Eine kleine Geste, mit der Dich Dein Kind nicht ständig unterbricht

Kathrin Übers Elternsein 7 Kommentare

Unser Mädchen (4,5 Jahre) quasselt wie ein kleiner Wasserfall und zwar ungeachtet dessen, ob sich andere gerade unterhalten oder nicht. Seit einigen Monaten fordere ich sie jedes Mal auf zu warten, bis wir fertig geredet haben, doch alleine der Hinweis „Ich will zuerst mit „xy“ zu Ende sprechen, dann können wir miteinander reden“ stört die Gespräche ungemein. Ich redete mir den Mund oft genug fusselig, damit sie ihren zumindest für ein kleines Weilchen hält, bislang jedoch ohne nennenswerten Erfolg.

Was sie dagegen innerhalb eines Tages verstand, war eine kleine Geste, die ich mir bei der australischen Bloggerin Kate abschaute. Kate schreibt:
„Ich unterhielt mich eines Tages mit einer Freundin, als ihr 3-jähriger Sohn etwas sagen wollte. Anstatt sie jedoch zu unterbrechen, legte er ihr nur seine Hand auf ihr Handgelenk und wartete. Meine Freundin legte ihre Hand auf seine, um ihm zu zeigen, dass sie es bemerkt hatte und wir sprachen dabei ganz normal weiter. Nachdem sie zu Ende gesprochen hatte, drehte sie sich zu ihm. Ich war begeistert! So einfach. So einfühlsam. So respektvoll von beiden, dem Kind und der Erwachsenen.“

Mir gefiel diese stille und wertschätzende Form der Kommunikation so gut, dass ich es neulich am Frühstückstisch direkt ausprobierte. Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Mädchen uns ins Wort fiel und ich bat sie daraufhin immer dann, wenn sie etwas sagen möchte, meine Hand zu nehmen. Sie griff kichernd nach meiner Hand und ich legte meine auf ihre, erklärend, dass ich ihr gleich zu verstehen gebe, wann sie loslegen darf. Sie wartete geduldig, bis wir fertig waren und ich ihr mit einem Nicken signalisierte, dass sie nun reden könne.

Obwohl wir diese Strategie beim Frühstück nicht oft geübt hatten, erinnerte sie sich am Nachmittag von selbst daran. Mitten im Gespräch mit einer Freundin griff unser Mädchen plötzlich nach meiner Hand und schaute mich erwartungsvoll an. Ich nahm ihre Hand, während ich mein Gespräch ungehindert fortsetzte und sie übte sich in Geduld, bis ich ihr meine volle Aufmerksamkeit schenkte. Und meine Freundin, der ich diese neue „Gesprächstechnik“ erst später erklärte, bekam davon überhaupt nichts mit.

Ich mag diese unauffällige und feinfühlige Methode, weil ich so nicht hundertmal sagen muss „Warte bitte bis ich fertig bin“ und dabei mindestens genauso oft den GeduldsFaden verliere. Ich kann in Ruhe ausreden, unser Mädchen weiß, dass ich ihr bald eine Gelegenheit zum Quasseln einräume und wir halten solange einfach Händchen.

Dieses Händchenhalten und mein Blickkontakt reichen übrigens oft aus, um ihren Mitteilungsdrang zu stoppen. Denn in den meisten Fällen, in denen sie mir unbedingt etwas ganz Wichtiges sagen möchte, sucht sie eigentlich nur meine Aufmerksamkeit und Nähe. Statt vieler Worte tauschen wir nun öfter liebevolle Berührungen aus und falls sie doch etwas erzählen möchte, darf sie das nach unserer Kuscheleinheit.

Da wir uns mit dieser Methode noch in der Übungsphase befinden, lasse ich sie recht zügig zu Wort kommen, damit sie merkt, dass es funktioniert. Demnächst verlängere ich ihre Sprechpausen allmählich und signalisiere ihr durch Blickkontakt oder einem leichten Händedruck, dass ich sie nicht vergessen habe. Ich bin gespannt, ob es klappt.

Mit zwei oder noch mehr Kindern (beispielsweise am Essenstisch) gestaltet sich das Ganze natürlich etwas schwieriger. Aber bis der Bub sich verbal am Geschehen beteiligt, vergehen noch ein paar Monate. Bis dahin genießen wir den regelmäßigen „Händedruck“ und ein paar zusammenhängende Sätze ohne Unterbrechungen.

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  • Anne Sophie Hengge

    Welch wunderbare Idee, vielen Dank dafür. Nachdem meine Tochter bereits jetzt (20 Monate) prädestiniert dafür ist, mal eine redselige Gesprächspartnerin zu sein, werde ich das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

  • Finde ich auch sehr schön. Liebe Grüße

  • Eine super Methode – bin ganz begeistert davon und werde es bei der nächsten Gelegenheit ausprobieren. Danke für den Tipp!!!
    Lg Petra

  • Wow, das muss ich gleich bei meinem Sohn ausprobieren, der ebenfalls vier und entsprechend mitteilungsbedürftig ist. Vielen Dank fürs Teilen dieser schönen Idee. 😊
    Lieber Gruß
    Sabrina

  • Jana A

    eine wunderbare Idee, die ich auch probieren werde…

  • frische Fische

    Dies ist wohl eher ein Kommunikationsproblem bzw. Interessenkonflikt zwischen Eltern und Kindern. Wenn ein Kind etwas sagt, kann das eben alles mögliche bedeuten und die Aussage selbst wird nur als Vorwand genommen, weshalb dieses „aufmerksam machen“ vom Kinde ausgehend auch ganz bestimmt, bewusst geschieht und eben nicht der Fehlinterpretation der Eltern folgend, der Aussage Selbst übermäßigen Wert zuzusprechen ist.
    Einen solchen Konflikt intiligent zu überwinden könnte die Gesinnung der Eltern offenkundig machen, die auch schon zum ursprünglichen Zeugungsakt selbst führte, aber auch die gegenwärtige Weitsicht und den Horizont der Eltern, der ihre Fähigkeit aufweist, die Verantwortung für ein anderes menschliches Wesen zu übernehmen.

