Kindergarten ab drei – Ein Erfahrungsbericht

Kathrin Erfahrungen 23 Kommentare

Unser Mädchen ist im Juni drei geworden und seit August 2014 ist sie ein großes Kindergartenkind. Mit einem Jahr (also 2012) starteten wir bereits eine Kita-Eingewöhnung – jedoch ohne Erfolg. Der zweite Versuch vor ein paar Wochen verlief überraschenderweise wie am Schnürchen.

Rückblick

Gescheiterter Krippen-Start mit 1 Jahr

Vor zwei Jahren war ich bereits im Vorfeld höchst skeptisch und fragte mich, ob Fremdbetreuung in dem Alter gut und sinnvoll ist (siehe „Frühe Fremdbetreuung – Eine kritische Sichtweise„). Außerdem verlief die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell für uns nicht positiv. Die erste Trennung erfolgte zu früh und holprig, woraufhin unser Mädchen heftig weinte, an mir klammerte und am Ende sogar ihre Bezugserzieherin mied (siehe „Das fehlgeschlagene Eingewöhnen„).

Wir brachen damals ab und ließen sie zu Hause, obwohl wir uns das nicht einfach so leisten konnten. Thomas passte an den Vormittagen auf unser Mädchen auf, während ich arbeitete; ich kümmerte mich dann an den Nachmittagen um sie und Thomas ging seinem Beruf nach. Wir nahmen also viel Arbeit auf uns und schnallten den Gürtel ziemlich eng, einfach weil wir überzeugt waren, dass es ihr so (also bei uns statt in der Kita) besser geht.

Aber sie muss doch unter Kinder!

Ich teile die Ansicht, dass Kleinkinder regelmäßige Kontakte zu anderen Kindern, aber auch regelmäßige Kontakte zu anderen Erwachsenen (außer Mama und Papa) für eine gesunde Entwicklung benötigen. Denn nur in Gesellschaft lernen die Knirpse individuelle Eigenheiten und Verhaltensweisen von Menschen kennen und mit ihnen umzugehen. Nur durch vielfältige, zwischenmenschliche Erfahrungen können sie ihre sozialen Kompetenzen ausbauen.[1]

Jedoch muss ein unter dreijähriges Menschlein dafür nicht zwangsläufig eine Kinderkrippe besuchen. Soziale Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten finden sich auch innerhalb von Familien, wenn Geschwister vorhanden sind oder mehrere Generationen zusammen leben. Wer, wie wir, sein Einzelkind allein in den eigenen vier Wänden betreut, kann sich Spielgruppen anschließen, Spielplätze aufsuchen oder feste Treffen mit befreundeten Eltern organisieren.

Während Thomas auf reine „Papa-Tochter-Zeit“ setzte, ging ich an den Nachmittagen regelmäßig unter die Leute. Nicht nur damit unser Mädchen Spielkameraden fand, sondern weil ich den Austausch mit meinen Mädels genoss. Wir wählten bewusst Umgebungen, in denen unsere Kinder auch ohne unser Beisein vielseitig aktiv werden konnten. Dabei überließen wir sie mit zunehmendem Alter sich selbst und schauten bewusst weg, wenn sie Unsinn ausheckten oder sich stritten. Einfach um ihnen genügend Gelegenheiten zu bieten sich auszuprobieren und Konflikte/ Probleme selbst zu lösen.

Fremdbetreuung oder zu Hause?

Unser Mädchen im Spiel mit einer Freundin.

Kritische Stimmen mögen sagen, dass sich diese Treffen nicht mit den alltäglichen Kontakten in einer Krippe vergleichen lassen. Aber mindestens genau so wichtig wie die soziale Entwicklung eines Kindes, erachte ich sein emotionales Gedeihen.

Bei wem ist mein Kind gut aufgehoben?

Und genau das ist der Punkt, der mir beim Thema „Fremdbetreuung von unter Dreijährigen“ Bauchschmerzen bereitet: Ohne ausreichende emotionale Zuwendung kann es keine gesunde seelische und kognitive Entwicklung des Kindes geben.

