Aggressives Verhalten beim Kind: eine Selbstreflexion

Kathrin Aggressives Verhalten 63 Kommentare

Unser Mädchen schubst, kneift und haut andere Kinder – ein Thema, welches mich schon seit vielen Monaten intensiv beschäftigt (siehe auch „Scheiß auf „Ei“!„). An manchen Tagen ist mir ihr Verhalten so unfassbar unangenehm, dass ich lieber nach Hause gehen und weinen möchte, anstatt ihr permanent hinterherzulaufen und sie vorm Verprügeln anderer Kinder zu bewahren. Echt belastend. Wenn ich dann noch die vorwurfsvollen Blicke oder beiläufigen, aber kränkenden Bemerkungen anderer Mütter einkassiere, ist die Misere komplett.

Eine Freundin sagte beispielsweise mal: „Mein Max hat gestern den ganzen Nachmittag so lieb mit der Lisa gespielt, während wir Mamis uns in aller Ruhe beim Kaffee unterhalten haben. Das war richtig schön. Aber mit deiner Tochter ist so was ja leider nicht möglich!“

Pam. Das hat gesessen.

Ich kann diese Freundin sehr gut verstehen, weil ihr Junge eines der Kinder ist, das sehr oft von unserem Mädchen einstecken musste. Schade finde ich, dass sie offenbar nicht nachvollziehen kann, wie mies ich mich eh schon fühle. Nach dieser Bemerkung wäre ich fast in Tränen ausgebrochen. Stattdessen habe ich tief durchgeatmet, ihr mein Verständnis gezeigt und mir gedacht, dass sie wahrscheinlich eines Tages verstehen wird – wenn der kleine Max nicht mehr nur lieb in der Ecke spielt.

Verhält sich mein Kind normal?

Das Ärzteblatt schreibt: „Trotzanfälle im Kleinkind- und Kindergartenalter sind nichts Ungewöhnliches, ebenso wie körperliche Übergriffe (zum Beispiel Bisse, Schläge) […]. Solche Ausprägungen aggressiven Verhaltens lassen jedoch mit der Zunahme der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten in der Regel nach, und die Kinder lernen, ihre Wünsche und Gefühle adäquater auszudrücken.“[1]

Ich könnte also behaupten das Verhalten unserer Tochter sei normal, doch nach wochenlanger Beobachtung muss ich feststellen, dass es ungewöhnlich ist.

Auffälligkeiten

Unser Mädchen ist das einzige Kind (in den Spielgruppen, in denen wir verweilen), das so ungemein aggressiv reagiert: Die anderen motzen und schubsen auch schon mal, aber auf einem ganz anderen Level. Im Gegensatz zu ihren Spielkameraden ist sie richtig rabiat. Zur Begrüßung nietet sie erst einmal alle ihre Kumpels um und wenn ich sie nicht daran hindere, zieht sie an Haaren, greift in Gesichter oder beißt in diverse Körperteile – manchmal sogar im Minutentakt.

Sie ist aber auch gleichzeitig das einzige Kind, das mit 20 Monaten noch gestillt wird. Wenn sich stillen doch positiv auf die soziale Entwicklung auswirkt, warum ist dann ausgerechnet das Milchmädchen in der Gruppe der Rowdy? Oder wirkt sich das Stillen so positiv auf ihr Selbstbewusstsein aus, dass sie gerade deshalb Machtkämpfe ausficht? Oder hat das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun??

Merkwürdig an ihrem Verhalten ist außerdem, dass sie einige Kinder ganz besonders intensiv attackiert, während andere fast immer verschont bleiben. Kinder, die ähnlich aktiv und selbstbewusst sind (auch wenn sie selbst nicht aggressiv werden), scheint sie eher zu mögen und zu akzeptieren. Mit schwächeren, schüchternen Spielkameraden kann sie nicht so viel anfangen – solche ruhigen Kinder sind ihre Lieblingsopfer.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

„Vererbt oder angeeignet?“, frage ich mich manchmal, wenn ich ihr Verhalten beobachte. Ich weiß nur eines sicher: Es gibt starke Parallelen zwischen ihr und mir:

Unser Mädchen ist eine absolute Frohnatur und Kichererbse – mit ihrem Lachen steckt sie jeden an. Sobald sie sich aber über eine Situation sehr ärgert, kann sie von jetzt auf gleich extrem sauer werden. Das sind Stimmungsumschwünge vom feinsten!

Diese kenne ich auch von mir. Ich lache viel und bin für jeden Schabernack zu haben, doch wenn mir etwas nicht in den Kram passt, kann ich blitzschnell an die Decke gehen. Da reicht – je nach Tagesform – schon eine falsche Bemerkung oder ein falscher Blick und schwups ist meine gute Laune dahin.

Fast noch schlimmer reagieren wir auf Stress. Steht unser Mädchen unter Strom, weil sie etwas nicht bekommt oder etwas nicht gelingt, wird sie laut, schlägt um sich und lässt ihre Wut an anderen aus. Ganz die Mama…

Sobald ich in unter Stress gerate, werde ich ungeduldig, gereizt, manchmal sogar aufbrausend und gemein. Thomas kann ein langes Klagelied davon singen, denn meinen Dampf lasse ich vorzugsweise an ihm ab. Im Gegensatz zu unserem Mädchen werde ich zwar nie handgreiflich, aber meine Worte können verletzender sein als eine Ohrfeige.

