Kindergarten U3 – Teil 2: Frühe Fremdbetreuung – eine kritische Sichtweise

Kathrin Erfahrungen 22 Kommentare

Warum ein Kindergartenplatz?

Obwohl wir unsere Situation finanziell noch gewuppt bekommen, werde ich über kurz oder lang wieder arbeiten müssen. Da uns, wie im letzten Artikel bereits geschildert, ein gutes soziales Netzwerk fehlt, ist arbeiten ohne Betreuungsplatz unmöglich. In den letzten Wochen beschäftigte Thomas unser Mädchen an den Vormittagen (er ist selbstständig und daher zeitlich flexibel). In dieser Zeit konnte ich z.B. schreiben oder mich in Ruhe der Hausarbeit und dem Kochen widmen. Ich übernahm sie für gewöhnlich nach dem gemeinsamen Mittagessen und Thomas ging arbeiten. Ein Kindergartenplatz verschafft uns eine Möglichkeit, ein bisschen durch zu schnaufen und Energie zu tanken, indem wir etwas machen das nicht mit unserem Mädchen zu tun hat. Vielleicht sogar gemeinsam, denn gemeinsame Aktivitäten ohne Kind blieben ganz schön auf der Strecke in der letzten Zeit.

Obendrein habe ich das Gefühl, dass es unserem Mädchen gut tun könnte täglich ein paar Stunden in der Woche im Kindergarten zu sein. Sie ist offen und neugierig – im Kindergarten gibt es andere Möglichkeiten zum Entdecken als zu Hause – und sie fühlt sich wohl in Gesellschaft von anderen Kindern. Ich kann ihr zwar Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen, aber leider nicht jeden Tag. In der näheren Umgebung wohnen nur Thomas Eltern und es braucht ja bekanntlich ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen. Ein Kindergarten ersetzt natürlich weder Dorf noch familiäre Gemeinschaft, aber bietet immerhin ein gutes Kontrastprogramm zu unserer engen „3er Verbindung“.

Wenn da nicht die Zweifel wären…

Nachdem ich „Kinder brauchen Mütter“ von Hanne K. Götze gelesen und die allgemeinen Diskussionen zur frühen Kinderbetreuung verfolgt habe, wollte ich unser Mädchen am Liebsten zu Hause lassen. Eine qualitativ gute Betreuung kann sich zwar durchaus sehr positiv auf das Verhalten und die Entwicklung eines Kindes auswirken, aber der Standard vieler Institutionen lässt oft zu Wünschen übrig.[1] Mangel an emotionaler Zuwendung und mütterliche Fürsorge kann zudem zu „sozialen, sensorischen und emotionalen Defiziten“ – zum „psychischen Verhungern“ (Hospitalismus) – führen. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass es in Kindertageseinrichtungen nicht an Emotionalität mangelt, genügend Streicheleinheiten verteilt werden und unser Mädchen mich noch ausreichend lang sieht, bleibt unbestritten, dass Kindergartenkinder permanentem Stress ausgesetzt sind – je jünger, desto schlimmer. Muss das wirklich sein?

Das mulmige Gefühl in meinem Bauch wurde mit jeder Seite und jedem Artikel, den ich las mulmiger! Und es ging weiter: Erst mit circa eineinhalb Jahren begreifen Kinder, dass sie eine eigenständige Person, sprich, nicht Eins mit der Mutter sind. „Jede erzwungene Trennung von Mutter und Kind vor dieser Zeit ruft beim Kind eine starke Verunsicherung im Urvertrauen hervor.“[2] Der Haken: Kinder können sich nur dann entfalten, wenn sie sich sicher fühlen. „Kleine Kinder müssen zuerst Sicherheit und Vertrauen zu ihren Eltern aufbauen können und so lange darin wachsen dürfen, bis sie selbst-sicher unbekannte Situationen bewältigen können.“[3] Fühlen Kinder sich nicht geborgen, können noch so viele spannende Bildungsprogramme auf sie warten, sie wahrzunehmen wird schwierig, wenn das Köpfchen nicht frei ist dafür. Meine Selbstsicherheit in Hinblick auf unsere Entscheidung sank, aber in unserer Gesellschaft wird diese Art von Zweifel nicht gerne gehört.