Ich hinterfrage nicht, ob es grundsätzlich gut oder schlecht ist, Kinder in die Obhut anderer Menschen zu geben. Nein, auch wir ließen unser Mädchen wöchentlich ein paar Stunden allein bei Omi. Damit sie lernte für gewisse Zeit ohne Mama und Papa auszukommen und weil es eine große Entlastung für mich bedeutete.

 Was mir keine Ruhe lässt, ist der Personalschlüssel in den meisten Einrichtungen. „Denn so wenig eine Mutter allein Vier- oder Fünflinge versorgen kann, so wenig kann das eine noch so gut ausgebildete Erzieherin“, bemerkt Renz-Polster treffend.[2]

Ich ließ unser Mädchen ohne Bedenken bei Omi, weil ich wusste, dass sie bei ihr gut aufgehoben ist. Omi herzt sie und schmust mit ihr. Sie tröstet und muntert auf. Sie geht jederzeit gezielt und flexibel auf die Bedürfnisse unseres Mädchens ein. So eine feinfühlige Rundumversorgung ist im Krippenalltag allerdings kaum möglich.

Eventuell wäre eine Tagesmutter mit wenigen Kindern eine gute Alternative für uns gewesen, aber ich war glücklich, unser Mädchen zu Hause zu haben und sie genoss unsere Nähe. Außerdem war sie in den ersten zwei Jahren so anhänglich, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass sie nicht zumindest phasenweise unter einer regelmäßigen „außer-Haus-Betreuung“ leidet. Denn ging es ihr schlecht, hatte sogar Thomas kaum eine Chance bei ihr.

Ohne Defizite durch die kindergartenfreie Zeit?

Doch gelegentlich zweifelte ich diese 1:1 Betreuung durch Papi, mich oder unsere fürsorgliche Omi an. Vor allem wenn ich bei Spielplatzbesuchen Sätze hörte wie: „Mein Junge hat in der Krippe so viele neue Dinge gelernt, von denen andere in seinem Alter noch weit entfernt sind.“ Oder „Er blühte richtig auf und wurde viel offener anderen gegenüber.“ Ich fragte mich dabei immer, woher diese Mütter sicher wissen können, dass diese Fortschritte den Erziehern/ der Einrichtung zu verdanken sind?

Denn auch ich beobachtete nahezu täglich Veränderung bei unserem Mädchen. Sie sprach mehr, kletterte geschickter, wurde zunehmend selbstbewusster, selbstständiger und so weiter. Und all das obwohl sie nicht von einer Fremdbetreuung „profitierte“.

Heute bin ich gelassener und überzeugt, dass sich Kinder in diesem Alter rasant entwickeln, unabhängig davon, ob sie die Vormittage zu Hause oder in einer Krippe verbringen. Sie wollen aus eigenem Antrieb heraus die Welt erkunden und dafür brauchen sie in erster Linie genug Freiraum zum Entdecken und Probieren und jemand der sie lässt. Letzteres können Eltern, Großeltern, aber auch Erzieher sein. Hauptsache es sind Bezugspersonen, bei denen sich das Kind wohl fühlt und denen es vertraut.

Unsere Ängste

Dass wir bei den einzelnen Entwicklungsschritten den Erziehern oder uns selbst auf die Schulter klopfen – je nachdem für welche Betreuungsform wir uns entschieden haben – ist mehr als verständlich. Schließlich hoffen wir die richtige Entscheidung gefällt zu haben und suchen nach sichtbaren Zeichen dafür.

Aber warum brauchen wir überhaupt Beweise? Ich vermute, weil wir das Beste für unsere Kinder wollen, aber gar nicht so recht wissen (können), was das Beste ist. Gehören Kleinkinder zu den Eltern oder in eine Krippe? Wo entwickeln sie sich besser? Wer kann sie optimaler fördern und bilden? Wer sich besser um ihre emotionalen Belange kümmern?

