Papas Missgeschick am Windeltisch

Kathrin Geschichten 1 Kommentar

Als frischgebackene Mama lehnte ich mich erst einmal entspannt im Krankenhausbett zurück, während Thomas versuchte die ersten Windeln zu wechseln. Er ist ein liebevoller und sehr fürsorglicher Vater, die Kleine fühlte sich in seinen Händen pudelwohl und somit hatte ich regelmäßig ein paar erholsame Minuten für mich.

Die Beiden wurden schnell ein eingespieltes Team. Unser Mädchen ganz engelsgleich – weinte nie! Thomas ging mit viel Ruhe und Gefühl auf sie ein und wie bei allen Aufgaben in seinem Leben gründlich & sehr gewissenhaft vor – da konnte einfach nichts mehr schief gehen.

Er spielte ausgiebig mit ihren Füßchen, bevor er den Strampler auszog. Er knöpfte den winzigen Body auf und streichelte sanft ihre Arme & Beine. Die Windel wurde geöffnet – eine Grimasse hier, ein Geplapper da und schwups wurde das hartnäckige „Kindspech“ säuberlich mit feuchten Tüchern entfernt.

Ich sank völlig entspannt etwas tiefer in mein Kissen, bekam von all den Hintergrundgeräuschen kaum noch etwas mit, da ich unser Mädchen ja bestens in den Händen ihres Vaters aufgehoben wusste, als sie urplötzlich in ohrenbetäubender Lautstärke losbrüllte!!

Von jetzt auf gleich! Einfach so! Das Baby, das bislang nur piepsen konnte mit seinem zarten Stimmchen, brüllte wie ein Löwe. Was war geschehen?? Mein Herz stand einen Moment lang still, das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Meine eigenen Schmerzen waren blitzartig vergessen und ich wälzte mich hastig aus dem Bett. Ich raste zur Wickelkommode UND? Ich sah nichts!! Nichts! Außer ein kleines verstörtes Wesen mit puterrotem Gesicht, das aus Leibeskräften schrie: „Äääääh“!!

Im Innersten aufgeregt, musterte ich sie vom Scheitel bis zur Sohle und zurück. Ich konnte beim besten Willen nichts erkennen! Doch ihr Geschrei nahm nicht ab. Mein Blick wanderte zu Thomas: das blanke Entsetzen stand in seinen Augen! Ihm fehlten die Worte, er zog die Schultern hoch und hatte ganz offensichtlich keine Ahnung, was geschehen war.

Mir stieg ein beißender Geruch in die Nase, den ich jedoch verdrängte, schließlich musste unser Mädchen beruhigt werden. Das forderte unsere ganze Aufmerksamkeit! Ihr Gebrüll flachte allmählich ab, schlug in Schluchzen um bis letztendlich nur noch ein leises Wimmern zu vernehmen war. Der Schweiß stand uns noch auf der Stirn, aber gleichzeitig machte sich Erleichterung breit.

Ohne tatsächlich verstanden zu haben, was den Alarm ausgelöst hatte, räumte ich gedankenverloren den Wickeltisch auf. Die volle Windel in den Eimer, die Feuchttücher auf die Ablage und nun noch schnell die Wickelfläche desinfizieren. OH NEIN! Der Behälter mit den Desinfektionstüchern lachte mich an und ich ahnte Schlimmes! Er stand weit geöffnet neben der Wickelunterlage! Thomas hatte doch nicht… „Thomas? Womit hast Du ihr den Po abgewischt?“ „Na mit den Feuchttüchern“ und sein Blick wanderte zu der Desinfektionsbox! Ich las laut vor: „Alkoholisches Schnelldesinfektionsmittel!“

Nun brüllte ich, aber vor Lachen! Gleichzeitig hatte ich heftiges Mitleid! Armes Mädchen! Armer Thomas! Kreidebleich und mit hängenden Ohren stand er da – mitten in der Alkoholwolke – bereit die Rüge seines Lebens einzukassieren. Ich tat nicht dergleichen, sondern prustete erneut los. Unserem Mädchen unbeabsichtigt solchen Schmerz zugefügt zu haben – ihr herzzerreißender Ausraster – war Strafe genug. Noch heute habe ich sein bestürztes Gesicht vor Augen, seine betretene Miene! Ich konnte Thomas unmöglich zusätzlich schelten. Ich bestand lediglich darauf diese Geschichte weitererzählen zu dürfen – sie ist einfach zu gut, um in einem Krankenhauszimmer gehütet zu werden.

 

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  • Linde

    Zumin war die kleine keimfrei. Hihi :)