Das lebhafte Temperament hat unser Mädchen ganz offensichtlich von mir geerbt oder abgeschaut, denn während wir beide unsere Emotionen SOFORT und in aller Heftigkeit zeigen, gibt es bei Thomas selten starke Gefühlsausbrüche. Es bedarf schon herausragender, komischer Situationen, um ein herzhaftes Lachen aus ihm heraus zu kitzeln. Dafür reagiert er stets angenehm entspannt bei Problemen – im Gegensatz zu mir.

Diese Parallelen wollte ich lange Zeit nicht wahrhaben, schließlich gehe ich doch nicht zu meinen Freundinnen und stecke ihnen zur Begrüßung einen Finger ins Auge. Nun, wirklich gute Freunde wissen aber, wie verletzend ich auch ohne Handgreiflichkeiten werden kann. Dass meine verbalen Peitschenhiebe ebenfalls zum aggressiven Verhalten zählen – nur in einer anderen Form – ist mir erst durch unser Mädchen wirklich bewusst geworden.

In den Fußstapfen meiner Eltern

In mir schlummern also jede Menge negative Schwingungen, obwohl ich grundsätzlich ein aufgeschlossener, freundlicher und hilfsbereiter Mensch bin. Ohne an dieser Stelle tiefer darauf einzugehen, liegen die Ursachen dafür weit zurück in meiner eigenen Kindheit.

Mein Elternhaus hat mich geformt und geprägt und zwar so intensiv, dass es mir einfach nicht gelingen will einige Verhaltensweisen abzustreifen, die ich offensichtlich kopiert habe. Ausgerechnet die Verhaltensweisen, mit denen mich meine Eltern jahrelang gekränkt und verletzt haben. Verhaltensweisen, mit denen ich nun selbst kränke und verletze.
Ich finde es erstaunlich und erschreckend zugleich, welchen Einfluss das Elternhaus  auf die Lebensqualität der Kinder – manchmal sogar auf das ganze Leben – hat. Doch dazu komme ich gleich noch einmal.

An dieser Stelle zunächst ein kleiner Abstecher zu meinen bisherigen, verzweifelten Versuchen, unsere Tochter von ihren Attacken abzubringen.

Strategien & andere Bemühungen

Erklären

Mittlerweile empfinde ich es als vergeudete Zeit unter Zweijährigen zu erklären, wie schlecht und verletzend ihr aggressives Verhalten ist. Ich probierte es gefühlte 5000 Mal, doch es zeigte keinerlei Wirkung. Ganz im Gegenteil: mit völlig neutralem Gesicht schaute sie meist in die Ferne oder auf das Spielzeug, das sie gerade ergattert hatte. Ich redete mir den Mund völlig umsonst fusselig.

Ignorieren

Da Erklären nicht half, wollte ich mich stattdessen intensiv um das verletzte Kind kümmern und unser Mädchen bzw. ihr Verhalten dabei außer Acht lassen (siehe auch „Mein Kind zeigt aggressives Verhalten – Was tun?„). Doch das war ebenfalls nur in der Theorie ein guter Ansatz.
Erstens wollte ich ihre Angriffe weiterhin abwehren, um Verletzungen zu verhindern. Ich konnte doch nicht einfach weggucken! Das Ignorieren gelang also nur, wenn sie bereits angegriffen hatte – vorher erhielt sie weiterhin meine Aufmerksamkeit. Der dritte unterschätze Aspekt war, dass sich angegriffene Kinder nur ungern von fremden Personen trösten lassen. So stand ich also regelmäßig wie ein Depp neben den weinenden Kleinen und versuchte deren Kopf zu tätscheln oder Grimassen zu schneiden. Nicht selten fingen die Kinder daraufhin an, noch mehr zu weinen… Spitze!

Der äußere Eindruck

Es ist nicht nur das Verhalten unserer Tochter, das mir zu schaffen machte, sondern auch die Tatsache, dass nur „brave Kinder“ gute Kinder sind und „schlechtes Benehmen“ ständig laut von Eltern kritisiert werden muss. Das ist zumindest mein Eindruck, wenn auf Spielplätzen, in Wartezimmern oder in Cafés permanent unüberhörbare Ermahnungen wie „Nein, das macht man nicht!“, „Mach Ei!“, „Sag Danke“ oder dergleichen ertönen. Ein ständiger Strom von Ermahnungen und Erklärungen – fast wie in einem Wettstreit. Ich frage mich immer, ob Eltern sich auch so benähmen, wenn keine anderen Erwachsenen im Raum wären.