Das einzige was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass es nicht die eine richtige Betreuungsform gibt, die auf alle Familien passt. Wir stehen also wieder einmal vor der Qual der Wahl. Das Schwierigste daran ist, dass niemand von uns abschätzen kann, welche Auswirkungen das von uns gewählte Betreuungsmodell auf unsere Kinder hat. Wir können nur Vor- und Nachteile abwägen. Vermuten und spekulieren. Hoffen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und bereit sein zu handeln, wenn wir merken, dass es die falsche Entscheidung war.

Krippe oder zu Hause? Ein ideologischer Grabenkampf

Renz-Polster beruhigt „weder für die Fremdbetreuung noch für die Vollzeit-Betreuung durch eine Mutter können grundsätzliche Vorteile ausgemacht werden. Entscheidend ist die Qualität der Betreuung.“[3]

Mit Qualität meint er im Übrigen nicht die akademische Bildung der Betreuungsperson, sondern ihre Kompetenz im Umgang mit kleinen Kindern. Babys und Kleinkinder brauchen verlässliche Zuwendung. „Gerade die Kleinsten benötigen den feinfühligen, angst- und stressfreien Umgang weitaus mehr als ein pädagogisch „ideales“ Förderungsmodell.[4]

Statt beim Thema „Betreuungsmodell“ also in heiße Diskussionen – in „ideologischen Grabenkämpfe“ – zu verfallen, sollten wir in uns hineinhorchen und schauen, mit welcher Variante wir uns gedanklich am wohlsten fühlen. Denn ob das Kind drei Jahre (oder gar länger) zu Hause bleibt oder bereits früh fremdbetreut wird, sollte ausschließlich von persönlichen Faktoren abhängen. Dabei spielt natürlich das Wohlergehen des Kindes eine Rolle, aber auch die individuellen Vorstellungen, die Ressourcen (Einkommen usw.) und das soziale Netz der jeweiligen Familie.

Wann ist mein Kind bereit? Ich will auch in den Kindergarten!

Das ist eine Frage, die ich persönlich nicht vom Alter, sondern vom Entwicklungsstand und Charakters des Kindes abhängig machen würde. Manch Einjähriger verpackt es gut, täglich von den Eltern getrennt zu sein. Auf der anderen Seite gibt es Drei- oder Vierjährige, die sich bei der Eingewöhnung unheimlich schwer tun (siehe auch „Das richtige Alter für den Kindergarten“).

Unser Mädchen signalisierte im Alter von etwa 2,5 Jahren deutliches Interesse. Angestoßen durch Kindergarten-Bilderbücher (z.B. Kindergarten-Geschichten, die Mut machen) und unsere Kindergarten-Besichtigungstour im Herbst 2013, entfachte ihre Neugier. Sie sah die anderen Kinder spielen und vor allem die tollen, integrierten Spielgärten. „Ich will auch in den Kindergarten“ bekam ich von da an, immer öfter zu hören.

Das war übrigens auch für mich ein perfekter Zeitpunkt. Wir hatten beide mehr als genug intensive „Mama-Tochter-Zeit“ getankt. Ich wusste, dass sie problemlos ein paar Stunden ohne uns/ mich sein kann und sah zudem deutlich ihre Reife. Sie war ganz offensichtlich bereit, die Welt ein Stück weit ohne mich zu erkunden und so konnte ich sie mit einem guten Gefühl ziehen lassen.

Kindergarten ab drei

Auf zu neuen Ufern!

Kindergarten 2014

Unberechtigte Zweifel und Sorgen

Dennoch blickte ich dem Kita-Start mit gemischten Gefühlen entgegen. Unser Mädchen war zwar bereits so selbstbewusst, selbstständig und vor allem heiß auf den Kindergarten, dass ich eigentlich keine Bedenken haben sollte. Aber ich erinnerte mich noch sehr gut an unseren ersten gescheiterten Eingewöhnungsversuch und fragte mich, ob es wieder Schwierigkeiten geben könnte. Ob ihr die intensive „zu Hause Betreuung“, das lange Stillen und überhaupt unsere enge Bindung den Einstieg in die Kita-Welt eventuell erschweren, wie manche Leute vermuteten.

