Was ist Luxus für mich?

Kathrin Gastartikel 12 Kommentare

Dieser Gastartikel ist ein intimer, wunderschöner und mutmachender Tagebucheintrag von familylab-Familienberaterin Dagmar Höffken. Aus einer Zeit, in der sie gefühlt nie schlief und nachts dauerstillte. Aus einer Zeit, in der Dagmar den ständigen Anfeindungen aus Famlie und Bekanntenkreis ausgesetzt war, weil sie die Schwangerschaft aufgrund ihres Alters (damals 40 Jahre) per se nicht befürworteten und ihre Methoden (Tragen, Stillen, Familienbett…) argwöhnisch begutachteten.

Viel Spaß beim Lesen

Eure Kathrin

Jakob ist heute drei Monate und vier Tage alt.

LUXUS IST mich ein oder zweimal die Woche in Rolfs Arme zu kuscheln, seine Wärme der Nacht zu spüren, ihn zu riechen, einfach ein wenig Paar zu sein und nicht Eltern (so wie heute morgen, als Tim schon zur Schule war, Rolf noch mal zu uns ins Bett kam). Die Lust zu spüren, die langsam in uns hochkriecht, der wir jedoch nicht nachgeben können, weil Jakob erwacht und uns mit seinem wunderbaren Lächeln begrüßt.

LUXUS IST Jakob abends, nachdem er nach langem Weinen und Stillen endlich in den Schlaf gefunden hat, ein oder zwei Stunden im Arm zu halten, die Ruhe und Stille meines gestillten Kindes zu genießen. Sein Gesicht, Augen, Nase, Mund, seine kleinen Finger zu betrachten, dieses Wunder der Natur,; mit großer Freude das Lächeln wahrzunehmen, das immer wieder über sein Gesicht huscht, die hundert unterschiedlichen Mimiken seines kleinen Gesichtes zu entdecken, während er in meinen schwer werdenden Armen, von was auch immer, träumt. Seine Reinheit, Unverdorbenheit, sein Vertrauen in mich und die Welt – welch ein Wahnsinn!

LUXUS IST mein Kind vor meine Brust geschnallt in die Welt zu tragen, meinen Stolz als Mutter mittragend und für dieses Bild das wir abgeben, lobende und freundliche Blicke wildfremder Menschen zu ernten.

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Bildquelle: http://www.sxc.hu/

LUXUS IST bei Sonnenschein und wunderbarem Licht durch den herbstlich gefärbten Wald zu laufen, zu dritt, ganz leise werdend, die Strahlen der Sonne wahrzunehmen, die  ihren Weg auf den feuchten Waldboden gefunden haben, den Boden, der nach Erde, nach Friedhof, nach Sterben – und doch so wunderbar riecht.

LUXUS IST abends nach einem langen, anstrengenden Tag in ein mit warmem Wasser und gutriechendem Öl gefüllten Wanne zu steigen, alle Gedanken mit den Sachen abzustreifen, nackt und erschöpft nur dazuliegen und die Zeit verstreichen zu lassen während das Wasser abkühlt, der Kopf leer wird, die Glieder sich erholen; einfach diese halbe Stunde nur ICH sein ein halbe Stunde am Tag ohne Jakob und trotzdem  irgendwo in einer kleinen Ecke ihn auch schon wieder vermissend und mich nach ihm sehnend. Ohne ihn fühle ich mich momentan nur halb, unvollständig…

LUXUS IST die Häuslichkeit mit Tim und meiner kleinen, neuen zusammengewürfelten Familie zu genießen, eine Kerze hier, eine Blume dort, im Raum verteilte Kindersachen, Tim, der zuverlässig, hilfsbereit und friedlich ist. Mit dem ich es genieße mittags nach dem Essen kalorienreiche, dicke Eisbecher mit Genuss zu verspeisen. Ihn anschauend und bewundernd, die Lust auf die bevorstehenden Jahre mit Jakob in mir hochkommen zu spüren.

LUXUS IST mein saugendes Kind an der Brust, ein gutes Essen, ein Schluck guter Wein, ein gutes Buch, traumhaftes Licht beim Spaziergang, Jakobs Lachen, Tims Größerwerden, unsere Wohnung.

LUXUS IST Rolfs Kuss auf meinem Handrücken und sein Blick dabei, der mir sagt, wie sehr er meine hingebungsvolle Fürsorge für Jakob schätzt und mich dafür und auch einfach nur so, liebt.

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  • lina umai

    Ich finde das ganze Gelaber lächerlich . Wieso kann eine Mutter der jetzigen Zeit nicht einfach
    Mutter sein-ohne das Gefühl der Welt mitteilen zu müssen . Wenn Sie schon so gerne das Wort
    „Luxus“ benutzen,hätte ich ne gute Idee-.Sie könnten sich noch mehr Luxus gönnen,indem Sie
    ihr gefühltes,alleiniges Muttersein ausleben-ohne Ausschmückungen für die Nachwelt .
    Habe langsam das Gefühl,etwas falsch gemacht zu haben in grauer Vorzeit ,denn ich habe fast
    ohne Partner 2 Söhne auf-u.hoffe erzogen,den Haushalt bewältigt und nebenbei habe ich mit
    Nacht-u.Sonn.-Feiertagsdiensten auch noch Knete nach Hause gebracht ,als Vollkraft .
    Vielleicht klingen meine Worte zu hart,ich sehe das aber leider so. Immer schön auf dem Teppich bleiben und einfach nur eine ganz normale Mutter sein……………………………………………

