

Matratzenlager – viel Freiraum für alle.
Bildquelle: http://homelifegreenlife.com/

Nächtliche Routine

Ich bringe unser Mädchen immer ins Bett, da ich sie noch stille. Gerne stille und kein Problem damit habe.

Wenn sie eingeschlafen ist – je nach Tagesform und Laune dauert das zwischen 30 – 60 Minuten – gehe ich in die Küche und schreibe wie eine bekloppte an meinen Artikeln. Dabei ist es so leise in unserer Wohnung, dass ich sofort jedes Wimmern mitbekomme und prompt reagieren kann. Wird sie wach, stille ich sie und mache mich anschließend wieder aus dem Staub. Das klappt nur dann nicht, wenn sie krank ist oder zahnt. Dann lässt sie mich meist gar nicht mehr gehen. Ich seufze (manchmal fluche ich auch), weil ich nicht weiter schreiben kann, aber höre dann entweder ein Hörbuch, spiele lustige Spiele auf dem iPod (sehr zu empfehlen Siedler von Catan) oder schlafe mit ein.

Wenn wir Filme schauen oder Freunde zu Besuch sind, stelle ich das Babyphone an. Das reagiert auf den leisesten Muckser, so kann ich wie oben beschrieben verfahren.

Transportables Familienbett

Das gute am gemeinsamen Schlafen ist, dass es auch auf Reisen prima funktioniert. Unser Mädchen ist an den wildesten Orten in Ruhe weggeschnarcht, weil die nächtliche Routine, immer die gleiche ist und sie weiß, dass ich da bin, wenn es brennt.

Was sagt der Papa?

Thomas steht glücklicherweise 100%ig hinter unserem „Schlafkonzept“. Für ihn ist es wichtig, dass es uns allen (emotional) gut geht. Von unseren nächtlichen Stillaktionen bekommt er selten etwas mit und gestört wird er nur in extremen Nächten. An den meisten Tagen jedoch fragt er mich beim Frühstück, wie die Nacht war. So tief schläft Mann!

Schlussgedanke

William Sears bringt es wieder einmal auf den Punkt:

Das Kind im Familienbett willkommen zu heißen (nicht nur zu „dulden“) vermittelt dem Kind die Botschaft „Du bist eine wichtige Person für uns. Wir sorgen für dich in der Nacht genauso wie am Tag.“

In der Nacht reagieren Kinder manchmal sensibler, als am Tag. Sie verarbeiten aufregenden Ereignisse, spüren körperliche Schmerzen (Zähne, Wachstum) vermehrt, wenn sie zur Ruhe kommen und stehen verschiedenste Ängste durch (z.B. Trennung, Dunkelheit, Monster). Sie brauchen unseren Schutz und unsere Zuwendung also auch (wenn nicht noch mehr) in dieser „dunklen “ Tageszeit.

Verfrühtes Drängen zur Unabhängigkeit kann großen Schaden anrichten und teilweise sogar Gegenteiliges bewirken. Dessen sollten sich Eltern bewusst sein, wenn sie nach einer geeigneten Schlaflösung suchen.

Außerdem glaube ich, dass es uns Erwachsenen leichter fällt 2-3 Jahre schlechter (als bisher gewohnt) zu schlafen, als einem Kind. Wir sind gefestigt in unserem Wesen und in der Lage einiges wegzustecken. Kinder dagegen reifen noch. Ihre Seele ist fragil und kann schnell einen Knacks abbekommen. Die ersten Lebensjahre sind dabei ganz besonders wichtig, denn sie bilden das Fundament für das gesamte Leben. Warum also hier schon auf Sparflamme schalten mit unseren Gefühlen?

Thomas jedenfalls würde ich nie aus dem Ehebett werfen – selbst wenn er mir jede Nacht die Decke stähle – denn nichts fühlt sich besser an als neben einem geliebten Menschen einzuschlafen bzw. aufzuwachen. Für unser Mädchen gilt das Gleiche – sie darf bei uns bleiben, solange sie möchte. Dass ihr das gut gefällt, zeigt sie mir jeden Morgen mit ihrem breitesten Lächeln.

Links zum Thema 

Eltern.de: Familienbett – eine super Lösung
Ein sehr schöner, persönlicher Artikel von der Eltern-Autorin Nora Imlau.

Rabeneltern.org: Wissenswertes über den plötzlichen Kindstod
Dieser Artikel geht auch auf das Familienbett bzw. dessen Vor- und Nachteile ein.

