Du bist etwas Besonderes!

Kathrin Übers Elternsein 12 Kommentare

Als ich vor einigen Tagen meinen Nachrichten-Feed öffnete, blitzten mich vier ähnliche Schlagzeilen auf einmal an: „Eltern-Lob macht Kinder narzisstisch“, „Vergötterte Kinder schaden der Gesellschaft“, „Wenn Eltern aus ihren Kindern selbstverliebte Ekel machen“ und „Wie sich Eltern kleine Narzissten züchten“. Orrrr!

Alle vier (ich möchte sie hier nicht verlinken) schlagen in dieselbe Kerbe, nämlich dass wir unseren Kindern besser nicht das Gefühl vermitteln sollten, dass sie etwas Besonderes sind, weil sie sonst zu egoistischen, eingebildeten Menschen mit mangelndem Einfühlungsvermögen heranwachsen. Aha. Wo bleibt da bitte die differenzierte Betrachtungsweise?

Ja, ich werde gerade emotional, obwohl ich mich stets bemühe sachlich zu bleiben, denn ich habe langsam die Nase voll von dieser Panik verbreitenden, einseitigen und negativen Berichterstattung. Vor allem, wenn ein Autor wortwörtlich vom anderen abschreibt, ohne sich selbst ein paar Gedanken zu diesem Thema zu machen… Moderner Journalismus, richtig?

Wenn wir wollen, lässt sich bei jedem Erziehungsstil etwas Schlechtes finden. Und wir können die Zeitungen täglich mit Schreckensnachrichten jeder Couleur füllen. Und dann? Baden wir Eltern ein Leben lang in der Angst, unseren Kindern etwas Furchtbares anzutun.

Drehen wir den Spieß doch um und betrachten die Dinge zur Abwechslung mal etwas positiver. Selbstverständlich ist jedes Kind etwas Besonderes. Jeder Mensch ist doch etwas ganz Besonderes. Also auch wir selbst! Wir sind einzigartig in unserem Wesen, unseren Stärken und Schwächen. Daran dürfen wir uns und unsere Kinder gerne jeden Tag erinnern.

Mir fehlte das als Kind. Ich bekam nur zu hören, was ich alles falsch gemacht habe. Und ich machte vieles falsch. Ich bekam nicht die richtigen Noten, ich half nicht genug im Haushalt und überhaupt war ich nicht richtig so wie ich war. Diese tägliche Kritik prägte mich und noch heute zweifle ich bei neuen Aufgaben, ob ich ihnen gewachsen bin, obwohl ich schon so manche, kniffelige Situation in meinem Leben gemeistert und einiges erreicht habe. Nicht schön. Wirklich nicht.

Meinen Kindern möchte ich deshalb lieber mit auf den Weg geben, dass sie vieles zu Stande bringen können, wenn sie es wirklich wollen. Wenn sie sich mit vollem Körpereinsatz hinein knien und an sich glauben. Dass viele Fähigkeiten in ihnen schlummern und sie diese nur entdecken müssen. Dass es aber auch nicht schlimm ist, wenn sie ein (selbstgestecktes) Ziel nicht alleine, sondern nur mit Hilfe erreichen. Denn nicht jeder kann in allem gleich gut sein – jeder hat seine individuellen Stärken.

Ich versuche meinen Kindern zu vermitteln, dass ich sie so annehme und liebe wie sie sind – mit all ihren Facetten. Ohne Vergleich. Denn niemand ist besser oder schlechter. Jedes Kind ist schlichtweg anders.

Narzissmus oder gutes Selbstwertgefühl?

Zurück zu den im Eingang genannten Artikeln. Im Grunde fassen sie die Ergebnisse einer aktuellen Studie (an der übrigens nur 565 Kinder teilnahmen) richtig zusammen: Krankhafter Narzissmus entsteht dann, wenn Kinder übermäßig gelobt werden oder ihre Eltern sie permanent über andere Kinder stellen – sie für etwas besseres halten. Es wird zudem betont, dass Narzissmus nicht mit einem guten Selbstwertgefühl verwechselt werden dürfe, welches laut Studie entsteht, wenn Kinder mit „emotionaler Wärme“ behandelt werden. Soweit so gut.