Da muss sie irgendwann durch!

Schildere ich die Trennungsängste unseres Mädchens, bekomme ich (auch seitens der eigenen Familie!) zu hören: „Da muss sie irgendwann durch!“ Erwähne ich in Gesprächen, dass sie nun in den Kindergarten kommt, lautet der meist genannte Satz: „Ach, die Mütter leiden eh meist mehr, als die Kinder!“ Alle Welt scheint sich einig und dabei spricht jeder nur das Vorgekaute nach. Kleinstkinder in Krippen zu stecken, ohne deren Gefühle und Reaktionen wahrzunehmen, geschweige denn darauf einzugehen, ist gang und gäbe. Mütter, die sich sorgen, werden als Übermütter bezeichnet und sollen sich, genauso wie ihre Kinder, „nicht so anstellen.“ Gefühle zulassen? Pfui! „Uns hat es schließlich auch nicht geschadet!“

Weder Milchflasche, Kindergarten noch der „Klaps“ auf den Po haben uns geschadet, richtig? Stillen, Tragen, enge Mutter-Kind-Beziehung und liebevoller Umgang ohne Geschrei dagegen verweichlicht den Nachwuchs. Na prima! Wir leben ganz offensichtlich in einer Leistungsgesellschaft, die Härte als positive Eigenschaft sieht. Einerseits kritisieren wir das, vor allen Dingen, wenn wir selbst betroffen sind. Andererseits drillen wir aber schon die Kleinsten darauf zu funktionieren, sich unterzuordnen, sich in die Gruppe einzufügen, oder sollte ich lieber sagen, wir halten sie an unsichtbar zu werden? Denn Kinder, die brav aufessen, fein ins Bett gehen und schon ganz lange alleine spielen können, sind doch gefragt, oder irre ich mich? Kinder, die sich „ruhig und kooperativ zeigen,“ die nicht genug bekommen können vom Kindergarten und die Eltern kein bisschen vermissen, wie schön! Dass Kinder (wie auch Erwachsene) allerdings ab einem gewissen Punkt resignieren, wenn ihre Wünsche nach Bedürfniserfüllung nicht erhört werden und somit kein Schreien gar kein gutes Zeichen ist, scheint noch immer nicht erkannt worden zu sein.[4]

Auch wenn der allgemeine Tenor in unserer Gesellschaft zur Abhärtung unserer Kinder ermahnt, so sollten wir bedenken, dass auch kleine Menschen Gefühle haben. Es ist nicht fair, nicht auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen, nur weil sie sich nicht in komplexen Sätzen mitteilen können. Vielleicht ist es an der Zeit unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu reflektieren und ernsthaft zu hinterfragen, ob Kindergärten tatsächlich so gut sind für Kinder unter 2 Jahren. Mit welchem Recht und Wissen bestimmen wir, was unsere Kinder unbeschadet verkraften? Natürlich überleben Menschen auch unter weniger optimalen Bedingungen, vielleicht sogar ziemlich gut, aber ist das Grund genug, Mütter in unserer Gesellschaft für so ersetzbar zu halten? Offensichtlich schon, denn der Staat weiß am Besten, wie man sich um das Wohlergehen des Kindes sorgt und ebnet auch schon die Bahnen dafür:

Ab 2013 Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze

„Eine gute Kinderbetreuung und frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland,“ lautet der Einstiegssatz auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie. Ab August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder vom vollendeten ersten bis zum dritten Lebensjahr, „damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können.“ Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, Familien direkt finanziell zu unterstützen, wenn es einen Kinderwunsch gibt, anstatt Milliarden in den Ausbau von subventionierten Krippenplätzen zu stecken[5] und irgendwelche Menschen (z.B. Langzeitarbeitslose) in Windeseile zu Erziehern zu rekrutieren, die weder die Kompetenz noch die Hingabe haben, diesen Beruf auszuüben?[6] Ach natürlich, die Betreuungsplätze werden geschaffen, damit sich Beruf und Familie besser vereinen lassen und Frauen die gleichen Chancen erhalten sich beruflich zu verwirklichen wie Männer. Hab ich fast vergessen…