Doch unser Töchterchen marschierte vom ersten Tag an ganz aufgeregt und begeistert hin. Sie war glücklich, endlich ein großes Kindergartenmädchen zu sein und meisterte die Eingewöhnung problemlos.

Waldorf Kindergarten – Zufall oder Schicksal?

Von den Kindergärten, bei denen ich mich beworben hatte, erhielten wir Anfang des Jahres leider keine Zusage. Dafür erfuhren wir zufällig, dass es noch einen Platz in einem Waldorf Kindergarten ganz in unserer Nähe gibt. Das erste Gespräch mit der Leiterin verlief so positiv, dass ich mich gerne auf dieses (schicksalshafte) Angebot einließ.

Im Vordergrund der Einrichtung steht die Individualität des Kindes und seine Bedürfnisse. Der Tagesablauf ist rhythmisch gegliedert und von Ritualen untermauert, die dem Kind Beständigkeit vermitteln sollen. Es gibt freie Spielzeit und „geführte“ Phasen, in denen die Erzieher die Führung übernehmen. Es herrscht demnach ein regelmäßiger Wechsel zwischen Ruhe und Aktivität (ein „Ein- und Ausatmen“). Außerdem wird viel gesungen und die Kinder werden in kleine Arbeiten (z.B. Brot backen, Garten bepflanzen) eingebunden. Soweit alles positiv.

Lediglich der verhältnismäßig kleine Gruppenraum für 23 Kinder bereitete mir Bauchgrummeln, da unser Mädchen sehr lange Zeit in engem Raum mit vielen Kindern aggressiv reagierte (siehe „Überforderung Spielgruppen„). Ich sprach das kurzerhand bei der Leiterin an, die mich direkt beruhigte. Die Kinder dürfen das gesamte Aussengelände des Kindergartens bespielen, wenn sie möchten. Somit gibt es genug Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten. Außerdem sorge der alltägliche Rhythmus („Ein- und Ausatmen“) für einen entspannten Umgang. Ich war gespannt…

Wir wählten also eine 30 Stunden Woche (8-14 Uhr inklusive Mittagessen) mit dem Hintergedanken, sie anfangs nur so lange in der Kita zu lassen, wie es ihr behagt.

Individuelle Eingewöhnung mit drei Jahren

Thomas übernahm den Eingewöhnungs-Part, weil sie sich besser von ihm trennen kann und ich die Kontrolle gerne komplett abgeben wollte. Ich vertraute den Beiden 100%ig, wusste dass sie mir berichten, falls etwas ungünstig läuft und ich wollte dem Eingewöhnungsprozess nicht mit meinen „Gefühlsduseleien“ im Wege stehen. Allerdings war es auch für Thomas nicht so leicht wie gedacht, denn regelmäßig beschlich ihn das Gefühl sein Mädchen im Stich zu lassen…

Die Erzieherin folgt bei der Eingewöhnung keinem speziellen Konzept, sondern sie orientiert sich immer am Kind. So blieb Thomas die ersten drei Tage komplett in der Gruppe und insgesamt waren die beiden maximal 2 Stunden pro Tag da. Wollte unser Mädchen Heim, schenkte ihr die Erzieherin verstärkt Aufmerksamkeit. Sie nahm sie beispielsweise bei der Hand und zeigte ihr den Himbeerstrauch im Garten. Dann brach sie stets an einem positiven Punkt ab und setzte die Eingewöhnung am nächsten Tag fort.