Was mich an den Artikeln jedoch stört, sind die reißerischen Überschriften (kann man neue Studienergebnisse nicht anders verpacken?) und die Unklarheit, die nach dieser oberflächlichen Berichterstattung entsteht. Es heißt beispielsweise: „Narzissmus ist nach Ansicht der Forscher ein Resultat übertriebener elterlicher Zuwendung“ Das verwirrt mich. Denn was ist der Unterschied zwischen „emotionaler Wärme“ (die ja für ein gutes Selbstwertgefühl sorgt) und „elterlicher Zuwendung“. Wie viel ist denn zu viel des Guten? Soll ich nun sicherheitshalber auf Abstand gehen, um nichts zu „riskieren“?

Der Einfluss der Eltern

Dazu fällt mir spontan eine Stelle aus meinem Lieblingsbuch „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster ein:

„Alles, was bei Kindern schief läuft, nehmen Eltern nur allzu leicht auf ihre Kappe. Vielleicht, so die Vermutung, gebe ich meinem Kind zu wenig Hautkontakt, zu wenig Liebe, zu wenig Grenzen (wahlweise auch zu viel Hautkontakt, zu viel Liebe, zu viele Grenzen)? Diese „Schuldbereitschaft“ kommt nicht von ungefähr – im Grunde war die Schuld der Eltern ja das Geschäftsmodell der Psychologie der letzten 100 Jahre, die jedes Drama und jede Verletzung eines Menschen aus dem Verhalten seiner Mutter zu erklären suchte.

Die Erkenntnis, dass Erziehung sich in einem System vollzieht, kann Eltern zu einem neuen Selbstverständnis verhelfen. Sie sind eben nicht die allmächtigen Weichensteller, die einzigen Bediener im Schaltwerk, sie sind nicht die Magier, die ihren Kindern die Tricks des Lebens beibringen – sie sind vielmehr Teil eines größeren Ganzen, zu dem auch die Kinder selbst gehören, die Verwandten, die Freunde, die Lebensgefährten, die Lebenswelten Kindergarten, Schule und Vereine, ja die ganze Gesellschaft.“ (Herbert Renz Polster, Kinder verstehen, S. 427)

Wir können sicherlich einiges im Leben unserer Kinder beeinflussen – die Worte meines Vaters erklingen ja auch noch oft wie schriller Alarm in meinem Kopf – aber eben nicht alles. Was letztendlich aus unseren Kindern wird, können wir weder wissen noch bestimmen, egal wie sehr wir versuchen alles „richtig“ zu machen. Denn welche Eigenschaften und Fähigkeiten sich am Ende durchsetzen oder eben nicht durchsetzen, hängt nicht nur von uns, sondern auch von ihrem Umfeld, ihrem Wesen und ihren Genen ab.

Und nun? Was tun?

Bis zu einem gewissen Alter sind wir uns alle mehr oder weniger einig: Babys dürfen so viel Nähe und Zuwendung bekommen wie sie nur wollen. Je größer unsere Kinder jedoch werden, desto größer auch die Unsicherheit, was den Umgang mit dem ihnen anbelangt. Wie viel Aufmerksamkeit ist ok? Wie viel Freiraum? Soll ich loben? Darf ich schimpfen? Wie reagiere ich nur am besten?

Auf viele Erziehungsfragen habe ich selbst keine Antwort und so manches Mal stehe ich ratlos vor unserem Mädchen. Ich zerbrach mir lange den Kopf, ob ich ihr mit diesem oder jenem schade und wie ich ihr am besten begegne. Ich kam für mich letztendlich zu dem Entschluss: so ehrlich, respektvoll, freundlich und so positiv wie möglich.

Was tut gut?

Worauf will ich hinaus? Einerseits wissen wir nicht genau, mit welchen Erziehungspraktiken wir unsere Kinder exakt so „formen“ können, wie es unseren Vorstellungen entspricht (siehe Zitat Renz-Polster oben) – denn ähnlich wie beim Durchschlafen gibt es nicht die eine Formel. Andererseits ist es bekannt, dass unsere Kinder unser Verhalten nachahmen, dass unser negatives Verhalten und Denken genau so „ansteckend“ ist wie das Positive.