Doch haben wirklich alle Frauen den Drang, bereits ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf einzusteigen, sich beruflich zu verwirklichen? Oder sind sie gezwungen zu arbeiten, weil das Auskommen mit einem Gehalt unmöglich ist? Vielleicht ist es Zufall, aber ich kenne recht viele Mütter, die Rotz und Wasser geheult haben, als sie ihre Kinder mit 12 Monaten abgeben mussten und einige wären mit Sicherheit lieber länger zu Hause geblieben. Nicht weil sie das Abhängen zu Hause so toll fanden oder sich schlecht von ihren Kindern lösen konnten. Nein, aus Ungewissheit, ob es ihren Zöglingen tatsächlich gut geht in den fremden Händen und weil die Trennungen oft abrupt erfolgen. Meine Schwester z.B. (sie lebt in Ostdeutschland) musste ihren Sohn bereits am ersten Tag acht Stunden allein mit der neuen Erzieherin lassen. Sie wurde einfach raus geschickt und vor dem Kindergarten hat sie sich dann die Augen aus dem Kopf geweint…

Auch wenn es Frauen gibt, die schnell wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen möchten, so kann man sicherlich nicht verallgemeinert von einem flächendeckenden Wunsch nach Unabhängigkeit vom Kind sprechen. Anstatt auf Biegen und Brechen teure Betreuungsplätze für alle Kleinkinder aus dem Boden zu stampfen, sollte vielleicht eine Unterstützung für Mütter, die sich gerne länger um ihre Kinder kümmern wollen, in Erwägung gezogen werden – und dabei spreche ich nicht nur von Geld.[7] Ich werde jedenfalls das Gefühl nicht los, dass uns Müttern zunehmend das natürliche Muttergefühl aus- und eine moderne Familienform eingeredet wird…

Anstatt die Wiedervereinigung der Familien zu fördern, setzt das Kinderförderungsgesetz „Meilensteine für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ In unserer Generation leben Familien zerpflückt in verschiedensten Bundesländern, weil sie dort, jeder für sich, ihren Berufen nachgehen. Kinder wachsen nicht selten ohne Tanten, Onkel oder Großeltern auf, weil die zu bewältigenden Distanzen zu groß sind. Überall heißt es Beruf, Beruf, Beruf (nicht zu vergessen die damit verbundene Mobilität) und nicht selten wird das eigene Wohlergehen hinten an gestellt, um viele Überstunden zu schrubben, die am Ende oft doch nicht bezahlt werden. Das emotionale Wohl der Familien, der Mütter, Väter und Kinder, findet in unserer Gesellschaft kaum Beachtung. Eine wirklich schöne neue Welt in der wir leben!

Krippenpflicht

Wo das allgemeine Wohlergehen grundsätzlich missachtet wird, kann natürlich auch nicht altersgerecht auf Kleinkinder eingegangen werden. Vielleicht ist den Politikern im „goldenen Westen“ nun auch das Licht von der frühen Prägung des Kindes aufgegangen, jedenfalls wurde allen Ernstes eine Krippenpflicht in Erwägung gezogen und debattiert. Götze macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass „man in der bundesdeutschen Familienpolitik manche geistige Tradition der DDR offenbar weiterzuführen beabsichtig.“[8] Dazu gehört wohl auch beizeiten Einfluss auf die kleinsten Staatsangehörigen zu nehmen, indem man sie frühzeitig von ihren Müttern trennt und einer Gehirnwäsche unterzieht. Nur um es noch einmal zu verdeutlichen: zu frühe, zu abrupte und zu lange Trennungen können zu „innerseelischen“ Katastrophen beim Kinde führen. Da hilft es auch nicht einem Einjährigen zu erklären, dass Mama ja bald wieder kommt, das dafür notwendige Sprach- bzw. Zeitverständnis ist nämlich nicht vorhanden. Dieser Krippenpflichtwahnsinn wird sich hoffentlich nicht durchsetzen.

