Interview mit Sibylle Lüpold

Kathrin Familie 8 Kommentare

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Sibylle Lüpold ist 3-fache Mutter, Stillberaterin und Autorin von Ich will bei euch schlafen!: Ruhige Nächte für Eltern und Kinder*. Im Juni 2013 ist ihr neues Buch Stillen ohne Zwang* erschienen, welches ich ausführlich für euch rezensiert habe (hier die Buchbesprechung).

Ich erhielt außerdem die großartige Gelegenheit Sibylle Lüpold ganz persönlich für euch, zu ihrem neuen Buch zu befragen:

Kathrin: Zwischen Deinem ersten Buch „Ich will bei Euch schlafen“ und „Stillen ohne Zwang“ sind vier Jahre vergangen. Deinem heutigen Schreibstil und der Tiefe Deiner Gedanken entnehme ich, dass Du Dich unwahrscheinlich weiterentwickelt hast. Was ist in den letzten vier Jahren passiert? 

Sibylle: Natürlich entwickelt man sich immer weiter, wenn man sich intensiv mit einem Thema  befasst. Jede Beratung und jede persönliche Erfahrung verändert den Blickwinkel und vergrössert den Horizont. Ich durfte in den letzten Jahren viele Mütter begleiten, die aus irgendeinem Grund nicht oder nicht voll stillen konnten und die darunter sehr gelitten haben. Das waren keineswegs egoistische Frauen, sondern Mütter, die sich sehr darum bemühten, ihrem Kind das Beste zu geben. Das Abstillen zu akzeptieren war oft ein langer Prozess und mit viel Trauer verbunden. Wenn solche Frauen dann zusätzlich noch mit dem Ideal des Stillens konfrontiert werden, kann das sehr schmerzhaft sein. Diese Begegnungen haben mich für die Thematik sensibilisiert und meine Haltung verändert. Ausserdem sind meine eigenen Kinder dem Stillalter entwachsen und ich habe festgestellt, dass ich durch die persönliche Distanz zum Thema toleranter und offener geworden bin. Aus heutiger Sicht war ich vor ein paar Jahren viel zu fanatisch. Aber diese Energie braucht es manchmal am Anfang eines Weges

Kathrin: „Stillen ohne Zwang“ zeugt von gründlicher Recherche. Du hast Dich offensichtlich sehr hart daran gearbeitet, so viele Informationen und Fakten zusammenzutragen. Warum war Dir das so wichtig? Was hat Dich dazu bewegt?

Sibylle: Hier muss ich gerechterweise sagen, dass das gründliche Recherchieren zu einem grossen Teil auf Wunsch meines Verlages rüffer&rub erfolgt ist. Als ich mein erstes Manuskript einreichte, fanden sie es interessant, aber sie wollten seriöse Quellen haben und hinterfragten viele meiner Aussagen. Ich erinnere mich an meine Ernüchterung, als ich von der Lektorin nur die Einleitung zurückbekam: Jeder Satz war rot gekennzeichnet und mit einer Frage versehen. Als mir bewusst wurde, welcher Arbeitsaufwand auf mich zukommen würde, wollte ich das Projekt zuerst abbrechen und war frustriert. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag war aber ganz toll und sie haben mich motiviert, es doch zu versuchen. Natürlich bin ich heute sehr froh, dass das Buch nun quasi auf einem stabilen Fundament steht. Für Fachleute mag es ganz interessant sein, meine Quellen zu kennen. Ob das für Mütter von Belang ist, bezweifle ich.

Kathrin: Du widmest dieses Buch den Müttern, die mit ihrer eigenen Stillgeschichte hadern. Inwiefern kann „Stillen ohne Zwang“ ihnen helfen?

Sibylle: Ich möchte mit meinem Buch primär Hintergrundwissen vermitteln, da ich davon ausgehe, dass das Erkennen der Zusammenhänge helfen kann, die eigene Geschichte besser zu verstehen und einzuordnen. Die Aussagen in meinem Buch sollen wertfrei sein, sind aber natürlich von meiner persönlichen Haltung geprägt. Manche Mütter werden sich darin wiedererkennen, andere nicht. Ich kann es nicht allen Leserinnen Recht machen. Es ging mir aber nicht darum, ein „Wohlfühl“-Buch zu schreiben, das überall gut ankommt, sondern ich wollte ganz bewusst auch die schmerzhaften Seiten der Thematik beleuchten. Ich gehe davon aus, dass nur durch ein bewusstes und ehrliches Hinschauen Weiterentwicklung und Heilung möglich ist.

