Auswandern nach New York: Unsere zweite Woche in Amerika

Kathrin New York 3 Kommentare

Amerika ist aufregend. Amerika ist spannend. Aber ehrlich gesagt in einigen Belangen total bekloppt. Zumindest aus meiner (europäischen) Perspektive.

Wie sehr habe ich mich beispielsweise über unser Haus gefreut, das sich nur zehn Fahrradminuten vom Strand entfernt befindet. Die Freude über die Nähe zum Meer wurde jedoch im Laufe der letzten Woche stark getrübt, weswegen ich heute mit einem eigentlich eher unwichtigen Thema starte, welches mich in den letzten Tagen allerdings am meisten beschäftigte.

Larchmont im Juni: Vom Leben am Meer ohne Zugang zum Wasser

Wir haben einen kleinen, aber feinen Strand hier in Larchmont, aber um diesen betreten zu dürfen, müssen sich die Anwohner am 1. März jeden Jahres eine Badeerlaubnis holen. Diese „Permits“ waren 2017 wohl innerhalb eines Tages ausverkauft. Für später Zugezogene wie uns gibt es keine Ausnahmen. Das heißt wir können erst im März 2018 wieder unser Glück versuchen.

Larchmont Beach

Larchmont Beach von der gegenüberliegenden Seite aus fotografiert

Dog Beach –  kostenloser Strand für Hunde!?

Direkt neben dem Badestrand in Larchmont gibt es einen kostenlosen Strand für Hunde. Der ist recht steinig und teils mit vielen Scherben bestückt – also nicht unbedingt schön – aber da es letzte Woche echt heiß und ich verzweifelt war, habe ich diesen mehrmals mit den Kindern aufgesucht.Dog Beach Larchmont

Ihnen war letztendlich egal, wo sie mit Sand und Wasser spielen dürfen. Sie fühlten sich auch am Hundestrand pudelwohl.

Dog Beach

Public Beaches in Westchester

Das Örtchen Larchmont gehört zum County Westchester (die Grenzen habe ich unten auf der Karte markiert) und hier im Umkreis gibt es einige öffentliche Strände. Öffentlich heißt jedoch nicht, dass man da jederzeit hingehen kann. Nein, nein! Die Public Beaches sind allesamt kostenpflichtig und öffnen zudem erst am 23.06. 2017 (Ferienbeginn). Nur wenige Ausnahmen ließen bereits letztes Wochenende Gäste herein. Wochentags waren sie trotz der immensen Hitze (Montag & Dienstag 38 Grad) geschlossen. Unglaublich, oder? 

Westchester

Dort wo der rote Pfeil hinzeigt, wohnen wir.

Zu den offenen „Ausnahmestränden“ zählte der Strand von Rye, der wie die anderen in Westchester von uns aus nur mühsam mit dem Rad zu erreichen ist. Trotzdem haben wir uns letzten Sonntag hingewagt. Bei 35 Grad Celcius kämpfte ich 40 Minuten lang. Mit Erfolg.

Fahrrad

Zumindest fast erfolgreich. Es ist unfassbar anstrengend mit dem Anhänger hinten dran Berge hinaufzufahren. Und davon gibt es leider viel zu viele hier. Am letzten Berg vor Rye musste Thomas übernehmen – der Moment, in dem ihm klar wurde, warum ich so schrecklich laut keuche…

Rad-schieben

Um an den öffentlichen Stränden baden zu dürfen, benötigt man übrigens einen Park Pass (75 Dollar/ Person für 3 Jahre). Hier ein Blick auf Rye Beach.

Rye

Der Eintritt kostet dann noch mal extra – in Rye beispielsweise 8 Dollar für Erwachsene und 4 Dollar für Kinder. Ohne Parkpass 15 Dollar für Erwachsene und 8 Dollar für Kinder…

Rye-Beach

Wir durften an dem Tag zum Glück kostenlos rein, weil das „Park-Pass-Büro“ wegen Computerproblemen geschlossen war. Die Kinder fanden es großartig und wir genossen endlich einen herrlichen Tag am Meer.