Stilllexikon: Familienbett oder nicht?

 

 


Footnotes    (↵ returns to text)
  1.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 100.
  2.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 104.
  3.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 43.
  4.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 79.
  5.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 70.
  6.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 30.
  7.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 30.
  8.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 72.
  9.  Lüpold, Sibylle: Ich will bei Euch schlafen(2007), S. 35.
  10.  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. 27.
  11.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 130.
  12.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 128.
  13.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 106.
  14.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), S. 106.
  15.  Sunderland, Margot: Die neue Elternschule (2006), S. 73.

Newsletter Kathrin

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  • Katrin

    DANKE Kathrin!!!
    Unsere kleine Tochter(knapp 10 Monate) liegt auch bei uns im Familienbett! Ich stille nachts noch (manchmal auch sehr oft)
    Gott sei dank steht mein Partner hinter mir.

    Auch ich muss mir immer wieder anhören das ich schaun muss das ich die kleine aus unserem Bett raus bringe sonst liegt sie dort bis in die Schulzeit.
    Oder auch letztens diese Meldung: „stillen musst du nachts nicht mehr denn das brauchen sie in diesem Alter nicht mehr- auch wenn es hart ist musst du sie halt schrein lassen“.

    Der pure Wahnsinn für mich solche Aussagen!

    Also fühle ich mich wieder gestärkt durch den Bericht.

    Danke!
    LG
    Katrin

    • Das freut mich sehr, Katrin! Danke!

  • Hallo Kathrin,

    ich bin heute zufällig auf deine Seite gestoßen und dann ziemlich lange dort geblieben bin. Ersteinmal ein dickes Kompliment, dass sieht alles nach ziemlich viel Arbeit aus.
    Ich würde gerne einmal meine Erfahrung zum Thema Schlafen beisteuern:
    Ich bin Erzieherin und Tagesmutter und seit Kurzem auch Mutter. Seit ich Mutter bin hat sich meine Sichtweise auf viele Dinge sehr geändert. Vorher war ich immer der Meinung ein Kind solle alleine schlafen können. Ich habe zwar nie dazu geraten Kinder schreien zu lassen, weil ich das barbarisch finde. Allerdigs habe ich den Eltern immert geraten das Kind langsam daran zu gewöhnen, dass es alleine einscghlafen kann. Bei mir auf der Arbeit sind auch alle Kinder (0 – 3) immer alleine eingeschlafen ohne zu weinen. Ich habe nie verstanden warum man ein Kind mit ins Bett nehmen sollte und hielt das auch für gefährlich.
    Als meine kleine Emilia vor drei Monaten geboren wurde, ist sie nach dem Stillen immer so süß auf meinem Bauch eingeschlafen, dass ich es einfach nicht übers Herz bringen konnte sie wegzulegen. Ich hatte jedoch totale Gewissensbisse, dass ich sie verwöhne und sie dadurch nie alleine schlafen kann. Eine nette Kinderkrankenschwester hat mir dann gesagt ich solle auf meinen Instinkt hören und machen was uns gut tut.
    Als wir zuHause waren habe ich noch einmal versucht Emilia ins Kinderbett zulegen – sie hat zwar geschlafen, aber ich nicht und ich hatte schlimme Albträume!!!
    Seit dem habe ich Emilia immer mit zu mir ins Bett genommen und mittlerweile schläft sie im Beistellbett ein und wenn sie gegen morgen unruhig wird bleibt sie nach dem stillen bei mir im Bett.
    Ich weiß nicht, ob es daran liegt, oder sie einfach nur ein ausgeglichenes Kind ist, aber ich habe noch kein so friedliches und entspanntes Kind wie meine Kleine erlebt. Sie schläft super viel, mal bei mir mal alleine (z.b. Mittags), sie weint nicht und kann sich mit drei Monaten schon fast eine Stunde alleine beschäftigen, wenn ich z.B. den Haushalt machen muss. wenn Emilia (alleine) aufwacht ist sie immer super gut drauf und schaut sich erstmal in der Gegend um, sie scheint zu wissen, dass Mama oder Papa für sie da sind. Wir reargieren immer sofort, wenn sie anfänft zu quengeln und ich mache immer das was mir mein Instinkt sagt und nicht das, was ich als Erziehrin gelernt habe. (Manchmal sitzen wir einfach stundenlang auf der Couch und kuscheln)
    Als Fatzit muss ich sagen, dass ich keinen Eltern mehr raten werde, was als pädagogisch wertvoll gilt, nähmlich Kinder schreien zu lassen und zum alleine-schlafen zu zwingen, sondern immer das zu tun was einem der Instinkt rät und nicht auf die Gesellschaft zu hören. Ich glaube mittlerweile, dass das Beste für das Kind UND die Mutter ist. Und wie man an meiner Tochter sehen kann, verhindert das nicht, dass das Kind selbständig wird und alleine zurecht kommt, sondern stärkt sein Vertrauen in die Umwelt und in sich selbst.
    Deine Seite hat mich nochmal in darin bestärkt auf meinen Mutter-Instinkt zu hören und ich danke dir dafür:-)