Ziel meines Buches ist es, all die Faktoren erkennen zu können, die die eigene Stillgeschichte beeinflussen und herauszufinden, wo der persönliche Weg durchführt. Stillt eine Mutter nur deshalb, weil es angeblich von ihr erwartet wird und fühlt sich dabei eigentlich total überfordert? Gesteht sie sich nicht zu, die eigenen Bedürfnisse zu äussern und abzustillen? Oder stillt eine Mutter ab, weil die Umgebung subtil oder direkt Druck ausübt, obschon sie selbst das Stillen als erfüllend erlebt? Meine Erfahrung zeigt mir, dass ganz viele Mütter in Bezug auf das Stillen Entscheidungen treffen, die nicht selbstbestimmt sind. Mütter sind oft darum bemüht, es den anderen Recht zu machen und sich anzupassen. Hier ist es der erste Schritt, dass eine Mutter sich bewusst wird, was sie innerlich empfindet und dann versucht, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Eine guter Zugang zur eigenen Intuition und viel Selbstvertrauen sind dabei natürlich hilfreich. Das kann ich mit einem Buch leider nicht vermitteln, aber auch eine gute Wissensgrundlage kann unterstützend sein.

Kathrin: Was kannst Du Müttern, die auf eine unerfüllte Stillbeziehung zurückblicken, abgesehen vom Lesen Deines Buches, noch raten?

Sibylle: Ich denke, dass viele Mütter sehr streng mit sich selbst sind und den inneren Fokus immer auf die Defizite zu lenken (die eigenen oder die der anderen). Jede Mutter hat Ressourcen und kann ihrem Kind unglaublich viel mitgeben. Wenn das Stillen nicht klappt, ist das verständlicherweise oft schmerzhaft. Aber das Stillen ist ja nur ein Aspekt der Mutter-Kind-Beziehung. Hier ist es wichtig, all die anderen wertvollen Aspekte mehr zu betonen. Ein Kind möchte primär geliebt werden und das Gefühl haben, für seine Eltern wichtig zu sein. Nähe und liebevollen Köperkontakt zu vermitteln, sich viel Zeit nehmen, mit dem Kind zu kommunizieren, Verständnis zu haben für seine Gefühlswelt – das sind zentrale Grundsteine der Eltern-Kind-Beziehung. Stillen ist ein wunderbares Instrument, und hilft im besten Fall, diesen Weg zu vereinfachen, aber es geht auch ohne. Und es ist auch nicht so, dass sich ein Kind, nur weil es gestillt wird, geliebt fühlt. Ausserdem ist jede Stillbeziehung einmal vorbei und muss auf eine andere Ebene gebracht werden. Ich würde Müttern, die wegen einer unerfüllten Stillbeziehung traurig sind, raten, ihre Ressourcen zu erkennen und diesen Raum zu geben.

Wenn über die Vorteile des Stillens gesprochen wird, denken viele an die Ernährung mit Muttermilch und deren biologische Auswirkungen. Für mich persönlich ist das eine durchaus beachtenswerte Nebenerscheinung des Ganzen, aber meiner Meinung nach geht es um etwas anderes. Dazu möchte ich ein persönliches Erlebnis erzählen. Als unser erster Sohn zur Welt kam, verbrachte er mehrere Wochen im Krankenhaus. Neben ihm auf der Abteilung lag ein gleichaltriger Säugling. Seine Mutter berichtete mir ganz offen, dass sie ihn nicht stille. Das Stillen ihres ersten Kindes sei so stressig gewesen, sie habe sich das nicht ein zweites Mal antun wollen. Sie verbrachte aber Tag und Nacht im Spital und kümmerte sich liebevoll um ihr Kind. Eine andere Mutter hingegen kam einmal täglich vorbei, um die abgepumpte Muttermilch abzugeben. Den Rest der Zeit war ihr Kind sich selbst überlassen. Welche der beiden Mütter war nun die „bessere“? Mich hat das Verhalten der nicht-stillenden Mutter tief beeindruckt. Natürlich hätte man ihr vorwerfen können, sie sei egoistisch, da besonders kranke Kinder von der Muttermilch profitieren. Wenn ich hätte wählen müssen, wäre ich trotzdem lieber ihr Kind als das Kind der stillenden Mutter gewesen. Damit möchte ich zeigen, dass das Glück eines Kinders nicht einfach nur von Muttermilch abhängt.