Strand

Larchmont Pool nur für Mitglieder

Das Strandthema wühlte mich zugegebenermaßen ziemlich auf, vor allem dass sie wochentags noch geschlossen sind und so schaute ich, ob es eventuell Schwimmbäder in der Nähe gibt. In Larchmont fand ich den sogenannten Hommocks Pool, allerdings darf man hier – na wer kann es erraten? – auch nur schwimmen, wenn man einen Pass hat. Dieser kostet für Familien läppische 550 Dollar pro Jahr. Das habe ich mir vorerst verkniffen.

Public Pools in Westchester

Es gibt noch mindestens vier weitere Schwimmbäder hier in Westchester und den Bildern bei Google nach zu urteilen schauen sie sehr einladend aus. Leider sind sie ebenfalls nicht in Fahrradnähe. Außerdem benötigt man wieder den Park Pass und muss noch extra Eintrittsgeld bezahlen. Und alle Pools öffnen natürlich erst am 23.06.2017. Das war ehrlich gesagt zum Verrücktwerden!

Saxonwood

(Bildquelle: https://www.pinterest.de/pin/518125132105703023/)

Wenigstens Wasserspielplätze?

An die vielen Wasserspielplätze vom letzten Jahr denkend, wollte ich mich nicht so schnell geschlagen geben. Aber im ganzen Fahrradumkreis fand ich nur einen einzigen Wasserspielplatz direkt am Harbour Island Beach von Mamaroneck (15 Fahrradminuten von mir aus), aber auch hier ist der Zugang kostenpflichtig (7 Dollar für Erwachsene und 4 Dollar für Kinder). Kostenlose, öffentliche Wasserspielplätze sind hier wahrscheinlich so rar gesät, weil wir direkt am Meer wohnen. Haha.

Harbour-Island

Wasserspielplätze: Brooklyn und Central Park

Da ich letztes Jahr so viele, schöne und kostenlosen Ausflugsziele in New York gefunden hatte, unter anderem einige, tolle Wasserspielplätze, befragte ich Google wie weit diese von uns entfernt sind. Das ernüchternde Ergebnis: Die Fahrtzeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln beträgt etwa 75-120 Minuten dorthin. Noch ein Schulterhänger.

Wasser

Notlösung: Wasserpistolen und Plantschbecken

Letztendlich betrachtete ich das Thema wieder mal als schöne Übung. Denn ich kam mit der Erwartungshaltung her, dass wir jeden Tag ins Meer springen können, nur weil wir in Strandnähe wohnen. Die örtlichen (für mich teils schwer nachzuvollziehenden) Gepflogenheiten waren mich nicht klar. Deswegen wurde ich enttäuscht.

Jedoch ist es so wie es ist. Ich kann jetzt wochenlang frustriert schmollen oder mich mit den Gegebenheiten anfreunden. Habe mich natürlich für letzteres entschieden, schließlich sind wir ja nicht nur zwei Wochen hier, sondern wir haben noch den ganzen langen und wahrscheinlich sehr heißen Sommer vor uns. 

Damit wir ohne Bademöglichkeit keinen Hitzekoller bekommen, habe ich kurzerhand zwei Wasserpistolen besorgt, die bei den Nestlingen für riesigen Spaß und die nötige Abkühlung sorgen. Die darf ich jedoch leider nicht mit auf die Spielplätze mitnehmen. Einerseits schauten uns die Nannys grummelig an, als ihre Kinder nass wurden. Und auch die Spielplatzaufsicht meinte: „I don’t want the sand become too wet!“ Ohne Worte, wirklich!

Wasserpistole

Große Hürde Autokauf

In Anbetracht der Tatsache, dass wir umringt sind von netten Schwimmbädern und Stränden (etwa 15-30 Minuten mit dem Auto entfernt), überrede ich Thomas gerade zu einem Autokauf. Er ist ja die Strecke vom Strand in Rye netterweise mit meinem Rad zurückgefahren, so dass er ein gutes Gefühl dafür bekommen hat, wie extrem anstrengend das Radeln mit Anhängern bei unserer hügeligen Gegend ist.

Rad schieben

Am liebsten würde ich eine olle Karre für kleines Geld kaufen und sie solange fahren bis sie platt ist. Im Idealfall mindestens zwei Jahre. Aber wir haben keine Ahnung wie wir hier nach einem halbwegs vernünftigen Gebrauchtwagen Ausschau halten können. Thomas‘ Kollegen haben ihm dazu geraten ein Auto zu leasen. Das sei hier wesentlich gebräuchlicher und auch günstiger als in Deutschland. Welche Variante besser ist, gilt es nun herauszufinden.