Unser Plan

Zwei Gehälter stellen definitiv eine finanzielle Entlastung dar und der Mangel „am Dorf“ zwingt uns zusätzlich, das Experiment Kindergarten zu wagen. Ich lehne frühe Fremdbetreuung nicht grundsätzlich ab, wenn bestimmte Rahmenbedingungen – über die ich im nächsten Artikel sprechen werde – eingehalten werden. Ein Wagnis ist es dennoch, denn der Gefahren, die der Kindergarten mit sich bringen kann, sind wir uns bewusst. Unsere Devise lautet: beobachten, beobachten und nochmals beobachten!

Wir werden jedenfalls keinen Gewaltakt aus dem Kindergartengang machen, wie es bei dem Großteil aller „Einweisungen“ bei Kindern unter 2 Jahren psychologisch gesehen der Fall ist. Kinder brauchen nicht (wie die Allgemeinheit vermutet) nur wenige Tage, um sich einzugewöhnen. Nein, sie leiden teilweise mehrere Wochen unter ihrem „Liebeskummer“. Unser Plan lautet einen sanften Übergang zu schaffen und unser Mädchen anfangs maximal 2-3 Stunden am Tag in den Kindergarten schicken. Falls sie sich wohl fühlt, kann die Stundenzahl dann im Laufe der nächsten Monate wachsen – ohne Druck und Hektik. Sollte sich herausstellen, dass es ihr überhaupt nicht gut tut, schauen wir uns nach etwas anderem um.

Die Eingewöhnungsphase startete bereits am 3. September 2012. Wie ihr Euch denken könnt haben wir sie nicht einfach Montagmorgen für acht Stunden abgegeben, sondern glücklicherweise ein sanftes Eingewöhnungsmodell gefunden. Wie das Eingewöhnen geklappt hat und was schiefgegangen ist, werde ich in Kürze berichten.

Fürs Erste bleibt uns zu hoffen, dass der gewählte Kindergarten auch das hält, was er verspricht.

 

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Renz-Polster, Herbert: Kinder Verstehen, S. 311.
  2. Dr. Posth, Rüdiger: „Frühe Fremdbetreuung“ in Unerzogen (Ausgabe 2/12).
  3. Götze, Hanne: Kinder brauchen Mütter, S. 113.
  4. González, Carlos: In Liebe wachsen, S. 66.
  5. Die Betreuung eines Kindes unter 2 Jahren (35Stunden/ Woche) kostet in Krefeld bei einer Einkommensgrenze von 30.700 € gerade einmal 56 € pro Monat! Das heißt umgerechnet 40 Cent pro Stunde! http://www.krefeld.de/C12574810046D581/html/DC903698E1322168C12574A6003078AA?opendocument 
  6. „Ab August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung in einer Kita. Doch noch fehlt dazu ausreichend Personal. Arbeitsministerin von der Leyen will daher Langzeitarbeitslose zu Erziehern umschulen lassen. Eine gute Idee?“ http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/imgespraech/1842004/ 
  7. Ab 2013 soll ein Betreuungsgeld von monatlich 100 € Eltern unterstützen, die ihre Kinder nicht in eine Einrichtung geben wollen. Ein netter Bonus für Frauen und Männer, die sich bereits entschieden haben zu Hause zu bleiben, keine ernsthafte Hilfe für Familien, die es sich den Verzicht auf ein zweites Gehalt nicht leisten können. http://www.betreuungsgeld-aktuell.de/
  8. Götze, Hanne: Kinder brauchen Mütter, S. 25.
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  • Anne

    Liebe Kathrin!
    Berichte mal wie bei euch im kiga eingewöhnt wird.
    Ich kenne nur das Berliner Eingewöhnungsmodell.
    Ich stehe der u2Betreuung im kiga ja auch sehr kritisch gegenüber und habe mich sowohl als Mutter und auch Erzieherin dagegen entschieden…

    Bin gespannt!
    Ich bin mir sicher,dass ihr den richtigen Weg für eure Tochter finden werdet!

    Deine Anne

    • Kathrin

      Der Bericht ist in Arbeit :) Unser Kindergarten gewöhnt auch nach dem Berliner Modell ein – allerdings ist unsere Bindung zu sicher: Unser Mädchen lässt sich nicht so gut auf die Erzieherin ein und weint heftig, wenn ich gehe. Dazu mehr in Kürze!