Kathrin: Obwohl ich es in diesem Buch nicht erwartet hatte, klärst Du recht ausführlich über die Vorteile des Stillens auf. Ich finde das gut und wichtig, kann mir aber vorstellen, dass sich Mütter, die trotz intensiver Bemühungen nicht stillen konnten, vor den Kopf gestoßen fühlen. Wie siehst Du das?

Sibylle: Ja, ich habe mir lange überlegt, wie sehr ich in einem Buch über Stillzwang auf die Vorteile des Stillens eingehen darf. Es soll ja nicht dazu führen, dass Mütter nach dem Lesen des Buches noch mehr Schuldgefühle haben. Auf der anderen Seite wollte ich ein ehrliches Buch schreiben und die wunden Punkte nicht einfach ignorieren. Mütter heute wissen ja alle, wie wichtig Stillen ist. Auch wenn ich es in meinem Buch nicht erwähnt hätte, lesen sie es in allen Elternratgebern. Ich denke nicht, dass einer Mutter, die darüber traurig ist, nicht stillen zu können, geholfen ist, wenn man ihr sagt: Ach, seien Sie doch nicht traurig, Stillen wird doch sowieso viel zu sehr überbewertet! Im ersten Moment mag sie sich bei einer solchen Aussage erleichtert fühlen, aber innerlich weiss sie, dass es nicht stimmt, denn sonst würde es sie nicht so sehr belasten. Ich denke, dass diesen Müttern viel mehr geholfen wird, wenn man ihre Gefühle ernst nimmt und widerspiegelt. Das ist zwar der schmerzhaftere, aber auch der ehrlichere Weg.

Ausserdem musste ich auf die Vorteile des Stillens eingehen, weil man sich sonst fragen könnte, weshalb es überhaupt zu so einer hitzigen Diskussion betreffend Stillzwang kommen konnte, wenn Stillen gar nicht so wichtig ist. Man muss ja auch verstehen, weshalb sich viele Fachleute derart für das Stillen einsetzen, und wissen worauf deren Motivation beruht. Ohne diese Vorteile, die wissenschaftlich untermauert sind, zu berücksichtigen, können wir keine ernsthafte Diskussion führen.

Kathrin: Was empfiehlst Du Stillberaterinnen, wenn es absolut nicht gelingen will, sich in die Ratsuchende hineinzuversetzen oder man sich durch die (teils recht harten) Äußerungen junger Mütter persönlich angegriffen fühlt? Mir knallte beispielsweise vor kurzem eine Frau an den Kopf: „Ich stille nicht, weil ich keine Milchkuh bin“, obwohl (oder gerade weil) sie wusste, dass ich meine Tochter mit 27 Monaten noch stille.

Sibylle: Allen Menschen, ob Stillberaterinnen oder Bekannte, die mit einer Mutter zu tun haben, die damit hadert, nicht stillen zu können, empfehle ich, mit Verständnis hinter deren Fassade zu schauen. Mütter, die ihre unglückliche Stillerfahrung noch nicht verarbeitet haben, reagieren verständlicherweise oft mit provokativen Äusserungen. Damit drücken sie ihren Schmerz und ihre Versagensängste aus, die sie empfinden. Da sie diese nicht ehrlich äussern können, machen sie das auf andere Weise und werfen den Vorwurf, dem sie sich selbst ausgesetzt fühlen, auf ihre Umwelt zurück. Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Prozess und dient in erster Linie als Selbstschutz. Von daher ist es so wichtig, über das Thema Stillzwang offen und differenziert zu sprechen und betroffenen Müttern dadurch Raum zu bieten, ihre Gefühle äussern zu können. Ich denke, Aussagen wie diejenige, die Du erwähnst, sind wie Hilferufe: Ich fühle mich von den Anforderungen, die an mich als Mutter gestellt werden, total überfordert! Es ist unglaublich, wie viel von heutigen Müttern in jeder Hinsicht erwartet wird und es erstaunt nicht, dass dieser Zustand irgendwo auf trotzigen Widerstand stösst. Nur ist dieser Weg auf Dauer nicht erfüllend, denn es geht ja nicht um Schuldfragen, sondern um die Frage, wie Frauen geholfen werden kann, das Muttersein als etwas Schönes zu erleben. Stillberaterinnen können helfen, indem Sie die teilweise sehr ambivalenten Gefühle der Mutter ansprechen und mit ihr zusammen Möglichkeiten finden, sich selbst als kompetent zu erleben.