Selbstverständlich lasse ich unser Mädchen nicht alles nach belieben machen und setze – wenn nötig – ein (wohl dosiertes) „Nein!“ ein. Es sind eher die antrainierten Gesten oder auswendig gelernten Floskeln von denen ich nichts halte. Sie soll streicheln, wenn sie Lust dazu hat und nicht, wenn sie ihrem Gegenüber lieber die Schaufel übern Kopf ziehen möchte. Und doch habe ich sie oft genug aufgefordert „Ei zu machen“ statt Schläge zu verteilen. Mir fiel einerseits keine bessere Lösung ein, andererseits wollte ich nicht die einzige sein, die nix zu ihrem Kind sagt.

Ich möchte unserem Kind natürlich zeigen wie freundliches Verhalten funktioniert, doch nicht indem ich ihr andauernd vorhalte wie schlecht ihr eigenes ist. „Durch permanentes (verbales) Korrigieren sende ich schließlich die Botschaft: “Du bist nicht gut genug” – selbst wenn mein Umgangston dabei freundlich und verständnisvoll ist.“[2] Ich konzentriere mich vielmehr darauf, ihr freundliches Verhalten vorzuleben und ihr zu helfen sich anders auszudrücken.

Rechtfertigungsmodus

Ich wollte nichts sehnlicher, als dass mein Umfeld sieht, was für ein liebenswertes Kind unser Mädchen – unter ihrer Schlägerkutte – ist. Also legte ich für ihr schlechtes Benehmen ständig Rechenschaft ab. Ich suchte die Ursachen dafür im Zahnen oder Schlafmangel, diskutierte intensiv aus, was ich schon probiert hatte und redete so stundenlang von ihr und unserem Problem.

Ich bemerkte weder, dass es mir dabei immer schlechter ging – vielleicht weil ich nicht das erhoffte Verständnis erhielt und mich quasi nur noch um Kopf und Kragen redete. Noch realisierte ich, dass unser Mädchen (auch wenn sie vielleicht noch nicht so viel versteht) jedes einzelne Wort mithören konnte. Im Nachhinein betrachtet nicht sehr geschickt.

Ich möchte wieder ich selbst sein!

Ob ich Dinge erkläre, die ich nicht erklären möchte; ob ich meine Tochter ignoriere, obwohl ich sie wahrnehmen möchte oder ob ich versuche meinem Umfeld zu erklären, dass mein Kind eigentlich ganz lieb ist, nur eben heute ausnahmsweise nicht – in all diesen Situationen fühlte ich mich total unwohl, weil ich Dinge tue, die ICH NICHT MÖCHTE.

Das war mir alles zu viel – zu viel Theorie. Ich wollte einfach wieder spontan reagieren – so wie es sich für mich gut anfühlt – ohne mich krampfhaft an Strategien und Handlungsanweisungen zu klammern.

Jesper Juul und die Erkenntnis

Auf dem Höhepunkt meiner Grübeleien begegnete ich auf schicksalhafte Weise dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Leider nicht in echt. Ich fand zufällig sein Hörbuch Dein kompetentes Kind* bei audible.de und lauschte gespannt seinen Erfahrungen und Ausführungen.

Juul ist der Auffassung, dass „Kinder mit allen sozialen und menschlichen Eigenschaften geboren werden. Um diese weiterzuentwickeln, brauchen sie nichts als die Gegenwart von Erwachsenen, die sich menschlich und sozial verhalten. Jede Methode ist nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv, weil sie die Kinder für ihre Nächsten zu Objekten macht.“[3]

Juul erklärt weiterhin, dass Kinder durch schlechtes Verhalten Botschaften senden. Verhaltensauffällige Kinder fühlen sich unwohl, sie „machen ihre Eltern in nonverbaler und verbaler Form auf deren emotionale und existenzielle Probleme aufmerksam.“[4]

Den Fokus auf das schlechte Verhalten zu legen, sprich, aus einem verhaltensauffälligem Kind, wie unserem Mädchen, ein braves Kind zu machen, ist demzufolge zu oberflächlich gedacht. Es ist sicherlich möglich ein Kind nach den eigenen Wertvorstellungen zu formen, doch dabei wird das Kind als Mensch mit seinen Bedürfnissen und Empfindungen ignoriert – das eigentliche Problem wird nicht erkannt.

„Juul plädiert dafür, Kindern auf eine andere Art und Weise zu begegnen. Sein Konzept ist, herauszufinden, ‘wer das Kind ist’ und nicht zu erklären, ‘warum es sich so verhält’. [Er fordert Eltern auf, nicht nur auf das Kind, sondern auf das tägliche Zusammenwirken als Familie zu schauen.] Dieses Vorgehen hält Juul für den einzigen Weg, eine tragfähige Beziehung zum Kind herzustellen.“[5]

Mein Weg

Glücklicherweise waren wir in dieser gedankenvollen Zeit über 2 Wochen in Quarantäne (wir und all unsere Freunde waren krank), so dass ich mich in aller Ruhe neu sortieren konnte.

1. Ich habe mich dafür entschieden, wieder ich selbst zu sein, anstatt mich in die Rolle der gut erziehenden Mutter zu zwängen. Ich gebe ihr klar zu verstehen, wann ich etwas gut oder nicht gut finde und zwar so wie es sich für mich richtig anfühlt und nicht wie es von mir erwartet wird.