Am Ende der ersten Woche erfolgte dann die erste, kurze und problemlose Trennung (1 Stunde). Bereits in der zweiten Woche blieb unser Mädchen ganz alleine von 9 Uhr bis 11.30 Uhr in der Einrichtung. Ohne Tränen. Ohne Proteste. Ganz im Gegenteil geriet ich dann am Samstag in Erklärungsnot: „Warum ist heute kein Kindergarten?“

In der dritten Woche erweiterten wir den Aufenthalt um eine weitere Stunde und wir holten sie erst nach dem Mittagessen gegen 13 Uhr ab. In unserer Einrichtung wird frisch (Bio) gekocht und der Gedanke, dass sie leckeres Essen in Gesellschaft mit ihren neuen Freunden futtern kann, gefiel mir.
Ihr auch.

Weinen bei der Mittagsruhe

In der vierten Woche versuchten wir sie die komplette Zeit, also bis 14 Uhr in der Kita zu lassen. Unser Waldorf-Kindergarten sieht nach dem Mittagessen eine Stunde Ruhepause für alle Kinder vor (nur die Vorschulkinder im Alter von 5-6 Jahren dürfen ruhig im Backhaus – einem separaten Häuschen im Garten – spielen). Das heißt 13 Uhr liest eine Erzieherin eine kurze Geschichte vor, während alle Kinder in einem Ruheraum liegen. Nach circa 20 Minuten dürfen die Kinder, die nicht einschlafen können, wieder aufstehen.

Ich finde diesen „Ruhezwang“ seltsam, da sich die Einrichtung bei allen Belangen – außer bei diesem – an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Aber das ist wohl Teil der Waldorf-Pädagogik und somit unantastbar. Ungünstig für uns, denn unser Mädchen strich den Mittagsschlaf bereits vor einigen Monaten. Auch bei uns gibt es eine ruhigere Mittagsphase, in der ich ihr Bücher vorlese, aber einfach so liegen? Einfach so allein im Bett einschlafen? Nicht mit ihr!

Wir probierten es dennoch, schließlich hatte sie uns bereits mit der unerwartet schnellen Eingewöhnung überrascht. Als ich sie an dem ersten „Schlaf-Tag“ dann aber um 14 Uhr abholte, rannte sie mir nicht wie sonst lachend entgegen. Sie saß bei ihrer Erzieherin auf dem Schoß und schnüffte. Noch schlimmer, sie ignorierte mich. Ohje!

Die Erzieherin bestätigte meine Vermutung. Unser Mädchen wollte nach der Mittagsgeschichte „Pipi machen“ und ging schniefend zur Toillette. Als sie wieder kam, weinte sie bitterlich und ließ sich kaum beruhigen. Einfach so liegen. Allein in einem Bettchen. Tatsächlich nicht mit ihr!

Spontane Planänderung: Vorerst nur Mittagskind

Thomas und ich, wir entschieden daraufhin sofort, dass wir sie in den nächsten Wochen wieder direkt nach dem Mittagessen abholen. Sie ging bis dahin sehr gerne und positiv in den Kindergarten und das sollte auch weiterhin so bleiben. Klar, wäre eine Stunde mehr Betreuungszeit hervorragend, aber uns ist es wichtiger, dass sie auch in Zukunft mit einem guten Gefühl in die Kita geht.

Die Erzieherin sah das glücklicherweise ähnlich und empfahl die Mittagsruhe zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anzugehen. Wenn sie angekommen ist und ihren Platz in der Gruppe gefunden hat. So machen wir das.

Schlussgedanke

Ich bin glücklich, dass der zweite „Kindergarten-Anlauf“ so unkompliziert verlief. Dass unser Mädchen jeden Morgen nach dem Aufwachen fragt: „Kann ich heute in den Kindergarten?“ und sich freut, wenn ich bejahe.

Ich mag unsere Einrichtung, die Leiterin und vor allem die Erzieherin unserer Tochter, weil letztere sich auf eine sehr herzliche und fürsorgliche Art um ihre Sprösslinge kümmert. Unser Mädchen schloss sie verständlicherweise recht flott ins Herz und akzeptierte somit eine weitere Bezugsperson, der sie vertraut und von der sie sich in Notfallsituationen gerne trösten lässt.