  • Katrin

    Ich bin begeistert von deinem kritischen, super recherchierten, absolut fundierten Artikel! Du sprichst mir direkt aus dem Herzen.

  • Nadine

    Hallo :)
    Danke für diesen interessanten Artikel! Ich selbst bin SPA und fast fertig mit meinem Kindheitspädagogik-Studium und weiß wie unglaublich viel von der Qualität der Einrichtung abhängt. Das Berliner Modell entspricht, richtig angewendet, zwar einem seichten Übergang, aber es gibt noch viele andere Punkte wi z.B. das gleichzeitige Schlafen etc. Induvidualität ist kaum möglich – das liegt allerdings am System selbst und nicht unbedingt am schlechten Personal. Über dieses Thema kann ich ewig schreiben, aber psst … eigentlich wollte ich nur eines los werden: Ich liebe diesen Job, ich kenne sehr gute Krippen und würde trotzdem am liebsten wesentlich länger als ein Jahr zu Hause bleiben, wenn es den ginge (dies wird sich noch zeigen). Eine ECHTE Wahlmöglichkeit wäre klasse. Ich gebe dir völlig recht! Leider gibt es da keine Partei, die man diesen Sonntag wählen könnte, die diesen Weg wirklich vertritt :(

  • Tina

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Diese blöden Pauschalsätze, die viel zu viele Leute von sich geben. Es gibt Kinder, die streben nach draußen, die anderen sollten ein Recht darauf haben, zuhause zu bleiben – solange die Eltern das wollen und können.

    „Uns hat es schließlich auch nicht geschadet!“ ist wohl der von mir am meisten gehaßte Satz im zusammenahng mit Kindern. Das ist eine Behauptung, die man nicht beweisen kann, im Gegenteil, es gibt genug Gegenbeispiele. Mit solchen Plattitüden will man Leute nur mundtot machen. Ich bin inzwischen so weit, daß ich kontra geben, wenn jemand so einen Schwachsinn von sich gibt.

    Außerdem, warum geben wir freiwillig die Erziehung unserer Kinder an Fremde ab und verlieren damit unseren Einfluß?

    Danke auch für diesen Artikel, denn ich hoffe, damit wird vielen verunsicherten Eltern der Rücken gestärkt.

  • Gassenreh

    Fremdbetreute Kinder werden möglicherweise ernste Probleme bekommen und damit die Zukunft unseres Volkes (Siehe auch in den hierzulande weitgehend unbekannten Studien z. B. von Prof. Annica Dahlström, Uni Göteborg: Innerhalb der letzten 15 – 20 Jahre einen Anstieg psychischer Erkrankungen bei schwedischen Mädchen um 1000 Prozent (Depressionen um 500 Prozent; Suizidrate finnischer Mädchen ist die höchste in Europa):
    Die Krippe scheint eine Einrichtung zum Wohlergehen von Erwachsenen zu sein, denn ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben zu erwartender erhöhter Stresshormonausschüttung infolge „learned helpnessless“ und Wachstumshormonmangel infolge reduziertem Langsamen-Wellen-Schlaf in der Krippe) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung zu befürchten. Mangelnde primäre (besonders 0 – 1,5 Jahre) frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung. [Auch Migrantenkinder müssen das basale Denken in der jeweiligen Muttersprache beginnen zu lernen].
    Denn bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist.(siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach)