Ich versuche deshalb nicht mehr in der Zukunft zu denken und mir Fragen zu stellen wie „Wird mein Kind unselbstständig, weil es im Familienbett schläft?“ oder „Gebe ich ihr zu viel Aufmerksamkeit?“ Ich arbeite lieber daran, unseren Alltag so zu gestalten, dass jeder fair behandelt wird (schließlich hat jeder von uns Bedürfnisse) und hier ein halbwegs vernünftiges Miteinander herrscht. Das heißt nicht, dass ich künstlich gute Laune erzeuge und Konflikte vermeide, damit der Haussegen nicht schief hängt. Nein. Aber ich bemühe mich, meinen Mann und meine Kinder – auch in Konfliktsituationen – so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte, damit wir heute, im hier und jetzt, gut miteinander klar kommen. Das ist keine einfache Aufgabe, weil ich ein impulsiver Mensch bin, aber ich gehe sie jeden Tag auf’s Neue an.

Passend dazu, fand ich dieses wunderbare Zitat. Ich werde es ausdrucken und an die Wand hängen – als tägliche Erinnerung:

Was gut tut

Anerkennende Worte
tun uns gut.
Fröhliche Blicke
tun uns gut.
Freundschaftliche Umarmungen
tun uns gut.
Herzliche Begegnungen
tun uns gut.
Wir täten gut daran,
uns gegenseitig
möglichst oft
Gutes zu tun.
(Ernst Ferstl)

Was (Kinder-)Ohren brauchen

In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig zu erwähnen, dass wir (also Thomas und ich) uns gerade intensiv mit positivem Denken und Affirmationen beschäftigen. Letzteres sind selbstbejahende Sätze, mit denen eine „geistige Umprogrammierung“ stattfinden kann. Denn ich für meinen Teil will nicht mehr in einer negativen Gedankenschleife hängen, sondern mich und die Welt aus einer anderen, freundlicheren Perspektive betrachten.

Mir haben ja, wie gesagt, in meiner Kindheit anerkennende Worte gefehlt. Durch die unermüdliche Kritik meines Vaters ist mir jedoch die Kraft der Worte bewusst geworden. Wer ständig gesagt bekommt, dass er nichts kann, glaubt es irgendwann und wird deshalb auch nichts können. Es kostet eine Menge Energie sich von dieser Gehirnwäsche zu befreien.

In meinem Kopf hing beispielsweise immer ein „Ich bin nicht gut genug“, weswegen ich viele Herausforderungen gar nicht erst annahm und mir so mit meinen Gedanken selbst im Weg stand. Mittlerweile sage ich mir „Ich kann das schaffen“ und packe die Dinge einfach an. Oft mit Erfolg, was nicht überrascht, da unser Denken letztendlich unser Handeln bestimmt.

Nun in das andere Extrem umzuschlagen und meine Kinder grundlos bzw. übertrieben zu loben, ist nicht mein Ziel, denn auch das kann ihr Selbstwertgefühl aus dem Gleichgewicht bringen. Aber ich möchte ihnen gerne positive Botschaften mit auf den Weg geben; je nach Situation mal ein stillschweigendes, zustimmendes Lächeln oder ein freudiges „Das hast Du gut gemacht!“. Nicht weil ich mir erhoffe, dass sie dadurch zu ganz besonders tollen Menschen heranwachsen, sondern weil Kinder, genau wie wir Großen, zumindest ab und zu ein wohlwollendes Feedback brauchen.

Schlussgedanke

Mich verstimmen geballte, negative Schlagzeilen, nicht nur weil diese Art der Berichterstattung einfallslos ist, sondern auch manipulativ. Davon abgesehen kann ich es nicht leiden, wenn die Medien versuchen uns Eltern zu erziehen.

Dazu schreibt Jesper Juul passend: „ Was uns [Eltern] so anstrengt, ist ja diese Verpflichtung, zu erziehen. Dabei kann ich mir auch vornehmen, meine Kinder in den kommenden Wochen einfach zu genießen. Dann lerne ich, dass es auf meine Haltung ankommt“ (siehe „Man kann seine Kinder auch einfach nur genießen“).