Mal flüstere ich ihr leise in einem Nebenraum zu, dass sie gerade verletzend ist (um sie nicht vor den anderen bloß zu stellen), mal feuere ich ihr ein lautes „Nein!“ entgegen, z.B. wenn sie mit aller Kraft an meinen Haaren zieht. Oft reichen Blicke oder Gesten aus, manchmal muss ich sie auf den Arm – raus aus dem Krisenherd – nehmen, um Konflikte zu entschärfen. Ich handle situationsabhängig und nicht nach Plan.

2. Ich habe aufgehört, die Verhaltensauffälligkeiten unserer Tochter zu jeder Zeit mit jedem Menschen zu besprechen. Sie ist eine fertige kleine Person, die hören und verstehen kann. Mir würde es schließlich auch nicht gefallen, wenn Thomas seinen Freunden bei jeder Gelegenheit (in meinem Beisein) berichten würde, wie sehr ich mich schon wieder daneben benommen habe.

3. Ich höre wieder auf mein Gefühl und nehme ihre Signale ernst. Anfangs glaubte ich noch, unser Mädchen auf eine gewisse Art und Weise erziehen zu müssen und rechtfertigte mich, wenn es nicht klappte. Irgendetwas stimmte jedoch nicht daran, sie zu ignorieren oder ihr permanent das bessere, „gute“ Verhalten zu predigen. Diese künstliche Oberflächenpolitur gefiel mir ganz und gar nicht, da ich – gänzlich an dieser orientiert – schlecht mit unserem Mädchen umging. Obwohl ich das die ganze Zeit spürte, verdrängte ich mein schlechtes Bauchgefühl. Schließlich handeln ja alle so.

Erst im Laufe der Zeit begriff ich, dass unser Mädchen (m)ein Spiegel ist, der mir ganz deutlich zeigt, wie es um mich selbst bestellt ist. Wenn ich ihr Wesen ignoriere bzw. korrigiere, dann zerkratze oder zerschlage ich lediglich meinen Spiegel. Ich muss mir so meine Probleme zwar nicht mehr anschauen, doch damit zerstöre ich ein Stück weit die Seele meines Kindes: Es bleibt unverstanden und unerhör(h)t! Ändere ich MICH und MEIN VERHALTEN, dann ändert sich interessanterweise auch mein Spiegelbild.

4. Zu guter letzt habe ich mir einen Satz von Jesper Juul sehr zu Herzen genommen:

„Entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern ist die Qualität des Zusammenspiels in der Familie, also das, was wir gemeinhin als „Ton“, „Stimmung“ und „Atmosphäre“ bezeichnen.“[6]

Ich habe aufgehört ununterbrochen über die Aggressionen unserer Tochter nachzudenken und angefangen, mein Leben und Verhalten zu reflektieren. Mein geduldiger und liebevoller Umgang mit unserem Mädchen ist für die Katz, wenn ich zur gleichen Zeit auf Thomas herum hacke, übertrieben gesprochen.
Was zählt ist der Umgang mit allen Menschen – jederzeit!

Nur wenn ich mich „menschlich und sozial verhalte“, wird unser Mädchen das eines Tages auch tun. Benehme ich mich wie die Axt im Walde, wird wohl auch sie für einen Kahlschlag sorgen.

Ein Happy End?

Nach unserer Quarantänezeit und meiner selbst durchgeführten Gehirnwäsche, spielte unser Mädchen auf einmal lieb mit den anderen Kindern. Ich konnte sie zum ersten Mal seit Ewigkeiten unbeaufsichtigt in einem anderen Raum lassen und mich entspannt den Gesprächen widmen.

Juul sagt dazu: „Wenn die Einladung des Kindes angenommen wird, sich mit ihm und der gesamten familiären Situation auseinander zu setzen, verschwinden die Symptome meist schnell wieder.“ Ein Zufall?

Das glaube ich nicht. Mir sind viele Dinge bewusst geworden, ich habe mein Verhalten geändert und ich stehe nicht mehr so extrem unter Leistungsdruck! Es ist für mich ok, wenn unser Mädchen aggressiv reagiert, genauso wie es für mich ok ist, nach Gefühl auf ihr Verhalten einzugehen. Ich bin mir sicher, dass sie diesen Wandel in mir spürt und so auch eine Veränderung bei ihr statt finden konnte.

Nun, unser Mädchen reagiert immer noch ganz schön aggressiv. Doch statt einfach so und pausenlos andere Kinder zu vermöbeln, gerät sie nun sehr viel weniger und aus deutlich erkennbarem Grund aus der Fassung. Entweder sind es die üblichen Streitigkeiten um Spielzeug & Co oder sie ist hungrig, müde, verunsichert, gestresst oder gefrustet. Das scheint also unter die „altersgerechten, normalen körperlichen Übergriffe“ aus dem Anfangszitat zu fallen, die „bei Zunahme der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten nach lassen.“

Ihr energisches Temperament halte ich übrigens – in angemessenem Rahmen – für recht positiv. Sie kann sich durch- und zur Wehr setzen, beispielsweise wenn große Jungs auf dem Spielplatz meinen das kleine Mädchen einfach wegdrängen zu dürfen. Ihr könnt euch vorstellen, wie verblüfft solche wilden Kerle auf ihren rechten Haken reagieren.