Das Haus sieht immer noch wie letzte Woche aus

Im Haus hat sich bislang nicht viel verändert. Wir essen immer noch auf dem Boden, da unsere Möbelbestellung noch auf sich warten lässt. Herd und Trockner funktionieren auch noch nicht, weil die gesamten Gasrohre im Haus morbide sind (der Trockner ist ebenfalls Gasbetrieben…) und dringend ausgewechselt werden müssen. Das war zunächst höchst beunruhigend. Aber immerhin wissen wir nun, was das Problem ist und Anfang nächster Woche werden hier alle Leitungen neu verlegt.

Breakfast

Klimaanlage: Wenn das der TÜV sieht

Unser Schlafzimmer befindet sich direkt unter dem Dach, was bei der Hitze der letzten Tage für Einschlafschwierigkeiten bei den Nestlingen sorgte. Das Mädchen schlief viel später als üblich ein. Dafür länger am Morgen.

Schlaf

Der Bub dagegen erklärte die Nachtruhe in der heißesten Nacht gegen 3 Uhr morgens für beendet. Mein zerknautschtes Gesicht zeigt deutlich, das mein Körper damit nicht einverstanden war :) 

Kein Schlaf

Da auch unser Schlaf unter der Hitze litt, bauten wir die Klimaanlage ein, die wir in der Abstellkammer fanden. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und auf sehr amerikanische Weise. Die werden hier nämlich einfach in die Fenster eingeklemmt und wenn wie bei uns die Sicherheitshaken fehlen, dann zur Not auch nur mit zwei Holzkeilen. 

Aircon

Wie geht es dem Mädchen?

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass sich die Familiensituation entspannt hat. Die Streitigkeiten zwischen ihr und dem Brudi haben nachgelassen, sicherlich auch deshalb, weil ich mich stark konzentriere ihr Gegenüber fair und liebevoll zu bleiben. 

Was nach wie vor stark präsent ist, ist ihr Heimweh. Sie schaut sich regelmäßig Fotos an und erklärt mir wie sehr sie ihre Freunde, die Mamas ihrer Freunde, Oma und Opa – wie sehr sie Deutschland vermisst. Und natürlich, dass sie zurück möchte.

Heimweh

Dem gegenüber stehen die spaßigen Zeiten, in denen sie Kontakt zu amerikanischen Kindern findet (sie ist ausgesprochen offen und kontaktfreudig). Diese sind jedoch wegen der Sprachbarriere nicht uneingeschränkt positiv. Neulich brach sie beispielsweise bitterlich in Tränen aus, weil eine Spielkameradin sich im Spiel plötzlich einem anderen amerikanischen Jungen mehr zuwandte. „Das ist nicht fair! Die können sich unterhalten und ich verstehe kein Wort!“

Solche Situationen brechen mir als Mutter das Herz, weil ich so gut verstehen, aber ihr nicht helfen kann. Ich kann sie lediglich trösten und ihr Zuversicht vermitteln, weil ich ganz sicher weiß, dass sie sich bald sehr viel besser verständigen kann. Aber das ist aktuell für sie nur ein sehr schwacher Trost.

Da ich wusste, dass das auf uns zu kommt, hatte ich bereits in Deutschland Sorgenpüppchen* für sie gekauft. Jeden Abend kann sie einem Püppchen eine Sorge erzählen, die Püppchen unters Kopfkissen legen und am nächsten Morgen sind die Sorgen der Sage nach verschwunden. Das Mädchen mag sie sehr gerne und ich hoffe, dass sie zumindest ein kleines bisschen helfen.

Sorgenpüppchen

Wie geht es mir?

Derzeit bin ich noch stark abgelenkt, so dass ich kaum Heimweh verspüre. Das passiert eigentlich nur wenn ich liebe Nachrichten von meinen Freundinnen bekomme – die bringen die Tränchen zum Kullern.

Ich genieße die Freiheit, die mir das Rad bringt. Wir können größere Kreise ziehen und mehr neue Spielplätze entdecken. Wie diesen riesigen, schönen Holzspielplatz im Flint Park.

Rad

Oder diesen hübschen hier im Pine Brook Park.