Es gibt sicherlich 1000 Wege sein Kind zu „ruinieren“ und jedes unserer Kinder wird eines Tages etwas benennen können, das es an unserer Art zu erziehen nicht so toll fand. Egal wie wir es machen. Ich beiße mich deshalb nicht an den Fehlern fest, die ich möglicherweise begehe, sondern sehe die Beziehung zu meinen Kindern als einen Reifeprozess für uns alle. Denn „der größte Fehler im Leben ist, ständig Angst zu haben, einen Fehler zu machen“ (Dietrich Bonhoeffer).

Ich gehe stattdessen jeden Tag weitere Schritte im abenteuerlichen Neuland mit meinen Kindern. Dabei weiß ich immer erst im Nachhinein, was nicht so optimal gelaufen ist und blicke auf so manches „Das würde ich heute anders machen“ zurück. Doch das ist ok für mich, denn es ist nicht wichtig fehlerlos oder perfekt zu sein (das gilt für Eltern und für Kinder). Viel wichtiger ist, wie ich mit „Fehltritten“ umgehe und was ich daraus mache.

Ich riskiere es jedenfalls gerne Fehler zu machen, weil ich so nicht nur wachse, sondern weil ich mich viel lieber von meinem Mutter-Gefühl leiten lasse, als mein Handeln stets akribisch zu überdenken. Ich möchte mich entspannen, möglichst locker und humorvoll sein, denn ich will Spaß und Freude am Leben und an meinen Kindern haben.

Du-bist-etwas-Besonderes

Newsletter Kathrin

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  • Nastasja Kampichler

    Liebe Kathrin,

    Es tut mir leid für dich, dass du solch blöde Erlebnisse hattest. Ich kenn deine Seite erst seit paar Tage und hab noch nicht alles gelesen, aber bei alldem was du bereits gelesn hast, möchte ich dir sagen sprichst du mir voll aus dem Herzen, aus meiner Seele. Ich hab vieles so gemacht wie du es hier schreibst, und ich bin froh auf meine Innere Stimme gehört zu haben und all die DInge zum Wohle meiner Kinder durchgezogen hab- auch wenn es nicht immer leicht war, vor allem wegen der Umwelt. Deshalb verstehe ich auch gut dass dich das sehr ärgert!
    Ich möchte dir hiermit aber vor allem, meine Anerkennung für deine ganzen Texte geben! Ich finde es super was du schreibst, und erst gestern hab ich zu meiner Tante ( die mir über Facebook deine Seite zeigte) gesagt, dass ich diese Seite echt spitze finde! Ich bin immer wieder froh wenn ich auf Menschen treffe , auch wenn es nur im Internet od in Büchern ist, die in vielen Dingen gleicher Ansicht sind wie ich, was Kinder und die BEGLEITUNG ind Erwaschen werden betrifft. Ich finde nämlich man kann Ihnen gar nicht genug Liebe , Zuwendung und Geborgenheit geben! Aber ich bin auch der Meinung dass natürlich für jeden etwas anderes stimmig ist.. Aber nun zum Punkt ich finde dich und deine Schreiben super!!

    Danke und liebe Grüße

    Nastasja

  • Niemand ist perfekt. Und so etwas wie perfekte Kindererziehung gibt es schon gleich gar nicht. Ich habe aus meinem Elternhaus auch ein ziemlich großes „Negativpaket“ mitbekommen und weiss, wovon Du da sprichst.

    Was ich nicht verstehe ist, wie man vom Aufbau von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu dem Gedanken kommen kann, dass Kinder deswegen narzistisch werden? Das eine hat doch mit dem anderen erst dann etwas zu tun, wenn ein Übermaß da ist. Dann sind wir aber auch wieder bei der Verwöhn-Thematik. Letztendlich wird ja gerne behauptet, dass Bedürfnisse erfüllen zu verwöhnten Kindern führt. Wobei der Wunsch nach Anerkennung auch ein Bedürfnis ist. Warum sollte man also, wenn es gerechtfertigt ist, sein Kind nicht loben? Oder ihm sagen, dass es so gut ist, wie es ist?