Schlussgedanken

Aggressives Verhalten gehört zu der normalen Entwicklung eines Kindes dazu und kann doch eine verschlüsselte Botschaft sein. Wie viel Angriffslust tatsächlich normal ist, lässt sich nur schwer ermitteln.
Da unser Mädchen sich (für mein Empfinden) ungewöhnlich aggressiv benahm, vermutete ich mehr hinter ihren Attacken als eine altersgerechte Reaktion. Scheinbar lag ich damit richtig, denn sie war wesentlich entspannter, nachdem ich mein Verhalten unter die Lupe genommen hatte.

Bei uns hat keine Blitztherapie oder Wunderheilung stattgefunden! Ich sehe jetzt lediglich einige Dinge gelassener als noch vor ein paar Wochen und bin mir bewusst, dass es Zeit für einen Blick nach Innen ist, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Falls ich selbst nicht merke, wann es wieder einmal so weit ist, wird sich unser Mädchen schon melden. Denn eines ist sicher, sie hat ein unfehlbares Gespür dafür.

Mein aggressives Verhalten, das ich von Zeit zu Zeit an den Tag lege, spiegelt den harten Erziehungsstil und den schlechten Umgangston meiner Eltern wider – selbst nach 33 Jahren (noch). Wenn ich unkontrolliert weiter gebe, was ich bei meinen Eltern abgeschaut habe, wird das wiederum Auswirkungen auf das Verhalten meines Kindes haben. Eine 180 Grad Wende wird mir wohl nicht gelingen – ich bin wie ich bin, obwohl ich unaufhörlich an mir arbeite und immer wieder an meinen Fehlern wachse. Dennoch kann ich unserem Mädchen mit Respekt begegnen und sie als kleinen Menschen mit eigener Seele wahrnehmen. Schließlich ist es nicht wichtig perfekt zu sein, wichtiger ist sich Fehler eingestehen zu können und die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Durch unser Mädchen habe ich jede Menge über mich gelernt. Ich bin durch ihr aggressives Verhalten ein Stück zu mir selbst vorgedrungen und kann Juuls Aussage nun aus eigener Erfahrung bestätigen:

„Kinder sind für ihre Eltern gerade dann am wertvollsten, wenn sie diesen am beschwerlichsten erscheinen.“[7]

Wie es nach meiner Selbstreflexion weiterging, lest ihr in diesem Artikel:
Aggressives Verhalten beim Kind: Familylab-Familienberatung

Werbelinks
Mit einem * gekennzeichnete Links sind Amazon Affiliate Links.

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1.  www.aerzteblatt.de: „Aggressive Kinder und Jugendliche: Mangel an evidenzbasierten Interventionen“
  2.  www.familienhandbuch.de: Dein kompetentes Kind: Die Grundprinzipien der Pädagogik von Jesper Juul“
  3.  Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind (2012), 66.
  4.  Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind (2012), 66.
  5. www.stefonja.de: „Dein kompetentes Kind von Jesper Juul – Leseerfahrung“
  6.  Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind (2012), 35.
  7.  Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind (2012), 66.

Newsletter Kathrin

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  • Dana

    Hallo Kathrin,
    Als Mama eines ehemaligen Beißers weiß ich genau wie es dir ging. Wir wurden nicht mehr eingeladen, was als Alleinerziehende besonders schlimm war.
    Mir ist und war Harmonie doch immer wichtig und seine Attacken waren einfach nicht zu verhindern.
    Irgendwann lernte ich meinen jetzt Mann kennen und nach kürzester Zeit war kein aggressives Verhalten erkennbar. Unser Umgang zeigte meinem Sohn wie es auch sein kann. Er hat sich so entwickelt! Jetzt ist er mitfühlend und zärtlich.
    Ich kann also deine Erfahrungen und die Aussagen von Jesper Juul bestätigen.
    Viele Grüße

  • Tutti

    Danke für deinen ehrlichen Text. Das erfordert viel Mut. Dir gegenüber und auch uns gegenüber. Danke dafür!

    • Gerne! Ich habe so lange gegrübelt, bis ich zum Kern des Problems durchgedrungen bin und war so verblüfft darüber. Das musste ich einfach aufschreiben.

  • Kathi

    Hallo Kathrin,
    ich verstehe dich nur zu gut! Meine Große war (und ist es teils immer noch) eine ziemlich rabiate Beißerin. Sie hatte allerdings immer einen Grund (Spielzeug, wollte was haben). Am schlimmsten war es mit ihrem kleinen Bruder. Eine Verhaltensänderung war zwar schon hilfreich, aber nicht ausreichend. Ich habe mal zurückgebissen um ihr zu zeigen, was sie da tut. Das saß!
    Am schlimmsten für mich waren aber auch immer die anderen Mamas! Die wissen es nämlich immer besser!
    Was es auch noch besser gemacht hat, war die Zeit. Je besser sie sprechen und ausdrücken konnte, was sie wollte, desto weniger wurde gebissen.
    LG
    Kathi

    • Manchmal würde ich unser Mädchen auch gerne zurück beißen, um ihr zu zeigen wie weh das eigentlich tut. Mal davon abgesehen, dass sie sich gelegentlich selbst die Haare rauft oder kneift (und daher wissen sollte wie schmerzhaft das ist), habe ich die Befürchtung ihr damit zu zeigen, dass es ok ist sich so zu verhalten. Ich will sie nicht beißen, weil ich nicht möchte, dass sie es tut, obwohl ich manchmal große Lust dazu hätte.