    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Herzlichen Dank für Deine ausführlichen Beiträge!! Ja, in diesem Blog steckt unfassbar viel Arbeit drin, aber die vielen Leser und Leserkommentare zeigen mir, dass Texte wie meine ziemlich wichtig sind. Das gibt nicht nur Euch sondern auch mir ein sehr gutes Gefühl :)

  • Angela

    Hallo Kathrin,
    Ich danke die für die tollen Worte, die Geschichten und Emotionen an den du und teilhaben lässt.
    Ich bin zwar nach alter Schule aber sehr liebevoll erzogen und aufgewachsen. Meine Geschwister und ich waren je 1 Jahr mit bei meinen Eltern im Zimmer und danach bis auf mein Bruder immer zu zweit im Zimmer.
    Ich hatte auch das Glück viel bei meinen Großeltern zu sein und das auch mal über Wochen ( bei Schnee konnte ich nicht abgeholt werden) meine Oma hatte extra ein Zimmer mit einem Kinderbetreuung und einem großen Bett daneben und wir dürften uns immer aussuchen wo wir schlafen wollten, meist hab ich mich dafür entschieden im großen Bett mit Oma zu schlafen.
    Meine Eltern wie auch Großeltern haben uns vermittelt und gezeigt das sie immer so lange sie leben für uns da sind und uns Überfalles lieben. Dieses Gefühl der Nähe des Glücks und der Geborgenheit können einem nur die dich Liebenden Eltern geben.
    Mein Mann hatte nicht so ein tolles Elternhaus und er sieht jetzt jeden Tag wie wunderschön Danielen leben sein kann, wir versuchen unserem Sohn das selbe zu vermitteln was auch ich erfahren und spüren dürfte.
    Ich habe unseren kleinen ( 11 monate) auch schon im Krankenhaus zu mir geholt mit ging es wie dir mit dem Gedanken nicht bei ihm sein z können und auch andersrum.
    Zuhause haben wir dann unsere Matratzen
    Gegen eine große eingetauscht und ein großes beistelltet noch rangestellt/ befestigt ( wie auf dem Bild oben).
    Doch meist rollt er sich dann zu mir und wenn ich ihm dann zu warm bin geht’s wieder zurück. Und falls er in der Mitte liegt und Mama mal wieder weniger Platz abbekommt bin ich glücklich über das beistelltet den bis auf meine Beine Pass ich Super rein!!
    Ich liebe es das er bei uns schläft und mein Mann unterstützt mich auch in allem und es gibt nicht schöneres früh morgen meine beiden Männer gleich bei mir zuhaben.
    Ich Stille auch noch und gehe dem nächst wieder arbeiten und schon die Vorstellung dann das Zimmer verlassen zu müssen um mit meinem Sohn zu kuscheln oder ihn anzulegen… ne das geht nicht. Dazu kommt er weint nicht auch nicht wenn er Hunger hat, er wälzt sich nur solange rum bis ich ihn anleg, er wacht noch nicht mal auf. Er hat noch nie geweint was ich am Anfang sehr merkwürdig fand und darauf unsere Kinderärztin ansprach sie sagte mir etwas was ich nie vergessen werde “ ihr Sohn muss auch nicht weinen den es scheint als ob er ihnen so stark vertraut und weiß das sie ihn auch ohne stimme verstehen und er auch ohne weinen essen bekommt“
    das hatte mich so berührt und es stimmt, er weint immer noch nicht, auch nicht wenn er aufwacht und ich gerade nicht bei ihm bin.
    Und ich glaube auch das es stimmt das Kinder die gestillt werden und im Familienbett oder im Schlafzimmer der Eltern schlafen sich besser entwickeln. Unser kleiner läuft schon spricht 11 Wörter und macht allerhand motorisch.
    Ich könnte noch so viel schreiben und deine Worte bestätigen, danke noch mal für die tolle Seite!
    Unsere Kinder sind nicht verwöhnt sondern ihrem alter entsprechend umsorgt.

    • Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Unser Mädchen hat zwar am Anfang viel geweint, aber da war ich noch so unsicher und hatte oft große Angst sie in den Schlaf zu stillen o.ä. Seit dem das Familienbett und nächtliche Stillen zur absoluten Selbstverständlichkeit für mich geworden ist, ruft sie mich nur noch, wenn sie wach wird. Sie weiß einfach, dass ich da bin und komme – es gibt (wie bei Deinem Sohn) einfach keinen Grund zu weinen.
      Das fühlt sich toll an, oder?

  • Angela

    Ja das ist ein sehr schönes Gefühl.
    Ich finde es schrecklich das die gestellschaft viele Mütter so verunsichert.
    Sogar manche Hebammen und Co geben so schlimme tips.
    Mein Kind hat einfach nur Glück das ich ein gute Kindheit und auch eine Super Hebamme habe die nur zum Wohle des Kindes handeln und nicht zum Wohle der Freizeit der Eltern. Ein Kind gehört an die Seite der Eltern, vorallem zur Mutter.

    Und wer würde nicht auch gerne rund um die Uhr süße warme Milch trinken wollen. Schmeckt macht satt und man kann gleich mit Mama kuscheln.

    • Schön gesagt! Danke Angela!

  • Pingback: Eine Ode an das Beistellbettchen()

  • Michi

    Wir haben jetzt 200×270 cm! Marke Eigenbau!
    Es ist wunderbar, zu dritt zu kuscheln. Wir freuen und immer schon darauf, ins Bett zu gehen und uns zu unserer Maus zu kuscheln. Den Abend verbringen wir alleine und die Nacht und den Tag gemeinsam. Wir lieben es so.

    • Wow, das ist unschlagbar toll!

  • Heike

    Ja das Thema schlafen hat mir auch so einiges Kopfzerbrechen beschert. Bis zum 3. Monat ist der Kleine im Elternschlafzimmer gelegen. Habe mich auch immer angestrengt dass ich ihn nach dem Stillen wieder zurück in den ausgeliehene Stubenwagen legte. Irgendwie hatte ich Angst dem so zarten Wesen im Schlaf weh zu tun wenn er direkt neben mir gelegen hätte. Das ging allerdings nur wenige Nächte gut, da ich regelmäßig beim Stillen einschlief.
    Als mein Schatz öfters nachts wach wurde bin ich mit ihm ins Kinderzimmer gezogen da sein Vater einen absolut schlechten Schlaf hat. Selbst das Schlucken beim Stillen hat ihn gestört.
    (Ist es jetzt arg anstössig wenn ich erwähne dass mein Mann bereits im Alter von 3-4 Monaten nachts schreien gelassen wurde und nicht mal nach Ferber sondern stellenweise ne ganze Stunde am Stück.)
    Bis etwa im Alter von 2,5 Jahren haben wir so gemeinsam auf 1,40×2,00m geschlafen.
    Und nun seit unserem Sommerurlaub im Juni haben wir einen zweiten Versuch gestartet. Mit Erfolg seither schlafen wir alle drei zusammen im Familienbett. Endlich sind wir auch nachts wieder eine komplette Familie. Mal sehen wie es weitergeht.

    • Oh das hört sich toll an. Ich drücke die Daumen, dass ihr weiterhin tags und nachts eine komplette Familie bleibt :)