Kathrin: Gibt es etwas Grundlegendes, was Du als Mutter und Stillberaterin, mir und meinen Lesern abschließend mit auf den Weg geben kannst?

Sibylle: Mir wurde beim Schreiben dieses Buches bewusst, wie allgegenwärtig gesellschaftliche Zwänge und äussere Erwartungen sind und wie sehr wir uns in vorgegeben Formen bewegen, die aber nicht unserer persönlichen Form entsprechen und keine Möglichkeit zur freien Entfaltung bieten. Damit beziehe ich mich keineswegs nur auf das Stillen: Es ist in allen Bereichen des Lebens so, sei es unser beruflicher Weg, unsere Rolle in der Familie, unser Aussehen oder unsere Beziehungsmuster. Sich bewusst zu werden, was wir selbst tun möchten, weshalb wir fühlen, wie wir fühlen, weshalb der Weg der anderen für uns nicht stimmig ist – all das erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Der Mut, einen eigenen Weg zu wählen, obschon dieser oft auf äusseren Widerstand stösst, der aber zu einer inneren Befreiung und einem Gefühl des Richtigseins führt – das wünsche ich jedem von uns.

Sibylle Lüpold, 24. September 2013

 

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  • Natürlich dürfen Mütter nicht zum Stillen gezwungen werden. Denn keine Mutter MUSS heute stillen, wenn sie es nicht möchte. Und ich kann auch wirklich jede Mutter gut verstehen, die z.B. nach Wochen oder Monaten mit wunden Brustwarzen vorzeitig abstillt.
    Dass viele Mütter, die früher als geplant abgestillt haben, anschließend mitunter noch jahrelang um den Verlust des Stillens trauern, zeigt aber doch sehr deutlich, dass es eigentlich auch ihr ureigenes, inneres Bedürfnis (Instinkt?) war das Baby zu stillen.
    Statt hier mehr Entscheidungsfreiheit für Mütter über die Ernährung des Kindes zu fordern, sollten wir die gesellschaftlichen Bedingungen dahingehend verbessern, dass Stillprobleme gar nicht erst entstehen oder, falls doch welche entstanden sind, schnellstmöglich durch kompetente Stillberatung gelöst werden. Auch das Stillen in der Öffentlichkeit oder die Vereinbarkeit von Stillen und Berufstätigkeit muss selbstverständlich werden, damit sich Mütter mit dem Stillen wohlfühlen können.
    Ich bin mir sicher, dann würden die meisten Mütter glücklich stillen, so lange es ihnen und ihrem Kind damit gut geht.

    • Liebe Regine,

      ich denke das Beides wichtig ist. Mütter, die nicht stillen wollen, sollten nicht durch Stillberater etc. gegen ihren Willen zum Stillen überredet werden. Gleichzeitig brauchen wir eine stillfreundliche Gesellschaft, in der umfassende Aufklärung (auch über das Langzeitstillen) erfolgt und Mütter ausreichend Unterstützung erhalten. Und dabei meine ich nicht nur Unterstützung bei Stillproblemen, sondern auch im Alltag mit dem Kind, beispielsweise durch Haushaltshilfen, die Mütter in der Wochenbettzeit unter die Arme greifen.

      Ich konnte jedenfalls bereits einige Mütter im Bekanntenkreis zum Umdenken bewegen, indem ich ganz offen und selbstverständlich meine über meine Erfahrung als „Langzeitstillerin“ spreche. Das zeigt mir, dass Aufklärung auch im kleinen Rahmen die Augen öffnen und zu anderen (selbstbestimmten) Entscheidungen verhelfen kann.