    Mir fällt in diesem Zusammenhang eine aktueller Werbespot (ich meine es ist der von Depot) ein, vielleicht ist Dir der ja auch schon untergekommen. Da wird für Ostern dekoriert und das Kleinkind (ich tippe mal auf was zwischen 4-5 J.) hat selbst einen Hasen gebastelt. Die Eltern finden diesen unperfekten Hasen offensichtlich total abstoßend und „verstecken“ diesen dann „für Opa“. Sprich so, dass es ja niemand sehen kann. Wäre jetzt das andere Extrem, doch irgendwie finde ich diesen Spot ziemlich bezeichnend für die aktuelle Einstellung Kindern gegenüber. (Überhaupt scheint Werbung aktuell nur mit dem Veralbern von Kindern zu funktionieren, was wiederum viel über die Gesellschaft aussagt).

    Letztendlich denke ich, dass Kinder nicht ausschließlich durch ein Übermaß oder übermäßigen Mangel von etwas (sei es Nähe, Zuspruch etc.), sondern auch durch das aktive Vorleben der Eltern und anderen Bezugspersonen bestimmte Charakterzüge (ich mag es nicht Störung nennen), entwickeln.

  • Mia

    Liebe Kathrin,

    ich lese deinen Blog schon ein bisschen länger und auch sehr gern. Eigentlich in etwa seit ich Mama bin (noch nicht so lange wie du). Nicht immer bin ich deiner Meinung aber ich übe Offenheit und Toleranz, die wünsche ich mir ja für meine Erziehung auch. Aber manchmal sprichst du mir aus der Seele, das war mit diesem Text der Fall. Ich werde ihn, was ich generell selten tue, teilen auf fb&co. Vielleicht drucke ich ihn mir auch aus und lese ihn immer mal wieder, wenn die Zweifel, ob ich gut für mein Kind bin, zu groß werden. Wir tun alle unser individuell Bestes und ehrlich, kann das falsch sein? Ich wünsche mir viel mehr Empörung über Fremdenhass, Kinderarmut in Deutschland oder Tiertransporte als über böse Eltern, die ihre Kinder zu viel lieben.
    Liebe Grüße, Mia

  • silvana

    Liebe Kathrin,

    danke dir für deine Gedanken und das du diese mit uns teilst. Ich bin froh darüber, weil ich denke, dass du so positiv auf andere Menschen zugehst und hilfreich bist. Ich denke sehr ähnlich wie du und kann dir zumeist zustimmen beim einen Gedanken und Aussagen. Ich wünsche dir, dass du immer so mutig und aufgeschlossen bist und darüber redest, weil es Muttern wie mir aus der Seele spricht und ermutigt, ja und auch hilft. Silvana

  • Hu

    Hallo,

    ich hab einige Erfahrung im pädagogischen Bereich und weiß durchaus von welchem Phänomen die Artikel dort schreiben. In einem der Artikel stand auch etwas davon, dass bedingungslose Aufmerksamkeit zu einem gesunden Selbstwertgefühl führt und dass an Bedingungen geknüpfte Anerkennung zu einer narzisstischen Persönlichkeit führt. Ich stimme dir zu, die Überschriften sind nicht schön, aber zumindest bei dem Artikel, den ich las, stand ziemlich eindeutig, dass bedinungslose Liebe sehr förderlich für das kindliche Selbstwertgefühl sei.
    Das Phänomen, das in diesen Artikeln beschrieben wird, ist allerdings tatsächlich eins, denn es kommt tatsächlich von Selbstzweifeln. Kinder, die übermäßige Anerkennung bekommen, wenn sie etwas besonderes leisten und nur dann, zweifeln oft an sich selbst. Da sie sich selbst nur als etwas Besonderes wahrnehmen können, wenn sie etwas geleistet haben, aus diesem Grund versuchen sie besonders oft etwas zu leisten, werden dafür gelobt und halten sich dann für besonders toll, weil sie etwas besonderes leisten. Diese eigentlichen Selbstzweifel äußern sich dann in etwas, das aussieht wie Narzissmus. Es ist eigentlich ein Hilfeschrei eines traurigen Kindes., das auch mal hören möchte: „Ich hab dich lieb, so wie du bist, einfach weil du „du“ bist.“
    Das passt mit den Ergebnissen sehr gut zusammen und ist nur ein weiterer Grund seinen Kindern bedingungslose Liebe zu schenken.