    • Anonymous

      Liebe lina umai,

      Ich frage mich gerade wenn sie das alles so lächerlich finden warum lesen sie dann einen solchen Blog? Wenn es nichts für sie ist okay andere ,wie ich,schätzen solche Blogs und Beiträge. Es klingt als würden sie sich persönlich degradiert fühlen als Mutter ,das ist sehr schade denn solche schöne Gedanken sollen einem doch eher gegenteiliges vermitteln . Ich weiß nicht was sie als normale Mutter defenieren etwas unnormales lese ich hier jedenfalls nicht. Ich hoffe sie finden einen Blog der ihre interessen und meinungen widerspiegelt . Ich bin selber nur eine leserin von Kathrin’s Blog aber ich finde sie tun ihr und diesen Gastartikel unrecht.
      Liebe Grüße yvonne

    • Dagmar Höffken

      Liebe Lina Umai,

      ich bin etwas überrascht über den Umgangston in so einem Blog, ich kenne mich damit gar nicht aus, hätte jedoch erwartet, dass wir uns wertschätzend und freundlich unterhalten. Ich habe auch zwei Kinder und immer sehr viel gearbeitet, einige Jahre sogar 7 Tage die Woche, einige Jahre war ich Alleinerziehende. Luxus ist für mich halt kein Geld, sondern intensiv gelebte Zeit mit meiner Familie und guten Freunden. Mit meinem Beitrag hatte ich im Sinn, Frauen, die das Muttersein gerade als besonders herausfordernd erleben, ein wenig Mut zu machen und den Tipp zu geben, den Fokus auf die schönen, einmaligen Augenblicke des Lebens zu richten.

      Das war einfach mal so ein Versuch, doch nun bin ich schlauer und werde meine Gedanken lieber nur mit Menschen teilen, die diese auch wirklich wertschätzen können.

    • Johanna

      Wow, Lina umai, mit einem solchen Kommentar habe ich bei Nestling nun nicht gerechnet! Ich finde keine Mutter sollte wegen ihrer Gefühle angegriffen werden, weder Du noch die Verfasserin dieses Artikels.

    • Vielen Dank Johanna!

  • Sabine

    Das ist ein sehr schön geschriebener Text. Ich bin auch ganz fasziniert, wenn Babys/Kinder im Schlaf lächeln. Da kann einem doch nur das Herz aufgehen. Schön, wenn man das Glück und die Zeit hat, auch die kleinen Momente im Leben zu genießen. Kinder sind wirklich eine große Lebensbereicherung.
    Da stimme ich vollkommen zu.

    Liebe Grüße
    Sabine

    • Dagmar Höffken

      Liebe Sabine,

      vielen Dank .

  • JuKaHo

    Liebe Dagmar,
    vielen, vielen Dank für diese wunderschönen Worte und Zeilen! Ich bin sehr froh, dass du diesen Versuch gewagt hast und schätze es sehr, dass du diese intimen Einblicke einem breiteren Publikum mitgeteilt hast!

  • Christine

    Guten Morgen liebe Dagmar,
    Guten Morgen Mamas,

    Ich hab heute morgen diverse Mails von Freundinnen gelesen, die sehr häufig *Nerv in ihren Textzeilen hatten. Dabei fiel mir Dagmars Gastbeitrag ein und ich wollte ein paar Zeilen zu dem Thema „Luxus“ schreiben.
    Nun musst ich erst mal schlucken,yui.
    Aber auch solche Meinungen haben ihre Daseinsberechtigung, in wertschätzender Weise. Doch da haben meine Vorrednerinnen die passenden Zeilen zu verfasst und mir aus der Seele gesprochen.
    Was ich jetzt eigentlich „nur“ los werden wollte, dass wir doch trotz *Nerv und „Luxus“ im gleichen Boot sitzen. Wir lieben unsere Kinder und wollen für sie nur das Beste. Die Definition hierfür formuliert jede für sich, bedingt durch zahlreiche Faktoren – doch der Gedanke, die Absicht zählen.
    Wir sollten froh sein um das was WIR haben und nicht dem hinterher trauern, was uns fehlt (Schlaf, Zeit, Geld…). Wir hakben doch das kostbarste – unsere Kinder!
    Das ist das was zählt.
    Selbstverständlich darf Mama in Erinnerung schwelgen, sich beschweren und auch jammern, doch immer mit dem Blick auf das Wesentliche. Der dazu gehörige Rahmen hierfür bestimmt jede selbst.

    In diesem Sinne, seit stolz auf eure Kinder und euch…

    Viele Grüße
    Christine

  • Anne

    Ist das schön. Ich habe gerade beschlossen den Moritz (7 Monate) dann, nachdem er auf mir eingeschlafen ist nicht wegzulegen, sondern gleich so zu lernen. Lehrbuch liegt schon griffbereit :-)

    Danke für den Text…

  • Hexe

    Hallo zusammen,

    ich finde den Beitrag von Dagmar wundervoll, dankeschön. Und lina umai, wenn du unzufrieden bist, dann tu etwas dagegen und lies solche Beiträge nicht und lass andere Mamas ihre positiven Gefühle. Für deine Situation kann schließlich niemand etwas! Alles Liebe für alle.

  • Alessia

    Sehr schöne Gedanken! Da fällt mir das stundenlange Babytragen, das derzeit nur auf mir schlafen mag, viel leichter… wie schnell wird diese Zeit vorbei sein. Wie schön ist es, Mama dieses wunderbaren Wesens zu sein. Wie wertvoll die Zeit plötzlich wird. Danke, dass ihr in diesem Blog uns an all das erinnert!