  • Johanna

    Hallo Kathrin,

    ich möchte einfach auch erzählen, wie es bei uns lief/läuft. Enno hat mehr oder weniger von Anfang an in seinem Bettchen geschlafen, was direkt neben unserem Bett steht (man könnte es Beistellbettchen nennen, aber es scheint schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel zu haben und nur durch unsere Matratzenerhöhung konnten wir alle drei auf einer Ebene schlafen, wobei immernoch die Kante vom heruntergeklappten Gitter zwischen Elternbett und Kinderbett war. Mal abgesehen davon hat es kein Standard-Beistellbett-Format.) In der ersten Nacht zu Hause hat er auf mir geschlafen, weil die Umgebung wohl doch zu fremd war. Ab der zweiten Nacht hat er weitestgehend neben uns in seinem Bettchen geschlafen, ich hatte aber die halbe Nacht meine Hand auf seinem Bauch. (Ich hab sogar die Hebamme gefragt, ob meine Hand nicht zu schwer wäre für ihn und die Atmung behindern würde.) Er hat relativ gut geschlafen, ich auch und mein Mann auch. Wenn er die ersten Monate Nachts wach wurde, habe ich mich zum stillen hingesetzt und mein Mann hat ihn gewickelt. Nach etwas mehr als zwei Monaten schlief er dann aber von ca. 20-7 Uhr durch. Mit genau 5 Monaten haben wir dann mit Beikost angefangen, weil er deutliches Interesse am Essen gezeigt hat und es dauert auch nicht mehr lange, da wollte er nachts wohl wieder was essen. Ich hab also Nachts wieder (meist einmal) gestillt. Inzwischen war ich aber zu faul, mich dafür extra hinzusetzten, ich hab ihn einfach rüber genommen, auf die seite gelegt, angelegt, er hat getrunken, ich war wieder weg. Nach ca. ner halben Stunde bin ich wieder auf gewacht, hab ihn auf die andere Seite gelegt, er hat nochmal getrunken und ich hab weiter geschlafen. Er dann auch. Bis zu seiner Morgen Mahlzeit. Solange ich noch zu Hause war, haben wir so manchmal bis gegen 10 zusammen im Bett geschlafen und gekuschelt. Mein Mann dagegen hatte (und hat heute teilweise noch Angst), ich könnte mich ausversehen auf ihn drauf drehen. Ist mir nur zweimal passiert und da hab ich es auch sofort bemerkt. Es war auch kein komplettes drauflegen, sondern nur bei einer Halbdrehung im Halbschlaf, dass ich mit meinem Arm und nem kleinen Teil meines Rumpfes über ihn bin. Ansonsten bin ich jedesmal morgens so wieder aufgewacht, wir ich mich in der Nacht positioniert hatte. Wenn ich mich bewusst gedreht hatte, lag ich auf dem Rücken und Enno neben mir und seinem Bettchen.
    Als Enno knapp 6 Monate alt war, „musste“ ich wieder arbeiten (das ist ne andere Geschichte, mir wurde es nahegelegt für einen positiven Ausgang meiner zum damaligen Zeitpunkt bald anstehenden Entfristung)
    Er hatte Nachts Hunger, aber noch klappe es wie beschrieben ganz gut, nur das früh kuscheln musste wegfallen. Sobald ich ihn gegen 6 gestillt hatte stand ich auf (anfangs wir, sein zweites Frühstück bekam er auf Arbeit, hab auf mein Recht bestanden, nur weil ich arbeiten sollte, wollte ich den jungen Mann noch lange nicht abstillen, als wir das zweite frühstück nicht mehr stillten, hab ich ihn im Bett liegen lassen, auf der einen seite weit genug entfernt (soweit das mit einem 1,40m Bett geht) mein Mann, auf der anderen Seite das Kinderbettchen) und fuhr zur Arbeit. Irgendwann hatte er auch Abends Brei statt Milch. Aber er schlief deswegen nicht wieder durch. Allerdings wurde er Nachts zunehmend öfter wach und ich bekam immer weniger Schlaf bzw. konnte nicht mehr so gut einschlafen. Das war nun nicht gerade förderlich, wenn man einen 8 1/2 Stunden Tag auf Arbeit durchzustehen hatte (einmal hatte mein Chef mich dann auch darauf hingewiesen, dass ich momentan keine ausreichende Leistung bringe, was denn los sei. Ob ich es fachlich nicht könnte, oder ob was anderes dahinter steckt, er würde mich in nächster Zeit beobachten). Nun ja, insgeheim schielte ich schon auf eine stillfreie und von großen und ganzen vom durchschlafen geprägte Nacht. Da war Enno ca. 8-9 Monate alt. Wir hatten dann zufällig unterwegs unsere Hebamme getroffen und sie meinte mit 8-9 Monate wäre eine Nachtmahlzeit nicht mehr unbedingt notwendig. Sie lieh uns dann das Buch (und ich weiß, das gibt hier mindestens Kopfschütteln, wenn nicht gar mehr) „Jedes Kind kann schlafen lernen“ aus. Ich war skeptisch, irgendwie tat es mir schon leid, ihn nicht mehr nachts zu stillen, andererseits war ich wirklich kurz vor der totalen Erschöpfung und auch Enno wurde nachts unruhiger. Ich musste ihn 3-6mal an der Brust umlegen, bevor er sich wieder in den schlaf stillte, was mich auch mehrere Stunden von einem ansatzweise erholsamen Schlaf abhielt. Nun ja, ich hatte gerade beschlossen es mal vorsichtig zu probieren mit dem Nachts nicht mehr stillen, da wurden seine Intervalle wieder länger, er gewöhnte es sich fast von alleine ab. Wenn er wach wurde, nahm ich ihn mit ins Bett, aber näher an meinen Kopf, so dass er die Brust nicht mehr direkt vor seiner Nase hatte. Nach einer Weile schlief er dann nachts fast wieder komplett durch in seinem eigenen Bettchen. Ich hatte dabei auch bemerkt, er brauchte wirklich nicht unbedingt meine Brust, er hatte sich nur dran gewöhnt Und für uns war es richtig. Er schlief wieder besser, ich schlief besser und war damit natürlich auf Arbeit wieder leistungsfähiger aber auch Nachmittags/Abends zu Hause wieder ausgeglichener und hatte viel mehr Energie noch mit Enno zu spielen, zu kuscheln, zu knuddeln etc. :-)
    Natürlich wird er immernoch ab und zu wach, vor allem wenn er zahnt (wie momentan, er ist jetzt 1 1/2). Dann wird er versucht mit sanften summen zu beruhigen und streicheln, (meine Arme passen durch die Gitterstäbe des nun schon größeren Gitterbettchens) wenn das nicht reicht, dann darf er ein bisschen mit mir Kuscheln und dann sag ich ihm nach einer Weile, wenn er sich merkbar beruhigt hat, dass Mama da ist und er jetzt wieder in seinem Bettchen neben mir schläft und dann macht er das auch wieder. Manchmal hat er aber auch nur Durst, dann bekommt er seine Wassertrinkflasche, wobei er die inzwischen teilweise selbst findet oder er ist im Schlaf unruhig, da will er die Hand garnicht und schiebt sie mehr oder weniger weg.

