Kochen nach Gefühl oder warum meine Tochter keinen Brei mag!

Kathrin Geschichten 5 Kommentare

Eines Nachmittags, eine Nacht vor einer Magen Darm Grippe, schlief unser Mädchen (ca. 9 Monate) bis 18:30 Uhr, war hungrig & putzmunter, was in meinen Augen die perfekte Vorraussetzung war für einen erneuten Abendbreiversuch.

Ich nahm also die auserwählten „Kölln Schmelzhaferflocken“ (laut Packung 17,5g = 5 Esslöffel für eine Portion) und rührte sie vorsichtig in 100 ml statt 200 ml Milch ein, schließlich sah die Brühe selbst bei der Hälfte der Flüssigkeit noch sooo „suppig“ aus. Davon abgesehen koche ich eh lieber nach Gefühl und finde es korinthenkackerisch mich exakt an Rezepte zu halten, womit ich bislang auch ein gutes Händchen hatte. Ich stellte das Gemenge auf den Herd, rührte es um und kippte sicherheitshalber noch ein paar Flocken in die Milch, da der Brei beim Erwärmen nicht fester zu werden schien.  Dass er allerdings beim Aufkochen doch „etwas“ dicker wurde und anfing leicht am Topfboden fest zu kleben, ignorierte ich einfach. Vielleicht vernebelte der aufsteigende Milchdampf mein Gehirn zu sehr, jedenfalls hatte ich  – meiner Ansicht nach – den perfekten Brei gekocht. Noch schnell eine halbe Banane püriert und siehe da geschmacklich war das Werk voll gelungen. Die etwas kompakte Konsistenz ließ ich unbeachtet.

Unser Mädchen war wohl auch überzeugt von dem neuen Gericht und aß gierig die Hälfte auf! Gegen 20 Uhr versuchte ich sie ins Bett zu legen. Sie jedoch wand sich und stöhnte! In mir breitete sich ein wirklich schlechtes Gewissen aus ob des Getreidebatzens, den ich ihr verabreicht hatte. Aber siehe da, sie hatte ja ein spätes Nachmittagsnickerchen gehalten und wollte nur noch nicht schlafen: Unser Mädchen war ganz fröhlich, als ich sie aus dem Bett ließ und schlief nach zwei glücklichen Stunden, die sie spielend verbrachte gegen 22 Uhr ein. Also hatte ich wohl doch alles richtig gemacht – redete ich mir zumindest ein.

Am nächsten Abend wollte ich den neuen Rhythmus (sonst ging sie immer gegen 18Uhr ins Bett und schlief 12 unruhige Stunden) ohne Brei ausprobieren. Um zu sehen was sie besser schlafen lässt: Getreidepamp oder Muttermilch.

Sie ging 21 Uhr ins Bett und schlief zum ersten Mal seit Monaten vier Stunden bis ein Uhr. Dann musste ich mich übergeben! Naja und sie auch, so dass ihr tiefer Schlaf eventuell auf die sich ankündigende Magen-Darm-Grippe zurückzuführen war. Vom Erbrechen abgesehen, was sie tierisch nervte, ging es ihr – im Gegensatz zu mir – ziemlich gut. Das einzig Ungewöhnliche waren ihre großen Geschäfte. Sie kämpfte wie eine Kriegerin nur um einen winzigen „Weetabix“ auszukacken – Ihr wisst schon, so einen furztrockenen Getreidebrocken. Und das in großen Abständen drei mal nacheinander! Ich vermutete zuerst eine völlig normale Reaktion auf Erbrechen. Gestern Abend kam mir allerdings der Gedanke, dass es vielleicht der verarbeitete und portionierte Breiklumpen war, den ich ihr die Nacht zuvor zu essen gegeben hatte. Wer weiß?!

Da mein Mann sich zum Glück immer sehr penibel an Rezepte hält, schlug er vorsichtig vor (ich lasse mir sehr ungern beim Kochen reinreden, schließlich hab ich doch immer alles voll im Griff), den Brei richtig aufkochen zu lassen, in der Annahme er würde dann vielleicht doch dicker werden, so wie angerührtes Puddingpulver. Mmmhh, ich ließ mich natürlich nicht beirren, kochte erneut einen Kompaktbrei, gab die halbe Banane dazu und verabreichte unserem Mädchen meine Kreation. Sie war nicht ganz so euphorisch wie beim ersten Mal, aß mir zuliebe ein paar Löffelchen, wollte dann aber lieber damit spielen. Klar, mit Beton sollte man besser Türme bauen, als Mägen versiegeln. Schlaues Mädchen! Ich kostete noch einmal, zunehmend irritierter und als Thomas nach erneutem Probieren seinerseits kritisch bemerkte, dass die Masse wirklich ziemlich dicht sei, waren die Zweifel an meinen Breikochkünsten, doch größer als der Glauben an mich.

Ich kochte in Null Komma nichts einen neuen Brei. Jetzt wollte ich es wissen, hielt mich präzise an die Angaben und musste verwundert feststellen, dass das Ergebnis nicht nur prima schmeckte, sondern sich nun auch echt gut runter schlucken ließ! Mmmhh, ich ließ unser Mädchen auch noch einmal probieren, und sie scheint mehr von Rezepttreue, als von Mamis Improvisationskünsten zu halten. Sie aß mit großem Appetit eine weitere Portion. Für mich ein hoffnungsvoller Anfang (m)einer Abendbreikarriere.

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