  • Luisa

    Meine Liebe,

    ach ich bin so dankbar für Dich und Deine Gabe Dinge auf diese Art zu reflektieren und Anderen weiterzugeben. Du machst mir – und sicher so vielen anderen Frauen bzw. Eltern- so viel Mut! Ich liebe alle Artikel, Du sprichst mir aus dem Herzen mit so Vielem. Meine Tochter hat die ersten vier Monate nur im Tragetuch geschlafen und nun haben wir ein großes Familienbett. Ich war im Schnitt im ersten Jahr jede Stunde wach und noch immer ist sie wie Deine Tochter nun eher alle zwei Stunden wach. Selten weniger. Meist mehr. Man rät mir endlich abzustillen. Sie ist 14 Monate alt. Ich glaube nicht, dass es am Stillen liegt.
    Ich möchte sie auch frühestens dann in die Kita bringen, wenn sie schon ein bißchen sprechen kann und mir erzählen wie es ihr geht. Leider sind alle Kinder in meinem Umfeld mit einem Jahr schon in der Kita- so fehlen uns ein bißchen die Spielkameraden manchmal.
    Und nun lese ich diesen Bericht, auf der Suche nach Aufbauendem. Denn heute wurde ich von einer Betreuerin als „Glucke“ bezeichnet. In einer Kinderbetreuung im Fitnesstudio, wo ich manchmal vormittags hingehe. Weil ich nicht gleich rausgehe, wenn ich merke, dass sie anfängt bitterlich zu weinen. Oder weil ich hinter der Tür stehen bleibe um zu horchen, ob sie sich schnell wieder beruhigt (Angeblich „spürt“ sie das und weint deshalb….!!??Ich „quäle“ sie so nur..!!!.) Oder weil ich immer schon in Sportklamotten komme um die Zeit in der Umkleide zu sparen. Oder weil ich meist nicht länger als eine halbe Stunde wegbleibe-weil ich höre wie sie zwischendurch „jammert“ (dann bekommt sie den Schnulli-das will ich ihr so kurz wie möglich antun). Oder weil ich mich „nicht lösen kann“ („Dir fällt es ja schwerer als dem Kind“). .. Wie auch immer die Betreuerin hat mich als Glucke bezeichnet, ( wahrscheinlich weil das alles wohl sonst keine Mutti so macht und wir gehen da schon sehr lange hin und das müsste wohl „besser“ laufen denkt sie sicher).
    Jetzt bin ich so aufgebracht und ärgere mich auch über mich selbst, weil ich nichts Schlaues, Schlagfertiges antworten konnte. Aber es tut mir gut jetzt Deinen Artikel zu lesen.
    Echt. Danke!
    Alles Gute Euch und herzlichen Glückwunsch zur erneuten Schwangerschaft! Schön ist das!!!
    Luisa

    • Liebe Luisa,

      erst einmal herzlichen Dank für Deine lieben Zeilen.
      Ich kenne sehr viele Mamis, deren Kinder auch nach dem Abstillen sehr unruhig schliefen. Abstillen ist kein Garant für’s Durchschlafen.
      Was die Betreuer anbelangt, es ist eine Frechheit, dass sie Dich so bezeichnet. Versuch sie auszublenden und zu machen, was Dir und Deiner Maus gut tut. Unser Mädchen geht übrigens mittlerweile stundenlang allein zu Omi spielen – schiebt mich sogar raus, weil ich störe :) So kann ich entspannt und konzentriert arbeiten, denn ich weiß, dass es ihr gut geht. Die Zeit, in der sie Dich nicht mehr braucht/ will, kommt schnell genug. Irgendwann wird sie eine Stunde ruhig spielen und Dich damit überraschen. Bis dahin zeig ihr, dass Du da bist. Egal wie gluckig Du damit rüber kommst 😉

      Liebe Grüße
      Kathrin

    • Ulrike

      Es ist jetzt schon über ein Jahr her aber ich habe den Kommentar jetzt erst gelesen und muss mal was dazu loswerden was ich auch bei vielen Texten über die Krippen/Kindergärten denke und manchmal auch schreibe aber gerade in diesem Fall finde ich es besonders krass: wer ist in diesem Fall eigentlich der Dienstleister??? Ich meine du wirst einen Haufen Geld für dein Studio bezahlen und für die Kinderbetreuung also auch und dafür kriegst du ungebetene und freche Erziehungsratschläge??? Ich glaub ich spinne! Aber das ist so typisch dass Frauen derart verunsichert in ihrer Mutterrolle sind dass sie sich solche Eingriffe klaglos gefallen lassen und sogar noch drüber nachdenken ob da vielleicht was dran ist. Das wäre in anderen lebensbereichen undenkbar.