    Wir praktizieren also mehr oder weniger jenach Bedarf bzw. wie wir am besten alle damit klar kommen. Ein reines Familienbett würde wohl an meinem Mann scheitern. Er hat immernoch Angst, das Enno ersticken könnte. Mindestens einmal Nachts „wacht“ er auf und will in einem schlafwandlerischen Zustand sichergehen, dass keine Decke oder sonstiges über Enno liegt oder er anderweitig verbuddelt ist) Er kann sich auch nur geradeso mit dem ganz kleinen flachen Kissen in Ennos Bett anfreunden, was nichtmal doppelt so groß ist wie Ennos Kopf (also „unterbuddeln“ ginge garnicht) und auch nicht seine nase verdeckt, egal wie tief er sich seitlich reindrücken würde. (Das er auch gern mal mit dem platten Gesicht auf die Matratze gedrückt geschlafen hat, was mir teil-schlaflose Nächte zu der Zeit beschert hat, als er angefangen hat, sich im schlaf zu drehen, das könnte er so oder so nicht verhindern.)
    Wir überlegen, ihn bis Ende des Jahres in sein eigenes Zimmer schlafen zu legen. (wenn wir es denn mal fertig haben…) Im März erwarten wir wieder Nachwuchs und da brauchen wir den Platz neben meiner Seite vom Bett für den neuen Zwerg. (Enno auf die Seite von meinem Mann zu legen wird wohl scheitern. Ihm ist sein Schlaf heilig, zumindest wenn er arbeitet und früh um 5 aufsteht, sonst ist er wirklich grantig. Ich hab ja auch trotz Arbeit Enno nachts versorgt (auch als er nicht mehr nachts gestillt wurde), damit mein Mann ausgeschlafen war, wenn er tagsüber den jungen Mann betreut hatte. Momentan bin ich grad nochmal zu Hause)
    Wir wollen ihn aber auch nicht erst mit der Geburt des neuen Kindes an das schlafen im eigenen Zimmer gewöhnen, ich glaube, das wär nicht gut. (Eifersucht etc.) Na mal sehen, wie wir es machen. Wir lassen es wahrscheinlich wie vieles auf uns zukommen und irgendwie hatte es dann immer gut funktioniert, einfach so, aus dem Bauch heraus, ohne große Überlegungen und so.