    Wenn Eltern sich unterhalten, dann meist über Themen, die das Kind nichts angeht, aber so dass es davon trotzdem etwas mitbekommt. Kinder sind halt schon wegen der Aufsichtspflicht der Eltern immer mit am Start, ob sie wollen oder nicht und oft schaffen es die Eltern nicht die Zeit für das Kind so zu organisieren, dass es garnicht erst zu einen Interessenkonflikt, dem so genannten „dazwischen quatschen“ kommt. Das Kind dann zu unterbrechen, wenn es klar macht, dass es jetzt Zeit für schlafen, spielen, Organisation, lernen usw. ist, ob mit Worten oder Hände auflegen, ist einfach ein Zeichen von Dominanz, willkühr, und es werden die Interessen der Eltern klar denen des Kindes vorgezogen. Als Mittel wird dem Kind die Emotionale Abhängigkeit zu den Eltern vorgeführt, eben durch Berührung. (Übrigens wird diese im Zusammenhang mit Zivilisationskost in den modernen gesellschaftsmodellen, förmich von kindertagen an programmiert. Denn wer will schon hungrig ins Bett gehen wenn er oder sie „unartig“ war und „dazwischen gequasselt hat“. Dabei ist es durch einen Rohkostreinigungsweg und Fasten garnicht nötig zu hungern, für keinen Menschen.)
    Somit wird den Kindern auch klar gemacht, dass sie eben minderwertig sind, und es wird ein Weg gefunden dies auch geltend zu machen. Hände auflegen ist halt eine eher unscheinbare und harmlose Methode, aber dass hier nicht der Verstand des Kindes angesprochen wird, sondern der Konflikt auf der körperlichen Ebene ausgetragen, ist wohl offensichtlich. Was dies für die Entwicklung des Selbstwertgefühls eines Kindes bedeutet, das wie ein Mensch 2. Ranges behandelt wird, könnte eines Tages vielleicht bedauernswert sein, sowohl für Eltern als auch für ehemals Kinder. Im Moment ist das Rangieren, dass wir alle so gut aus dem Tierreich kennen, die scheinbar einzige Option für die alternativlosen Eltern, und unter dem Vorwand der Erziehung getarnt auch scheinbar die Richtige.

    Dabei ist davon auszugehen, dass eine Tochter wie eine Schwester ist von ihrem Wesen her und ein Sohn wie ein Bruder. Niemand möchte gern das dritte Rad am Wagen sein, und kein Elternteil wird sich je von seinen Kindern gezwungen fühlen mit anderen Kindern Zeit zu verbringen, denn der Erwachsene ist wie der Begriff schon sagt, er-wachsen. Er ist größer und stärker und so hat ein jeder Familienvater und jede Familienmutter immer die Wahl auf welche Weise sie ihren Nachwuchs fördern, oder ob der Verstand traumatisiert wird, der Wille unterdrückt und so der Geist von ketten der Angst gepeinigt, ein verkümmerter Abbild einer kranken, vergnügungsorientierten, hektischen und egoistischen Gesellschaft, ganz im Zeichen der Massenproduktion in der Industrie, wie ein Tier im Käfig ein bedeutungsloses Dasein zelebriert, so wie ein dahin treibender toter Fisch, zurück ins Meer gerufen von einem Sportangler.

    Die Kommunikation scheitert, wenn sich Eltern und Kinder nicht auf Augenhöhe begegnen. Dabei spielen Tabuthemen eine herausragende Rolle. Doch diese für die Eltern oft peinlichen Themen und das hieraus resultierende Schamgefühl kann eine Kommunikationsstörung herauf beschwören, die allgegenwärtig ist, wenn Eltern und Kinder zusammen sind und die für einen heranwachsenden Menschen besonders brägsam sein kann. Darum ist es wichtig für die Eltern möglichst schon, bevor sie sich überhaupt für Kinder entscheiden, diese Komplexe aufzuarbeiten und zu überwinden bzw. abzulegen.
    Wenn ein Ewachsener seinem Bruder oder seiner Schwester die Hand auflegt, ist auch dies der Moment, in dem er den emotionale, den rationalen Umgang vorzieht.
    Die Bedeutung für den geistigen Anspruch einer solchen Beziehung, hängt von der Reaktion des Geschwisterteils ab. In diesem Fall besteht allerdings kein Pflichtbewusstsein, denn die jeweiligen Geschwister unterliegen keiner Gesetzlich geregelten Pflicht. Somit wird auch nicht einer der Beiden Geschwister dem jeweils Anderen bewusst “ dazwischen quatschen“, da das treffen fermeindlich einvernehlich zustande kommt und somit aus einer für beide Parteien entsprechend wohlwollenden Organisation
    hervor geht, wobei der Zeitliche Rahmen hoffenglich angemessen für ansprussvollen geistigen Austausch gewält ist.

    • Lila lausebär

      Meeega Blödsinn. Ein Kind muss lernen, wie Erwachsene es auch manchmal noch müssen, dass man in ein bestehendes Gespräch nicht „rein quatscht“. Ich als Erwachsener rede auch nicht einfach ins Wort, wenn mein Kind sich mit Freunden unterhält. Und genau so muss es das Kind auch lernen. Das hat mit Dominanz und Kommunikationsproblemen zu tun.