  • Kathrin

    Hallo,

    ich finde den Artikel von Dir auch sehr gut! Besonders hat mir der Link zum Interview von Jesper Juul gefallen. Denn wenn wir uns alle immerzu fragen, ob wir nun richtig oder falsch erziehen, dann verlieren wir den Blick auf unsere Kinder als Menschen. Sie sind doch keine Puppen, die wir in die eine oder andere Richtung ziehen müssen oder können (deshalb mag ich das Wort erziehen gar nicht)! Es sind eigene kleine Persönlichkeiten, die wir auf dem Weg in die Welt begleiten, wir stehen ihnen als Vorbild zur Verfügung (24/7) und helfen ihnen eigene Erfahrungen zu machen! Wir trösten, ermutigen, hören zu und lernen von Ihnen! Wir haben doch nicht die Aufgabe maßgeschneiderte Gesellschaftsmitglieder aus Ihnen zu basteln! Diese Zeiten sind doch zum Glück vorbei! Ich muss sagen, seit dem ich die Zeit mit meinem Vierjährigen und meiner 1,5 jährigen einfach genieße und aufgehört habe mir ständig Gedanken zu machen, wie sich alles auf die Zukunft auswirkt, seitdem habe ich selbst viel von meinen Kindern und auch über mich gelernt! Jeder Mensch ist individuell und sollte dafür geliebt werden, dass er einfach da ist und unser Leben bereichert! Unseren Partner erziehen wir doch auch nicht! Und wenn ich jemanden liebe und schätze, dann möchte ich das auch äußern! Ich finde es auch sehr schön gelobt zu werden, warum sollten wir das unseren Kindern vorenthalten, wenn wir es wirklich fühlen!

  • jungeMama

    Liebe Kathrin,

    ich selbst komme aus einer liebevollen, ermutigenden und wertschätzenden „Kinderstube“, wofür ich unendlich dankbar bin. Denn ich habe das dringende Bedürfnis, meinen Kindern genau das mitzugeben, was wir Kinder damals selbst erhalten haben: BEDINGUNGSLOSE Liebe! Wertschätzung, individuelle Fürsorge (wir waren 3 Mädels und alle sehr unterschiedlich!) und „Förderung“, wie WIR sie mochten…natürlich gab es Regeln, Streit, Ärger und Ungerechtigkeiten. Einige Verhaltensweisen meiner Eltern möchte ich auch ganz sicher nicht übernehmen (ich bin schließlich ich selbst und nicht meine Eltern und meinen Mann gibt es da ja auch noch ;-)). Aber das, woran ich mich erinnere, sind Dinge wie niemals abgewiesen worden zu sein, egal, was passiert war; viele Kuscheleinheiten untereinander; viele viele Gespräche und offene Ohren (als Plausch, aber auch, wenn alles mal wieder zu turbulent wurde oder es Probleme gab); niemals Druck im Bereich Schule von Seiten meiner Eltern und trotzdem Rituale, sinnvolle Grenzen (bei Gefahren, Ungerechtigkeiten, Gewalt, Kinder- und Jugendschutzgesetzen etc.) und ENTSCHULDIGUNGEN von meinen Eltern.
    Das soll jetzt nicht total rosarot klingen. Das war es natürlich nicht immer. Aber im Großen und Ganzen waren/sind das die Werte, die meine Eltern uns mitgegeben haben. Und die wir an unsere Kinder weitergeben wollen -auf unsere Art natürlich! Das Gefühl des „sicheren Hafens“ ist unersetzbar!
    Ich kenne auch nur Eltern, die entweder sagen „Ich wurde liebevoll erzogen, das möchte ich auch so machen“ oder Leute wie dich, die die Negativerfahrungen auf keinen Fall so weitergeben wollen.
    Das Gute ist: aus dem Negativteufelskreis kann man ausbrechen! Solange der Mensch in der Lage ist, sein Handeln und Denken zu reflektieren.

    Also macht alle weiter damit, brecht aus, lasst euch nicht (zu oft) verunsichern und verzeiht euch Fehler. Eure Kinder werden das auch tun!

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