    So, fertig. :-) Ist etwas mehr geworden und wohl auch nicht nur Schlaf-/Familienbettspezifisch, aber ich hoffe, das ist nicht so schlimm.

    • Nein ist gar nicht schlimm! Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht und schön, dass Ihr so eine individuelle Lösung gefunden habt! Ich musste ein wenig über Deinen besorgten Mann schmunzeln. Meist sind es ja die Väter, die tief und fest die Nacht verschlafen, während die Mütter sich sorgen. Es geht wohl auch umgekehrt :)

  • Julia

    Seit gestern lese ich immer wieder begeistert deine Artikel. Unser 9 Monate alter Sohn liegt neben mir, denn ich stille auch in den Schlaf. Wenn ich deine Worte lese, werde ich zeitweise so emotional, dass mir echt die Tränen in die Augen steigen. Du stärkst mich in den Ansichten die ich habe, da du sie teilst. Ich finde nicht oft Mütter, die so ehrlich mit dem Thema Schlafen und Stillen umgehen. Wie oft muss ich mir anhören, ich soll abstillen, damit Mika mich nachts nicht braucht und er dann besser schlafen könne! Mein Sohn strahlt über beide Ohren und jauchzt vor Freude, wenn wir uns ins Bett legen! Letzte Nacht sind wir um 19.30h schlafen gegangen. Er wacht mehrmals auf, um zu trinken oder aber nur, um den Kontakt zu suchen. Er schläft dann meist sofort weiter. Gegen 7.00 h weckt mich dann dieser Kleine muntere Kerl und freut sich wie Bolle, wenn er dann zu Papa rüber robbt. Und für meinen Mann ist es ein schönes Gefühl, dass sein Sohn zu ihm Kuscheln kommt. Nein, ich würde nichts ändern, weder das Familienbett, noch das Stillen. Warum muss ich mich ständig dafür rechtfertigen oder erklären? Uns geht es gut, wir sind zufrieden und glücklich. Das ist die Hauptsache! Am Anfang habe ich oft gesagt, dass Mika in seinem Bett schläft und ich ihn nur zum Stillen hole. So ein Quatsch! Mittlerweile sag ich, wie es ist. Ich stille! Ja, auch nachts! Ganz viel sogar nachts! Ja, Mika hat ein eigenes Zimmer! Aber das ist momentan eher Zimmer für Alles (nur nicht für Mika). Mika schläft im Familienbett mit Papa und Mama! Ja, die ganze Nacht! Und wir lieben es! Ja, mein Mann und ich lieben uns auch, immernoch! Man braucht kein Ehebett ohne Kind, um Liebe aufrecht zu erhalten. Wo ein Wille…! Danke für deine Worte! Ich bin eine starke Frau, aber wenn ich von dir lese, dann vitalisierst du noch mehr Kraft und Energie und Überzeugung! Du bist Super.

    • Wow, was für ein Kommentar! Vielen lieben Dank Julia, das geht runter wie Öl :)

  • Ben

    Das Interview auf selbstaendig-im-netz.de hat mein Interesse geweckt. So bin ich hier gelandet und habe mich sogleich festgelesen. Toll geschrieben – dein Stil gefällt mir sehr gut!

  • Moana

    Hallo,

    ich bin soeben auf deine Seite gestossen und ganz begeistert von deinen Artikeln!!!! Ich kenne diese ganzen Vorurteile und Ammenmärchen über das Schlafenlernen, Familienbett und Kindererziehung im Allgemeinen sehr gut. Obwohl ich durch meine Mutter relativ gestärkt war/bin, welche solange ich denken kann für das Familienbett und ähnliche „unkonventionelle“ (im Sinne der Gesellschaft) Methoden war, hatte und habe ich gelegentliche Zweifel. Besonders wenn man dann doch mal todmüde war und nicht schon wieder um 21 Uhr im Bett bleiben wollte, nur weil die Kleine bei der kleinsten Bewegung meinerseits hellwach war.

    Hinzu kamen Sprüche von Aussenstehenden, dass ich mit mitte 20 nicht genug Erfahrung hätte und das Kind verziehen würde (meine Schwiegermutter, um mal alle Klischeeregister zu ziehen, war dabei führend).