  • Fanni

    Ein sehr gelungener gedankenanstoß. Hmm- ein kleiner Spiegel auf 2 Beinen… Ich glaube du hast da ziemlich recht. Danke

    • Ein kleiner Spiegel auf zwei Beinen :) Das hast Du schön gesagt!

  • Bärin

    Danke für diesen wunderbar ehrlichen Text. Ich finde uns zu großen Teilen darin wieder – und nach langer Suche nach Lösungsmöglichkeiten hast du mich nun dazu ermutigt, die suche nach wirksamen Erziehungmethoden ruhen zu lassen und mich eher darauf zu konzentrieren, was ich selbst im Umgang mit meinem Sohn (17 Monate) und anderen Menschen so ausstrahle. Juuls Ansatz kannte ich zwar schon länger – aber bei dieser Problematik hatte ich bis jetzt ein Brett vor dem Kopf, scheint mir.

    • Ach manchmal dauert es einfach ein wenig bis der Groschen fällt. Das geht mir ganz genau so!

  • Krystyna

    Gefühle sind ein großes Thema, nicht nur bei unseren Kleinen sondern auch bei uns Großen. Es geht mir ebenso; in einem Moment Himmel hoch jauchzend und im anderen zu Tode betrübt. Nur das ich als Erwachsener meist mit meinen Gefühlen umgehen kann. Dennoch gibt es Momente im Leben wo auch ich vor Wut „platzen“ könnte. Was dann passiert möchte ich lieber nicht kommentieren, denn danach kann ich selbst nicht mehr in den Spiegel schauen. Genau diese Aggressionen habe auch ich an meinen Eltern gehasst und hatte mir geschworen so nie zu werden! Es ist ein schwerer Prozess den man durchmacht und es ist harte Arbeit an sich selbst. Aber zum Wohle unseres Kindes erforderlich!! Mit seinen 5 Jahren reagiert auch er in verschiedenen Situationen sehr wütend. Wir haben auch alles mögliche probiert um aus ihm ein „gutes“ Kind zu machen. Bis wir zur der Erkenntnis gekommen sind das es wichtig ist seine Wut heraus zu lassen. Es ist in Ordnung wütend zu sein, laut zu schreien, mit den Füssen aufstampfen oder gegen einen Boxsack treten. ABER richte die Wut nie gegen einen Menschen!!! Das versuchen wir unserem Sohn beizubringen. Und ich weiß das er es schaffen wird. Denn im innersten ist er ein sehr einfühlsamer kleiner Junge, dem bei einem Lied von Herbert Grönemeyer neulich die Tränen kamen.

    • Sport ist auch ein prima Ventil um Aggressionen raus zu lassen. Wenn sich unser Mädchen austoben kann, ist sie immer wesentlich entspannter :)

  • Hey Kathrin! Ich bin durch die Nido-Vorstellung deines Blogs hierhergekommen und muss sagen, dass mir dein Blog ziemlich gut gefällt! Ich werde in den nächsten Wochen wohl immer mal ein paar der Artikel lesen, die du veröffentlichst, denn sie sind wirklich informativ und für mich als Studentin von Erziehungswissenschaften auch sehr interessant.
    Deine Erfahrung mit Aggressionen deiner Tochter sind super, mir fallen spontan schon einige Eltern ein, die hier vielleicht eine Lösung für ihr Problem finden würden. Da läuft es leider eher in „XY ist gerade wieder böse, ne? Haut immer und ist gemein. Deshalb ist der Osterhase auch nicht gekommen.“, und zwar, neben dem Kind stehend. Da würd ich auch schlagen!

    • Liebe Tüt, schön dass Du meinen Blog gefunden hast! Und danke für den lustigen Kommentar – ich kenne diese Szene und musste gerade laut lachen :)