  • sarah

    Hallo, auch hier noch mal: Tolle Seite! Meine große musste ab dem ende des Elterngeldes in die Fremdbetreuung. Da wir sonst vorne und hinten nicht hingekommen wären! Wir haben uns damals und werden es diesmal genau so machen, für eine Tagesmutter entschieden. Diese hat selbst vier große Kitz und ist mittlerweile eher eine gefühlte Verwandte. Trotz das man sich schon kennt wird es eine sanfte Eingewöhnung von momentan geplant einem Monat geben, was uns aber auch beiden wichtig ist!!und sie wird auch nicht länger als nötig da sein! Finde es ganz schlimm wie viele Kinder bis 17 oder 18 Uhr im Kindergarten oder Krippe sind und das obwohl die Eltern zuhause sind!!!

  • Anna

    Salut, mit viel Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen. Ich habe nur positive Berichte bis jetzt gelesen, möchte nun aber auch etwas kritische Worte einbringen. Meiner Meinung nach soll Frau und Mutter, die anderen Mütter das tun lassen was sie jeweils für richtig erachten. Es gibt so viele Wege und Möglichkeiten in der Erziehung und kein Weg ist der einzig richtige. Wenn Kinder viel Liebe erfahren von zu Hause und sie gestärkt werden in ihrem Sein, dann ist das schon sehr, sehr viel. Ich selber bin eine Mutter (in der Schweiz geht frau in der Regel früher wieder arbeiten als in Deutschland) und ich bin nach der Geburt meines Sohnes nach gut einem halben Jahr wieder arbeiten gegangen. Für mich war das der ideale Zeitpunkt, ich fühlte mich reif wieder arbeiten zu gehen und meinem Sohn gefällt (er kann ja noch nicht sprechen aber eine Mutter spürt so etwas) es in der Krippe, er liebt die Erzieherinnen und freut sich auf das Spielen mit den anderen Kindern. Ich bringe ihn mit einem guten Gewissen in die Krippe und gehe auch wieder mit einem guten Gewissen, weil ich weiss er wird in der Zwischenzeit gut umsorgt, geschaukelt, liebkost und verwöhnt.
    Meiner Meinung nach ist der Betreuungsumfang ein wichtiger Punkt. Mein Sohn geht zwei Tage in die Krippe und einen Tag passen seine Grosseltern auf ihn auf. Somit ist er zwei Tage nur mit mir, zwei Tage mit mir und seinem Vater, zwei Tage in der Krippe und einen Tag mit seinen Grosseltern. Ich denke man kann nicht pauschal sagen, das ist der Weg, macht es alle so. Jedes Kind ist individuell, für das eine ist eine Stunde Fremdbetreuung traumatisch, ein anderes freut sich seine Gspöndli (Schweizerdeutsch für Freunde) in der Krippe zu sehen.
    Ich lese in Deinem Beitrag viel Unverständnis gegenüber Müttern und Vätern die sich für ein anderes Modell als dem deinigen entscheiden. Kann es nicht sein, dass verschiedene Modelle möglich sind und wir Mütter uns solidarisieren sollten untereinander als zu schreiben, wie X und Y ihre Kinder zu früh, zu spät, am falschen Ort, mit den falschen Gefühlen fremdbetreuuen lassen. Es freut mich, wenn Dein Weg für Deine Familie der richtige zu sein scheint. Es gibt aber auch andere liebende Eltern die einen anderen Weg gewählt haben.

    Liebe Grüsse von Anna

    • Liebe Anna,

      Du schreibst: „Ich lese in Deinem Beitrag viel Unverständnis gegenüber Müttern und Vätern die sich für ein anderes Modell als dem deinigen entscheiden.“ Wirklich? Mir ist es, ganz ehrlich, egal, was andere Mütter und Väter entscheiden. Du hast Recht, jeder muss seinen eigenen Weg finden.