All das erleichtert mich ungemein, weil ich somit sicher weiß, dass ich unserem Mädchen mit meiner Liebe, Nähe und Fürsorge nicht den Weg in die Zukunft versperrt habe. Weil sie durch unseren Erziehungsstil nicht zur verhätschelten Göre, die nie ohne Mama klar kommen wird, mutierte. Nein, sie begibt sich offen und mutig in neue Situationen. Sie ist ein kleines, starkes Mädchen!

Dennoch rechne ich mit einer Phase, in der sie eventuell nicht in den Kindergarten will. Vielleicht, wenn das Baby da ist. Oder nach einer langen Ferienpause. Gedanklich bin ich bereits auf solch einen (völlig normalen) Rückschritt eingestellt, denn den gibt es bei fast jedem Kindergartenkind irgendwann.

Doch vorerst lehne ich mich entspannt zurück und genieße die ruhigen Vormittagsstunden – die Ruhe vor dem Sturm! Denn in wenigen Wochen starten wir ja mit Nestling Nr. 2 in eine neue „Heim-Betreuungsrunde“.

 

 

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Largo, Remo: Babyjahre (2012), 22.
  2. Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 309.
  3.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 306.
  4.  Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen (2012), 309.

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  • Meike

    Du sprichst mir aus der Seele! Genau das sind meine Gedanken zu diesem Thema und ich hab bisher kaum jemanden kennengelernt, der diese Meinung in der Weise vertritt. Ich selbst habe meinen Sohn jetzt mit 2,5 in die Krippe gegeben. Und er fühlt sich sehr wohl, so wohl, dass er nach 2 Monaten von sich aus dem Wunsch äußerte mittags bei den anderen Kindern schlafen zu wollen. Bis dahin hatte ich ihn immer mittags abgeholt (ich befinde mich momentan noch auf Jobsuche nachdem ich mit meiner Familie im letzten Jahr in eine andere Stadt gezogen bin). Wäre die Eingewöhnung fehlgeschlagene hätte ich ihn auch wieder zu mit nach Hause geholt. Mein Sohn hat früh gesprochen. Und ich war froh und beruhigt, zu wissen, wenn er etwas zu sagen hat, dass er sich seinen Erzieherinnen gegenüber mitteilen kann. Die ersten Jahre zu Hause in einer liebevollen Umgebung sind unersetzlich! Viele Grüße

  • Sylwia

    Hallo Kathrin,

    Als ich Schwanger würde hatte ich es vor nach ein Jahr Elternzeit wieder im Büro anzutanzen, meine Freundin die 2 kinder im alter von 10 und 12 Jahren hat, war etwas irritiert als ich ihr von mein Vorhaben erzählte. Ihr ersten Kind war 3 Jahre zuhause und das zweite 2 Jahre, damals war es auch üblich 2 oder 3 Jahre Erziehungsurlaub zu nehmen und sie meinte zu mir, sie könnte es sich auch nicht vorstellen die kleinen so früh weg zu geben.
    Es ist aber heute nun mal so üblich nach ein Jahr wieder zu arbeiten, also stand die Entscheidung für mich fest. Nach der Geburt meiner Tochter vor 6 Monaten habe ich, wie geplant, für ein Jahr Elternzeit beantragt, doch nach 10 Wochen war für mein Mann und mich klar, dass es kein Weg für uns ist sie nach ein Jahr in die Fremdbetreuung zu geben und so verlängerte ich, trotz nicht so guter finanzieller Lage die Elternzeit auf 2 Jahre und auch danach sind wir uns unsicher ob ich wieder arbeiten gehe oder doch noch ein Jahr zuhause bleibe. Mein Gefühl sagt dass es nicht richtig wäre sie mit 12 Monaten in die Krippe zu geben.
    Was ich aber sehr traurig finde ist, dass ich jetzt schon als Übermama bezeichnet werde, oder dass wir unsere Tochter über behüten nur weil ich sie mit 6 Monaten nicht vor habe abzustillen, sie nicht schreien lasse und 2 Jahre zu hause bleibe.
    Ich als Kind übrigens, war nie in einen Kindergarten und geschadet hat es mir auch nicht.