      Die politischen Probleme, wie Vereinbarkeit von Stillen und Berufstätigkeit, werden sich wohl und leider nicht flächendeckend zugunsten der Mütter lösen lassen. Schließlich ist das eine Frage der Finanzen…

    • Danke Frau Greesens, Sie haben genau das zum Ausdruck gebracht, was mir hier auch ein wenig Bauchschmerzen bereitet. Aber mir liegt noch etwas am Herzen: „Stillen oder Nicht-Stillen“ ist nicht das selbe wie beispielsweise „Milch oder Kakao“. Stillen (das brauch ich hier sicher eigentlich nicht zu sagen) ist ein Grundbedürfnis des Babys und mehr als nur Nahrung, Nichtstillen (also Ersatznahrung) bringt erhebliche Nachteile mich sich, da es eben nur ein schlechter Ersatz ist. Daher habe ich Probleme damit so zu tun, als wäre es egal, wofür sich Frau entscheidet. Es ist wie die Wahl zwischen „Bein“ oder „Prothese“ und das muss auch kommuniziert werden (dürfen). Ich persönlich denke auch, dass hier dringend an den gesellschaftlichen Bedingungen gearbeitet werden muss, weil ich auch glaube, dass die meisten Frauen stillen möchte, aber an den Gegebenheiten scheitern, die ihr (ganz natürliches) Verhalten beschneiden. Dass dann (sicher oft genug auch aus dem daraus resultierenden Frust) Stillaufklärung mit Stillzwang „übersetzt“ wird, ist schade. Wenn jetzt, wie man es gerade oft liest, von der Wahl der Mutter gesprochen wird, so wird in meinen Augen das falsche Bild suggeriert, es wäre egal, ob gestillt wird oder nicht. Das ist es aber nicht. Auch wenn Mütter natürlich auch liebende Mütter sind, wenn sie nicht stillen, und ich bei der Stillberatung natürlich auch keine Frau zwingen würde und sicher auch nicht immer die Gründe erfahren werde – Nichtstillen hat negative Folgen und ist durch nichts adäquat zu ersetzen. Das ist nun mal so.

  • Sibylle Lüpold

    Normalerweise äussere ich mich nicht zu meinen eigenen Aussagen(Interviews. Ich begrüsse es sehr, dass kritisch mitgedacht und diskutiert wird – von daher danke Regine und Angela für Eure Beiträge! Euren Aussagen entnehme ich, dass Ihr bei einer freien Wahl in punkto Stillen/Nicht-Stillen befürchtet, die unabstreitbaren Vorteile des Stillens würden zu wenig berücksichtigt und es würde leichtfertig zu künstlicher Säuglingsmilch gegriffen. Das erinnert mich ein wenig an die besorgte Mutter, die die Wahl der Ernährung nicht völlig ihren Kindern überlassen möchte, aus (teilweise berechtigter) Sorge, diese würden sich nur von Pommes und Schokolade ernähren. Wir haben es hier aber mit (meistens) erwachsenen Müttern zu tun, die meistens eben sehr wohl informiert sind, wie wichtig Stillen ist. Aus meinen Gesprächen mit Müttern, die Stillzwang erlebt haben, ergab sich, dass viele dieser Mütter gebildet sind und über viel Information verfügen. Es lag also nicht daran, dass sie nicht vom Stillen überzeugt gewesen wären. Vielmehr waren es emotionale, sehr oft unbewusste Blockaden, die das Stillen erschwerten.
    Ich bin davon überzeugt, dass eine korrekte Information bereits in der Schwangerschaft (am besten schon früher im Rahmen der normalen Schulbildung) sehr wichtig ist. Darüber hinaus dürfen und müssen wir (so meine Meinung) den Müttern aber durchaus vertrauen, dass sie sehr wohl versuchen, den bestmöglichen Weg zu wählen. Die Entscheidung der Mutter ist von aussen vielleicht nicht immer verständlich und es ist für viele Mütter eben leider auch schwierig, über ihre teilwseise negativen Gefühle in Bezug auf das Stillen zu sprechen. Ich habe keine Angst davor, dass weniger Mütter stillen, wenn sie subjektiv empfunden mehr freie Wahl haben – im Gegenteil, ich glaube, dass umso mehr Mütter motiviert sind, ihre Stillhürden anzugehen, wenn sie das ohne Druck tun können (wenn es klappt, ist es wunderbar, wenn nicht, gibt es Alternativen). Das ist nicht nur beim Stillen so. In allen Bereichen sind wir dann besonders motiviert, wenn wir ohne Stress und Leistungsdruck lernen dürfen. Das Wissen (ich darf jederzeit damit aufhören!) verhindert Stress und Versagensängste und stärkt die Motivation.
    Freie Wahl zu haben heisst nicht, Muttermilch und künstliche Säuglingsmilch als gleichwertig zu betrachten (das tut meiner Meinung nach kaum eine Mutter). Freie Wahl heisst einen individuellen Weg gehen zu dürfen und darin unterstützt zu werden.

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