Park

Dass das Radeln so anstrengend ist, sehe ich als willkommene Bewegungseinheit und sportliche Herausforderung. Wollte schon lange was für die Beine und den Po machen, so habe ich das jetzt alles inklusive :)

Gute Erziehung in New York

Was ich weniger entspannt betrachte, ist der relativ strenge Erziehungsstil. Hier sind leise Kinder gute Kinder und hier gilt es bei jeder Gelegenheit „sorry“ und „please“ zu sagen, egal ob notwendig oder nicht. Wenn ein Kind fällt, wird es nicht in den Arm genommen, sondern bekommt beispielsweise zu hören, dass es selbst Schuld sei, weil es zu schnell gelaufen ist. So zumindest meine Beobachtungen auf den Spielplätzen, auf denen sich allerdings fast ausschließlich Nannys und Au Pairs befinden. Nur äußerst selten treffe ich hier mal eine Mutter.

Meine Kinder passen da nicht 100%-ig rein und auch ich nicht. Selbstverständlich versuche ich ihnen gute Umgangsformen beizubringen, allerdings ohne Dressur. Ich finde es ok, wenn sie laut lachend Fange spielen und ich kann fast immer nachvollziehen, warum sie sich streiten oder hauen. Auch wenn es mich manchmal nervt, sind sie für mich deswegen keine schlechten Kinder, so wie der Bub hier schon bezeichnet wurde, als er sich zur Wehr setzte. Um den Nestlingen dahingehend Alternativen beizubringen, bevorzuge ich einen klaren, aber respektvollen Weg vor allem ohne Strafen. Das könnte mit den hiesigen Ansichten kollidieren. 

Bücherei

Ich hoffe jedoch inständig, dass der raue und lieblose Erziehungston nur auf die (vorwiegend älteren) Nannys zutrifft und ich hier hoffentlich noch ein paar Gleichgesinnte finde. Aber egal, was uns bevorsteht, ich bleibe mir und vor allem meinen Nestlingen treu.

Ich

Jetzt muss ich mich allerdings dringend verabschieden. Unsere Möbellieferung ist gerade gekommen und wenn wir uns ins Zeug legen, gibt es heute Abendessen am Tisch. Juchhu!

Ikea

In diesem Sinne bis bald
Eure Kathrin

Newsletter Kathrin

Ich bin überglücklich, dich auf diesem Wege mit Neuigkeiten und kleinen Aufmerksamkeiten versorgen zu dürfen. Trage dich in den Nestling Newsletter ein.



Teile den Artikel
  • Stillfansmama

    Hallo Katrin,
    mir fiel das Fahren mit Hänger auch oft schwer. Seit letztem Jahr habe ich ein E-Bike und endlich macht Fahrradfahren (mit Hänger) wieder Spaß! Wir haben uns aus ökologischen und Kostengründen gegen das zweite Auto und für das E-Bike entschieden. Berge, starker Wind etc. pp kein Problem… Vielleicht ist das ja auch etwas für euch.
    Weiterhin gutes Ankommen und bleibt entspannt!

  • Anja

    Wäre vielleicht ein Tagestrip an die Jersey Shore etwas für Euch? Von der Penn Station (NYC) aus geht es in ca. 80 Minuten nach Long Branch (NJ Transit, North Jersey Coast Line), Kostenpunkt: 24 Dollar für Erwachsene hin und zurück (Kids bis 6 frei, glaube ich), für Zugang zum Strand noch einmal 5 Dollar (Kinder frei). Schon nicht günstig, klar, aber das ist ja leider nichts in den USA :-( Und die Jersey Shore ist wirklich toll! Es gibt in White Plains auch eine deutsche Playgroup – vielleicht wohnt ja jemand auch etwas näher in Eurer Gegend? Der Austausch mit deutschsprachigen Kindern könnte Eurer Großen vielleicht etwas über die schwere Anfangszeit hinweg helfen? Ansonsten: Kopf hoch! Es wird alles besser werden mit der Zeit!! :-)

  • Sanne

    Hallo,

    ich bin erst neulich auf Deinen Blog gestoßen und lese mich gerne durch die verschiedenen Artikel. Den Umzug in die USA verfolge ich mit Spannung und freue mich schon auf den nächsten Bericht. :)
    Habt einen schönen Tag heute. LG