  • Danke für’s Teilen Deiner Erfahrungen.
    Zwei Punkte, die Du nicht angesprochen hast und die mir in derselben Situation ganz viel Gelassenheit gegeben haben (nachzulesen bei Renz-Polster, Naomi Aldort und auch Gordon Neufeld): Es ist nicht artgerecht, 2jährige Menschenkinder in Gruppen von gleichaltrigen Kindern zu stecken. In „freier Wildbahn“ spielen Primatenbabys (und auch Menschenbabys) zwischen 1 und 3 Jahren entweder alleine oder mit grösseren Kindern, oder in altersgemischten Gruppen. Aber nie exklusiv mit Gleichaltrigen. „Krabbelgruppen“ gibt es praktisch nur in der westlichen Welt.
    Anders gesagt: Es ist normal, wenn ein Kleinkind mit dieser Situation überfordert ist!
    Und als das habe ich dann die „Austicker“ meines Sohnes genommen. Als Überforderung.
    Monatelang habe ich ihn deshalb nur mit Grösseren spielen lassen bzw. nur mit einzelnen Kindern, nie aber in Gruppen. Bei ihm hat es sehr geholfen, wenn ich ihm half, Kontakt aufzunehmen, dh. schon im Voraus über das Kind mit ihm sprechen, dessen Namen immer wieder nennen, und beim Treffen dann mit ihm hingegangen bin, das andere Kind mit Namen begrüsst usw. – so gabs schon weniger Rangeleien bei der Kontaktaufnahme (die muss ja auch gelernt sein).
    In der Kita wurde er gleichzeitig in die Gruppe versetzt, die in Jahr älter war als er. Da er körperlich sehr gross ist, fand er sich damit Kinder gegenüber, die gleich gross aber körperlich überlegen waren. Spielzeug einfach aus der Hand reissen oder anderes Kind von der Rutsche schubsen ging da nicht mehr, da kam auch mal was zurück. Das hat ihn dann recht schnell „geheilt“.
    Natürlich hat er mit Drei immer mal wieder in einer Frustrationssituation aber er nimmt nicht mehr einzelne Kinder aufs Korn.

    • Ach Katharina, noch heute sagte ich zu meiner Freundin (als unser Mädchen ihren gleichaltrigen Sohn wieder „verprügelt“ hatte), dass sie viel lieber mit älteren Kindern spielt. Ich hatte bei den letzten Treffen tatsächlich das Gefühl dass unser Mädchen überfordert ist – es sind meist 4-7 andere Kinder anwesend. Nur wundert es mich, dass sie mit einigen Gleichaltrigen total gut spielt, während sie andere regelrecht ins Visier nimmt. Wenn wir alle zusammen z.B. „Ringel, Ringel, Reihe“ spielen (also 1 Erwachsener das Spiel leitet), hat sie riesigen Spaß mit den anderen.
      Wie heißen die Bücher von Aldort und Neufeld? Vielen Dank für den wertvollen Hinweis!

    • KatrinR

      Das Buch von Naomi Aldort heißt „Von der Erziehung zur Einfühlung“.

    • Danke, KatrinR. Es ist auf der Leseliste :)

  • Philip

    Hallo Kathrin,

    ich habe deine beiden Aggressions Artikel gelesen und war beeindruckt von deiner Offenheit aber auch bedrückt von eurer Situation.

    Überforderung erscheint mir das richtige Stichwort! Aus meiner Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sind mir einige Beispiele bekannt, bei denen Überforderung/Reizüberflutung/Unsicherheit/Unwohlsein etc. zu (auto-)aggressivem Verhalten führte.

    Viele Grüße,
    Philip

    • Hallo Philip, ja da sind wir uns mittlerweile auch einig. Unser Mädchen ist oft schlichtweg überfordert und die Situation verbessert sich schnell, wenn wir sie aus dem „Krisenherd“ heraus nehmen. Wir sind zuversichtlich, dass sich ihr Verhalten bessert, wenn sie sich anders artikulieren kann und mehr versteht (Stichwort Empathie). aber dazu bald mehr in einem neuen Artikel.

  • Sandra

    Liebe Kathrin,
    sehr hilfreich finde ich die Tips von Dr. Laura Markham auf http://www.ahaparenting.com/.
    Sie ist Therapeutin und arbeitet auf der Basis des attachment parenting. Für verschiedene Situationen hat sie einen Katalog aus Scripts erstellt, die mir eine grosse Hilfe waren. Ich habe sie nicht blind befolgt, aber sie haben mir in den Situationen die notwendige Sicherheit gegeben. Sie nennt ihren Ansatz „emotion coaching“, weil es darum geht, dem Kind bei der Entwicklung der Empathie zu helfen.
    Herzliche Grüsse,
    Sandra

    • Danke, Sandra! Ich werde mir das mal anschauen.

  • Danke für diesen wundervollen Artikel und damit auch danke für deine Gedanken und Offenheit.
    Ich muss sagen, dass mein 4jähriger Sohn momentan eine ähnliche Gangart an den Tag legt. Er provoziert, aber nur bei seinem 3 Jahre älteren Bruder, Streit, haut, tritt, schlägt, kratzt…. ich habe versucht herauszufinden, ob es an mir liegt, aber ich habe noch zwei weitere Kinder und die reflektieren dies nicht.
    Momentan bin ich echt am Ende meiner Kräfte, weil es hier nur noch Streit gibt und laut ist :/
    Meine Güte…
    LG
    Gianna

    • Ohje, uns haben Gespräche mit einer Familienberaterin von Familylab geholfen. Aussenstehende sehen oftmals Dinge, die man selbst kaum wahrnimmt. Dazu gibt es bald einen neuen Artikel…