      Ich hatte damals (ist ja schon zwei Jahre her) nur ein verdammt schlechtes Gefühl meine Tochter mit 12 Monaten in die Kita zu geben und darüber ließ ich mich in aller Ausführlichkeit aus…

      LG
      Kathrin

  • Katharina

    Liebe Kathrin,

    ich bin auf Umwegen auf deine Seite gestossen und habe diesen Artikel mit einem Gefühl der Zustimmung gelesen. Unser Sohn wird erst in ein paar Wochen geboren, aber ich wurde bereits in der frühen Schwangerschaft darauf angesprochen, ob ich mich bereits für einen Krippenplatz angemeldet hätte. Als ich dies verneinte, wurde mit Unverständnis reagiert. Es wäre doch total langweilig, mit einem Kleinkind Zuhause zu sein und die tolle Förderung, die unserem Kind dann entgehen würde…. Mein Mann und ich hatten jeder das Glück, dass unsere Mütter Zuhause waren, und sind heute noch dankbar dafür, dass sie uns soviel Zeit und Energie gewidmet haben. Ich bin erst spät in den Kindergarten gegangen (mit fünf) und habe vorher nichts vermisst. Aber irgendwie plappern alle das Gleiche: Man muss sich als Frau doch im Beruf verwirklichen (gerade wenn man wie ich auch noch studiert hat), alles andere scheint mittlerweile inakzeptabel. Ich finde, man kann sich auch sehr gut Zuhause verwirklichen und ich bin auch bereits, finanziell zurückzustecken und auf einiges zu verzichten.
    Liebe Grüße
    Katharina

  • Sandra

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich Anna anschließen:
    warum tendieren wir Mütter dazu, uns gegenseitig runterzumachen anstatt (unabhängig vom gewählten Lebensstil) solidarisch zu sein. Wir würden so viel mehr erreichen, wenn wir uns nicht immer gegen „die anderen“ abgrenzen würden, sondern gemeinsam für unsere gemeinsamen Interessen kämpfen.

    Sowohl Dein Artikel, aber insbesondere die Kommentare lassen keine Zweifel, was der RICHTIGE Weg ist. Wie man sich vermutlich schon denken, habe ich einen anderen Weg gewählt (ich habe meine zwei Kids mit 10 bzw. 11 Monaten in die Kita gegeben), aber ich finde es eine genauso valide Option, für 2 oder 3 Jahre zu Hause zu bleiben. Das muß m.E. jedes Paar/jede Familie für sich entscheiden.
    Ich glaube, ein Kind verpasst nichts, wenn es erst mit 3 oder 4 Jahren in den Kita kommt, aber jeden frühkindliche Kita-Betreuung mit permanentem Streß und einer rhetorischen „muß das denn wirklich Sein“ Frage zu etikettieren, ist schon eine klare Wertung.

    Und ich kann nur sagen: Unverständnis gibt es bei JEDER Entscheidung – denn allen kann man es nie Recht machen. Wie häufig ich mich beispielsweise rechtfertigen musste, dass ich mein Kind so früh in die Kita gegeben habe oder noch schlimmer, ich so früh wieder arbeiten war (nach 7 Monaten, danach war der Papa bis zu Beginn der Kita mit 11 Monaten zu Hause).

    Mittlerweile habe ich ein dickes Fell, aber natürlich haben mich die Kommentare anfangs getroffen und ich habe mir dann auch die Frage gestellt, ob ich vielleicht eine Rabenmutter bin, etc . Aber eigentlich sind solche Gedanken einfach nur verschenkte Zeit.

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  • Miliamum

    Es gibt auch andere Lektüre und andere Studien, die zu einem differenzierten Ergebnis kommen. Ich bin nicht im Osten aufgewachsen aber da waren fast alle in der Krippe und die, die gefragt habe, können nicht verstehen warum wir darüber so negativ denken. Ich glaube das Urvertrauen ist sehr wichtig und jedes Kind ist anders. Manche Mütter sind froh für ein paar Stunden ihrer Arbeit im Büro etc. nachzugehen oder einfach Zeit für sich zu haben und dann die restliche Zeit mit den Kids entspannter verbringen. Ich bin sehr froh, dass es Krippen mit tollen Erziehern gibt und meine Tochter da schon so viel Spaß hat und offen auf alle zugeht. Nicht jedes Kind ist so, deswegen muss jeder für sich entscheiden und seinen Weg finden.