    Im nachhinein habe ich aber auch festgestellt, dass das alles einstellungssache ist. Sobald ich mich nicht mehr mit Selbstzweifeln gequält und akzeptiert habe, dass das im moment nunmal so ist, erledigte sich der Stress von allein. Ich habe das so ähnlich gehandhabt wie du: ein gutes Buch, o.ä. mit ins Bett nehmen und die Zeit einfach genießen!

    Inzwischen ist meine Tochter 4 Jahre alt. Seit sie ca. 2,5 – 3 war, schläft sie in ihrem Bett ein, kommt aber jede Nacht ins große Bett. Und das klappt super. Sie schaltet sogar alleine ihr Nachtlicht aus, bevor sie rüberschleicht. Manchmal liegt sie schon neben mir, kurz nachdem ich ins Bett gegangen bin. Wenn ich nachts aufwache und sie ist noch nicht da, werde ich unruhig und stehe auch schonmal auf um zu schauen, ob alles ok ist 😉

    Ach, und bzgl des Stillens (wenn du ein Kind im Bett stillst und nicht genaue Zeiten einhälst, dann passiert dies und das und jenes…). Ich habe nach Gefühl gestillt, auch nachts. Umdrehen, Brust raus, Kind schläft weiter und ich war praktisch nicht wach :-) Ich habe 13 Monate gestillt (nach 7 Monaten zugefüttert – nie ein gekauftes Glässchen oder Milchpulver benutzt), ohne sich Stress zu machen bzgl abstillen. Dann hat sich meine Tochter innerhalb von 2 Tagen alleine abgestillt. Die Einzige die dabei Probleme hatte war ich, weil es so plötzlich kam 😀
    Bzgl. Erziehung könnte man noch soviel anführen. Aber ich belasse es mal bei meinen bisherigen Ausschweifungen 😉

    Vielen lieben Dank nocheinmal für deine tollen Texte! Auf das sie noch vielen anderen Frauen Mut machen ihren Gefühlen zu folgen!!!!

    • Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar Moana, und viel Spaß beim Weiterlesen :)

  • André

    …das kann ich alles unterschreiben! Wir schlafen seit Anbeginn mit unseren 4 Kindern in einem Zimmer beieinander. Meine Frau hat immer voll gestillt. So konnte ich zu Stillzeiten nachts für die größeren da sein. Durch diese Nähe und Wärme erwächst ein so inniges Leben und spinnt so feine, feste Fäden zwischen den Seelen! Es ist schon ein komisches Gefühl daran zu denken, wenn die Kinder mal ein eigenes Zimmer haben…
    Seit zwei Wochen ist es nun für die Großen so – sie haben sich mächtig gefreut und sind ganz stolz. Wenn dann doch mal ab und zu Monster kommen ist unser Bett nie zu klein! Übrigens – ein Sonntag-Morgen zu sechst im Bett hat auch was… sehr „enges“ :)
    Unsere Kinder sind so alt: Raphael 6, Alina 5, Arend 3 und Frieder 2 Jahre. Unser fünftes ist unterwegs und ich freue mich schon auf den Baby-Duft in unserem Bett – freilich bei leerer Windel :)
    Liebe Grüße. Ich wünsche Ihnen, dass noch viele neu-„Nestlinger“ zustoßen!

    • Vielen Dank für Deine mutmachenden Zeilen. Ich bin sehr froh über jeden Papa, der sich so positiv über seine kleine – in Deinem Fall große – Familie äußert!
      Ich wünsche Euch eine entspannte Kuschelzeit mit eurem 5. und natürlich auch den flügge werdenden Nestlingen 😉

  • jazzy

    Ich habe deinen Artikel mit ganz großer Begeisterung gelesen. Unser kleiner Sohn schläft auch seit seiner Geburt mit uns im Bett bzw.in seinem Beistellbett gleich neben mir, was ich auch sehr genieße. Ich möchte das auch eigentlich gerne so beibehalten aber komme so langsam an meine Grenzen. Das Problem ist, das er jetzt mit seinen 11 Monaten sehr aktiv ist uns sich hochziehen kann und stehen will und dies auchständig üben will.ich hab total angst dass er aus dem Bett fallen könnte.dadurch kann ich das zimmer nicht verlassen wenn ich ihn ins Bett gebracht habe, egal ob abends oder zum Mittagschlaf, das ist für mich jetzt nicht mehr machbar.gibt es da einen Tipp was man da machen kann? Wie machen dass denn andere?

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