  • Helene

    Auch ich bin die Mama eines ehemaligen Beißers. Ich finde mich in deinem Text sehr wieder. Spielgruppen waren für mich auch schrecklich, ich stand ständig wie ein Wachhund neben meinem Sohn um ggf. ihn davon abzuhalten zu beißen, nach einer beißattacke wollte eine mutter ihre Tochter wegen meines Sohnes aus der Gruppe nehmen. Er hat auch mich massiv gebissen , z.B aus Frust weil der Spielturm umgefallen war , ich war sein Blitzableiter. Das hat unsere Beziehung ziemlich negativ beeinflusst eine zeitlang musste mein sohn nur auf mich zukommen und ich hatte schon eine abwehrhaltung. Ich habe ALLES versucht auch den leidlichen Tipp mit dem zurückbeißen, nichts hat bei uns geholfen , aber mal ehrlich wenn ein Kind haut gibt man doch auch nicht den Tipp das Kind beim nächsten Mal ordentlich zu verprügeln oder ?
    Mit ca 3 1/2 Jahren bessere es sich dann gsd., meiner Meinung nach weil er sich ab da besser ausdrücken konnte.
    Vor kurzem wurde jetzt u.a, eine wahrnehmungsstörung festgestellt, er braucht ständige berührung mit gegenständen , personen , dem boden um sich selber zu spüren, ich denke dass dies einer der hauptgründe für die Beißattacken war.

    • Mit 3 1/2 Jahren? Mmmhh, das ist noch lange hin!
      Wir haben ganz aktuell Spielgruppen stark reduziert und ich treffe mich nur noch mit Menschen, die ich wirklich mag. Das hilft :)
      Aber auch dazu mehr im nächsten Artikel!

  • Viviane

    Vielen Dank für diesen tollen, offenen Beitrag! Meine Tochter (jetzt schon 4!) ist auch zu anderen Kindern aggresiv, besonders zu kleineren, ja, fast ausschließlich zu kleineren. Und dann auch noch besonders zu den Kindern meiner besten Freundin, die sowieso seit Beginn meint, ich sei zu eng mit meiner Tochter und ich hätte sie mal früher abstillen sollen…
    Ich bin auch überzeugt, dass es an uns, an unserem Ton, vielelicht auch an mir liegt… aber das finde ich auch wieder sehr deprimierend, und ich weiß nicht, wie und was ich ändern soll.
    Aber dieser Artikel hat mir Mut gemacht, genauer hinzuschauen und noch stärker an uns, an mir zu arbeiten.
    Ich will auch nicht den Familienballast an die Kinder weitergeben!

  • Gast

    „Kinder sind das Spiegelbild ihrer Eltern“ , klingt veraltet und ziemlich „einfach“, etwas Wahres ist aber dran.
    Kinder kopieren die Verhaltensweisen ihrer Eltern – was nicht bedeuten muss, dass Mutter, Vater beisst – sie geben das weiter was sie in ihrem persönlichen Umfeld sehen und erleben. Das heisst, sie verhalten sich so, wie sie es kennen, von ihren „Vorbildern“ – und die sind nun mal wie Eltern. Leider übernehmen Kinder alle Eigenschaften, auch die nicht so guten.
    Ich las aus dem Text leider mehr Resignation und damit auch ein wenig Ignoration heraus. Immer wenn ein Kind anders reagiert, müssen sich die Eltern zuerst in Frage stellen und nicht das Kind. Viele sind leider so von sich überzeugt, dass sie ihre eigenen Fehler nicht sehen wollen und an dem Kind sinnlos „herumdoktorn“. Natürlich ist es wichtig, dass ein Kind weiß, dass es nicht ok ist einem anderen Kind weh zu tun. Kinder sollen das unter sich regeln. Es gibt allerdings auch Kinder, denen nie einfallen würde anderen weh zu tun. Diese Kinder reagieren mit Angst und Unsicherheit. Hätte ich so ein Kind, würde ich einem agressiven Kind niemals erlauben, die Situation ( die es selbst vermasselt hat ) zu „klären“ – weil ich der Meinung bin, dass es dazu nicht der Lage ist. Erziehung und damit soziales Verhalten lernen Kinder automatisch von ihren Eltern durch Beobachten, aber auch durch Erziehung. Bei der Letzteren zu resignieren oder zu verzweifeln ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg.

    • Resignation und Ignoration? Beziehst Du das auf mich? Interessant! Wir haben weder resigniert noch ignorieren wir unser Mädchen. Ganz im Gegenteil. Wir arbeiten ziemlich intensiv daran, dass es besser wird (Zusammenarbeit mit einer Familiylabberaterin und entdecken dabei immer mehr. Wir entdecken u.a. wie wir mit unserem Mädchen sprechen müssen, dass sie besser kooperiert. Mal schauen, ob Du nach dem nächsten Artikel zu diesem Thema immer noch der Meinung bist, dass wir aufgeben.

  • Ein ganz ganz toller Text, weil mit dem Thema Aggressionen wahrscheinlich jedes Elternteil schon in irgendeiner Weise konfrontiert war. Ein guter Denkanstoß, den wir heute mal verbloggt haben! http://www.stadt-land-mama.de/content/%C3%BCber-erziehung-und-das-zusammenspiel-der-familie-wir-sitzen-alle-unterschiedlichen-dampfern
    Weiter so, Nestling!