    • Liebe Sylwia,

      ich erlebe leider, dass sich fast jede Frau rechtfertigen muss – egal wie sie ihr Kind erzieht/ betreut. Das einzige, was ich dazu sagen kann, ist dass wir Mamas versuchen müssen diese „Stimmen von außen“ auszublenden und zu schauen, was sich für unsere kleine Familie (all die, die unter einem Dach leben und die von den Entscheidungen betroffen sind) gut anfühlt. Das ist meiner Meinung nach das einzige, was wichtig ist…

      LG
      Kathrin

  • Es ist toll, dass ihr für euer Kind so da sein konntet und ich wünsche mir, dass mehr Eltern ihre Kinder so ernst nehmen wie ihr. Leider sind die Krippen in unserem Land oft von so schlechter Qualität, dass die Kinder tatsächlich besser zuhause betreut sind.

    Meine Kleine Dame hat Glück, sie darf in eine tolle Krippe und ist dort genauso angekommen, wie du es von deiner Tochter erzählst: fröhlich, selbstbewusst und aufgeschlossen. Meine Studis würden jetzt sagen: Klar, sichere Bindung gleich positives Explorationsverhalten:=)

    LG und genieß die Ruhe morgens….ich hatte ein paar Tage bevor ich wieder arbeiten durfte und es war herrlich!

    • Vielen Dank, Katharina! Das mache ich :)

  • Silke

    Liebe Kathrin,

    vielen Dank für deine hilfreichen Erklärungen!
    Aber vorrangig: Herzlichen Glückwunsch zur zweiten Schwangerschaft! Bald ist es ja soweit! :-) Toll!
    Unser Kleiner ist 16 Monate jung und noch nicht in der Krippe. Wir werden hier im Osten schon ganz schief angesehen… Hier verschwindet jedes Baby mit zehn bis zwölf Monaten in einer Kita. Vor einigen Tagen haben wir uns die erste angesehen. Wir waren entsetzt. Es stank nach Urin. Überall Stolperfallen – drinnen wie draußen (z.B. abgesägte Baumstumpfe, Wurzeln, defektes altes Spielgerät mit einem Absperrband :-( … um Himmels Willen). Die Leiterin trat gleich noch auf ein krabbelndes Kleinkind (auf dessen Hand) und dann zeigte sie uns den Essensplan – der hat uns den Rest gegeben. Margarine, Süßes… von einem zweifelhaften Unternehmen geliefert. Übel. Wir waren froh, als wir wieder gehen durften.
    Und hier in der Stadt stehen die Leute dort an, um ihre Kleinen unterbringen zu dürfen… Hallo? Ich verstehe das nicht.
    Nun habe ich noch die Hoffnung, zwei neue Einrichtungen ansehen zu dürfen und dort evtl. auf einen Warteliste zu kommen. Dort sind zumindest die Außenbereiche kindgerecht – soweit ich das sehen kann.
    Ein „größeres“ Kind mit z.B. zwei Jahren in eine Kita zu bringen ist noch schwerer hier bei uns, weil diese Altersgruppe ja schon voll oder übervoll mit den Kindern ist, die seit dem ersten Jahr dort abgegeben werden.
    Dein Bericht hat mir also Mut gemacht, mich nicht vom Umfeld fertig machen zu lassen und unseren Sohn u.U. bis zum dritten Geburtstag zu Hause zu betreuen.
    Wir sind enge Gürtel gewohnt ;-).
    Etwas Angst macht mir das „trocken werden“. Das lernt man angeblich nur in der Kita. Na mal sehen…
    Neue Aufgabe – und noch mehr Spaß … 😉

    Alles Liebe und beste Gesundheit für die lieben Kinderlein!!

