Die kleinen Momente, die mir Kraft und ein Lächeln schenken

Kathrin Übers Elternsein 8 Kommentare

Ich liege im Bett und meine Blase ist übervoll, doch bei jedem Fluchtversuch droht mir der Bub mit einem energischen Knurren. Ein Augenblick, in dem ich mir einen Klon von mir wünsche oder zumindest 10 Sekunden, damit ich zur Toilette rasen und mich erleichtern kann.

Wegbeamen möchte ich mich auch, wenn ich versuche unser Mittagsmahl zu kochen, während die Große gefühlte zwölfdrillionen Mal wiederholt: „Mami, ich habe Hunger. JETZT!“ und der Bub nicht weniger ungeduldig an meinem Hosenbein hängt. Oder wenn ich mich im Bad einschließe, um wenigstens mein großes Geschäft ohne kleine Beobachter zu verrichten und die beiden sich lautstark vor der Tür darum kloppen, wer zuerst die Klinke herunterdrücken darf.

Szenen dieser Art bietet unser Alltag zur Genüge. Szenen, in denen ich mich laut schnaufen höre und sagen: „Kann ich denn nicht mal in Ruhe….“

Eines Tages kann ich in Ruhe die Wohnung putzen und sogar mich, weil weit und breit kein einziger Nestling zu sehen ist. Dann kann ich mich frei bewegen, weil niemand auf meinem Arm, meinem Rücken oder meinem Fuß sitzen möchte. Und dann kann ich entspannt all meine Aufgaben auf einmal erledigen, weil ich eben nicht ständig von meinen geliebten Nervensägen unterbrochen werde.

Das klingt zugegebenermaßen verlockend, vor allem an Abenden wie heute, an denen ich mir den Weltmeistertitel im Harndrang zurückhalten verdiene. Doch das Leben mit meinen Kindern ist zwar jeden Tag aufs Neue herausfordernd und oft auch anstrengend, aber es gibt dazwischen viele kleine Momente, die mir Kraft und ein Lächeln schenken.

Beim Kochen „parke“ ich beispielsweise das Mädchen mit einem Kochutensil bewaffnet am Herd und den Bub in einer Tragehilfe auf meinem Rücken, damit ich tatsächlich zum Kochen komme. Die Große hilft mit einem stolzen Lächeln, während der Kleine sein Gesicht fest an meine Haut schmiegt und meine Arme mit seinen Patschhändchen streichelt.

kochen

Auch die Toilettenszenen enden meist unerwartet leidenschaftlich: Öffne ich endlich die verschlossene Tür, stürzt sich zuerst das Mädchen mit einem jubelndem „MAMI!“ in meine Arme und kurz darauf der Bub. Nach maximal drei ungestörten Minuten im Bad, werde ich so überschwänglich begrüßt, als wenn ich gerade zwei Wochen weg gewesen wäre. Wie kann mir in solchen Momenten nicht das Herz aufgehen?

Noch bin ich die wichtigste Bezugsperson für meine Racker, das ist einerseits eine große Aufgabe, die mich manchmal stark an meine Belastungsgrenze bringt. Aber es ist vor allem eine sehr dankbare und kostbare Zeit, weil sie mir jeden Tag aufs Neue zeigen wie viel ich ihnen bedeute und wie sehr sie mich von ganzem Herzen lieben.

Deswegen genieße ich die verschmutzten Füße, die beim Essen unter dem Tisch mein Knie ertasten; die kleinen Hände, die bei mir Halt suchen; die verklebten Schnuten, die mich abknutschen; die warmen Körper, die sich nachts zielsicher in meine Richtung schieben und ich genieße vor allem die leuchtenden Augen, die mich freudestrahlend anblicken, einfach nur, weil ich da bin.

Elternsein kann furchtbar anstrengend sein, vor allem in den ersten Jahren, in denen wenig Raum für die eigenen Bedürfnisse und Wünsche bleibt. Jedoch fühlen sich selbst die schwierigsten Zeiten nicht schlimm für mich an, was vielleicht eine Frage der Sicht ist. Ich weiß, dass meine Kinder mich weder ärgern, noch mir meine freie Zeit stehlen wollen, wenn sie scharrend vor der Badezimmertür hocken. Sie sind schlichtweg so gerne in meiner Nähe, dass sie manchmal eben nicht mal drei Minuten ohne mich sein wollen. Kann es eine schönere Liebeserklärung geben?

Ich konzentriere mich jedenfalls auf die angenehmen Seiten des Mamaseins und die kleinen Momente, die ich eines Tages, wenn ich meine Ruhe habe, sicherlich vermissen werde. Ich konzentriere mich darauf, einer der gefragtesten Menschen für meine Nestlinge zu sein und genieße im Umkehrschluss ihre bedingungslose Liebe, die sie mir jeden Tag – verpackt in kleine Gesten – schenken.