    Silke

  • Nicole

    Bei meinem Arbeitgeber hatte ich eine 1,5jährige Elternzeit angemeldet. Im Nachhinein betrachtet, habe ich mich gegenüber dem Arbeitgeber aber auch gegenüber der Familie wohl einfach nicht getraut eine längere Elternzeit zu „beantragen“. Während meiner Elternzeit habe ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt und habe u.a. Renz-Polster und so wundervolle Blogs, wie deinen, liebe Kathrin, gelesen. Was soll ich sagen… ich habe auf drei Jahre verlängert und betreue unseren Sohn nun zu Hause.

    Der Papa studiert noch, unser Gürtel ist entsprechend eng geschnallt. Es gab keine Familienkutsche (ein Reboard-Kindersitz passt auch in einen Dreitürer), es gab keine größere Wohnung (wozu jetzt schon ein Kinderzimmer, wenn die Kleinen eh bei uns spielen wollen und wir unser Familienbett lieben).

    Wir wohnen „im Osten“ und sind hier absolute Exoten. Mittlerweile haben wir uns mit ein paar anderen Mamas, die ihre Kinder auch zu Hause betreuen, „zusammengerottet“. So eine gegenseitige, vor allem moralische Unterstützung, ist so wichtig!
    Aber nicht nur in der Gesellschaft sind wir eine besondere Spezies. Auch unsere Familien haben geschluckt, als wir ihnen erzählt haben, dass ich weiterhin zu Hause bleibe (siehe: „aber sie muss doch unter Kinder!“). Heute freuen sich die Omas, die leider nicht um die Ecke wohnen, dass wir oft vorbeikommen. Wenn unser Sohn in die Kita ginge und ich arbeiten würde, wären wir viel seltener zu Besuch.

    Was mich persönlich wirklich stört – vor allem ärgere ich mich dabei immer über mich selber – ist, dass ich das Gefühl habe, mich immer rechtfertigen zu müssen, dass ich zu Hause bin. Jeder (auch Fremde auf dem Spielplatz) fragt, wann denn bei uns die Kita-Eingewöhnung los geht. Ich sage dann immer so was wie: ich bleib noch ein bisschen zu Hause; eiere halt irgendwie rum. Warum kann ich nicht sagen, „Ich bin drei Jahre zu Hause. Punkt.“
    Vielleicht meint meine Umwelt das gar nicht so, aber ich habe immer das Gefühl, dass dieser Satz zu Entsetzen bei meinem Gegenüber führt („Was macht sie da zu Hause? Erfüllt sie das?“).

    Nein, ich habe mich nicht dazu entschlossen, weil ich gern auf meinem Sofa sitzend Kaffee trinke (was ich definitiv gern tue

    • Ach, Nicole. Dass mit der kleinen Wohnung und dem ollen Auto kommt mir bekannt vor 😉
      Ich wünsche Dir eine wundervolle Zeit mit Deinem Kind zu Hause! Ich komme ja ursprünglich aus dem Osten und deshalb weiß ich, was für Exot Du mit dieser Entscheidung dort bist. Halte die Ohren steif!

      Liebe Grüße
      Kathrin

  • Alina

    Toll! Ich würde mir wünschen dass sich alle Mütter so intensiv mit ihrem Kind und diesem Thema auseinandersetzen! Man hat ja mittlerweile das Gefühl ein Kind müsse nach einem Jahr fertig sein um endlich abgegeben werden zu können! Lieber finanzielle Einbußen als Abstriche bei der gefühlsselig und mit seinem Kind zu machen!!!

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  • Claudia

    Wir sind gerade auf der Suche nach einem Kiga und liebäugeln auch mit einem Waldorf. Wie ist denn bei euch der Betreuungsschlüssel?
    Viele Grüße, Claudia