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  • Daniela

    Hmm… Ich kann dein Hin- und Hergerissen sein verstehen. Ich habe eine fast dreijährige und eine fast 1 Jahre alte Tochter. Ich befürworte auf jeden Fall Attachment Parenting. Was ich aber nicht ganz verstehen kann – und da kenne ich vielleicht die Situation selbst zu schlecht – warum man einem fast zweijährigen Kind nicht sagen kann, dass man zur Toilette muss?! Das ist doch wohl ein sehr sehr grundlegendes Bedürfnis deinerseits. Ich persönlich denke, dass es die große Kunst des Attachment Parenting ist, zu erkennen, welches Bedürfnis nun schwerer wiegt. Es kann nicht die Lösung sein, die eigenen Bedürfnisse so weit hinten anzustellen, dass man sich nicht mal traut Pipi zu machen. Bitte fühle dich nicht zu sehr kritisiert.

    • bianca

      Ich glaub, das bezog such auf die ins-bett-bring-Situation. Ehe man wieder von vorn anfängt und der Knirps wach wird, kneift man lieber alles zusammen. Kenne ich gut😀

    • kiddo the kid

      Huh ja, das kenn ich auch. Wie oft ich schon alles verkniffen habe in der Nacht, weil das Kiddo grad so halbwach war. Mit dem Wissen: Wenn ich jetzt gehe, wacht sie richtig auf und krabbelt aus dem Bett, und dann dauert das Einschlafen wieder ewig.

      Andererseits finde ich es so schlimm, sich grundlegende Dinge wie den Toilettengang zu verkneifen, und in dem Moment ärgert es mich immer sehr. Irgendwie ist es eine ständige Suche nach dem geringsten Übel. Hmpf.

    • Daniela

      Oje. Ich wollte niemandem auf die Füße treten… Wahrscheinlich liegen wir inhaltlich gar nicht weit auseinander. Letztlich habe ich für mich nur den Schluss gezogen, dass man nicht im Morgen, sondern im Hier und Jetzt leben und glücklich sein sollte und auch im Hier und Jetzt die eigenen Bedürfnisse nicht zu sehr unterdrücken darf. Die Zeiten mit Kindern und generell das Leben ist und bleibt anstrengend. Irgendwann ist das Kleinkindalter vorbei und dann kommt die Pubertät und dann denke ich wieder, ach irgendwann ist auch die bestimmt wieder vorbei. Nur noch ein bisschen die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen und die Zähne zusammenbeißen. Das schwang für mich im Artikel mit, vielleicht habe ich das falsch interpretiert und du bist durch deine Sichtweise im Hier und Jetzt mega glücklich. Man selbst darf nicht enttäuscht sein, wenn in zehn Jahren nicht paradiesische Lebensumstände eintreten. Ich selbst dachte mir in vielen Lebensabschnitten (zB Studium) bereits, nur noch bisschen die Zähne zusammen beißen und dann wird es besser. Aber eigentlich kommen immer neue Herausforderungen. Eine Fehlinterpretation des Artikels möge man mir entschuldigen, diesen Aspekt wollte ich nur ergänzen.

    • NestlingKathrin

      Hallo Daniela,

      ja es ist so wie Bianca schreibt, ausschließlich auf das Einschlafen bezogen. Wenn es mal länger dauert und ich blöderweise vorher nicht auf Toilette war, versuche ich es auszuhalten, um nicht bei Null mit dem Einschlafprozedere anzufangen :/

      Ansonsten warte ich natürlich nicht, dann nehme ich ihn einfach mit 😉

      LG
      Kathrin

  • Viktoria

    Hallo Daniela, ich kann Kathrin nur zu gut verstehen. Ich kann meiner mittlerweile fast Dreijährigen erst seit kurzem sagen „Mami geht nur zur Toilette“, ohne zu befürchten, dass sie losbrüllt und das ganze Haus weckt. Sonst hab ich immer abgewartet, bis sie wieder eingeschlafen ist. Ärgerlich ist nur, dass man dann zwischendurch selber immer wieder einpennt und die Blase dann gegen 5 Uhr wirklich übervoll ist. Man schleicht sich leise endlich aus dem Bett heraus, um dann auf der Toilette ein entsetztes „Mamaaa“ zu hören. Und die Nacht ist vorbei :-(

  • Kathrin

    Ja, es ist wirklich immer eine Frage der Einstellung! Wenn man es so, wie Du es im Artikel beschrieben hast, betrachtet, dann kann man es sogar genießen 😉! Manchmal fällt es mir trotzdem schwer… Aber es ist ja auch kein Tag, wie der Andere….
    Ein sehr schöner Artikel!

  • pia

    Ich weiß nicht was man an diesem Text aussetzen kann. Es ist eine wunderschöne Liebeserklärung ans Kinder haben. Ich finde sie so schön, dass ich sie mir ausdrucken und aufhängen werde. Für die harten Momente, wo einem diese Vergänglichkeit von Glück im Unglück nie bewusst wird.